Besserer Sound jetzt auch für unterwegs. 16 Bilder Zoom

Mehr Bass statt nur etwas Blech: Neu angepasstes Soundsystem fürs Reisemobil

Wer seine Musik und seine Lieblingsfilme auch im Wohnmobil genießen möchte, ist oft aufgeschmissen. Aber nicht mehr lange: Spezielle Soundsysteme und tragbare Bluetooth-Lautsprecher helfen jetzt aus.

Campingfernseher und die serienmäßigen Lautsprecher im Cockpit bieten selten wirklichen satten Sound und klingen eher blechern und hochtönig. Reisemobilisten auf der Suche nach wahrem Klanggenuss müssen sich also anderweitig behelfen: Mit speziellen Soundsystemen oder tragbaren Bluetooth-Lautsprechern. Konzertsaal gegen Ghetto-Blaster oder perfekte Klangabstimmung gegen eine einfache Erhöhung der Lautsärke. In der Werkstatt von Jehnert Sound Design lässt man keinen Zweifel daran, dass individuelle Soundsyteme die bestmögliche Klangausstattung für Reisemobilisten sind. An der arbeitet das Team um Hans-Peter Jehnert schließlich seit Jahren. Was mit der Weiterentwicklung von Car-HiFi-Anlagen anfing, ist mittlerweile bei Soundsystemen angekommen, die speziell auf Wohnmobile angepasst sind. Anders als früher, müssen Radio und Lautsprecher im Cockpit dafür nicht mehr integriert werden. Jehnert baut auch Anlagen nur für den Wohnraum.

Dabei ist es gar nicht so einfach, das Innere eines Reisemobils optimal zu beschallen. „Man darf das nicht mit einem weitläufigen Wohnzimmer daheim vergleichen. Im Mobil ist alles auf ein bis zwei Meter Raum komprimiert“, sagt Hans-Peter Jehnert. Während sich in Wohnungen die Schallwellen von den Boxen ausgehend auf einer großen Fläche ausbreiten können, treffen sie im Reisemobil meistens schon nach kurzer Strecke auf die Barriere an Bad und Küche und kommen kaum bis ins Heck durch. Da Campingfahrzeuge eher schlauchförmig sind, wird dieser Effekt mit jedem zusätzlichen Meter Länge verstärkt. Der Inneraum des Mobils ist also meistens in Schlaf- und Wohnbereich eingeteilt. Für eine ordentliche Beschallung braucht jeder Abschnitt mindestens zwei eigene Lautsprecher für die Hoch- und Mitteltöne und einen Tiefenbass, den sogenannten Subwoofer. Dabei können die Lautsprecher auf beiden Seiten durchaus an das gleiche Abspielgerät angeschlossen sein (siehe auch Kasten unten).

Individuelle Anpassung des Soundsystems

Obwohl ein solches System schon aus relativ vielen Einzelteilen besteht, ist das lange nicht das Ende der Möglichkeiten. Spezialisten wie Jehnert passen die Soundsysteme völlig individuell an die Wünsche der Kunden an. Das bedeutet auch, dass die Mechaniker die beste Position für die Lautsprecher ermitteln. Außerdem stellen sie Höhen und Tiefen über die Programmierung der Verstärker optimal ein und verzögern das Ausspielen der Töne durch Laufzeitkorrekturen, falls die Distanz zwischen den einzelnen Lautsprechern und den Sitzplätzen ungleich ist.

Der Vorteil solcher HighEnd-Lösungen liegt auf der Hand. Einen besseren Raumklang wird es kaum geben. Im Vergleich zu Car-HiFi-Anlagen, bei denen die Boxen in die Möbel integriert sind, übertragen die Wohnraumboxen von Jehnert die Schallwellen zudem nicht so stark auf Möbelbau und Außenwand. Vor dem Mobil ist deshalb relativ wenig zu hören, wenn die Musik läuft. Der Nachteil ist schlicht der Preis, den Jehnert dafür abruft. Allein für die Hardware der Anlage werden bisweilen weit über 1000 Euro fällig. Da eine individuelle Beschallungsanlage nicht für jeden erschwinglich ist, hat Jehnert im Katalog mittlerweile auch zwei Soundpakete, die rund um die Sitzgruppe den Sound von Fernseher oder Radio verbessern. Als günstige Alternative kommen für Camper aber auch handeslübliche 2.1 Soundsysteme infrage. Sie haben nicht die Verarbeitungsqualität wie Jehnert-Systeme, sind nicht so optimal eingestellt und passen sich auch nicht so gut ins Reisemobil ein. Am Fernseher angeschlossen und richtig aufgestellt, bieten sie rund um die Sitzgruppe aber auch schon einen raumfüllenden Klang. Wenn ein Bluetooth-Empfänger in die Steuereinheit integriert ist, klappt es auch mit der Musik, die auf den mobilen Geräten gespeichert ist. Ein bisschen Tüftelei ist beim Einbau der 2.1 Systeme allerdings nötig. Angefangen bei der Platzsuche für den Tiefenbass. Der sollte weit unten sitzen. Ein leerer Sitzkasten bietet sich an. Die kleinen Boxen sollten rechts und links in den Ecken des Wohnbereichs ihre Position finden und mit den Lieblingssitzplätzen ein sogenanntes Klangdreieck bilden. Für einige Lautsprechermodelle gibt es sogar Befestigungen, um die Satelliten-Boxen an die Wand oder unter Regale zu hängen.

Soll die Musik auch mal vor dem Mobil spielen, geraten die Jehnert Soundpakete und die 2.1 Anlagen aber an ihre Grenzen. Hier kommen mobile, kabellose Bluetooth-Systeme ins Spiel. Sie bestehen oft aus mehreren kleinen Lautsprechern für tiefe und hohe Töne, die in einen Block integriert sind. Energie liefert ihnen ein integrierter Akku, der je nach Modell zwischen fünf und 15 Stunden durchhält, eher er eine Aufladung braucht.

Entspannt Musik hören am Strand

Unter die Markise kann man sie auf jeden Fall mitnehmen, aber auch zum Sonnen an den Strand oder ins Schwimmbad – manche Modelle sind wasserfest und schmutzabweisend.
In erster Linie sind solche Systeme gebaut, um die Musik aus mobilen und bluetoothfähigen Geräten wie Smartphones zu verstärken. Da die meisten aber auch eine Buchse für einen Klinkenstecker besitzen, ist der Anschluss an den Kopfhörerausgang des Fernsehers möglich oder eines Radios.  Im Gegesatz zu tragbaren Lautsprechern früherer Tage klingen die heutigen Geräte nicht mehr so scheppernd. Viele geben die Musik sogar ausgewogen und kräftig wieder. Skepsis ist aber angebracht, wenn von Raumklang die Rede ist. In den tragbaren Soundsystemen sind alle Lautsprecher auf einem relativ kleinen Kasten komprimiert. Ein gleichmäßiges Klangdreieck entsteht dadurch nicht. So bleibt am Ende der Reise durch die Klangwelt die Erkenntnis, dass die Wahl der Lautsprecher vom persönlichen Geschmack und Budget abhängt. Wer den Raum otpimal beschallen will, ist bei Jehnert richtig. Liegt die Priorität auf Beweglichkeit, sind es die Bluetooth-Lautsprecher. Im besten Fall hat man natürlich beides.

Portraits Redaktion

Foto

Andreas Becker Ludwigsburg

Datum

22. Dezember 2015
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