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Lichtdesign-Trends fürs Wohnmobil: Die helle Freude

Gutes Licht macht den Aufenthalt im Reisemobil erst angenehm. Doch was ist gut? promobil hat mit Designern und Entwicklern über Beleuchtung, Trends und Zukunftsvisionen gesprochen.

Ohne Licht geht nichts. Das gilt für die großen wie die kleinen Zusammenhänge: Ohne die Sonne wäre auf unserem Planeten kein Leben möglich – und auch im Alltag macht die richtige Dosis Licht den Unterschied. Ob im Beruf oder im Wohnzimmer: Die passende Beleuchtung schafft Behaglichkeit, setzt Akzente und erleichtert die Arbeit. Das lässt sich ohne Weiteres auch auf das Reisemobil übertragen, das erst mit einem guten Beleuchtungskonzept alle seine Vorzüge ins rechte Licht rücken kann. Dass das Thema Licht im Reisemobil für die Kunden wichtig ist, zeigt auch die positive Resonanz seitens der Leser auf den detaillierten Lichtcheck, mit dem promobil seit 2012 bei jedem Supercheck-Kandidaten die Lichtverhältnisse prüft.

Was macht ein gutes Lichtkonzept aus? Um diese Frage zu klären, haben wir die Firma DDS/Designquadrat in Köln besucht. Zusammen mit Zubehörspezialist Dometic – der im Übrigen rund 75 Prozent der Reisemobile auf dem deutschen Markt mit Licht ausstattet – und Ross Design, die zum Möbelproduzenten Vöhringer gehören, tüfteln diese drei Firmen stetig an neuen Beleuchtungsideen für die Freizeitfahrzeugbranche.

Zunächst lohnt ein Blick auf den aktuellen Stand der Technik in Sachen Beleuchtung. LED-Lampen (LED ist die Abkürzung für den englischen Begriff "light-emitting diode", was zu Deutsch "Leuchtdiode" bedeutet) haben nach und nach die Halogenlampen verdrängt, und das aus gutem Grund: Zum einen benötigen sie deutlich weniger Strom, zum anderen sind sie langlebiger – auch wenn man das im Reisemobil etwas relativieren muss, denn hier schaffen LED-Lampen aufgrund der Erschütterungen während der Fahrt und der Spannungsschwankungen nicht die lange Lebensdauer, die sie unter idealen Laborbedingungen oder auch im Haushalt erreichen können.

Andere Beleuchtungsarten wie beispielsweise leuchtende Lacke oder lichtleitende Kunststoffplatten haben sich bisher nicht etablieren können, hauptsächlich aufgrund des zu hohen Preises. Was die Art und Platzierung der Beleuchtung angeht, so kommen von punktuellen Spots über Leuchtbänder bis zu Flächenlicht zur Be- und Hinterleuchtung von Möbelklappen viele Spielarten vor. Inzwischen ebenfalls anzutreffen sind Bodenbeleuchtungen.

Wo viel Licht ist, ist starker Schatten

Damit genau das nicht passiert, ist eine durchdachte Lichtkonzeption im Reisemobil so wichtig. Mit ein paar Spots, die von der Decke herunterstrahlen, ist es nicht getan. Für ideales Licht ist die Natur das Vorbild: Hier beleuchtet der Himmel als großflächige "Lichtaustrittsfläche" das Auge von oben und von vorne; ein solchermaßen verteiltes Licht strebt man auch im Reisemobil an.

Die Umsetzung kann über großflächige Leuchten geschehen beziehungsweise über solche, die ihr Licht sowohl direkt als auch indirekt abstrahlen. Eine sinnvolle Ergänzung stellen Wand- und Deckenfluter dar, die ihr Licht ausschließlich indirekt verteilen. Indirektes Licht ist besonders angenehm für das Auge, als alleinige Lichtquelle allerdings ungeeignet. Des Weiteren können die Decke und der obere Teil der Wand als reflektierende helle Flächen genutzt werden. Letzteres wird durch die Farbe von Möbeln, Wänden und Decke beeinflusst: Dunkle Farben reflektieren weniger Licht, Rot- und Brauntöne absorbieren Blauanteile. Die Wellenlänge bestimmt die Farbe des Lichts. Je größer der Blauanteil des Lichts ist, desto kälter wirkt es. Dieses Empfinden geht über die rein optische Komponente hinaus, wie der Geschäftsführer von DDS, Alexander Christ, betont: "Wird ein Raum von einem warmem Licht beleuchtet, empfinden wir ihn auch an sich als wärmer." Die Lichtfarbe sollte also bei einem stimmigen Beleuchtungskonzept mit in die Gestaltung einbezogen werden. Bernd Löher, Geschäftsführer von Dometic Light Systems, betont: "Durch ein gelungenes Lichtkonzept im Reisemobil können sich Marken deutlich von ihrer Konkurrenz abgrenzen."

Wer sich auf der Messe ein Fahrzeug anschaut, sollte bei der Beurteilung der Beleuchtung darauf achten, ob zusätzliche Lampen angebracht sind, die dann später nicht mehr zur Verfügung stehen. Auch außerhalb der Messe lohnt es sich, bei einem Kaufkandidaten einmal alles zu verdunkeln und die Beleuchtung in Augenschein zu nehmen.

