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Ratgeber: Minimobile: Die kleinen Freuden

Mobile Bonsai-Klasse im Konzeptvergleich: Die Minicamper in Pkw-Größe werben vor allem mit ihrer immensen Vielseitigkeit.

Des Menschen Beziehung zu seinem Bonsai ist eine ganz besondere, wie Joachim Armbruster vom Bonsai-Zentrum in Mössingen am Fuß der Hohenzollernburg bestätigt. Und angesichts der angebotenen Vielfalt an Arten und Wuchsformen wird klar: So ein kleiner Baum will gut ausgesucht sein. Das gilt genauso für die Fahrzeuggattung der Minimobile, also der ausgebauten Kleintransporter oder Minivans. Deren Karosserie beherbergt eine freizeittaugliche Einrichtung, die auch gelegentliche Übernachtungen erlaubt. Teilweise werden Isolierfenster ein- oder Aufstelldächer aufgesetzt, doch die Größe bleibt auf alltagstauglichem Pkw-Niveau. Kein Vergleich also zu einem erwachsenen Reisemobil. Auch bei der Ausstattung – sofern vorhanden, haben Kocher meist eine Flamme, die Wasservorräte liegen im Schnitt im 10-Liter-Bereich. Das reicht zum Spülen einiger Töpfe und für die Katzenwäsche, die häufig an der frischen Luft stattfindet. Outdoor-Romantik pur. Auch die meisten Bonsais fühlen sich unter freiem Himmel wohler. Ob es ein Freizeitfahrzeug mit festen oder ausbaubaren Möbeln, mit oder ohne Küche sein soll, ist mindestens so wichtig fürs gemeinsame Glück wie die Frage, ob auf der Terrasse ein Bäumchen mit windgepeitschter oder aufrechter Gestalt gedeiht. Entscheidend ist die Nutzung. Da kommt es Interessenten entgegen, dass zumindest Freizeitmobile eine Menge vielseitiger Einsatzmöglichkeiten bieten. Ob Alltag, Freizeit oder Business – die Chancen, das passende Kleinteil zu finden, stehen gut, zumal das Angebot an Ausbaukonzepten groß ist wie selten zuvor. Sogar Pkw-Hersteller wie Ford und Renault vermarkten inzwischen eigene Minimobile und holen damit das Produkt aus einer Nische, in der sich bislang eher kleinere Hersteller tummelten – stellenweise mit seit Jahren anhaltendem Erfolg, wie beispielsweise die Ausbauer Campmobil aus Schwerin oder Zooom aus dem bayerischen Mammendorf belegen. Einige der Mini-Ausbauten werden unter Umständen in den Fahrzeugpapieren mit dem Hinweis „Sonstige Kfz Wohnmobil“ eingetragen. In der Gewichtsklasse bis 2,8 Tonnen ist das zwar steuerlich nicht relevant, kann sich auf die Versicherungsprämie positiv auswirken.

