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Praxis-Tipp Beladung des Reisemobils: Eine Frage des Gewichts

An Stauraum mangelt es selten – oft aber an Zuladungsreserven. Wer richtig packt, vermeidet eine Überladung, ein unsicheres Fahrverhalten und teuren Ärger mit der Polizei.

Das Ergebnis lässt selbst den erfahrenen Beamten der Autobahnpolizei staunen. Gut 400 Kilogramm Übergewicht bringt das Reisemobil nach Abzug der Toleranz auf die Waage. Der Fahrer zieht überrascht die Schultern hoch.

Vergebens: Bevor er die Fahrt fortsetzen darf, muss er Frischwasser ablassen und auf der Stelle so viel ausladen, bis das zulässige Gesamtgewicht stimmt: Getränkekisten, Konservendosen. Obendrein blühen ihm 50 Euro Strafe, drei Punkte in Flensburg und eine Anzeige. Den Start in die Ferien hat sich der Fahrer anders vorgestellt.

Teures Übergewicht - es drohen Geldstrafen

Bei Übergewicht verstehen Ordnungshüter keinen Spaß. Nicht hierzulande und schon gar nicht jenseits der Grenzen. Besonders ernst nehmen das Thema unsere südlichen Nachbarn. Keine Toleranz darf man in der Schweiz erwarten; Österreicher bitten mit bis zu 2180 Euro zur Kasse. Auch die Italiener sind mit einem Strafmaß bis 1596 Euro nicht eben zimperlich. Vollstreckt wird bei Verkehrsvergehen in EU-Staaten inzwischen übrigens auch zu Hause, so will es ein Abkommen von Ende Oktober 2010.

Die 3,5-Tonnen Grenze

Das Problem der Überladung von Reisemobilen ist nicht neu, aber immer brenzliger - vor allem wegen der 3,5-Tonnen-Grenze. Viele Reisemobilfahrer möchten nicht an Lkw -Verbote gebunden sein und haben die Führerscheingrenze im Auge. Zu Beginn der Reisesaison kontrolliert die Polizei verstärkt.

Wie berechtet sich Übergewicht im Reisemobil?

Ob ein Reisemobil überladen ist, bemisst sich an Achslasten sowie dem Leer- und dem zulässigen Gesamtgewicht. Angaben dazu finden sich in dem seit Oktober 2005 gültigen Fahrzeugschein unter den Punkten G, F.1, 7.1, 7.2. In der Leermasse (G) sind laut Norm EN 1646-2 für bewohnbare Freizeitfahrzeuge der Fahrer mit 75 Kilo sowie die Betriebsstoffe Kraftstoff, Wasser und Gas enthalten. Zieht man sie von der technisch zulässigen Gesamtmasse (F.1) ab, erhält man die Zuladung, die für weitere Passagiere und Gepäck bleibt. So weit die Theorie.

Häufig ist der errechnete Wert klein - und die Augen groß. Kann das denn stimmen? Es kann. Praktisch sollte man sich schon beim Kauf eines Reisemobils mit dem Thema Beladung beschäftigen. Angefangen bei der Wahl des Grundrisses, der für die Gewichtsverteilung auf die Achsen relevant ist, über die Sonderausstattung bis hin zum Nutzungsprofil. Beispiel: Ein Fahrzeug mit langem Überhang und Heckküche ist für einen Motorradträger nur bedingt geeignet.

Schweres Zubehör

Auch wer in der Aufpreisliste viele Kreuzchen setzt, etwa bei einer Markise, einer TV- und Sat-Anlage oder einer Klimaanlage, treibt das Leergewicht in die Höhe - und drückt die Zuladung. Bei den Gewichtsangaben in den Prospekten sollte man auch an eingerechnete Toleranzen denken.

Nicht alle Extras und Zubehörteile sind jedoch sinnvoll (siehe promobil Heft 3/2010) oder es gibt leichtere Alternativen (promobil 6/2010). Wer sich von vornherein für ein tragfähigeres, aber auf 3,5 Tonnen abgelastetes Chassis entscheidet, kann bei Bedarf  wieder auflasten. Umgekehrt kann man sich im Vorfeld, wenn es der Führerschein erlaubt, schon nach Möglichkeiten zum Auflasten informieren.

