Alles über Booster
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Praxis-Tipp Booster: Bitte Volltanken

Lade-Booster sollen die Bord- oder Zweitbatterie speziell während der Fahrt zügig und wirkungsvoll aufladen. Was leisten die kompakten Umspannwerke in der Praxis wirklich?  promobil probierte es aus.

Entspannt von einem Stellplatz zum nächsten tingeln, das hat für vieleWohnmobilurlauber seinen besonderen Reiz. Doch beim stetigen Wechsel aus den kurzen Fahrten und dem üblichen allabendlichen Energieverbrauch gerät auf solch einer Tour ohne regelmäßiges Andocken an eine Steckdose der Ladezustand der Bordbatterie in Gefahr.

Während der gemütlichen Fernsehabende im Reisemobil wird der Akku im Aufbau kräftig entladen. Beim Fahren allerdings lädt die Lichtmaschine nur verhalten nach. Grund: Wie viel elektrische Energie der Generator bei laufendem Motor an den Bordakku abgibt, bestimmt der serienmäßige Lichtmaschinenregler des Basisfahrzeugs.

Der orientiert sich nun allerdings am Ladezustand beider, jetzt paralell geschalteter Batterien. Und da der Starterakku beim Anlassen des Motors meist nur geringfügig entladen wird, werden auch recht schnell hohe Ladespannungen erreicht. Dann reduziert der Lichtmaschinenregler den Ladestrom des Generators, um die Starterbatterie nicht zu überladen. Dass die oft weit von der Lichtmaschine eingebaute Aufbaubatterie indessen meist noch lange nicht voll ist, „weiß“ der Laderegler im Basisfahrzeug nicht.

So wird die volle Leistungsfähigkeit der Lichtmaschine in der Praxis nur kurzzeitig ausgenutzt. Das Ergebnis: Während einer mehrtägigen Tingeltour von Stellplatz zu Stellplatz wird der Bordakku von Tag zu Tag stärker entladen, bis eines Abends, trotz täglichen Nachladens während der Fahrt, die Lichter von selbst ausgehen.

Kurze und dicke Kabel bevorzugen

Erschwerend kommt hinzu, dass die Ladespannung auf dem Weg vom Generator zur Batterie durch den Widerstand der mehr oder weniger langen und oft relativ dünnen Kabel absinkt. Wie stark sich der verwendete Kabelquerschnitt und die -länge auf den Spannungsabfall auswirkt hat promobil mit vier typischen Kabeldicken durchgemessen und im Diagramm in der Fotoshow dargestellt. Bei einem Ladestrom von rund zehn Ampere verursacht eine fünf Meter lange Zuleitung mit einem Kupferkern von 2,5 Quadratmillimeter Querschnitt bereits einen Spannungsabfall von 14,2 auf 13,4 Volt.

Mit dieser Spannung lässt sich der Bordakku aber nicht vollständig aufladen. Abhilfe bieten zum einen möglichst kurze Leitungen zwischen Lichtmaschine und Bordakku, doch darauf hat der Reisemobilbesitzer kaum Einfluss. Der zur Verfügung stehende Kupferquerschnitt lässt sich dagegen mit vertretbarem Aufwand vergrößern. Man verlegt dazu entweder ein neues, dickeres Kabel oder parallel zum vorhandenen Strang einen weiteren, mit einem ebenfalls möglichst großen Querschnitt.

Beide Probleme - den Spannungsabfall auf dem Weg zum Bordakku und den reduzierten Ladestrom von der Lichtmaschine - sollen sogenannte Lade-Booster lösen. Sie hieven die abgesunkene Ladespannung unmittelbar vor der Bordbatterie auf ein zur Akkuladung optimales Niveau von 14,4 oder 14,7 Volt, je nach Batterietyp. Außerdem sorgen sie für einen konstant kräftigen Ladestrom, indem sie dem Lichtmaschinenregler über die entsprechende Spannung an der Starterbatterie signalisieren, dass weitere Ladeleistung benötigt wird.

Praxis-Test am Wohnmobil

Was ein Booster in der Praxis bringt, hat promobil ausprobiert. Als Testfahrzeug diente ein Bürstner Ixeo. Er verfügt wie viele andere Reisemobile über ein Ladegerät von Schaudt und eine Blei-Säure-Bordbatterie mit einer Kapazität von 90 Ah. Um zu messen, wie viel Energie während der Fahrt in der Bordbatterie eingelagert wird, schaltete promobil einen Batteriecomputer dazwischen. Dieser Stromzähler informiert über den aktuellen Ladestrom und die real anliegende Ladespannung. Außerdem zeigt er die tatsächlich vorhandene Batteriekapazität in Amperestunden (Ah) an.

