Zoom

Ratgeber: promobil-Studie Teil II

19 000 Leser nahmen ihr Reisemobil gründlich unter die Lupe. Beim zweiten Teil der Auswertung geht es ins Detail.

Fahrgestell, Aufbau, Einrichtung – wie ein gigantisches Puzzle fügen sich die Komponenten eines Reisemobils ineinander. Doch ergeben die zahllosen Einzelteile auch immer ein stimmiges Gesamtbild? Kaum jemand kann das besser beurteilen als die jeweiligen Besitzer. Erst nach ausgiebigen Touren offenbart sich, ob die Küche auch wirklich praktisch ausstaffiert ist, die Liegefläche tatsächlich bequem. Umso spannender gerät die Auswertung tausender Erfahrungsberichte. Im Rahmen der Leserwahl zum Reisemobil des Jahres 2003 fragte promobil nach der Einschätzung des eigenen Reisemobils. Auf rund 19 000 Postkarten urteilten Besitzer über ihr Fahrzeug. Ging es im ersten Teil der Studie (siehe promobil 12/ 2003) um eine Gesamtauswertung nach Reisemobilmarken, zeigt die zweite Runde die Stärken einzelner Baureihen im Detail. Hier wie dort gilt: Keinesfalls darf man die Ergebnisse mit einem Vergleichstest verwechseln. Die promobil-Studie dreht sich allein um die Frage der persönlichen Zufriedenheit mit dem eigenen Fahrzeug. Ansprüche an schlichte Einsteigerfahrzeuge können da mitunter leichter erfüllt werden als hohe Erwartungen an eine Marke mit großem Namen. Für eine faire Bewertung beschränkte sich die Redaktion auf bis zu drei Jahre alte Fahrzeuge, die Baujahre 2000 bis 2002. Die Aussagekraft erhöht weiterhin eine Aufteilung nach Aufbauart. Zudem spielt die Anzahl der Leserurteile pro Modell eine Rolle. Nur wenn die Fallzahl statistischen Anforderungen genügt, tauchen Marke und Aufbauart in der Tabelle auf. Die Gesamtbewertung unter Berücksichtigung der Aufbauform sieht auf Anhieb ähnlich aus wie die Marken-Hitliste im ersten Teil. Phoenix und Concorde platzieren sich klar an der Spitze. Besonders hohe Zufriedenheitswerte erreichen außerdem Modelle von Eura Mobil, Frankia, Karmann, Flair und Hobby sowie die von VW und Mercedes vertriebenen Campingbusse. Unter den in größeren Serien hergestellten Alkovenmobilen und Integrierten weit vorne: Marktführer Hymer. Andere Großserienmodelle mit Traditionsnamen wie Bürstner, Knaus, Dethleffs oder LMC folgen – für Branchenkenner keine Überraschung. Klaus-Peter Bolz, Geschäftsführer von Bürstner: „Wer kostspielige Luxusmobile in geringen Stückzahlen verkauft, wird es immer leichter haben, seine Kunden zufrieden zu stellen.“ Doch längst nicht in allen wichtigen Kriterien liegen Luxusliner an erster Stelle, wie die Detailanalyse zeigt. Die promobil-Leser fällten schließlich keine Pauschalurteile. Vielmehr konnten sie 30 Einzelkriterien einer vierstufigen Zufriedenheitsskala zuordnen. Daraus errechnete die Marktforschung der Motor-Presse Stuttgart Plus- und Minuspunkte, deren Summen sich in den unten stehenden Tabellen wiederfinden. promobil hat dabei neun besonders interessante Kriterien für eine genauere Betrachtung herausgenommen. Auf den Postkarten besonders oft bewertet und damit aus Lesersicht auch besonders wichtig: das Preis-Leistungs-Verhältnis. Betrachtet man allein die Zufriedenheit mit diesem Puzzleteil, wird die Hitliste gründlich durcheinander gewirbelt. Bei Importmarken, angeführt von Chausson, gibt es nach Meinung der Besitzer am meisten Reisemobil fürs Geld. Chausson-Importeur Jörn Koch: „Dieses Ergebnis freut uns besonders. Schließlich positionieren wir Chausson nicht als Billigmarke.“ Als besonders preiswerte einheimische Reisemobile profilieren sich Baureihen von TEC und Dethleffs. Erwartungsgemäß wird das Preis-Leistungs-Verhältnis von Alkovenmobilen insgesamt als günstig empfunden. Unter den kostspieligeren Teilintegrierten erringt Chausson abermals den Spitzenplatz. Von Eura Mobil kommen die bestplatzierten Integrierten. Die Klasse der Campingbusse fährt beim Preis-Leistungs-Verhältnis in völlig unterschiedliche Richtungen: Viel Auto fürs Geld gibt’s bei Pössl, stolze Preise bei Mercedes und besonders VW. Dieses Manko verkehrt sich ins Gegenteil, wenn es um den Wiederverkauf geht. Besitzer von VW-Campingbussen sehen einem sehr geringen Wertverlust entgegen. Lediglich eine weitere Modellreihe erreicht ein ähnlich positives Ergebnis: die Integrierten von Hymer. Hohe Marktpräsenz sichert auch nach Jahren noch eine überdurchschnittliche Nachfrage.

