Mobil-Tour: Westerwald 14 Bilder Zoom

Mobil-Tour Westerwald: Das kleine Glück am Wegesrand

Entschleunigung ist im Westerwald mehr als nur ein Modewort. Eine Mobil-Tour zum Wandern und Besichtigen hilft, die erholsame Langsamkeit für sich zu entdecken.

Wie oft sind wir hier mit dem Wohnmobil achtlos vorbeigefahren, auf der rechtsrheinischen Autobahn zwischen Frankfurt und Köln? Sicher ein Dutzend Mal, doch in diesem Sommer soll es anders sein: Bei Montabaur verlassen wir die Rennstrecke und kurven genüsslich auf schmalen Waldstraßen in Richtung Westerwälder Seenplatte. Stroboskopartig blitzen die gebündelten Sonnenstrahlen durch die Baumkronen. Manche Äste hängen sehr tief, weshalb es ratsam erscheint, einen Gang herunterzuschalten - auch, weil womöglich flüchtiges Wild die Fahrbahn kreuzt. Es folgen Weiler und Wiesen: Sie künden die sieben Weiher an, welche die Seenplatte bilden.

Mit 123 Hektar Wasserfläche ist der Dreifelder Weiher der größte. Es verblüfft, dass er von Menschenhand geschaffen wurde. Aus dem einst sumpfigen Gelände entstand nach dem Dreißigjährigen Krieg nach nur zwei Jahren Bauzeit ein ertragreicher Fischgrund. Seine ausgedehnten Schilfzonen sichern das Überleben vieler seltener Vogel- und Pflanzenarten. Dennoch dürfen sich Badewillige und Kleinkapitäne in den Fluten tummeln, wofür der große Campingplatz am Nordwestufer eine exzellente Basis bietet. In Ufernähe verläuft der Sieben-Weiher-Weg, ein abwechslungsreicher, etwa 36 Kilometer langer Rad- und Wanderweg.

Ein idyllischer Weg führt zur Holzbachschlucht

Wie ein wilder Dschungel mutet die nahe gelegene Holzbachschlucht an. Auf dem Weg zu ihrem Eingang mag man an die Worte des Knollenmännchenmalers Mordillo denken, der einmal gesagt hat: „Glück, das ist der Wind, ein Blatt, ein Duft, eine leere Straße am Morgen, nicht irgendwelche Leute.“ Und wir haben Glück, denn wir sind die Ersten heute früh, die in das grüne Dickicht eintauchen. Den Pfad säumen unzählige umgestürzte, mit Moos bewachsene Bäume; sie dienen Insekten und Pilzen als Lebensgrundlage. Blätter und Stämme sind mit frischem Morgentau benetzt. Das Bachbett ist übersät mit glatt geschliffenen Basaltblöcken. Zwischen dem zartviolett blühenden Wilden Silberblatt, auch Mondviole genannt, erspähen wir einen schönen Picknickplatz.

Auf eine Liaison aus Natur und Kultur treffen Besucher in der Abtei Marienstatt, die Zisterzienser im Jahr 1212 gründeten. Der spätere Barockgarten ging zwar verloren, wurde aber 2011 nach alten Zeichnungen wieder hergestellt. Ebenfalls neu, beruhend auf Vorlagen der traditionellen Klostermedizin: der reizende Heilkräutergarten (siehe Foto), der nach Beschwerdebildern unterteilt ist und mit beeindruckender Artenvielfalt besticht - auch die „giftigen Doppelgänger“ stehen jeweils daneben. Zu den Höhepunkten der Basilika zählen die neuzeitliche Rieger-Orgel und das reich verzierte Chorgestühl aus dem 13. Jahrhundert, eines der ältes-ten noch genutzten seiner Art. Bevor es weitergeht, bietet sich eine Einkehr in den klostereigenen Biergarten an.

Hachenburg ist eine besondere Residenzstadt

Die Perle des Westerwalds wird Hachenburg häufig genannt. Die kleine Residenzstadt blickt auf eine lange Geschichte zurück. Barbarossa höchstselbst soll dem Grafen Heinrich II. von Sayn geraten haben, an diesem Ort zum Schutz der wichtigen Handelsstraßen Köln-Frankfurt und Köln-Leipzig eine Wehrburg zu errichten. In deren Schatten blühte der Handel, wovon die herrlichen Patrizierhäuser in den engen Gassen zeugen. Über das bunte Treiben auf dem Alten Markt wacht bis heute der goldene zweischwänzige Brunnenlöwe. Sein Doppelschweif symbolisiert die Verbindung der Häuser Sayn und Wittgenstein.

Von der Burg ist jedoch nichts übrig; sie wurde nach einem verheerenden Stadtbrand durch ein Schloss ersetzt, das heute eine Schule beherbergt.

Neben der Pfarrkirche befindet sich die „Krone“, angeblich das älteste steinere Gasthaus Deutschlands. Wir beginnen hier mit einem kulinarischen Streifzug, der sich bis in die Abendstunden rund um den Markt fortsetzt. Der hiesige Stellplatz liegt idealerweise nur ein paar Schritte entfernt.

Das leibliche Wohl des Gastes liegt auch Steffi Klöckner sehr am Herzen. Sie ist Chefin der Erlebnisbrennerei Birkenhof in Nistertal, eines vielfach prämierten Traditionsunternehmens. Ihr saloppes Motto lautet: „Alles brennen, was sich nicht wehrt!“ – darunter Bier, Gemüse, Orangen und Nüsse. Außerdem betreibt sie eine Whisky-Destillerie mit Probierstube. Wer möchte da noch den schönen Westerwald links liegen lassen?

Auf der nächsten Seite finden Sie den promobil Tipp zur Region und alle Infos und Stellplätze im Überblick.

Autor

Foto

Thomas Cernak

Datum

1. September 2013
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