Ohne Frage gehören die Kammlagen des Erzgebirges zu den schneereichsten Gegenden in Deutschland. Verantwortlich dafür sind zum einen die hohen Niederschlagsmengen: Sie liegen im Vergleich zum Tiefland fast doppelt so hoch. Zum anderen die in der Regel niedrigen Temperaturen: In Oberwiesenthal im Erzgebirge zum Beispiel, auf gut 900 Meter Meereshöhe, zählt man im Jahr durchschnittlich nur etwa 140 frostfreie Tage. Somit stehen für Reisende die Chancen sehr gut, in den Monaten von Dezember bis April im Erzgebirge ein wahres Wintermärchen einzutauchen.
Das raue Klima lässt an der Grenze zu Böhmen einen Latschenkiefernwald gedeihen, der sonst nur in wesentlich höheren Alpenregionen beheimatet ist. Da die Straßen oft eng sind, sollten Wohnmobilisten bei Schnee die Route sorgfältig wählen: Ins Spielzeugdorf Seiffen etwa empfiehlt sich der Weg über Deutschneudorf.
Besucht man in der Adventszeit die Städte und Dörfer im Erzgebirge, kommen einem unweigerlich diese Zeilen des Dichters Eichendorff in den Sinn: „Markt und Straßen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus ...“ Nur in einem Dorf im Erzgebirge ist es anders, in Seiffen nämlich, wo es stets lebhaft zugeht und fast das ganze Jahr über Weihnachtsstimmung herrscht.
Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts konnte der örtliche Bergbau die Menschen nicht mehr ausreichend ernähren. Sie ersannen Alternativen: Zunächst die Herstellung von hölzeren Gebrauchsgütern und später das Schnitzen von Holzspielzeug, was ihnen so gut gelang, dass sie dieses in alle Welt exportieren konnten.
Heute gibt es in Seiffen gut 50 Betriebe, in denen beispielsweise die berühmten Nussknacker verkauft werden - oder Räuchermännchen, ganze Engelschöre, Bergmänner und Weihnachtspyramiden. Nicht zu vergessen: die einzigartigen Schwibbögen, welche oftmals die Fenster in nah und fern zieren. Besonders schwierig herzustellen sind die als Reifentiere bezeichneten Holzfiguren. Darunter Kühe und Schafe. Dabei wird eine dicke Baumscheibe so gedrechselt, dass am Ende bis zu 60 Tiere wie Tortenscheiben davon abgeschnitten werden können. Auch die Fertigung der beliebten Spanbäume erfordert jede Menge Erfahrung und Fingerspitzengefühl.
Wintersport
Die 36 Kilometer lange Kammloipe von Schöneck bis Johanngeorgenstadt zählt nach Ansicht des Deutschen Skiverbandes zu den attraktivsten Loipen im Land. Sie wurde von ihm mit dem Prädikat „exzellent“ ausgezeichnet. Einen ebenfalls sehr schönen Streckenverlauf bietet die breit trassierte Schwartenbergloipe in Bad Einsiedel. Bei klarer Sicht gewährt sie herrliche Ausblicke bis hinüber nach Tschechien. Daneben ist der Parcours traditioneller Austragungsort eines spannenden Schlittenhunderennens. Nächster geplanter Termin: 25. und 26. Februar 2012. www.alaskafeeling.de
Ski-Alpin-Freunde wählen bevorzugt im Erzgebirge den 741 Meter hohen Reicheltberg in Seiffen. Dieser wartet mit einem Schlepplift auf. Die präparierten Pisten erlauben sowohl leichte als auch mittelschwere und schwere Abfahrten. Wer in erster Linie auf Vergnügen setzt, für den ist mit Sicherheit Snowtubing die richtige Wahl. Dabei geht es auf einem speziellen Luftreifen rasant einen Berghang hinab. Ein Sonderlift sorgt für den Rücktransport.
Die Rechenberger Bierbrauer verweisen stolz auf eine jahrhundertealte Brautradition, was sie mit ihrem liebevoll eingerichteten „Sächsischen Brauereimuseum“ nachdrücklich unterstreichen. Das Privatunternehmen in der kleinen Teilgemeinde Bienenmühle ließ dazu die historischen Gebäude vom Sudhaus anno 1780 bis zu den Gewölbekellern aufwendig restaurieren. Eine weitere Besonderheit des Betriebes ist, dass alle Biere ausschließlich im Fass vertrieben werden.
Wie sehr man im Erzgebirge der Tradition verpflichtet ist, zeigt auch der weithin hochgeschätzte Christstollen, der vielerorts noch nach alten Familienrezepten entsteht. Verbreitet ist nach wie vor auch die Sitte, dass die Hausfrau den zubereiteten Teig dem Bäcker überlässt, der ihn in seinen großen Ofen schiebt.
Überhaupt nimmt in dieser Berggegend das Weihnachtsessen einen sehr hohen Stellenwert ein. Unter anderem konnte sich das sogenannte Neunerlei bis heute erhalten. Hierzu werden an Heiligabend neun verschiedene Speisen auf den Tisch gestellt. Fleisch ist auf jeden Fall dabei, ebenso die berühmten Klöße. Von allem muss man wenigstens einen Bissen probieren. Bei Gästen besonders beliebt ist die Martinsgans. Und wenn man etwas zu viel von ihr gegessen hat, hilft bestimmt ein Altenberger Gebirgsbitter.
