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Wohnmobil-Tour Spreewald: Fünf gute Gründe für das Biosphärenreservat

Das Unesco-Biosphärenreservat Spreewald zwischen Berlin und Dresden lockt mit einzigartiger Natur, mit Gemüsespezialitäten, gemütlichen Kahnfahrten auf 1000 Kilometer befahrbaren Fließen, sportlichen Boots- und Fahrrad­touren und einer kulturellen Sonderheit, dem Sorbentum.

1. Alles Gurke

Einen Bardolino bekommt man überall. Trotzdem fahren manche Weintrinker an den Gardasee, um den Wein beim Erzeuger zu kaufen, die Umgebung zu genießen, Touristisches zu schauen und was für die körperliche Ertüchtigung zu tun. Vergleichbares kann der Freund einer Spreewaldgurke unternehmen. Sie gibt es in Glas und Dose nicht überall in Deutschland, trotzdem hat sie mengenmäßig bereits Platz drei unter den deutschen Gewürzgurken erobert. Wer sie einmal gegessen hat, setzt sie auch gern auf Platz eins. Im Spreewald dominiert die Gurke das Angebot überall, wo Essbares feilgeboten wird.

Doch worher kommt die Gurke? Vor 300 Jahren waren die Holländer gerufen worden und auch gekommen, um dem ungeordneten Labyrinth von Gewässern ein System zu geben. Im Gepäck hatten sie Gurken. Über die Jahrhunderte machte sie sich vor allem bei den Berlinern einen Namen.

Die Einstufung des Spreewalds als ein Unesco-Biosphärenreservat schützt nicht nur Landschaft, Flora und Fauna, sondern kommt auch der Nahrungsmittelerzeugung und -verarbeitung zugute. Unter dem Gütesiegel "Spreewald" firmieren auch einfache wie raffinierte Fischgerichte sowie das ehemalige Arme-Leute-Essen "Sahnequark mit Leinöl".

2. Alles Kahn

Sie sind die Touristenattraktion schlechthin – die Holz- und Aluminiumkähne des Spreewalds. Die flachen Gleitboote sind bis zu 9,50 Meter lang und 1,90 Meter breit. Die alten Traditionskähne aus Holz nehmen bis zu 18 Personen auf, die heute dominierenden Aluminiumkähne bis zu 40 Personen. Der Fährmann, auch weiblichen Geschlechts, stakt mit dem etwa vier Meter langen Rudel im meist nur hüfttiefen Wasser, bringt damit das Boot in Fahrt und Richtung. Zur Tiefe der Fließe scherzt der Volksmund: "Wer im Spreewald ertrinkt, war nur zu faul zum Aufstehen."

Das gilt nicht für die Hauptspree, Seen und den Unterspreewald. Dort hängen Überleben und Schwimmen eng zusammen, wenn’s mal ernst werden sollte. Spreewaldstädte wie Lübben, Lübbenau und Burg glänzen mit Häfen, in denen sich die Kahnfahrtenanbieter tummeln. Deren Angebot ist breit gefächert. Getränke sind in der Regel an Bord, weiteren Proviant können die Kahnfahrer an Imbissen entlang der Wasserstraßen fassen. Gern buchen die Kahnunternehmen Themenfahrten, die da heißen Frühstück, Grill, Kaffee, Wellness oder Mondschein.

Wenn die Tem­peraturen zum Saisonbeginn oder -ende eher zum Frösteln verleiten, sind auch Kaminfahrten im Angebot. Die Touren führen durch wilde, grüne Wälder, vorbei an Häusern und Gärten und an Wiesen mit ihren typischen Schobern.

3. Alles Boot

Die Spree und ihre Arme locken auch Aktive, die mit Kajaks, Kanus und Kanadiern unterwegs sind. Manche bringen ihre Boote mit und finden zahlreiche Einlassstellen – hauptsächlich an den Restaurants und Cafés, die eine ordentliche Versorgung garantieren und oft auch zum Übernachten geeignet sind, wenn man auf einer Mehrtagestour ist. Für die Planung solcher Reisen dient die Internetseite www.spreekapitaen.de.

Wer ohne Boot anreist, findet jede Menge Ausleihstationen über die Tourist-Informationen oder Aushänge vor Ort. Abgeraten werden muss von Bootsausflügen ohne Karte und Plan. Auch Navigationsgeräte stoßen in der Abgeschiedenheit des Sprechwalds an ihre Grenzen. Mit einem Boot auf den Fließen unterwegs sein heißt, sich auf die Nutzung und Selbstbedienung von Schleusen einzustellen. Kinder, Jugendliche oder auch Erwachsene, die an den Schleusen hilfreich zur Hand gehen, sind keine staatlich bezahlten Kräfte, sondern freuen sich über den sogenannten Schleusengroschen (50 Cent und mehr).

4. Alles Fahrrad

Neben Kähnen und Booten sind Fahrräder die geeigneten Fortbewegungsmittel im Spreewald. Das Reisemobil sollte man tunlichst auf dem Stell- oder Campingplatz stehen lassen. Die Nebenstraßen bieten nur wenig Breite und enden oft in einer Sackgasse, an einem Gewässer. Der Radfahrer kann dort seine Fahrt fortsetzen. Allerdings kostet das immer wieder ein wenig Mühe, wenn er das Fahrrad die Holzbrücken über die Spreearme hinaufschieben muss.

Das Radwegenetz ist vorbildlich ausgeschildert. Die Radwege tragen nicht nur schnöde Nummern, sondern auch lustige Namen. Der bekannteste ist der – natürlich – Gurkenradweg. Er führt entlang von Gurkenfeldern und Gurkeneinlegereien. Wer sein Fahrrad nicht mitbringt, findet zahlreiche Ausleihstationen, auch von E-Bikes.

Auch wer ohne jedes Gerät unterwegs sein möchte, findet im Spreewald seine Räume. Zahlreiche Wanderwege führen direkt entlang der Fließe und gestatten von dort noch einmal andere Blicke auf Land und Leute. Für die ganz Sportlichen hält Deutschlands flächenmäßig größte Gemeinde – Burg – ein besonderes Angebot bereit, den jährlichen Spreewaldmarathon mit den Disziplinen Laufen, Skaten, Walken, Radeln und Paddeln. Er wird mit dem Kommando "Auf die Gurke, fertig, los" gestartet.

5. Fast alles sorbisch

Aufmerksame Autofahrer erkennen das Ziel Spreewald noch vor dem ersten Kahn am zweisprachigen Wegweiser. Große Teile des Spreewalds sind mit dem Siedlungsgebiet der Wenden und Sorben identisch. Beiden Volksgruppen sind Bräuche und Feste zu eigen, die sich um die Osterzeit konzentrieren, aber auch im Sommer zu erleben sind. Die Menschen tragen dabei ihre Trachten, deren markantestes Merkmal die Hauben der Frauen darstellen. Bekannt ist das Osterreiten, im katholischen Bautzen pompöser als im protestantischen Zerkwitz (Lübbenau). Zum Eierkult, dem kunstreichen Schmücken von Eiern, werden Besucher gern eingeladen, in Museen gibt es tolle Exponate und interessante weitere Informationen.

Autor

Foto

Klaus Zwingenberger

Datum

12. August 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 08/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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