Praxis: Dachbeschichtung 6 Bilder Zoom

Know-How: Neue Dachbeschichtung fürs Wohnmobil: Lack- und Dachgeschichten

Eine neue, elastische Beschichtung von Durabed verspricht, alle Wohnmobildächer resistenter gegen Hagelschäden zu machen. Wir zeigen, wie’s gemacht wird.

Der Mann auf dem Dach mit der Sprühpistole ist Thomas Leuchten. Herr Leuchten arbeitet für den Lackhersteller PPG aus Amerika. Und dieser Hersteller hat eine besondere Beschichtung entwickelt. Eine, die Reisemobildächer aus Aluminium unempfindlicher macht für Hagel. Hagelschäden sind nämlich ziemlich teuer zu reparieren – so würde wohl die Maus bei den Lach- und Sachgeschichten die Durabed-Technik erklären.

Die neuartige Beschichtung besteht aus einem elastischen Kunststoff namens Polyurea und ist bei näherer Betrachtung eine kinderleichte Sache: Eine Kunststoffschicht soll die Einschlagenergie von Hagelkörnern abfedern. Das haben die Leute von PPG auch ausprobiert. Bis 90 Stundenkilome­ter Aufschlag­tempo sogar, und das wäre in Wirklichkeit schon ein richtig starker Hagel. PPG hat außerdem noch alle möglichen Tests mit Durabed angestellt.

Beispielsweise haben sie Proben lange in Salzwasser eingelegt oder großer Hitze ausgesetzt. Und dabei haben sie festgestellt, dass Durabed generell ziemlich widerstandsfähig ist. Zum Beispiel auch gegen Schmutz und Moose und aggressive UV-Strahlen.

Um Durabed aufzutragen, braucht man ganz spezielle Geräte. Eine Maschine heizt die beiden Ausgangsstoffe, das Polyol und das Isocyanat, auf 60 Grad vor und pumpt sie in zwei Schläuche. Vorne an den Schläuchen ist eine Spritzpistole dran. Und erst in dieser Pistole werden die Stoffe gemischt. Das ist deshalb nötig, weil die Stoffe sehr schnell miteinander reagieren. Schon nach einer Minute ist der Auftrag fest. Über die erste Schicht kommt noch eine zweite drüber, der sogenannte Nebelgang. Das ergibt eine gleichmäßig strukturierte, raue Oberfläche – damit man nicht ausrutscht, wenn man mal was auf dem Dach zu tun hat. Die ganze Aktion dauert kaum länger als zwanzig Minuten.

Vorher muss man das übrige Reisemobil aber noch gut abkleben, weil ja nur das Dach beschichtet werden soll. Dafür gibt es ein spezielles Klebeband mit einem Nylonfaden drin. Damit wird die rund 1,5 Millimeter dicke Schicht nachher am Rand sauber beschnitten.

Dachfenster oder Relings muss man normalerweise nicht abbauen, nur abkleben; das spart viel Zeit. Sat-Antennen oder Solarmodule sollten dagegen abgenommen werden. Übrigens kann man leichtere Hagelschäden mit Einschlagtiefen bis 0,5 Millimeter mit Durabed auch ausnivellieren, also reparieren. Und Du­rabed lässt sich auch auf lose aufliegende Dachbeplankungen aufsprühen. Das ist ein großer Vorteil; lose Dachbahnen kann man bei Hagelschäden nämlich nicht instand setzen, also mit Spachtelmasse glätten. Sie würde wieder abplatzen, denn die lose Dachhaut bewegt sich ja ständig ein bisschen.

Bei fest verklebten Sandwichdächern lassen sich üblicherweise sogar tiefere Einschläge spachteln. Das ist erheblich günstiger, als das ganze Dach auszutauschen. Weil die Spachtelmasse aber wie ein Schwamm Wasser aufnehmen kann, muss sie versiegelt werden. Gut eignet sich als Sperrschicht eine sogenannte Epoxidharz-Grundierung. Darauf kommt noch eine Deckschicht. Zum Beispiel Lack. Oder eben Durabed. Das kostet sogar weniger, nämlich rund 200 bis 250 Euro pro Quadratmeter inklu­sive Grundierung. Einfarbiger Deck­­lack kostet 300 Euro, Metallic rund 370 Euro.

In Deutschland gibt es erst zwei Betriebe, die eine Dachbeschichtung mit Durabed anbieten. Um das Reisemobil auf den Bildern kümmert sich das Lackierzentrum Gerardy in Polch. Ein bis zwei Mobile am Tag seien drin, meint Besitzer Frank Gerardy. Mit dem Ergebnis ist auch der Sachverständige Gerolf Happel zufrieden. Der ist Spezialist in Sachen Hagelschäden und zum Ortstermin ebenfalls erschienen. Er hatte für Instandsetzung und Lackierung des Hagelschadens auf dem 8,50 Meter langen Alkoven 7.045 Euro kalkuliert. Mit Durabed-Beschichtung kostet diese Reparatur 5.060 Euro. So hat der Besitzer nicht nur seinem Fahrzeug etwas Gutes getan, sondern sogar Geld gespart.

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Datum

14. März 2010
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