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Reise-Tipp Burgund, Auvergne, Limousin: Bulli-Tour ins Herz Frankreichs

Burgund, Auvergne, Limousin? Da schnalzen Frankreich-Fans mit der Zunge. Allen anderen sei empfohlen, selbst eine Reise zu unternehmen. Denn erst schnalzt die Zunge. Dann kommt die Liebe ...

Er wirkt schnöde, der Stellplatz in Treigny, knapp eine Stunde südwestlich von Auxerre. Und doch hat das Dorf ein Herz für uns und den VW T5: Hier neben dem Bauhof besucht uns abends ein netter Herr mit Regenschirm. Obwohl ein Gewitter tobt, überbringt er Grüße aus dem Rathaus sowie Prospekte zur Region. Willkommen im Burgund! 

Einen Trip ins Mittelalter hatten wir jedoch ohnehin geplant, auch ohne Prospekt. Immerhin entsteht nahe Treigny eine Burg nach dem Prinzip experimenteller Archäologie: Die faszinierende Zeitreise findet in "Guédelon" statt, hier haben nur Techniken des 13. Jahrhunderts Zutritt. Na ja, und Besucher natürlich, die staunend durch die sich stetig verändernde Baustelle schlendern.

Der VW T5: treuer Begleiter bei Tag und Nacht. Seine Wendigkeit hat sich schon bei vielen Gelegenheiten bewährt.

Bulli-Tour im Burgund: Beinahe eine Zeitreise

Den alten Gewerken ist man hier ganz nah: ein lebendes Museum. Das denkt man zuweilen auch in den abgelegeneren Ecken, wenn man durch Dörfer und Landschaften rollt, die so gar nicht ins 21. Jahrhundert passen wollen. Charolais-Rinder mampfen sich durch die Weiden, Rentner lassen Boulekugelnklacken. Einen gelassenen Nachmittagmit der Betrachtung solcher Szenen zuzubringen, das kann sehr vergnüglich sein, während der schmucke 180-PS-T5 unter den Platanen parkt. 

Bald stoßen wir auf die Loire, der wir Richtung Clermont-Ferrand folgen – und links liegen lassen, zu verlockend sind die Vulkane der Auvergne. Unsere Vorfahren sahen sie noch rauchen, seit den letzten Eruptionen sind nur wenige Jahrtausende vergangen: erdgeschichtliche Wimpernschläge.

Mehr erfährt man im "Vulcania": Der unterirdisch angelegte Themenpark ist ideal für Regentage und spricht mit seinen 3D-Shows und -Filmen nicht nur das Jungvolk an. Auch Erwachsene sehen Vulkane hernach mit ganz anderen Augen. 

Im Limousin geht es gemächlich zu

Doch auch diese Facette der Reise bleibt zurück, während wir nach Südwesten rollen, bei Meymac die Ruinen von Cars besichtigen und ganz allmählich in eine besondere Gelassenheit schweben. Diese Gelassenheit mag auch an Relikten wie dem alten Citroën "H" liegen. Der wellblecherne Lieferwagen lässt sich würdevoll den Lack matt brennen, während er immer tiefer in die Wiese neben dem verlassenen Gehöft im Limousin sinkt. Bis in die 80er war er laut Stempel noch unterwegs, jetzt kündet er stumm von solch bewegten Tagen. Wobei es im Limousin ohnehin gemächlich zugeht. Paris ist weit, der Himmel auch: Wer Action sucht, sollte anderswo Urlaub machen. 

Dafür ist die Region – inzwischen sind wir im Département Corrèze angelangt – eine Gegend der tausend Bilder. Satte Felder, zahllose Hügel, Wälder und Seen sind die reinste Seelenkur. Zumindest für Gäste – denn Arbeitsplätze sind hier rar. Darum bemüht man sich um Reisende. Tourismusbüros finden sich noch in den kleinsten Dörfern, Camping- oder Stellplätze meist auch. 

Gereist wurde schon früher: Das Limousin galt als Heimat fahrender Troubadoure, die von Schönheit und Mut sangen – auf Okzitanisch. Erst im 17. Jahrhundert fiel das Land an die französische Krone, 1960 entstand die Region Limousin, die ihre Befugnisse schrittweise erweitern konnte, seit Anfang 2016 indes mit den Nachbarn Aquitanien und Poitou-Charentes in der neuen Region Aquitaine-Limousin-Poitou-Charentes aufgeht. 

Bei Tulle erheben sich die "Tours de Merle", sieben Geschlechtertürme über der Maronne. Im 13. Jahrhundert kam es zu Erbteilungen und skurrilen Bauten, heute ist die verwunschene Anlage ein Geheimtipp im Limousin. Festes Schuhwerk nicht vergessen! 

