Radioempfang im Wohnmobil 10 Bilder Zoom

Radioempfang im Wohnmobil optimieren: Love me, Sender!

Nicht immer steht es mit dem Radioempfang in Wohnmobilen zum Besten. Wenn der Sender ständig weg ist, Nachrichten ausbleiben oder der Musikgenuss gestört wird, ist guter Rat teuer.

Verfolgt man die einschlägigen Internet-Foren, haben anscheinend viele ein echtes Problem damit, im Wohnmobil vernünftig Radio hören zu können. Die Empfangsqualität könne mit der vom Pkw gewohnten bei weitem nicht mithalten. Das deckt sich durchaus mit Testwagen-Erfahrungen der Redaktion. Da ignoriert der Suchlauf konsequent schwache Sender oder Rauschen stört. Eine unkomplizierte Möglichkeit zur Verbesserung der Empfangsleistung ist gefragt. Doch gleich vorweg: Die kann es nicht geben! Was also tun?

Tatsächlich kann jedes Autoradio noch so gut sein, wenn die Antenne kein vernünftiges Signal liefert, krankt zwangsläufig der Empfang. Und genau dies ist häufig der Knackpunkt. Pkw-Hersteller setzen längst auf gleich mehrere Antennen, die beispielsweise zahlreiche Drähte der Heckscheibenheizung verwenden, und lassen diese akribisch auf die Autoradiotechnik abstimmen. High Tech für High Fidelity. Bei Reisemobilen hingegen sind sorgsam abgestimmte Radio- und Antennenanlagen bei Weitem noch keine Selbstverständlichkeit. Mitunter äußern sich Hifi-Experten auf Nachfrage sogar recht kritisch zum Thema und sprechen schon mal vom "serienmäßig eingebauten schlechten Empfang". Zu unbedarft würde mancher Hersteller an die Technik herangehen, und entsprechend bescheiden fiele das Ergebnis aus. Es herrscht Verbesserungsbedarf.

Doch es geht auch anders. Inzwischen scheint nämlich ein Umdenken eingesetzt zu haben, denn zunehmend legen Reisemobilhersteller Aktivitäten an den Tag, um den Radioempfang in ihren Fahrzeugen tatsächlich zu verbessern. Sowohl Radio- als auch Antennenfirmen bestätigen dies und sind mit ihrem Know-how gefragt. Schwachpunkt sei – so hören wir allenthalben – tatsächlich die Antennenmontage. Denn es nutzen selbst die beste Antenne und der raffinierteste Tuner nichts, wenn das Gesamtsystem die Grundlagen des Radioempfangs einfach ignoriert.

Selber machen im Campingbus

Noch vergleichsweise gut beherrschbar sind die Einbauverhältnisse in ausgebauten Kastenwagen. Bei vielen Fiat Ducato sitzt die Empfangsantenne, wenn keine Dachmontage vorgesehen oder möglich ist, im rechten Außenspiegel. Als Standard-AM/FM-Antenne kostet diese 119 Euro Aufpreis, als DAB-Variante das Doppelte. Die Phantomspeisung des Antennenverstärkers, also dessen Versorgung mit 12 Volt, erledigt das Serienradio direkt via Antennenkabel. Wird ab Werk lediglich eine Radiovorbereitung bestellt, sitzt die Phantombox in der Beifahrertür.

Bei Alkoven und Teilintegrierten kann die technisch zwar elegante, doch nicht ganz billige Spiegelantennen-Lösung allerdings früh an ihre Grenzen stoßen. Ein üppiger Wohnaufbau erzeugt oft eine ausgeprägte "Richtwirkung", die das Signal in die eine Richtung verstärkt, in die andere abschirmt. Das kann bei jeder Fahrtrichtungsänderung zu Schwankungen der Empfangsleistung bis hin zu totalen Aussetzern führen. Soll es bei Vollintegrierten auf Fiat-Basis eine Spiegelantenne sein, nutzt das Serienmodell natürlich nichts, da spezielle Rückspiegel zum Einsatz kommen. Die freilich gibt es ebenfalls mit integrierten Antennenlösungen; Probleme mit der Richtwirkung können allerdings auch damit nicht ausgeschlossen werden. Gleiches gilt, wenn Drahtantennen quer im Armaturenbrett installiert werden – ein optimaler Rundumempfang ist auf diese Weise kaum zu realisieren.

Was früher galt, stimmt auch heutzutage noch: Eine Antenne gehört vernünftigerweise aufs Dach. Oder wenigstens knapp darunter. In die Bugmaske integrierte "Indoor"-Antennenlösungen können aber nur dann vernünftig funktionieren, wenn kein Blechdach vorhanden ist. Empfangstechnisch wirkt eine Alu-Außenhaut wie eine Abschirmung und schwächt das Signal. Eine elegante Lösung für die Innenmontage bei GfK-Dächern stellt die aktive Dipol-Drahtantenne 5010 von Antennentechnik ABB dar. Die ist beispielsweise bei Movera für knapp 60 Euro zu haben. Wenn hier die beiden 60 Zentimeter langen Antennenleiter im Winkel von 90 Grad verlegt werden, minimiert dies die Richtwirkung. Außerdem benötigt diese Antenne im Gegensatz zu sonst üblichen kein Massepotenzial.

