Ratgeber: Störgeräusche reduzieren 19 Bilder Zoom

Störgeräusche reduzieren: Rezepte gegen Klappern

Klappern, quietschen, knarzen - ein Reisemobil kann erstaunlich viele Geräusche fabrizieren. promobil.de nennt die Quellen des lästigen Konzerts und sagt, was Sie dagegen unternehmen können.

Der Aufbau ächzt, Rollos klappern, und die Möbel knarzen: Die enorme Geräuschkulisse in manchen Reisemobilen verleidet einem fast die Fahrt in den Urlaub. Das gilt nicht nur bei Touren über bucklige Landstraßen, auch auf der Autobahn beklagen sich viele Reisemobilisten über unliebsame Geräusche. „Eine nennenswerte Anzahl an Kunden ist mit der Geräuschkulisse in ihrem Reisemobil unzufrieden“, betont der Stuttgarter Reisemobilhändler Michael Winkler.

Geräusche im Wohnmobil: Kleine Ursache - große Wirkung

Manchmal sind es nur kleine Dinge, die eine große akustische Wirkung entfalten: Da schlägt ein unbestückter Toilettenpapierhalter an die Badezimmerwand, wippen leere Kleiderbügel im Schrank fröhlich vor sich hin, scheppern vergessene Gitter oder Bleche im Backofen. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Ursache, Wirkung und Abhilfe lassen sich aber nicht immer so schnell benennen. Häufig ist das störende Geräusch nicht sofort zu lokalisieren. Christian Ertl, Leiter des Goldschmitt Technik-Centers in Walldürn, kennt das Problem. Er sieht die Ursache vor allem im Aus- und Aufbau: „Die Stauklappen und das Holz allgemein sind Geräuschherde.“

Ertl schwört auf die Verwendung von Klettband, um klappernde Auszüge ruhigzustellen. Auf die Auflageflächen von Unterflurfächern geklebt, verhindert das vielseitig einsetzbare Band auch hier unliebsame Geräusche. Alternativ eignet sich dauerelastisches und selbstklebendes Kunststoffband. Stichwort Stauklappen: In vielen Reisemobilen fehlen ab Werk Dämpfer.
Effekt: Ab einer gewissen Geschwindigkeit klappert es. Ein gut platzierter Filzgleiter, wie man ihn in jedem Baumarkt in allen Größen bekommt, leistet hier oft schnelle Hilfe. Unauffälliger sind transparente Kunststoffklebepunkte.
Sollten diese nicht lange halten, kann man die Methode eines promobil-Lesers anwenden: Der bohrte anstelle der Klebepunkte Sacklöcher in die Klappen und steckte in die Bohrungen Abschnitte einer Moosgummi-Rundschnur, die einige Millimeter über die Klappenoberfläche herausragen. Diese Stopfen drücken die Klappen wie eine Feder nach außen gegen das Schloss und fixieren sie damit. Das funktioniert ebenso bei Türen und Auszügen.

Oft hilft auch schon das Nachziehen von Schrauben oder Schlössern. Bei Schrankklappen mit Drucktastenschlössern sind die Schließbleche meist mit Langlöchern an den Rahmen geschraubt. Durch Nachjustieren schließt die Klappe wieder stramm und klappert nicht mehr. Quietschende Außentüren verstummen, wenn man die Dichtungen mit Gummipflegemittel, Silikonspray oder Talkum behandelt. Letzteres sollte man nicht direkt auftragen, sondern auf einen Lappen geben und damit den Gummi einreiben.

In der Wohnmobil- Küche kommt es auf klapperfreie Beladung an

Wer Konserven in die oberen Schränke legt und sie nicht fixiert, darf sich über Gerumpel nicht wundern. Das Gleiche gilt für lose in den Kühlschrank gelegte Flaschen, die dort munter hin- und herrollen können. Ein weiterer Unruhepol in der Reisemobilküche: die Glasabdeckungen von Kocher und Spüle. Manche haben die schlechte Angewohnheit, aneinander zu reiben oder zu scheppern. Klemmen Sie während der Fahrt einfach einen Topflappen oder ein Geschirrtuch dazwischen, und der Spuk hat ganz schnell ein Ende.

Nicht nur der Wohnraum produziert Geräusche, auch drum herum klappert so manches Teil. Zum Beispiel im Gaskasten: Polternde Gasflaschen lassen sich ruhigstellen, indem man Schaumstoffstücke oder eine passend zugeschnittene Dämmmatte unterlegt. Vorsicht: dabei keine Lüftungsöffnungen verstopfen. Windgeräuschen von den Dachhauben kann man entgegenwirken, indem ein kleiner Spoiler angebracht wird. Zur Befestigung reicht meistens eine fachgerechte Verklebung ohne zusätzliche Bohrung aus - so werden auch unnötige Löcher am Aufbau vermieden. Spanngurte, fest eingebaute Ordnungssysteme und Antirutschmatten sichern die Ladung in der Heckgarage.

