Praxis-Tipp: Reparaturen: Alu- und Kunststoff-Reparatur

Wagenreparaturen

Selber machen  ist top, wenn die Grenzen des Machbaren nüchtern kalkuliert sind. Dann wird das kleinste Heim zur Reparatur-Schmiede.

Man will es ungern wahrhaben, aber auch im Stand altern Reisemobile. Nach der Saison treten dann manchmal überraschende Schäden zutage. Wie bei dem mit 17 Jahren zwar betagten, aber dennoch sehr gut erhaltenen Alkovenmobil. Von einem Tag auf den anderen war die Seitenschürze gerissen. Einfach so nach einer klirrend kalten Nacht. Offenbar hatten Materialspannungen und Alterung  das Teil geschädigt. Ein verbreitetes Problem?

Bauteile aus thermoplastischen Kunststoffen sind aus dem Reisemobilbau nicht wegzudenken: Heckleuchtenträger, Front- und Seitenschürzen, Verkleidungen, Kühlergrills, Dachboxen, Gehäuse von Klimaanlagen und vieles andere mehr. Der gebräuchlichste Werkstoff ist in diesen Bereichen ABS.

Thermoplaste haben Vorteile wie Elastizität und wirtschaftliche Herstellungsverfahren. Glatte Kunststoff-Bahnen werden erhitzt und in die Form gezogen. Nur die Haltbarkeit ist nicht ihr hervorstechendes Merkmal. Die Weichmacher dieser Kunststoffe machen sich im Laufe der Jahre regelrecht „dünne“. Sonneneinstrahlung und Umwelteinflüsse beschleunigen ihre Verflüchtigung. Jeder kennt das Resultat von alten Wassereimern, die irgendwann hart und spröde werden und schließlich brechen.

Keine Frage: Besitzer älterer Reisemobile haben hier ein echtes Problem. Vor allem deshalb, weil die Plastikteile oft nicht mehr lieferbar sind. Was tun? Sicher: Thermoplaste lassen sich schweißen. Das Verfahren ist jedoch für die Anwendung in der Hobby-Werkstatt zu aufwendig. Doch es gibt auch eine wesentlich einfachere Methode für diese Reparatur.

Einige Hersteller bieten Reparatur-Klebstoffe an. Gezeigt werden soll hier das Reparaturpflaster-Verfahren von 3M. Dabei wird die Rückseite des Stoßfängers oder der Schürze nach entsprechender Vorbehandlung an der schadhaften Stelle durch eine aufgeklebte, hochfeste und elastische Verbindung unterstützt.  Das Ergebnis beim
promobil Praxis-Test überzeugte. Deshalb hier die übersichtlichen Verarbeitungsschritte im Detail zum Nachvollziehen.

Zunächst muss die Rückseite des beschädigten Teils zugänglich gemacht werden. Bei kleineren Teilen empfiehlt sich immer der Abbau, bei größeren Teilen wie der einteiligen Seitenschürze ist Vorsicht geboten. Denn wenn die Kunststoff-Blenden geklebt sind, ist ein Abbau riskant, weil weitere Risse und Brüche drohen. Dass der zu behandelnde Riss erst einmal mit der Bohrmaschine gestoppt wird, mag brutal erscheinen, hat aber seinen Hintergrund in der Physik. Die Entlastungsbohrung mit drei bis vier Millimeter Durchmesser am Ende des Risses verhindert ein Fortschreiten des Spaltprozesses.

Der dritte Punkt des Arbeitsplans ist das Schaffen sauberer Voraussetzungen. Putzen mit entfettendem Spülmittel ist notwendig, die weitere Behandlung mit Entfettungsmittel (Silikon-Entferner) empfehlenswert. Hier gilt, wie für das weitere Hantieren mit den chemischen Wirkstoffen, die Pflicht der „Schutzausrüstung“. Das heißt: Gummihandschuhe und Schutz-brille sind zu tragen, besonders beim vierten Verarbeitungsschritt, dem Aufbringen von Kunststoff-Haftvermittler aus der 3M-Packung. Die Portions-Tütchen mit dem Auftragsschwamm schaffen allerdings beste Voraussetzungen für problemlose Anwendung. Der letzte Schritt umfasst das Zuschneiden der Pflaster und das Andrücken dieser stabilen Verstärkungen.
Das hört sich einfach an. Vorher ist der Ablauf aber unbedingt gedanklich durchzuspielen. Denn das Pflaster klebt sofort. Korrekturen sind nahezu unmöglich. Entsprechend ist die Riss- oder Bruchstelle stabil zu fixieren. Dann muss jeder Handgriff sitzen.

