Ratgeber: Mobil-Tour Toskana, Porto Azzurro 18 Bilder Zoom

Wohnmobil-Tour Toskana: Glückselig auf der Insel Elba

Die Insel Elba schrumpft die Toskana quasi auf Taschenformat. Aber braucht man wirklich mehr, um für ein, zwei Urlaubswochen glücklich zu sein? Auf den Campingplätzen kann man faulenzen.

Faul wird man hier, wo anscheinend immer die Sonne lacht, ein laues Lüftchen fächelt und das Meer milde den Saum des Sandstrandes beleckt. Schön, wenn man der wonnevollen Urlaubsträgheit guten Gewissens nachgeben darf: Wir entscheiden kühn, heute nicht einmal das Frühsück selber im Mobil zu bereiten, sondern uns im 50 Schritte vom Stellplatz entfernten Strand-Bistro verwöhnen zu lassen.

Bald genießen wir duftenden Cappuccino und frische Croissants, während vor uns die ersten Sonnenanbeter es sich am Strand bequem machen, dort, wo zwei Jogger gerade noch freie Bahn hatten, und einige Frühschwimmer in die im Morgenlicht glitzernden Wellen tauchen.

Eine große Sehnsucht nach Bequemlichkeit hat sich in uns breitgemacht – oder, passender ausgedrückt, nach Dolcefarniente, der süßen Kunst des Müßiggangs. Weshalb wir uns für ein paar Tage auf dem schnuckeligen kleinen Campingplatz in Capoliveri-Lacona einquartiert haben. Nur leider geht unsere Rechnung nicht ganz auf.

Viel zu entdecken auf Elba

Am ersten Abend landen wir in der "Bar Bados", so nennen Platzchef Gabriele Rotellini und seine Frau Jeanette Otz ihre kleine, mit viel Spaß geführte Bar schmunzelnd. Und da schwärmt Jeanette mit blitzenden Augen von traumhaften Orten, die man besuchen müsse, staunenswerten Sehenswürdigkeiten, die man nicht versäumen dürfe, tollen Wanderungen und Mountainbike-Touren auf verwunschenen Pfaden, sodass wir allmählich begreifen, was die aus Pforzheim stammende Goldschmiedin nun schon rund zehn Jahre auf der Insel festhält – außer der glückseligen Liebe zu Gabriele, versteht sich.

Von wegen Bequemlichkeit: Gleich am nächsten Tag radeln wir auf Jeanettes Geheiß nach Capoliveri und erkunden die auf einem Hügel erbaute Altstadt. In die engen Gassen mit zahllosen kleinen Geschäften münden noch engere Gässchen mit Treppen und Bogen, mit denen sich die Häuser gegenseitig stützen. Auf der Piazza Matteotti legen wir in der Bar "Cuba Libre" eine Verschnaufpause ein.

Auf der Rückfahrt, hat Jeanette gesagt, sollen wir einen kleinen Umweg zum Weingut Mazzarri radeln. Hier wird noch fast alles von Hand gemacht, und für eine besondere Spezialität breitet der Patron ein paar hundert Traubenkisten zum Nachreifen eigenhändig in der Sonne aus.

Die pittoreske Inselhauptstadt Portoferraio

Mehr als nur einen Tag werden wir in Portoferraio verbringen, der Inselhauptstadt im Norden, die wir schon als Zielhafen der Fähre kurz gesehen haben. Als Erstes werden wir dort die von den Medici angelegte Festung Falcone ersteigen, um uns einen Überblick zu verschaffen. Weiter dann zur Villa dei Mulini, Napoleons einstiger Residenz, und zum Forte Stella, von dessen Wehrgängen aus sich weite Blicke auf die Bucht von Portoferraio eröffnen.

Das Napoleon-Fieber hat uns ergriffen: Nun wollen wir auch in die Chiesa della Misericordia, jene äußerlich schlichte, innerlich prunkvolle Kirche, in der bis heute immer am 5. Mai, Napoleons Todestag, eine Seelenmesse für den Imperator abgehalten wird. Nebenan gibt es ein kleines Napoleon-Museum, ein paar Schritte weiter das von Napoleon initiierte, überaus sehenswerte Teatro dei Vigilante, in dem noch der Original-Vorhang aus Bonapartes Zeiten vor der Bühne hängt.

Für den Besuch der Villa San Martini – Napoleons Sommerresidenz – reicht die Zeit an diesem Tag nicht mehr. Erst recht nicht für die Erkundung von Porto Azzurro, dem malerischen Städtchen an der Ostküste, für eine Wanderung von Viticcio nach Procchio über einen lauschigen Küstenpfad zu Elbas schönsten Stränden, für eine Bootsfahrt von Lacona entlang der fantastischen Felsenküste nach Marina di Campo, für einen Ausflug auf den 1019 Meter hohen Monte Capanne und für eine gemütliche Fahrt auf der Panoramastraße der Westinsel. Und all die anderen Tipps von Jeanette? Schaffen wir die in ein, zwei Wochen – oder brauchen wir dazu eher auch so um die zehn Jahre?

Stefan Weidenfeld

Foto

Stefan Weidenfeld, V. S. Maria (1)

Datum

19. Oktober 2014
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