Argentat, im Département Corrèze im Limousin gelegen, ist für seine Bürger- und Fischerhäuschen bekannt.
Zentralfrankreich: Traditionelle Feste und schöne Dörfer Das braucht es in Argentat nicht, diesem Ensemble hübscher Bürger- und Fischerhäuser am Ufer der Dordogne, der man nun am Südufer folgen sollte. Die D12 und die D116 führen durch Walnusshaine – die Nüsse werden beispielsweise bei Denoix in Brive-la-Gaillarde zu Likör veredelt – nach Beaulieu-sur-Dordogne. Der "schöne Ort" macht seinem Namen alle Ehre, ist aber herrlich verwinkelt. Zum Glück ist unser VW-Camper nicht nur ein schickes Auto, sondern auch ein wendiges. Das haben wir bei den verschiedenen Reisen immer wieder gesehen. Einmal nicht aufgepasst, schon zirkelt man sich in Beaulieu durch die Gassen, die hier mitunter wie Höhlen durch Häuser führen. Aber irgendwann lernen wir es noch. Rund um Beaulieu gibt es mehr zu entdecken, als man denkt – wie Turenne mit seiner famosen Altstadt oder das alte Curemonte –, doch die Heimreise rückt näher und näher. 


Diese versüßen wir uns mit dem Château de Val, das von außen imposanter wirkt denn von innen, sowie mit Le Puy-en-Velay, das wir just zum wichtigsten Fest der Region erreichen. Zwar mag es nachts kühl sein an diesem Wochenende im September, wenn die Zeit zurückgedreht wird ins 16. Jahrhundert. Doch der würzigeHypocras wärmt, die fröhliche Stimmung tut es nicht weniger."VELAY!", tönt der Schlachtruf derkämpfenden Truppen durch die Pilgerstadt, und gewandete Bürger wie modern gekleidete Besucher machen Platz vor der Kathedrale, wo Gaukler und Musikanten toben. 

Es ist dies das Fest des "Vogelkönigs", es ist "Fête du Roi de l‘Oiseau"! Das feiern die Menschen aus vollem Herzen – eingedenk der Tatsache, dass hier im Zentralmassiv bald nur noch die Flocken tanzen. Wir übernachten deshalb "unten" im California und lassen das Dach heute mal zu. Und schon vermissen wir es, wie zu Kinderzeiten ins obere, jetzt aber zu kühle Schlafgemach zu klettern. 

Zum Ende der Reise noch ein paar Mitbringsel...

Wir schmunzeln darüber, während unser Weg nun eindeutig Richtung Heimat, und damit noch einmal durchs Burgund führt: In Beaune lassen wir das mittelalterliche Hôtel-Dieu auf uns wirken, den Senf der historischen Mühle Fallot – und den Wein natürlich. Côte de Beaune, Chablis, die Weißen aus dem Mâconnais: Wieder einmal muss der VW seine Talente als Lademeister unter Beweis stellen. 

Und so parken wir schließlich, ein finaler Schlenker muss dann doch noch sein, in Auxerre am Fluss und genießen einen letzten Abend an der Yonne. Wir sollten endlich heim. Andererseits – man könnte sich auch nach Südwesten wenden. Bis Treigny ist es nicht mal eine Stunde. Ich glaube, das ist Liebe …

Alle Stellplatz-Tipps in Burgund, Auvergne und Limousin
Wohnmobil-Stellplätze in Zentralfrankreich

F-71400 Autun: Parking Base de Loisirs du Plan d'Eau du Vallon
Gebührenfreier Stellplatz für 10 Mobile auf dem Parkplatz an der Segelschule. Reserviertes Areal direkt am See. Leicht geneigter, asphaltierter Untergrund. Kein Schatten, beleuchtet. Autogeräusche von der Straße her hörbar. Geringe Distanz zum Zentrum. WC, Tankstelle, Imbiss in Platznähe. Ganzjährig nutzbar.
Standort:
Route de Chalon, GPS 46°57’21”N, 04°19’00”O, Telefon 00 33/3 85 86 80 38, www.autun-tourisme.com

F-89000 Auxerre: Parking au Bord de l’Yonne
Gebührenfreier Stellplatz für 10 Mobile, auf einem geschotterten Großparkplatz für Pkw erlaubt. In mehrere Bereiche gegliederter und stark frequentierter Platz ohne markierte Flächen für Reisemobile. Tiefhängende Äste beeinträchtigen den Rangierraum zusätzlich. Zentrale Lage zur Innenstadt. Ganzjährig.
Standort:
Rue Etienne Dolet, GPS 47°47’49”N, 03°34’40”O, Telefon 00 33/3 86 52 06 19, www.ot-auxerre.fr