Reichtum aus dem Berg
Der Bergbau im Erzgebirge lässt sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Bei der anschließend einsetzenden Besiedlung entdeckte man neue, reiche Erzvorkommen. Unter anderem in Schneeberg, Annaberg und Sankt Joachimsthal. Gefundenes Silber wurde vor Ort zu Geldstücken verarbeitet. Berühmtheit erlangten die in Joachimsthal geprägten Joachimsthaler. Die Bergbautätigkeit kam jedoch nach dem Dreißigjährigen Krieg fast völlig zum Erliegen.
Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass im Fortuna-Stollen in Deutschneudorf das legendäre Bernsteinzimmer eingelagert wurde, doch im wieder begehbar gemachten Teil fand man bislang nur Stücke einer Porzellansammlung und ein paar Bücher.
Erzgebirge Kompakt
Anreise
Aus Richtung Hof ins Mittlere Erzgebirge auf der Autobahn 72 bis Ausfahrt Stollberg West, weiter auf den Bundesstraßen 180, 174 und 171.
Sehenswertes
Besucherbergwerk Pöhla: Nach einer drei Kilometer langen Grubenfahrt erreicht man Europas größte Zinnkammern. In Pöhla wurde bis in das 20. Jahrhundert hinein nach Metallen gegraben. Täglich Führungen (10 und 14 Uhr; Dauer drei Stunden), geeignet für Kinder ab 10 Jahre. www.zinnkammern.de
Skifasching: Höhepunkt des närrischen Treibens in Oberwiesenthal ist am Sonntag vor Rosenmontag der Lauf mit einem 7,45 Meter langen 17-Mann-Ski und mit tollkühnen Ski-Akrobaten, die durch brennende Feuerreifen springen.
Auskunft
Zum Beispiel bei der Tourist-Information Seiffen, Hauptstraße 95, 09548 Kurort Seiffen, Telefon 03 73 62/84 38, Fax 03 73 62/7 67 15, E-Mail fv-amt.seiffen@ t-online.de, Internet www.seiffen.de
Stellplatz-Tipps
08301 Bad Schlema
Stellplatz am Kurhotel ; Gebührenpflichtiger Stellplatz für 4 Mobile auf dem Parkplatz des Kurhotels. Ebener, meist befestigter Untergrund, zum Teil auch Grasboden. 12 Euro pro Nacht und Mobil inkl. Strom und Wasser. Ganzjährig.
Standort: Markus-Semmler-Straße 73,
GPS 50°35’57”N, 12°39’23”O,
Telefon 0 37 71/21 50 00,
08344 Grünhain-Beierfeld
Sport- und Freizeitpark : Gebührenpflichtiger Stellplatz für 8 Mobile. Mit Rasengittersteinen gepflasterter, ebener Untergrund, ruhige Lage. 5 Euro pro Nacht und Mobil. Ganzjährig nutzbar.
Standort: Auer Straße 82,
GPS 50°34’54”N, 12°47’37”O,
Telefon 0 37 74/1 53 20,
E-Mail kontakt@beierfeld.de,
09484 Oberwiesenthal
Stellplatz an der Tennishalle , Gebührenpflichtiger Stellplatz für 30 Mobile. Ebener, geschotterter Untergrund. Beleuchtet. Ruhige Lage am Einstieg in das Loipennetz. 13 Euro pro Nacht und Mobil inkl. Strom, Ver- und Entsorgung, Dusche und WC-Benutzung, zuzüglich Kurtaxe. Zuschlag in der Wintersaison: 7 Euro. Ganzjährig nutzbar.
Standort: Vierenstraße 11A,
GPS 50°25’37”N, 12°58’05”O,
Telefon 03 73 48/12 00,
E-Mail info@-oberwiesenthal-freizeitcenter.de
08340 Schwarzenberg/Erzgebirge
Wohnmobilplatz Uferstraße , Gebührenpflichtiger Stellplatz für 6 Mobile. Befestigte Plätze, beleuchtet. Ruhige Lage in Nähe der Altstadt. Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe. Maximaler Aufenthalt: 3 Tage. 4 Euro pro Mobil für 8 Std., 6 Euro für 24 Std. am Parkscheinautomaten. Ganzjährig nutzbar.
Standort: Erlaer Straße, GPS 50°32’06”N, 12°46’59”O, Telefon 0 37 74/2 25 40,
E-Mail touristinformation@schwarzenberg.de
09548 Seiffen
Ferienpark Seiffen , Gebührenpflichtiger Stellplatz für 25 Mobile. Terrassiertes Gelände oberhalb des Campingplatzes. Eventküche mietbar für Gruppen bis zu 18 Personen mit sächsischem Kochkurs. Frühstücks- und Brötchenservice. Shuttleservice zum Ortszentrum. Ab 9,50 Euro pro Nacht und Mobil inkl.
2 Personen plus Kurtaxe. Ganzjährig nutzbar.
Standort: Deutschneudorfer Straße 57,
GPS 50°37’35”N, 13°27’30”O,
Telefon 03 73 62/1 50,
E-Mail info@ferienpark-seiffen.de