Die Reparaturstelle muss vor späterem Wassereintritt geschützt werden. Eine Abdichtung mit geeigneten Mitteln wie Sikaflex erscheint sinnvoll. Das gilt auch für die Vorderseite, an der  nur  die kleine Bohrung an den Eingriff erinnert.

Die beschriebene Lösung wurde von 3M unter anderem für die Renovierung lädierter Pkw-Stoßfänger entwickelt und wird zusätzlich  zu einem Kleber für die Oberseite beschädigter Plastikteile offeriert. Andere Reparaturkleber gibt es zum Beispiel auch von Würth.

Bekannter ist das nachfolgende Verfahren zur Instandsetzung beschädigter Aluminiumteile. So weit kleine Bereiche zu reparieren sind, kann sich der handwerklich geschickte Hobby-Mechaniker an die Aufgabe wagen. Bei großflächigeren Beschädigungen sollte man sich an einen Fachmann wenden. Die Bilder in unserer Foto-Strecke zeigen die Beseitigung einer Einschlagstelle mit Loch in einer Stauraumklappe eines älteren Integrierten.

Eine dankbare Aufgabe für die Hobby-Werkstatt. Denn zum einen lässt sich die Klappe ausbauen und mit in den geheizten Keller nehmen, zum anderen lässt sich die Reparatur leicht lokal begrenzen: In der Bilderfolge wird nur der Bereich des blauen Streifens repariert. Alles andere wird abgeklebt. Die Lackierung eines solch kleinen, abgrenzbaren Bereichs ist auch mit der Spraydose durchaus machbar. Eindringlich sei aber vor Spraydosen-Einsatz mitten auf der Fläche gewarnt. Er würde ewig hässlich sichtbar bleiben.

Die wesentlichen Arbeitsschritte:
Anschleifen der Reparaturstelle (120er Körnung), Verspachteln der Schadstelle mit Glasfaser-Polyesterspachtel, der mit einem Härter angerührt wird. Doch Achtung: Zu viel Härter bei moderaten Temperaturen lässt die Masse in Windeseile aushärten. Die Mischungsverhältnisse sind unbedingt einzuhalten. Mit einem Schleifklotz wird die Stelle mit relativ grobem Schleifpapier geglättet (100er Körnung). Anschließend kommt der Füllspachtel zum Einsatz, der seinen letzten Schliff mit 240er Papier erhält. Ein Grundierfüller aus der Spraydose wird nun satt aufgetragen und einen Tag zum Trocknen gestellt. Er bekommt einen Nass-Schliff mit viel Wasser und 800er Nassschleifpapier. Nach Trocknung und Reinigung mit Silikon-Entferner kann die Lackierung erfolgen. Hier gilt: Lieber dreimal dünn mit mehrminütigen Zwischenpausen als einmal zu dick; sonst gibt es Nasen. Sollte das Endergebnis nicht überzeugen, kann nach ein paar Tagen und einem 400er Nassschliff  noch einmal bei der Stufe „Grundierfüller“ angefangen werden. Nicht zur Strafe, nur zur Übung und ganz im Sinne eines guten Ergebnisses.

Werkstatt oder selber machen?

Das können Sie selbst:

  • Reparatur von kleineren Rissen an Schürzen und weiteren Teilen aus Thermoplast-Kunststoff nach gezeigter Methode.

  • Beseitigen kleiner Schäden an Aluminium-Glattblech.

  • Riss-Reparatur an glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK).

  • Lackiervorbereitung und Lackierung, so weit sich der Reparaturbereich sinnvoll auf kleine Flächen begrenzen lässt.


Das Macht besser die Werkstatt:

  • Reparaturen an Thermoplast-Bauteilen, an denen nach Anprall größere Bereiche neu aufgebaut werden müssen.

  • Reparaturen an Seiten- oder Heckwänden, die größere Bereiche betreffen, größere Teil-Lackierungen notwendig machen oder genarbtes Aluminium-Blech betreffen.

  • Arbeiten am Fahrzeug, die die tragenden Strukturen des Aufbaus betreffen oder tangieren.

  • Dichtigkeitsrelevante Instandsetzungen des Dachbereichs.

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Thomas Herwig

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