Dieses empfangstechnische Gegengewicht, mit dem der Antennenfuß ansonsten leitend verbunden sein muss, wird bei Fahrzeugen mit Kunststoffdach bisweilen glatt vergessen, was einen ausgesprochen mickrigen Radioempfang zur Folge hat. Abhilfe verspräche eine leitende Metallfläche in Form eines Bleches oder leitender, über Kreuz angebrachter Folienstreifen von mindestens 50 Zentimetern Länge. Eine Lösung, die idealerweise schon bei der Produktion in die Dachfläche mit eingearbeitet wird.

Sandwichbauweise stört beim Nachrüsten nicht

Eine Dachkonstruktion in Alu-Sandwichbauweise ist in dieser Hinsicht eher unproblematisch, vor allem in Verbindung mit einer hochwertigen Aufbauantenne. Einziges Problem auch hier: die elektrisch leitende Verbindung des Antennenfußes zum Alublech. Und natürlich eine fachgerechte Abdichtung, damit es später nicht zu Feuchteschäden kommt.

Bei Hymer beispielsweise ist man in dieser Hinsicht recht aktiv und hat sogar einen eigenen Antennenfuß entwickelt, der die Montage erleichtert und die leitende Verbindung zum Metalldach garantiert. Auch Niesmann+Bischoff hat nach entsprechenden Erfahrungen aus der Vergangenheit beim 2016er Modelljahr wieder auf die Dachmontage gewechselt und verwendet die ABB-Kombiflex-Dachantenne, die auch für den digitalen Rundfunkempfang DAB+ geeignet ist. Sie ist kurz, hoch flexibel und läuft kaum Gefahr, beim Rangieren unter Ästen verbogen oder beschädigt zu werden. Die Masse wird über die Zahnscheibe im Antennenfuß sichergestellt, die Leitungsführung erfolgt über die A-Säule zum Armaturenbrett. Auch dieses Modell gibt es für rund 50 Euro im Fachhandel.

Wer eine Radioanlage komplett nachrüsten oder eine bestehende aufwerten möchte, tut gut daran, eine in diesem Bereich kompetente Reisemobil-Werkstatt zu konsultieren. Speziell, wenn es um die optimale Antennenplatzierung geht. Tatsächlich schulen Radio- wie Antennenhersteller die entsprechenden Fachkräfte. Womöglich reicht es bei schwachem Empfang schon aus, einen kleinen Signalverstärker einbauen zu lassen. Eine exakte Auswertung des Empfangsverhaltens ist zwar nur mit einem sehr teuren Pegelanalyzer möglich, aber auch Radios, die im Servicemodus eine Signalstärke-Anzeige bieten, erlauben eine erste Bewertung des Empfangsverhaltens.

Prinzipiell besteht sogar die Möglichkeit, eine zusätzliche Antenne zu installieren und deren Signal mit dem der vorhandenen zu mischen. Der aktive Diversity-Adapter von Ge-tectronic in Ruhpolding macht’s möglich. Doch auch hier ist der Antennenplatz entscheidend.

Systematische Fehleranalyse

Auf der Suche nach besserem Radioempfang gilt es, die aktuelle Situation zu analysieren, Fehlerquellen zu erkennen und zu eliminieren. Gefragt ist systematisches Vorgehen. Die Gretchenfrage lautet: War der Empfang immer schlecht, oder hat sich die Situation nach und nach oder gar plötzlich verändert? So banal es klingen mag, aber haben Sie schon mal die Radioeinstellungen überprüft? Wenn schwache Empfangssignale aufrauschen oder ganz aussetzen, muss die Empfangsfrequenz gewechselt werden. Autoradios machen dies normalerweise automatisch und springen auf eine besser empfangbare Alternativ-Frequenz (AF). Diese AF-Funktion muss dazu freilich aktiviert sein. Zudem: Deaktivieren Sie die Local-Funktion, denn sonst stoppt der Suchlauf nur bei starken Sendern – oder in empfangsschwachen Gebieten gar nicht.

Schon etwas trickreicher fungiert die Tunersteuerung per Software, die beispielsweise beim AVIC-Mediacenter mit Navi von Pioneer entscheidet, wie Rauschen unterdrückt wird. Wird im Menüpunkt "Klang Tuner" die Einstellung auf "Sprache" geändert, werden Störungen meist ohne Klangeinbußen eliminiert.

Manche Geräte schalten, nachdem sie eine Zeit stromlos waren, in den Werkszustand und kappen die 12-V-Phantomspeisung des Antennenverstärkers. Der Empfang bleibt dann auf der Strecke. Einmal mehr lohnt in allen diesen Fällen der Blick in die Bedienungsanleitung – und so gesehen gibt es dann doch einen einfachen Weg zum besseren Empfang.

Autor

Foto

Pompe, Heinz, Werk

Datum

4. März 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 02/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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