Dahinter folgen Markennamen, die man ebenfalls weit über die Reisemobilbranche hinaus kennt: der Flair von Niesmann + Bischoff, Karmann und Mercedes. Dass beim Wiederverkauf durchweg wenig Begeisterung aufkommt, dokumentieren die durchgehend niedrigen Punktzahlen in der Tabelle. Ganz anders beim Außendesign, in der Rangfolge der Wichtigkeit übrigens Thema Nummer eins. Zahlreiche Hersteller treffen den Geschmack ihrer Kunden offenbar zielgenau, allen voran Hobby mit dem Neo-Klassiker 600/700. Überhaupt kommt die elegante Aufbauform von Teilintegrierten quer durch alle Marken gut an. Dennoch belegt ein Alkovenmobil klar den zweiten Platz: Karmann sichert sich mit seiner seit jeher automobil inspirierten Formgebung Sympathiepunkte bei den Besitzern. Weitere Spitzenplätze zeigen ebenfalls Beispiele für langjährig und konsequent kultivierte Aufbauformen: T-Modelle von Bürstner oder Alkovenmobile von Knaus. Eura Mobil, sonst häufig auf vorderen Rängen vertreten, kann seine Kunden im Blick auf das Außendesign weniger überzeugen. Für Geschäftsführer Holger Siebert wenig verwunderlich: „Ein Eura Mobil ist selten eine Liebe auf den ersten Blick. Es ist eher wie die Frau fürs Leben, deren Vorzüge man erst im Lauf der Jahre erkennt.“ Gut nachvollziehbar erscheint genauso der untere Tabellenrang für Alkovenmobile von TEC. Rotec-Modelle gehörten zu den letzten Reisemobilen, die sich vom zartbeigen Hammerschlag verabschiedeten. Und wie steht es um die Qualität von Aufbau und Einrichtung? Auf die Gretchenfrage von Reisemobilkäufern liefern Concorde und Phoenix die überzeugendsten Antworten. Allerdings finden sich im oberen Tabellendrittel nicht nur hochpreisige Luxusmodelle. Die auch unter 40 000 Euro erhältlichen Hymer-Alkoven erringen einen achtbaren sechsten Platz. Einige Modelle jedoch, die bei der Preiswürdigkeit kräftig Punkte sammeln, müssen in diesem Kapitel Verluste einstecken. Allerdings lassen sich die Ergebnisse der Modelljahrgänge 2000 bis 2002 nicht unmittelbar auf Neufahrzeuge der aktuellen Saison 2004 übertragen. Dethleffs-Geschäftsführer Thomas Fritz: „Vor zwei Jahren haben wir eine Qualitätsoffensive gestartet. Alle internen Auswertungen zeigen, dass Dethleffs in Sachen Verarbeitung klare Fortschritte gemacht hat.“ Auf Kreativität kommt es bei der Raumaufteilung an. Frankia bemüht sich seit Jahren um variable, ausgefallene und teils sogar individuell angepasste Grundrisse. Das honorieren die Besitzer mit entsprechend positivem Urteil. Dass Zufriedenheit mit der Planungsleistung keine Frage der Preisklasse ist, zeigen die direkt darunter platzierten Modelle von Phoenix, Chausson und TEC. Gerade TEC hat sich mit den beliebten Halbdinette-Grundrissen einen Namen gemacht. Hersteller, die später kamen, straft das Urteil der Besitzer. Das trifft auf die inzwischen erneuerten Teilintegrierten von Eura Mobil ebenso zu wie etwa auf Knaus-Alkoven. Jahrelang verharrte man bei althergebrachten Aufteilungen. Erst jetzt wird alles anders. Markus Pangerl, Marken-Manager von Knaus: „Seit dem aktuellen Modelljahr ist Knaus kreativer denn je. Gerade bei den Alkovenmodellen haben wir nun eine fast einzigartige Auswahl.“ Zum Wohlfühleffekt an Bord tragen ganz entscheidend die Betten bei. In diesem Punkt trumpft Bürstner auf: Mit hochwertigen Matratzen und Lattenrosten machen bereits Einsteigermodelle auf sich aufmerksam. Die Besitzer wissen das zu schätzen. Ansonsten finden sich vor allem Baureihen auf den vorderen Rängen, die durchweg geräumige Aufbauten und damit ausreichend Platz für eine zumeist feste Liegefläche zu bieten haben. Inzwischen reagieren immer mehr Hersteller auf die wachsenden Komfortbedürfnisse. Ursula Ruppe, Hymer-Marketingleiterin: „Bei allen Neuerscheinungen achten wir darauf, dass die Betten mindestens 1,50 Meter breit sind.“ Eine klare Abfuhr erteilen Reisemobilbesitzer dünnen Schaumstoffmatratzen auf Sperrholz. Obwohl Campingbuskäufer sicher kein Himmelbett im Kastenwagen erwarten, landen die Campingbusse von Mercedes und VW am unteren Ende der Skala. Doch auch hier ist Besserung in Sicht: Der neue VW California hat einen Lattenrost im Dachbett, der überarbeitete James Cook aufwendige Federelemente unter der Matratze. Geht es um den Stauraum, punkten erwartungsgemäß die Doppelbodenpioniere wie Concorde und Eura Mobil.

