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Ratgeber: Möbeloberflächen

Es ist nicht alles Holz, was im Reisemobil wie Holz aussieht. Doch das muss kein Nachteil sein.

Trotz lebensechter Maserung und trotz der manchmal sicht- und spürbaren Poren an der Oberfläche: Was wie Holz aussieht, ist tatsächlich in den meisten Fällen bedrucktes Papier. Der schöne Schein verdrängt im Reisemobilbau bis hinauf zur Oberklasse zunehmend die teureren und schwerer zu verarbeitenden Naturmaterialien – durchaus auch zum Nutzen des Reisemobilkäufers. Reisemobilmöbel werden heute nur noch selten in Schreinermanier aus Vollholz gefertigt. Ein wenig verbreiteter ist da noch die altehrwürdige Methode, Korpusse, Türen, Blenden und Klappen mit Furnier zu belegen. Besonders bei Individualausbauern wird diese Schreinerkunst noch gepflegt. Um herkömmliches Furnier herzustellen, wird ein Holzstamm aufgeviertelt, dann werden die einzelnen Furnierlagen abgeschält, „gemessert“, wie die Fachleute sagen, mit dem Trägerholz verklebt und verpresst. Im Reisemobil-Möbelbau spielt dieses „echte“ Furnier indes nur eine untergeordnete Rolle gegenüber dem so genannten Finelinefurnier. Hier werden Furnierblöcke aus verschiedenen Hölzern zusammengesetzt, verleimt und verpresst und dann wiederum gemessert, so dass sich ein gleichmäßigeres Bild als beim „echten“ Furnier ergibt – ein Bild, das gewissermaßen künstlich erzeugt wird, aber eben doch noch aus richtigem Holz besteht. Den Bärenanteil der Möbeloberflächen bei Freizeitfahrzeugen machen die Möbelfolien aus.

Auch wenn die Bezeichnung das nahe legen könnte: Diese Folien bestehen in der Regel nicht aus Kunststoff, sondern vielmehr aus bedrucktem und lackiertem Papier, das oft auch noch geprägt wird, damit sich die Fläche wie Holz anfühlt und bei seitlichem Lichteinfall wie echtes Holz erscheint. Außerdem fallen dank der Prägung kleine Unebenheiten des Trägermaterials weniger ins Auge. Viele dieser Dekopapiere sind heute so perfekt gemacht, dass auch Fachleute aus mehr als einem halben Meter Abstand nicht erkennen können, ob es sich um Furnier oder um Papier handelt. Typische Möbeldekore entstehen so: Ausgesuchte Furniere werden digital fotografiert oder direkt eingescannt; die Fotografien oder Scanns können nun am Computer bearbeitet werden – hier ein Astloch wegretuschiert, dort eine schwungvolle Maserung hinzugefügt, das Ganze im Farbton vereinheitlicht und ganz nach Wunsch etwas rötlicher oder gelblicher eingestellt. Das Ergebnis dient als Druckvorlage und kann in beliebiger Menge reproduziert werden. Dazu ist dann auch noch das Kunststück nötig, das Maserungsbild am oberen und unteren Ende bruchlos ineinander übergehen zu lassen, so dass ein endlos fortlaufendes Dekor ohne einen sichtbaren Rapport entsteht. Die holzartigen Möbeldekore stellen also eine idealisierte, künstlich nachbearbeitete Kopie eines ganz bestimmten Holzes dar.

Im Prinzip aber können Maserungsbilder, Farbtöne und Prägestrukturen beliebig kombiniert werden, so dass die Innenraumgestalter zum Hervorbringen des gewünschten Wohnambientes auch neue „Hölzer“ frei erfinden können. Warum wird bei Freizeitfahrzeugen überwiegend Folie eingesetzt? Da zählt zunächst der Preis. Für einen Quadratmeter Papierdeko bezahlt ein Reisemobilhersteller etwa 65 bis 95 Cent, bei Furnier bewegt sich der Preis ungefähr vom Zehn- bis hin zum Fünfzigfachen. Zu den günstigeren Materialkosten kommen geringere Verarbeitungskosten hinzu, weil sich das Papierdeko wesentlich besser als das Furnier für eine industrielle Serienfertigung eignet. Für den Reisemobilkäufer ergibt sich so insgesamt ein beachtlicher Preisvorteil, der sich durchaus im vierstelligen Euro-Bereich bewegen dürfte. Auch Gewichtsunterschiede spielen eine Rolle. Papierfolien sind extrem dünn. Standardmäßig bestehen sie aus einem 55-Gramm-Papier, das bedruckt, mit Harzen behandelt und lackiert wird. Alles zusammen macht 85 bis 95 Gramm pro Quadratmeter. Das Gewicht eines Furniers variiert stark je nach Holzart und Furnierstärke: Die Werte schwanken zwischen etwa 150 und im Extremfall über einem Kilogramm pro Quadratmeter. Auch hier addiert sich eine Lackschicht hinzu. Bei einer Deko-Oberfläche von überschlägig 100 Quadratmetern in einem mittelgroßen Alkovenmobil kann sich die Gewichtsersparnis bei Folie statt Furnier auf bis zu etwa 90 Kilogramm belaufen.

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Datum

19. März 2004
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