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Innenbeleuchtung im Wohnmobil: Bei Licht betrachtet

Sparsame LED-Lampen krempeln zurzeit die Beleuchtungstechnik im Wohnmobil komplett um. Aber welches Licht ist das beste?

Helles Punktlicht zum Lesen, Rasieren und Zwiebelschneiden, Schummerlicht beim Glas Wein – die Beleuchtung im Wohnmobil muss viele Funktionen erfüllen. Doch so mancher Wohnraum wirkt im Wortsinn unterbelichtet, promobil.de hat es stichprobenartig gemessen.

Unterdessen schicken LED-Leuchten die gute alte Glühfadenlampe in Rente. Energieeffizienz heißt das Zauberwort. Für Wohnmobilisten ein alter Hut. Sie sind gewohnt, mit begrenzten Stromreserven hauszuhalten. Doch unter dem Hut steckt jetzt neue Technik.

Die Fortschritte in der LEDTechnik wecken die Hoffnung, dass auch im Wohnmobil ein Sprung nach vorn gelingt. Der gern verwendete Begriff des „Quantensprungs“ ist das richtige Stichwort. Ist doch kaum eine effektivere Umwandlung von Strom in Lichtquanten vorstellbar als beim sogenannten fotoelektrischen Effekt, der in einer Licht emittierenden Diode, kurz LED, genutzt wird.

Doch was für den Vorgang im Innern einer LED gilt, muss noch lange nicht für die gesamte Lampe zutreffen. Die ersten LED-Leuchtmittel auf dem Markt waren kaum effizienter als herkömmliche Glüh- oder Halogenlampen – rund 20 Lumen pro Watt. Hier kommt ein wenig Physik ins Spiel. In Lux wird die Beleuchtungsstärke an einem bestimmten Punkt angegeben – das, was ankommt.

Die Lumen-Angabe steht für die generelle Lichtabstrahlung einer Lampe – das, was rausgeht. Die Lichtausbeute setzt den erzeugten Lichtstrom, gemessen in Lumen, ins Verhältnis zur eingesetzten Stromleistung in Watt. Hier steckt das enorme Potenzial der LED-Technik: Superhelle LEDs kommen bereits auf rund 100 Lumen pro Watt. Sie erreichen eine Lichtausbeute vergleichbar mit Leuchtstofflampen. Weitere Steigerungen sind absehbar. Beim Stromsparen haben die LED-Lampen also bald die Nase ganz vorn. Sie bieten sich damit besonders für den Einsatz im Wohnmobil an.

Ist sparsames Licht auch gutes Licht?

Die Beleuchtungsstärke, gemessen in Lux, ist das wichtigste Kriterium zur Beurteilung der Lichtsituation. Doch wie viel Licht ist nötig? Das menschliche Auge ist sehr anpassungsfähig. Ob an einem wolkenlosen Sommertag mit oft über 100 000 Lux in der Mittagszeit oder bei Kerzenschein – das Auge stellt sich darauf ein. Bei wenig Licht öffnet sich die Blende im Auge, die sogenannte Iris. Dafür muss der Ciliarmuskel angespannt werden – auf Dauer ermüdend.

Zudem nehmen die Kontraste und damit das Scharfsehen mit schwindender Helligkeit ab, ebenso die Farbwahrnehmung. „Die Beleuchtungsstärke sollte sich nach den Anforderungen der Sehaufgabe richten“ gibt Jürgen Waldorf von der Fördergemeinschaft Gutes Licht – sie betreibt das Internetportal licht.de – als Maxime aus. Für Arbeitsplätze gilt die DIN EN 12464-1. Sie listet verschiedene Arbeitsplätze und Tätigkeiten auf und weist ihnen Mindestbeleuchtungsstärken zu.

Diese Vorschriften gelten zwar für den gewerblichen Bereich, doch werden daraus auch Empfehlungen für Privatwohnungen abgeleitet, an denen sich Innenarchitekten orientieren.

Für die Allgemeinbeleuchtung in Wohnräumen werden 50–300 Lux empfohlen. Für spezielle Tätigkeiten wie Lesen und Schreiben, Küchenarbeiten und Körperpflege sollten es mindestens 300 Lux sein.

Wie sieht es im Wohnmobil aus?

promobil hat in drei Fahrzeugen stichprobenartig nachgemessen, im Oberklasse-Liner Niesmann + Bischoff Flair 800i, im Mittelklasse-Integrierten Hymer B534 und im Campingbus Westfalia Columbus.

Die durchschnittliche Beleuchtungsstärke an der Sitzgruppe – gemessen auf der Tischfläche – lag bei allen dreien im Bereich zwischen 50 und 300 Lux. Wobei ausgerechnet der teure Flair kaum über die Untergrenze hinauskam.

Auf den Betten und im Bad lag die Lichtstärke nur um die 50 Lux. Viel mehr hat auch die B-Klasse nicht zu bieten. Einzig der Columbus erzielt mit Werten zwischen 150 und 200 Lux sichtbar mehr Licht. Das unterstützt den Raumeindruck in dem bauartbedingt engeren Wohnraum merklich.

Empfinden Reisende eine etwas dämmrige Grundbeleuchtung vielleicht als ganz gemütlich, so sollte für erhöhte Anforderungen mehr Licht vorhanden sein. Gemütlich in einem Buch zu schmökern gehört vielfach zu den Lieblingsbeschäftigungen unterwegs.