Unerwartet schieben sich aber die Teilintegrierten von Chausson auf den ersten Platz. Sie alle haben den bauarttypisch großen Freiraum unter dem festen Bett – und das ist allem Anschein nach genau das, wovon Chausson-Käufer geträumt haben. Chausson-Importeur Jörn Koch interpretiert den hohen Zuspruch so: „Weil wir schon früh mit Teilintegrierten in Deutschland Erfolg hatten, werden die Vorteile dieser Bauart offenbar spontan mit der Marke Chausson in Verbindung gebracht.“ Ebenfalls ohne doppelten Boden reihen sich die Alkovenmobile von TEC weit vorne ein. Hinter ihrem Erfolg steht schon seit Jahren ein cleveres Konzept: Wassertanks oder Bordbatterie verschwenden keinen Platz in den Sitztruhen, sondern sind in speziellen Fächern unter dem Wagenboden untergebracht. Hinzu kommen zahlreiche Garagengrundrisse. Überraschen mag beim ersten Blick auf die Tabelle jedoch der große Abstand zur traditionsreichen Schwestermarke LMC. Trotz technisch weitgehend ähnlicher Voraussetzungen urteilen TEC-Fahrer – auch in anderen Punkten – zufriedener. Für TEC-Geschäftsführer Markus Winter letztlich eine Frage der Marketingstrategie: „TEC hat ein straffes Modellprogramm, eine klare Aussage und einen Vorteil: Wir kommen von unten und verzichten bewusst auf Luxusprodukte.“ Ob erfolgreiche Marken auch künftig ohne Doppelboden auskommen, bleibt dahingestellt. Denn ginge es bei der Frage nach dem Stauraum ums aktuelle Modelljahr, sähe die Tabelle vermutlich ein wenig anders aus. So haben inzwischen fast alle Hymer-Integrierten einen doppelten Boden. Das Gleiche gilt für die jüngsten Alkovenmobile von Knaus. In puncto Küche und Sanitärraum geben wiederum die kostspieligeren Modelle von Concorde, Flair und Phoenix den Ton an. Wo Geld und Gewicht keine große Rolle spielen, stehen die Funktionsbereiche kaum hinter häuslichem Luxus zurück. Als Überraschung erreichen die aus Italien importierten Ahorn-Alkovenmobile den vierten Platz. Ihr Geheimrezept: meist auf italienische Großfamilien ausgelegte Küchen, oft separate Duschen und all das zum kleinen Preis. Der Trend zur abgetrennten Duschkabine ist insgesamt nicht zu übersehen: Schon länger mit diesem Komfort ausgerüstete Alkovenmobile und Integrierte von Eura Mobil rangieren weit oben. Auch der von Knaus eingeführte Sanitärraum mit halbrunder Duschabtrennung kommt bei den Besitzern gut an. Die Auswertung des Kapitels Wintertauglichkeit benötigt kaum eine Erklärung. Vom ersten bis zum elften Platz dominieren Modelle mit doppeltem Boden und damit einer guten Isolierung für den Fußbereich sowie für Wasseranlage und Co. Mit dieser Konstruktion machte der Flair vor zehn Jahren Furore (siehe auch Seite 16). Noch heute ist er für seine Besitzer ein Synonym für Wintereignung, was ihm in der Zufriedenheitsstudie einen Spitzenwert einbringt. Seit jeher vertraut der Flair überdies auf eine Warmwasserheizung. Doch die Verfolger sind ihm dicht auf den Fersen. Mit vergleichbarer Technik erreichen Concorde und Phoenix ebenfalls höchste Zufriedenheit ihrer Besitzer. Das Urteil über die Wintereignung fällt insgesamt leidenschaftlich aus. Bei keiner anderen Fragestellung trennt Tabellenspitze und -schluss ein so großer Punkteabstand. Am unteren Ende der Skala: die teils mit schwacher Heizung und integriertem Fahrerhaus ausgerüsteten Teilintegrierten von Chausson. Eine klare Bestätigung dieser Einschätzung liefert übrigens der promobil-Heizungstest (siehe Ausgabe 4/2003). Ein teilintegrierter Chausson Welcome bildete das Schlusslicht, während ein auch von seinen Eignern besonders positiv bewerteter Eura-Mobil-Alkoven am kräftigsten einheizte. Wie keine andere Untersuchung spiegeln die Puzzleteile dieser Studie reisemobile Praxis wider. Es lohnt, sich weiter in die Leserurteile zu vertiefen – das zeigt schon die prompte Reaktion mancher Hersteller auf die Kritik der Reisemobilbesitzer.

promobil Logo

Autor

Datum

16. Januar 2004
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z