Zu Testbeginn erhielt der Bordakku eine Vollladung am 230-Volt-Netz. Dann wurde er über mehrere Stunden mit 18 Ampere entladen, bis er noch eine Restkapazität von 26 Ah enthielt. Es folgte eine zweistündige Autobahnfahrt, bei welcher der Akku wie gewohnt über die vorhandene Standardverkabelung geladen wurde. Beim ersten Durchlauf des Testprozedere war die Starterbatterie stark entladen, da der Bürstner zuvor längere Zeit im Stadtverkehr mit Abblendlicht, Radio und Klimaanlage bewegt wurde. Als Folge lieferte die Lichtmaschine einen kräftigen Ladestrom, von dem auch der Bordakku profitierte. In den zwei Stunden wurden 34 Ah nachgeladen.

Der Ladestrom zum Bordakku fiel während der Fahrt jedoch stetig ab. Unmittelbar nach dem Start flossen noch satte 22 A. Doch nach einer Stunde blieben davon nur noch 11 A übrig. Nach zwei Stunden auf Tour sank der Ladestrom schließlich in Abhängigkeit des Ladezustands der Starterbatterie auf müde 6 A. Während der gesamten Fahrt schwankte die Ladespannung dabei zwischen 13,2 und 13,5 Volt, was für eine vollständige Ladung der Bleibatterie zu wenig ist.

Bei der zweiten Testfahrt im Serienzustand war die Starterbatterie dagegen fast voll. Der Aufbauakku war erneut auf 26 Ah entladen worden. Die Folge war jetzt ein bereits anfänglich erheblich geringerer Ladestrom. Zu Beginn flossen 15 A, doch schon nach 30 Minuten waren davon nur noch knapp fünf Ampere übrig.

Die Bilanz der Tests ist ernüchternd: Beim ersten Durchlauf profitierte der Bordakku noch von der entladenen Starterbatterie, und es wurden 34 Ah nachgeladen. Für einen gemütlichen Abend im Reisemobil reicht dies meist aus.

Beim zweiten Durchlauf mit weitgehend voller Starterbatterie wurden aber nur 10 Ah nachgeladen. Das deckt den typischen täglichen Strombedarf nicht, der Bordakku würde während der Tour von Stellplatz zu Stellplatz von Tag zu Tag immer weiter entladen. Der Test beweist: Das Nachladen während der Fahrt in der Standardkonfiguration liefert kaum verlässlichen Energienachschub.

Lade-Booster gegen Standardkonfiguration

Dann kam die Reihe an den Booster. Die Redaktion wählte den neuen Lade-Booster von Mobile Technology, er lädt den Bordakku wie ein hochwertiges Ladegerät geregelt über eine IUoU-Kennlinie, abhängig vom  tatsächlichen Ladezustand - erst mit hohem Ladestrom, dann mit Erhaltungsladung. Zusätzlich lässt sich die Kennlinie auf den verwendeten Akku-typus einstellen. Diese Technik ermöglicht zunächst während kurzer Fahrten eine kraftvolle Ladung mit konstant hohem Ladestrom von 25 A.

Das jedoch bieten auch Booster ohne IUoU-Kennlinie. Im Unterschied zu diesen Geräten führt die hochwertige Ladetechnik während langen Fahrten zu einer echten Vollladung des Akkus ohne die Gefahr einer schädlichen Überladung.

Bei Boostern ohne Kennlinie empfehlen deren Hersteller zum Teil, die Geräte vom Akku zu trennen, sobald die Batterie voll ist. Doch in der Praxis lässt sich der Ladezustand kaum abschätzen. Deshalb sind Booster mit IUoU-Kennlinie erste Wahl.

Die Messergebnisse der Testfahrt mit Booster entsprachen den Erwartungen: Bereits im Leerlauf speiste der Booster einen Ladestrom von 25 A ein. Diesen Wert behielt er während der gesamten Fahrt aufrecht. Auch die Ladespannung war mit 14,4 Volt konstant hoch. Der Bordakku wurde in nur zwei Stunden mit insgesamt 50 Ah aufgefüllt. Damit erreichte die Technik die gesteckten Ziele. Dieser Energienachschub reicht auch für einen Spielfilmabend während der dunklen Jahreszeit aus.

Kein Einbau ohne Fachkenntnisse

Wie kompliziert ist der Einbau eines Boosters? Die Montage des Geräts erfolgt möglichst nahe an der Bordbatterie. Dazu werden die Plus- und die Minusleitung von der Startbatterie zum Aufbauakku durchtrennt und der Booster dazwischengeschaltet. Zusätzlich ist eine Verbindung zum Zündungs-plus (D+ oder „Klemme 15“) nötig, damit er während des Motorlaufs aktiv ist. Der hochwertige Mobile-Technology-Booster kontrolliert zudem mit einer Sensorleitung die Spannung der Starterbatterie. Optional lässt sich auch noch ein Temperaturfühler zur Überwachung der Bordbatterie anschließen, um bei besonders tiefen oder hohen Temperaturen eine entsprechend schonendere Ladekennlinie zu fahren.