Balance nicht verlieren: Die Gewichtsverteilung

Neben Grundriss und Extras verdient die Gewichtsverteilung Aufmerksamkeit. Wichtig ist es, grob den Aufbau des Reisemobils zu kennen. Der einfache Grund: Gewichte, wie das Frischwasser, das zu Abwasser wird und den Tank wechselt, können ihre Lage verändern oder durch Verbrauch variieren. Man denke nur mal an den Kraftstoff im Tank, die Gasflaschen oder an die Vorräte.

Tipps zum Beladen

Wo schon viel Gewicht lastet, sollten Urlauber mit dem Zuladen zurückhaltend sein. Die Küche etwa ist ein Bereich, der wegen des Kühlschranks bereits etliche Kilos auf die Waage bringt. Auch wenn es unpraktisch erscheint: Hier zusätzlich Konserven oder Getränkeflaschen zu verstauen, empfiehlt sich nur bedingt.

Umdenken muss man auch bei der Heckgarage. Zugegeben, sie verführt zum hemmungslosen Packen. Aber: Je länger der hintere Überhang, desto größer die Hebelwirkung. Dazu eine einfache Rechnung. Sie beladen das Heckabteil mit 50 Kilo, der Schwerpunkt liegt 150 Zentimeter von der Hinterachse entfernt. Beide Werte miteinander multipliziert und durch den Radstand geteilt - hier 370 Zentimeter-, ergibt 20 Kilo. Mit diesem Gewicht wird die Vorderachse des Reisemobils entlastet.

Andersherum wird die Hinterachse um eben jene 20 Kilo plus die 50 Kilo des Gepäcks belastet. Nicht zu vergessen: Bei einem Heckfahrradträger verschärft sich das Problem, weil der Trägerschwerpunkt noch ein Stück weiter von der Hinterachse entfernt ist.

Fahrsicherheit und Gewicht

Die Folgen falscher und zu hoher Beladung werden oft unterschätzt. Unter einer entlasteten Vorderachse - wie beschrieben - leidet bei einem Fronttriebler die Traktion. Viel schlimmer ist jedoch, dass auch die Seitenführung flöten geht.

Packen Sie deshalb mit System und Umsicht. Was muss wirklich mit auf die große Reise? Offene Ablagen bleiben während der Fahrt leer, hinter Schränken, deren Türen in Fahrtrichtung öffnen, finden nur leichte Dinge Platz. Schwere Gegenstände gehören möglichst weit nach unten, in den Bereich zwischen den Achsen. Am besten im Doppelboden oder mit rutschfesten Matten unterlegt und mit einem Gurt für die Fahrt verzurrt.

Man muss kein Physiker sein, um nachzuvollziehen, dass ein hoher Schwerpunkt die Kippneigung des Fahrzeugs fördert und die Kurvenstabilität verringert. Auch nicht um zu verstehen, dass sich lose verstaute Gegenstände bei einem heftigen Bremsmanöver zu Geschossen und ernst zu nehmenden Gefahren für die Insassen entwickeln - das gilt auch für ungesicherte Haustiere.

Im Fall eines Unfalls werden die Karten ohnehin noch einmal neu gemischt. Unter Umständen reden dann auch die Versicherungen ein gehöriges Wörtchen mit. Falls den Fahrer aufgrund einer Überladung eine Mitschuld trifft, werden sie versuchen, die Haftung entweder ganz oder zumindest teilweise auf ihn abzuwälzen.

Bestimmen Sie das Leergewicht ihres Mobils!

Am besten fährt man mit seinem Reisemobil im unbeladenen Zustand auf eine öffentliche Waage, um einmal zweifelsfrei das Fahrzeug-Leergewicht zu bestimmen. Waagen gibt es bei TÜV oder Dekra. Beim Beladen wiegen Sie entweder jedes wesentliche Gepäckstück und jeden Passagier separat. Oder, noch besser, Sie steuern vor Antritt der Urlaubsreise die öffentliche Waage nochmals an. Im Idealfall können dort auch die einzelnen Achslasten ermittelt werden.

Auf diese Weise wissen Sie genau um das Gewicht und die Lastenverteilung in Ihrem Reisemobil Bescheid und können sich unnötigen Ärger ersparen - vor allem mit der Polizei.

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Autor

Foto

Uli Regenscheit

Datum

8. Juni 2011
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