Rücksprache mit dem Vertreter lohnt auf jeden Fall. Bei den Fahrzeugen im Westentaschenformat lassen sich mehrere Ausbaustufen unterscheiden. Ford steigert den Freizeitwert des neuen Tourneo Connect Euroline mittels eines herausnehmbaren Schrankmoduls, in das Kocher, Spüle und Wasserkanister integriert sind. Eine Kühlbox gibt’s gegen Aufpreis. Auf dem Möbel liegen drei Matratzenstücke, die sich zur Liegefläche zusammenfügen lassen. Vorteil beim Familientransport: Die Sitzbank in der zweiten Reihe bleibt mit ihren drei Dreipunktgurten erhalten. Das ist auch der Fall beim Fischer OnTour, einem in den Grundfunktionen ähnlichen Konzept auf Basis des VW Caddy. Für mehr Unabhängigkeit sorgt optional ein Elektrikpaket. Die oben angeschlagene Heckklappe des Caddy schützt auch offen vor leichtem Regen und eignet sich gut für die Befestigung von Heckzelten zur Erweiterung des Nutzungsbereichs auf dem Campingplatz. Für die zweite Minimobil-Gattung stehen exemplarisch die Ausbauten von Campmobil und C-Tech. Dem Tramp auf Citroën Berlingo implantiert Campmobil eine feste Möbelzeile mit kleinem Küchenblock. Gegenüber steht in Fahrtrichtung eine große Schlafsitzbank. Allerdings haben beim Tramp nur die Vordersitze Dreipunktgurte. Wie einige andere Anbieter rüstet Campmobil auch gebrauchte Berlingo nach – eine Alternative für alle, die nicht gleich in ein neues Mobil investieren wollen. Typisch für das C-Tech-System, das in verschiedene Minivans eingebaut wird, sind seitliche Stauschränke im Heck. Dazwischen erstreckt sich über die umgeklappte Originalrückbank hinweg eine Winkelsitzbank, die der Reisende zum Bett umbauen kann. Die komplette Einrichtung lässt sich recht schnell ein- und wieder ausbauen. Deutlich mehr Aufwand investiert Zooom in Ausbauten von Mercedes Vaneo und Citroën Berlingo. Zum Basispaket zählt ein Aufstelldach, das ab der B-Säule Stehhöhe schafft und ein Hubbett mit Lattenrost beherbergt. Beim Berlingo wird die Sitzgruppe aus den gedrehten Vordersitzen gebildet, beim Vaneo aus zwei Hockern hinter dem Fahrerhaus. Mit dem Ausbaupaket 2 kommen dazu noch diverse ausbaubare Schränke, eine ausklappbare Kücheneinheit mit Zweiflammkocher, Spüle und Kühlbox sowie ein Bordtechnikset mit Zweitbatterie und Wassertanks. Außer zahlreichen individuellen Ausstattungsoptionen ist auch eine Kraftstoffheizung erhältlich. Von Caravan Service Bresler kommt der konzeptionell recht ähnliche Filou auf der Basis des Fiat Scudo.

Wer den Freizeitvan mit Aufstelldach ordert, bekommt optional auch ein Dachbett. Der Ausbau besteht aus einer Möbelzeile auf der linken Seite, in der Stauschränke und eine Kaltwasseranlage untergebracht sind. Gegen Aufpreis lässt sich die Küche mit einem Zweiflammkocher und der entsprechenden Gasanlage komplettieren. Die Schlafsitzbank in der zweiten Reihe verfügt über einen Dreipunktgurt. Doch es geht auch ganz minimalistisch. Wer nur eine Übernachtungsmöglichkeit braucht und auf eine Küche verzichten kann, sollte sich zwei Ausbauten des Renault Kangoo ansehen. Für den Floh unter den Minivans liefert Reimo für 899 Euro Aufpreis einen leicht zu montierenden Alurahmen mit Schaumstoffauflagen, der sich schnell in ein Bett mit Lattenrost verwandeln lässt. Weitere Aufrüstungsmöglichkeiten von der Kühlbox bis zur Außendusche bietet Reimo ebenfalls an. Carpe Diem („Nutze den Tag“) heißt die überraschende Antwort von Renault auf die Frage, wie viel Freizeiteinrichtung in den Kangoo passt. Die Agentur Kultprojekte entwickelte ein Polstersystem, das sich nur mit Hilfe von Klettverschlüssen zu zwei Sitzen zusammenbauen lässt. Wahlweise entsteht daraus eine Liegefläche. Im Alltag verschwindet das Ganze komplett in einer Wanne im Kofferraumboden. Der Aufpreis für das Set beläuft sich beim Kauf eines neuen Kangoo bis Ende 2004 auf 999 Euro. Danach wird’s teurer. Bleibt abschließend in die Überlegung mit einzubeziehen, dass man sich so einen Freizeit-Bonsai im Gegensatz zum Minibaum ja nicht fürs Leben anschafft. Und eine Freizeitausstattung kann Wiederverkaufschancen und -preis durchaus positiv beeinflussen. Oder aber man behält die Einrichtung und baut sie, wenn möglich, in den Nachfolger ein. Denn Freizeit ist durch nichts zu ersetzen – erst recht nicht, wenn man sie mit einem Bonsai verbringt.

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Datum

2. Januar 2005
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