Ratgeber Euro-4-Basisfahrzeuge: Vier Gewinnt

Euro-4-Basisfahrzeuge, Ratgeber

Wer jetzt ein Modell mit Euro-4-Motor erwirbt, darf mit Preisvorteilen rechnen. Doch handelt man sich gleichzeitig Nachteile ein?

Das sorgt am Saisonschluss für gute Laune: Zum Jahresende sinken bei vielen Ausstellungsfahrzeugen die Preise. Käufer können beim Neuerwerb eines Reisemobils teils kräftig sparen. Hintergrund sind nicht allein die üblichen verkaufsfördernden Maßnahmen vor dem Winter. Es geht um den Antrieb.

Der Jahreswechsel bedeutet für Reisemobile die Umstellung von Euro-4- auf Euro-5-Motoren. So hat es der Gesetzgeber vorgesehen. Die Praxis sieht etwas anders aus. Ein beträchtlicher Teil der neuen Lagerfahrzeuge ist noch mit einem Euro-4-Aggregat ausgerüstet. Preissenkungen sollen nun dafür sorgen, dass der Wechsel auf den Händlerhöfen zügig über die Bühne geht. Euro-4-Reisemobile müssen raus. Betroffen sind Fahrzeuge auf Fiat Ducato und Ford Transit, den beliebtesten Basisfahrzeugen. Mercedes, Iveco, VW und Renault haben schon länger Euro-5-Motoren im Angebot.

Bei der Besichtigung merkt man Ducato und Transit die Euro-4-Technik nicht an. Händler weisen auf Preisschildern nicht ausdrücklich darauf hin. Auch in den Zulassungspapieren steht meist kein Klartext. Hilfreicher ist ein Blick ins Fahrerhaus: Die bisherigen Ducato mit Euro-4-Motoren haben ein zweifarbiges Armaturenbrett mit unterschiedlichen Grautönen. In den neuen Euro-5-Modellen wurde das Cockpit schwarz eingefärbt. Der Transit macht zum Modelljahr 2012 durch silberfarbene Einsätze im Kühlergrill auf sich aufmerksam. Manche Reisemobilhersteller setzten aber schon zuvor einen silbrig glänzenden Grill ein. Zudem erhielten einige Ford-Fahrgestelle im Sommer schon vorab die 2012er-Front. Die neuen Motoren kamen erst einige Wochen später unter die Haube.

Zu Irritationen führt ebenso die Lagerhaltung der Hersteller bei den Fahrgestellen: Reisemobile auf Ford- und Fiat-Basis können daher in puncto Aufbau und Einrichtung bereits der Saison 2012 entsprechen, der Motor aber dennoch nur der Euro-4-Norm. Klingt kompliziert? Übersichtlicher wird es, wenn man die Euro-5-Einstufung in den Kaufvertrag aufnimmt - oder bewusst ein Euro-4-Modell wählt und von einem Preisabschlag profitiert.

Schließlich nehmen Besitzer eines Euro-4-Reisemobils gegenüber der neuesten Ausführung kleine Kostennachteile in Kauf. Die jährliche Kfz-Steuer liegt um 80 Euro höher als bei den Euro-5-Fahrzeugen. Außerdem bestätigt sich die von Fiat für die neue Motorengeneration versprochene Verbrauchsreduzierung. Im promobil-Test konsumierten Euro-5-Reisemobile auf Ducato-Basis etwa einen halben bis einen Liter Diesel weniger als vergleichbare Modelle des Vorjahres. Offen bleibt, ob sich die Euro-4-Einstufung eines Tages spürbar auf den Wertverlust des Mobils auswirken wird.

Fest steht wiederum, dass Euro-4-Fahrzeuge unverändert eine grüne Feinstaubplakette erhalten und ihnen alle Umweltzonen offenstehen. Auch die Zulassung sollte keine Probleme bereiten. Bis zum Jahresende bleibt alles wie gehabt. Für das Jahr 2012, also die Zeit nach dem offiziellen Aus für Euro-4-Motoren, sorgen die Hersteller der Basisfahrzeuge vor. Sie haben für die noch nicht zugelassenen Euro-4-Fahrgestelle Ausnahmegenehmigungen beim Kraftfahrtbundesamt beantragt.

Was tun, falls doch einmal ein Chassis übersehen wurde? Beim Herstellerverband CIVD verweist man auf die Erfahrungen bei der Umstellung von Euro 3 auf Euro 4: Am Ende konnte jedes Reisemobil mit der alten Norm in den Verkehr gebracht werden. Einzelanträge verursachen aber zusätzliche Kosten. Wer Bedenken hat, lässt gleich im Kaufvertrag festschreiben, dass sich der Händler um die Zulassung kümmert. Das gilt insbesondere für Reisemobile, die heute günstig gekauft werden, aber erst zum Sommerurlaub 2012 auf die Straße kommen sollen.

Beim Fahren muss der Besitzer eines Euro-4-Mobils keine Nachteile befürchten. Im direkten Vergleich wirken die bisherigen filterlosen Motoren sogar eine Spur spritziger als die Nachfolgemodelle. Etwas mehr Schwung verlangt aber auch die Euro-4-Schnäppchenjagd. Zum Saisonbeginn im Frühjahr  des kommenden Jahres dürfte die Euro-5-Umstellung wohl auch auf den Händlerhöfen abgeschlossen sein.

Eine Stufe sauberer: Euro-5-Motoren

Rußwolken aus dem Reise-mobilauspuff dürften bald endgültig der Vergangenheit angehören. Die Euro-5-Norm, die ab 2012 für die Basisfahrzeuge verbindlich ist, senkt die Obergrenze für Partikel deutlich ab.

Die neuen Vorschriften lassen sich nur mit Filtersystemen erfüllen. Euro-5-Motoren unterscheiden sich außerdem durch sogenannte innermotorische Maßnahmen von ihren Vorgängern. Sie stoßen bei der Verbrennung weniger Stickoxide aus. Die gasförmigen Oxide des Stickstoffs gelten als klima- und gesundheitsschädlich.

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