Von der Idee zur Umsetzung ist es ein langer Weg

Intensive Entwicklungsprozesse stehen an, bevor ein Beleuchtungskonzept umgesetzt werden kann. Diese gleichen manchmal einem Drahtseilakt, denn es müssen viele – manchmal auch gegenläufige – Interessen vereint werden. Zum einen gilt es, den Energiebedarf zu reduzieren. Einen großen Fortschritt haben in dieser Hinsicht die LEDs gebracht, deren Lichtfarbe in den Anfangstagen aber noch sehr kalt war.

In den vergangenen Jahren sind jedoch LED-Lampen mit angenehmerem warm-weißem Licht auf den Markt gekommen. Bei der Entwicklung müssen die Lichtfarben im Reisemobil aufeinander abgestimmt werden. Im Idealfall wird das Licht auch an die Möbelfarbe angeglichen, Stand heute ist das aber noch Zukunftsmusik. Außerdem muss die Integration der neuen Beleuchtungsidee in das bestehende Produktionsverfahren der Reisemobilhersteller gelingen. Über allem hängt die Kostenfrage, die in vielen Fällen neue Lichtkonzepte verhindert: Ist ein Produkt zu teuer, hat es auf dem Markt keine Chance – wobei "zu teuer" in Extremfällen auch bedeuten kann, dass es an wenigen Euro Aufpreis scheitert.

Möbelklappen mit einem beleuchteten Streifen sind im Kommen.

Bis eine Idee tatsächlich umgesetzt wird, ist es ein langer Prozess, wovon Martin Ross von Ross Design ein Lied singen kann. "Vor sieben Jahren haben wir eine beleuchtete Möbelklappe entworfen, die damals aber keinen Anklang fand. Offenbar war die Zeit noch nicht reif, denn erst jetzt hat sie ihren Weg in die Serienproduktion gefunden." Die Erfahrung zeigt jedoch, dass, sobald ein Produkt erst einmal im Markt Fuß gefasst hat, schnell auch andere Hersteller auf den Zug aufspringen. Die Akzeptanz von neuen Designs seitens der Reisemobilkäufer wird dabei oft falsch eingeschätzt. Alexander Christ berichtet von einem Hersteller, der eine kostspielige Deckenlampe aussuchte, aber nur etwa fünf Prozent seiner Fahrzeuge damit ausstattete. Die Lampe kam aber so gut an, dass sich das Verhältnis umkehrte und nur noch fünf Prozent der herkömmlichen Modellversion verkauft wurde, weil alle das neue Modell haben wollten.


Mehr Mut zu neuen Beleuchtungslösungen scheint also angebracht zu sein. Derzeit kann man einen Trend weg von einzelnen Leuchten beobachten. Die Lichtquellen sollen nicht mehr wahrgenommen werden, vielmehr sind leuchtende Oberflächen im Kommen. Dieser Trend wird sich in Zukunft noch verstärken, prognostiziert Alexander Christ, auch die indirekte Beleuchtung wird eine größere Rolle spielen. Ein weiterer Zukunftstrend können miteinander kommunizierende Lichtquellen sein, die sich selbstständig an die Nutzungssituation anpassen und sich selbst ausschalten, wenn sie nicht gebraucht werden.

Lichtdesignzielt in Zukunft noch stärker darauf, Beleuchtungsstimmungen zu schaffen, die den Tagesrhythmus ideal begleiten. So soll etwa am Abend mehr schlafförderndes, warmes Licht zum Einsatz kommen. Bei der Entwicklung eines Reisemobils braucht es dazu ein stimmiges Gesamtkonzept. Derzeit richtet sich der Fokus im Entstehungsprozess noch zu sehr auf die Einzelkomponenten, in Sachen Licht fehlt oft der Blick für das große Ganze. Diesen Blick zu entwickeln und umzusetzen, wird eine immer wichtigere Aufgabe.

Einfluss des Lichts auf den Menschen
Einfluss des Lichts auf den Menschen

Die "innere Uhr" steuert die Schlaf- und Wachphasen des Körpers, sie richtet sich dabei nach dem Licht. Am Abend, wenn der Lichtreiz nachlässt, produziert der Körper vermehrt das Hormon Melatonin, das einen müde werden lässt. Bei Tageslicht am Morgen wird hingegen vermehrt Cortisol ausgeschüttet: Man wird wach und konzentriert. Eine konstante, stets gleich bleibende künstliche Beleuchtung wird diesem Rhythmus nicht gerecht, daher ist eine dynamische Beleuchtung erstrebenswert. Sie soll mit Hilfe von biologisch wirksamem blauem Licht den natürlichen Tageslichtzyklus nachbilden und dessen positive Effekte auch in geschlossenen Räumen ermöglichen.

"Den Kunden nicht unterschätzen"
- Ein Kommentar von promobil-Redakteurin Anne Mandel:

Die Freizeitfahrzeugbranche hat die Tendenz, im eigenen Saft zu schmoren, das gilt auch beim Innendesign im Allgemeinen und der Beleuchtung im Speziellen. Neue Ideen setzen sich nur zögerlich durch oder werden im Keim erstickt. Das liegt mal an den Kosten, mal wird dem Kunden ein fortschrittliches Konzept nicht zugetraut. Vor allem letzteren "Klotz" sollten sich die Verantwortlichen aber nicht ans Bein binden, denn die Bereitschaft der Käufer für Neues wird viel zu oft unterschätzt. Daher: Mehr Mut zu frischen Ideen, bitte!

Report: Service-Hotlines

Autor

Foto

Bernd Thissen, Hersteller

Datum

25. Mai 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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