F-21200 Beaune: Parking Charles de Gaulle
Gebührenfreier Stellplatz für 5 Mobile, auf einem Großparkplatz am südlichen Stadtrand markiert. Ebener, asphaltierter Untergrund. Zentrale, aber etwas unruhige Lage. 300 m bis zur historischen Innenstadt. Strom: 1 Jeton/4 Std. Wasser: 1 Jeton/ 100 Ltr. Jetons kosten 3,60 Euro. Ganzjährig nutzbar.
Standort:
Avenue Charles de Gaulle, GPS 47°01’04”N, 04°50’12”O, Telefon 00 33/3 80 26 21 30, www.ot-beaune.fr

F-03700 Bellerive-sur-Allier: Riv’Air Camp
Gebührenpflichtiger Stellplatz für 40 Mobile auf einem separaten Gelände neben Camping Beau Rivage mit Blick über die Allier nach Vichy. Ebener, geschotterter Untergrund. Restaurant Ô Fil de L’Ô in unmittelbarer Nähe. 10 Eu- ro pro Nacht und Mobil, 60 Euro pro Woche, alles inklusive. V+E und Strom für Durchreisende: 5 Euro. Ganzjährig nutzbar.
Standort:
Rue Eugenie Desgouttes, GPS 46°06’54”N, 03°25’52”O, Telefon 00 33/4 70 32 39 78, www.rivaircamp.com

F-19250 Meymac: Aire de Sèchemailles
Gebührenfreier Stellplatz für 20 Mobile in ruhiger Lage am Ufer des Lac de Sèchemailles. Markierte Stellflächen auf einem naturbelassenen Parkplatz. Badestrand mit Tretbootverleih, Bäckerwagen in der Saison. Bar-Restaurant am See, Ortszentrum 2 km. Strom: 2 Euro/Jeton. Wasser: 2 Euro/Jeton. Ganzjährig nutzbar.
Standort:
Le Montbazet, GPS 45°31’28”N, 02°07’41”O, Telefon 00 33/5 55 95 18 43, www.meymac.fr

F-23460 Royère-de-Vassivière: Aire de Camping-cars Place P. Ferrand
Gebührenfreier Stellplatz für 5 Mobile im Ortszentrum beim Rathaus. Schattiges, asphaltiertes Areal, nachts beleuchtet. Maximaler Aufenthalt: 48 Std. Ganzjährig nutzbar.
Standort:
Rue Camille Bénassy, GPS 45°50’30”N, 01°54’50”O, Telefon 00 33/5 55 64 71 06, www.lelacdevassiviere.com

F-89520 Treigny: Aire municipale pour Camping-car
Gebührenfreier Stellplatz für 8 Mobile am Ortsrand hinter dem Friedhof. Ebener, geschotterter Untergrund. Mittelalterlicher Ortskern 300 m. Ver- und Entsorgung gegen Spende. Ganzjährig nutzbar.
Standort:
Rue du Champ de Foire, GPS 47°32’59”N, 03°10’53”O, Telefon 00 33/3 86 74 66 33, www.treigny.com

F-19500 Turenne: Aire de Stationnement
Gebührenfreier Stellplatz für 8 Mobile, auf dem Parkplatz am Fuß des Altstadthügels ausgewiesen. Ebener, geschotterter Platz ohne Schatten. Fußweg hinauf zur Altstadt: 600 m. Strom: 2 Euro. Wasser: 2 Euro. Jetons in der Tourist-Info. Ganzjährig nutzbar. Standort: Avenue du Sénateure Labroisse, GPS 45°03’14”N, 01°34’49”O, Telefon 00 33/2 47 43 40 81, www.turenne.fr

F-43800 Vorey-sur-Arzon: Camping Les Moulettes
Gebührenpflichtiger Stellplatz für 5 Mobile neben dem Campingplatz am Ufer des Arzon-Flusses. Geschotterter, ebener Untergrund. Einkaufszentrum und Restaurant 200 m entfernt. 2 Euro pro Nacht und Mobil. Strom: 3 Euro. Ver- und Entsorgung: 3 Euro. Jetons am Campingplatz von Mai bis September. Ganzjährig nutzbar.
Standort:
Chemin de Félines, GPS 45°11’12”N, 03°54’17”O, Telefon 00 33/4 71 03 70 48
www.camping-les-moulettes.fr

Mehr Infos zur Region Zentralfrankreich

Die neue Regionen-Aufteilung zwingt auch die Touristiker, sich neu zu organisieren. Aktuelle Infos gibt es unter www.auvergne-tourismus.de, www.tourismelimousin.com/de, ansonsten bei: Atout France, Postfach 100128, 60001 Frankfurt am Main, Fax 0 69/74 55 56, http://de.france.fr

Autor

Foto

Heiko P. Wacker

Datum

10. November 2016
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