Können Sie die Geräuschquelle nicht selbst lokalisieren, hilft der Gang zum Händler oder zur Werkstatt. Dort kann zum Beispiel Fett zwischen die Blattfedern des Fahrwerks gepresst werden, was in vielen Fällen eine deutliche Geräuschreduktion zur Folge hat.

Vor allem bei Integrierten seien oft die Motoren recht laut, gibt Ulli Klaiber von der Reisemobil-Werkstatt „La Caravane“ bei Koblenz zu bedenken. In einem solchen Fall kann zum Beispiel eine Motorraumdämmung Abhilfe schaffen. Michael Winkler berichtet von einem anderen Fall: Ein Kunde beklagte sich über einen „knurrenden“ Spiegel im Innenraum. Die Lösung des Rätsels war verblüffend einfach: Der Saugnapf, mit dem der Spiegel zusätzlich an der Seitenwand
befestigt war, hatte sich während der Fahrt gelockert und gab die störenden „Knurrlaute“ von sich.

Wie aber soll man all diese Geräuschquellen lokalisieren? Umhergehen während der Fahrt verbietet sich von selbst, es ist gefährlich und obendrein verboten. Besser: Der Beifahrer setzt sich auf einen Sitzplatz im Aufbau, während der Fahrer über eine Holperstrecke fährt. Ist eine Geräuschquelle ausgemacht, gleich beheben. Auf diese Weise nähert man sich Schritt für Schritt dem Ziel des leisen Reisemobils – vorausgesetzt man hat ein gutes Gehör.

Eine unorthodoxe Methode beschreibt ein promobil.de-Nutzer: Er nahm im Urlaub immer wieder Anhalter mit. Bedingung: Sie sollten während der Fahrt die Klappergeräusche lokalisieren. Mit Erfolg: „Jetzt haben wir ein ruhiges Reisemobil – junge Leute haben eben bessere Ohren als ein 70-jähriges Ehepaar.“
Störgeräusche sind kein Phänomen, das nur betagte Reisemobile betrifft – auch neue sind davor nicht gefeit. Heinz Dietz, Geschäftsführer des Autohauses Dietz im fränkischen Ebern, schätzt den Anteil der Mobile, die nachgebessert werden müssen, auf 20 bis 30 Prozent.

Geklappert wird über alle Reisemobilklassen hinweg

Allein an der Aufbauform lässt sich das aber nicht festmachen. Dietz ist sich sicher, dass „Integrierte prinzipiell nicht weniger klappern als andere Mobile“. Eigentlich logisch: Je mehr am Basisfahrzeug verändert und an Ausstattung eingebaut wurde, desto mehr kann hinterher klappern. Der hohe Preis von Premium-Modellen schützt also nicht vor unliebsamen Geräuschen. Entscheidend ist die Verarbeitungsqualität.

Der Sachverständige Gerolf Happel aus dem hessischen Bad Endbach erstellte schon häufig Gutachten über zu laute Reisemobile. Sein Fazit: „Es klappert durch alle Klassen, häufiger allerdings im mittleren und unteren Preissegment.“ Hauptursache sei die Verwendung von billigen Verschlüssen oder Scharnieren sowie die Verarbeitung der Möbel. Dennoch sind Reisemobile leiser als noch vor zehn Jahren. Nur: Geräusche fallen mehr auf, etwa wegen der deutlich leiseren
Dieselmotoren, deren Lärm früher vieles überdeckte.

Reisemobilhersteller kennen die Geräuschprobleme. Einige testen deshalb während der Entwicklung eines neuen Modells Prototypen auf speziellen Rüttelstrecken. Sie wollen Schwachstellen vor der Serienproduktion entlarven. Dethleffs geht einen Schritt weiter und prüft jeden Tag ein auslieferungsfertiges Reisemobil. Dazu gehört eine Probefahrt, die Klappergeräusche aufdecken soll.
Bei allem Komfort, den ein Reisemobil bietet, sollte man eines nicht vergessen: Mit dem Entwicklungsstand eines Pkw ist es nicht vergleichbar. Auch wenn der Preis eines Reisemobils den eines normalen Autos oft deutlich übersteigt, sollte man nicht auf eine ähnlich geringe Geräuschkulisse hoffen. Grobe Schnitzer muss aber niemand hinnehmen: Was nicht selbst behoben werden kann, sollte die Händlerwerkstatt in den Griff bekommen.

Motorraum-Dämmung im Wohnmobil

Das Basisfahrzeug ist wie der Aufbau eine potenzielle Lärmquelle. Zwar sind neue Dieselmotoren vergleichsweise leise, doch bei älteren Semestern unter den Reisemobilen sind die Motorgeräusche mitunter so laut, dass man sich auf der Autobahn nur schwer unterhalten kann. Eine Motorraumdämmung kann dann sinnvoll sein.