Ohne fundierte Kenntnisse der Kfz-Elektrik sollte man den Einbau dem Fachhändler überlassen. Vor allem sehr starke Booster, sie liefern Ladeströme über 25 A, erfordern neue, sehr dicke Leitungen zwischen der Starterbatterie und dem Booster sowie weiter zum Bordakku. Ein Fachbetrieb kennt dieses  Problem, hat Erfahrung in der Dimensionierung und der Verlegung der Leitungen. Zudem liegen dort die nötigen Kleinteile und Werkzeuge zur Hand und können die Leitungen mit passenden Sicherungen vor Überlastung im Schadensfall geschützt werden.

Für den fachgerechten Einbau sollte man etwa ein bis zwei Arbeitsstunden kalkulieren. Danach erledigt der elektronische Lademeister seinen Dienst unauffällig und wartungsfrei - auch beim Tingeln von Stellplatz zu Stellplatz.

Spannungsverlust auf dem Weg zum Akku

Die Verkabelung ist für die zuverlässige Ladung der Bordbatterie mit verantwortlich. Denn jeder Meter Kabel wirkt wie ein elektrischer Widerstand, der ein Absinken der Ladespannung verursacht. Je mehr Kupfer in einem Kabel zur Verfügung steht, desto geringer ist dessen elektrischer Widerstand.

Gewissenhafte Hersteller von Boostern empfehlen deshalb in Abhängigkeit von der vorhandenen Kabellänge einen Mindestquerschnitt für den jeweiligen Booster. Zu dünn gewählte Kabel können durch die hohen Ladeströme eines Boosters überhitzen, und die Isolierung kann schmelzen. Zusätzlich werden die Plusleitungen jeweils mit einer eigenen Sicherung bestückt.

Marktübersicht Lade-Booster Carbest Power Booster
  • Ladestrom: 8/20 A
  • Kennlinie: IU
  • Preis: 70 – 100 Euro
  • Kontakt: Tel. 0 61 03/40 05 2, www.reimo.de
Microcharge Lade-Booster
  • Ladestrom: 5/10 A
  • Kennlinie: IU
  • Preis: 149–219 Euro
  • Kontakt: Tel. 0 57 22/98 19 67, www.microcharge.de
Mobile Technology MT-LB 25/45 NDS Power Service
  • Ladestrom: 20/25/30/35 A
  • Kennlinie: IU
  • Preis: 278–345 Euro
  • Kontakt: Tel. 0 61 03/40 05 21, www.reimo.de
Votronic VCC1212
  • Ladestrom: 25/45 A
  • Kennlinie: IUoU
  • Preis: 278 – 345 Euro
  • Kontakt: Tel. 0 66 41/91 17 30, www.votronic.de
Waeco Perfect Charge
  • Ladestrom: 8/20/40 A
  • Kennlinie: IU
  • Preis: 119 – 299 Euro
  • Kontakt: Tel. 0 25 72/87 90, www.waeco.de

Booster statt Generator

Nicht nur in Wintermonaten, wenn die Solarpaneele kaum noch Ertrag bringen, flammt alljährlich die Diskussion über den Sinn und Zweck von benzinbetriebenen Generatoren auf. Doch wie stark laden diese Motorgeräte den Bordakku wirklich?

Der oft vorhandene Gleichstromausgang am Generator liefert meist nur wenig mehr als zwölf Volt - zu wenig für eine direkte Ladung eines Bleiakkus. Also nutzt man den 230-Volt-Wechselstromausgang und speist die Batterie via Außensteckdose über das bordeigene Ladegerät. Dann bestimmt aber das Ladegerät den maximalen Ladestrom - oft nur 15 A. Beim Anschluss an eine Netzsteckdose genügt das meist, denn über Nacht bleibt genügend Ladedauer. Doch den Generator neben dem Mobil möchte man in der Regel nur so kurz wie möglich betreiben. Um etwa 45 Ah zu laden, müsste der handliche Brummer dann drei Stunden knattern.

Ein kräftiger Booster mit IUoU-Kennlinie dagegen pumpt während einer Stunde Fahrt bis zu 45 Ah in den Akku. Dabei sind der Ladestrom und die -spannung weitgehend unabhängig von der Motordrehzahl. So liefert der Booster auch im Leerlauf oder bei einer ausgesprochen gemütlichen Fahrweise volle Ladeleistung. Wenn man öfter den Standort wechselt, ist ein kräftiger Booster deshalb durchaus eine Alternative zu Generator oder Brennstoffzelle.

Autor

Foto

Christian Hass, Archiv

Datum

25. Februar 2012
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