Zu diesem Zweck sind an Sitzgruppe und Betten meist Lesespots angebracht. Mit punktuellen Werten von 225 bis 325 Lux erzielt der Columbus auch hier angemessene Werte. Im Hymer schwankt die Lichtausbeute der einzelnen Spots stark zwischen 170 und 450 Lux – beim Flair noch mehr. 500 Lux bringt der Spot am Hubbett, 120 Lux an der Sitzgruppe. An den Kopfenden der gemütlichen Einzelbetten kommt man nur auf 70 Lux – das ist zu wenig für eine angenehme und ermüdungsfreie Lektüre.

Mit scharfen Messern geht das Kochen flott von der Hand – aber nur wenn man sich nicht in die Finger schneidet. Der Flair trägt mit nur 90 Lux erneut die rote Laterne, der Columbus erreicht auch nur durchschnittlich 135 Lux auf der Arbeitplatte. Die B-Klasse kann sich mit 190 Lux ein wenig hervortun. Zu wenig, um die Küche zu erhellen.

Auch beim Schminken oder Nassrasieren passiert schnell ein Malheur, falls das Gesicht unterbelichtet ist. Misst man das aufs Gesicht auftreffende Licht – mit senkrecht gestellter Messsonde –, zeigt der Flair mit 70 Lux erneut den schwächsten Wert. Die B-Klasse liegt mit 220 Lux in der Mitte, und der Columbus erreicht mit 280 Lux fast den empfohlenen Bereich. Aber die Beleuchtungsstärke ist nicht alles.

Helligkeitsverteilung und Lichtcharakter

Der Lichtcharakter spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für den Seheindruck. Vor allem beim Blick in den Spiegel macht es einen großen Unterschied, ob das Gesicht nur von oben beleuchtet wird – was zu starken Schatten etwa in den Augenhöhlen führt. Oder ob diffuses Licht aus seitlicher Richtung alle Gesichtsbereiche gleichmäßig ausleuchtet.

Neben einer homogenen Helligkeitsverteilung ist auf der Küchenarbeitsplatte auch die Farbwirkung der Beleuchtung zu beachten. Es macht nicht gerade Appetit, wenn die rote Tomate eher grasgrün erscheint. Der Farbwiedergabeindex (Ra) bewertet auf einer 100er Skala, wie originalgetreu acht wichtige Farbtöne im Licht der Lampe erscheinen. Lampen mit einem gleichmäßigen Farbspektrum wie die klassische Glühlampe tun sich dabei leichter, Leuchtstofflampen mit zerklüftetem Farbspektrum müssen erst darauf getrimmt werden.

Gerade beim Einsatz als Küchenbeleuchtung lohnt es sich, auf den Farbwiedergabeindex zu achten. Er taucht jedoch meist nur in den technischen Angaben des Herstellers auf. Häufiger findet man eine Angabe zur Lichtfarbe einer Lampe.

Für Wohnräume empfiehlt Lichtexperte Waldorf Lampen mit warmweißem Farbton. Das menschliche Gehirn versucht in der Wahrnehmung zwar Farbstiche auszugleichen, doch sie wirken sich dennoch auf die Stimmung aus. Bläuliches Licht wirkt eher unangenehm kühl, rötliches eher warm und gemütlich. Technisch wird die Lichtfarbe in Grad Kelvin (K) angegeben – warmweiß meint den Bereich unter 3300 Grad K, neutralweiß von 3300 bis 5300 K und tageslichtweiß darüber.

Will man die Lichtfarbe der Beleuchtung in einem Wohnmobil realistisch wiedergeben, muss die Farbeinstellung fürs Foto auf einen neutralweißen Wert eingestellt sein, so wie auf den Innenraumbildern (hier 4000 °K). Die ausschließlich mit LEDs bestückte Beleuchtung zeigt in diesem Fall eine eher kühle, leicht grünliche Farbe. LEDs, die gleichzeitig viel Licht und das auch in angenehmem Farbton ausstrahlen, sind im Moment noch rar. Der LED-Technik gehört dennoch die Zukunft: Der kleine Stromverbrauch, die geringe Wärmeabgabe und die höchst flexiblen Bauformen prädestinieren diese Lampen geradezu für den Einbau im Wohnmobil.

Gutes Licht muss die speziellen Anforderungen des jeweiligen Bereichs erfüllen. Sie können aber auch wechseln. An der Sitzgruppe ist mal dezente Hintergrundbeleuchtung für den Fernsehabend, mal helles Licht auf dem Tisch zum Kartenstudium gefragt. Eine Kombination aus indirektem Licht, Deckenlampe und Lesespots bringt hier Erleuchtung.

FAZIT: Wer beim Neukauf eines Wohnmobils deshalb auf die LED-Lampen setzen möchte, sollte auf Beleuchtungsstärke, Lichtfarbe und -charakter achten. Ein kleiner Lichtcheck vor dem Kauf hilft, spätere Enttäuschungen zu vermeiden: Rollos zu, Lampen an und beim Trockentraining an Küche, Waschbecken und Lesespots die Beleuchtung testen.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Ingolf Pompe, Jürgen Bartosch

Datum

20. Januar 2012
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