Die Firma Kantop aus dem baden-württembergischen Bitz hat sich darauf spezialisiert: Passgenaue Schaumstoffmatten in Noppenform werden von innen an die Motorhaube geklebt, Heimwerker wählen den Selbstbausatz mit Anleitung. Den Fußraum kann der Spezialist mit Vlies isolieren, diese Methode unterstützt auch die Wärmedämmung. Jedes gängige Reisemobil kann auf diese Weise isoliert werden, darüber hinaus gibt es Sonderanfertigungen. Info: Telefon 07431/81206, www.kantop-isomatten.de

So wird Küchen-Zubehör im Wohnmobil leiser

Teller, Tassen und Besteck müssen auf jede Tour mit, viele Reisemobilisten wollen auch nicht auf Wein- und Biergläser verzichten. Damit die teils zerbrechliche Ware in den Küchenschränken nicht klappert, hat sich der Fachhandel einiges einfallen lassen.

Teller stecken in Einzelhalterungen oder werden fachgerecht zwischen Gummimatten eingeklemmt. Für Gläser gibt es spezielle Schaumstoffhalterungen, die sich der Form der Behälter anpassen. Antirutschmatten in den Schubladen verhindern, dass Gegenstände ins Schleudern kommen. Oft hilft auch schon ein gut platziertes Abtrockentuch als Polsterung im Geschirrschrank. Silikon-Stapelmatten sind praktische Gehilfen, um Dosen oder kleinere Flaschen platzsparend und ohne Rutschen im Kühlschrank unterzubringen. Halterungen für Weingläser können auch an die Wände des Staukastens montiert werden. Dort fixieren sie dann mit einem Klemmarm die Stiele der Gläser.

Hersteller

Frankana
Telefon 09332/50770, www.frankana.de

Fritz Berger
Telefon 01805/330100*, www.fritz-berger.de

Heosolution
Telefon 08222/412216, www.heosolution.de

Movera
Telefon 07524/7000, www.movera.com

Reimo
Telefon 06103/400521, www.reimo.com

*0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz

Nachgefragt...

bei Rüdiger Zipper, Rechtsanwalt aus Schwetzingen und Präsident des EMHC.

promobil: Sind Klappergeräusche im Reisemobil ein Sachmangel, und kann man deswegen klagen?
Zipper: Ja, Klappergeräusche können als Sachmangel gewertet werden. Im Jahre 1997 hat das OLG München in einem Zivilgerichtsurteil das störende Knarzen des Fahrersitzes eines Neufahrzeugs als eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung des Fahrkomforts beurteilt. Das hatte zur Folge, dass der Kaufvertrag rückabgewickelt wurde.
promobil: Muss ein Gutachter zur Bewertung der Geräusche hinzugezogen werden?
Zipper: Es empfiehlt sich dringend, einen Sach-verständigen hinzuzuziehen. In der Regel kann nur der mit technischem Sachverstand eine fundierte Beurteilung vornehmen. Ein Sachverständigenurteil lag auch dem angesprochenen Urteil zugrunde.
promobil: Spielt das Alter des Reisemobils bei der Beurteilung von Geräuschen eine Rolle?
Zipper: Ja. Bei einem Neufahrzeug ist die Messlatte deutlich höher anzulegen. Aber das entscheidet letztendlich für das Gericht der Sachverständige. Es liegt aber auf der Hand, dass beispielsweise Möbel nach einer Laufstrecke von 100.000 Kilometern nicht mehr ganz so stramm und satt sitzen, wie dies beim Neufahrzeug der Fall ist - oder sein sollte.
promobil: Was kann ich machen, wenn mein neues Reisemobil klappert?
Zipper: Ich kann die Beseitigung des Mangels von meinem Verkäufer verlangen. Der Händler, nicht der Hersteller, ist mein Ansprechpartner. In den ersten sechs Monaten nach Neukauf spricht die gesetzliche Vermutung dafür, dass der Fehler bereits bei Übergabe an den Käufer vorhanden war. Nach Ablauf von sechs Monaten ändert sich die Beweislast: Der Käufer muss nachweisen, dass das Geräusch schon bei Übergabe des Fahrzeugs an ihn vorlag. Da das sehr schwierig ist, wird in den meisten Fällen ein Gutachter eingeschaltet. Man muss dem Händler zweimal Gelegenheit geben, den Mangel zu beheben. War auch der zweite Nachbesserungsversuch erfolglos, kann eine Minderung des Kaufpreises, Rückabwicklung des Kaufvertrags oder Schadensersatz geltend gemacht werden (Paragraf 439 BGB).

Report: Service-Hotlines

Autor

Foto

Frank Eppler, Archiv

Datum

9. Oktober 2012
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