Im Sommer schwitzen die hinteren Passagiere oft. 6 Bilder Zoom

Blue Cool Drive von Webasto: Kleine Kiste für kühle Köpfe

Im Sommer schwitzen die hinteren Passagiere während der Fahrt oft besonders. Ausreichend Abkühlung verspricht jetzt endlich die Klimaanlage Blue Cool Drive von Webasto. Eine Erfrischung für alle.

Auf dem langen Weg in den Sommerurlaub bringt die Hitze im Wohnmobil besonders den Nachwuchs zum Schwitzen. Denn bei den Kindern auf der Rückbank kommt die kalte Luft der Motorklimaanlage nicht an, die vorne im Cockpit bei Mama und Papa für Wohlfühltemperaturen sorgt. Mosernde Mitfahrer und genervte Eltern scheinen unausweichlich. Eine unkomplizierte Lösung für das Problem hat noch kein Klimaanlagenhersteller in großem Stil angepriesen – bis jetzt.

Webasto bietet die Blue Cool Drive 40 zusammen mit der Trigano-Gruppe erstmals als optionale Ausstattung ab Werk an. Die Hauptfunktion der Klimaanlage liegt auf der Kühlung der Dinette während der Fahrt. Dabei geht das Unternehmen einen ungewöhnlichen weg. Denn das System ist keine eigenständige Klimaanlage, sondern eher eine Erweiterung der Hauptklimaanlage des Fahrzeugs. An die wird mit Hochdruckschläuchen nur ein zusätzlicher Verdampfer angeschlossen, der bei 13,5 Zentimeter Höhe 39 Zentimeter lang und 23,5 Zentimeter tief ist. Das Gerät kann in einen Doppelboden oder die Staukästen über dem Cockpit gebaut werden. Verteilt wird die kühle Luft über zwei Schläuche, deren runde Ausströmer zielgenau auf die Dinette des Mobils ausgerichtet werden.

Die Kühlleistung erzeugt der Kompressor der Hauptklimaanlage, dessen Leistung bei den meisten Basisfahrzeugen stärker als benötigt ist, um einen Ausbau zu ermöglichen. Deshalb schafft der Kompressor die zusätzlichen vier Kilowatt der Blue Cool Drive.

Dank ihrer Konstruktionsweise braucht die Blue Cool Drive 40 nur zwölf Volt Spannung. Erst das macht ihren reibungslosen Betrieb während der Fahrt möglich. Die meisten Dach- oder Staukastenklimaanlagen brauchen für den Fahrtbetrieb einen zusätzlichen Wechselrichter und viel Batteriekapazität.

Auf der anderen Seite ist das Einsatzgebiet der Webasto-Anlage aber auch limitiert. Sie läuft nur, wenn der Kompressor der Hauptklimaanlage in Betrieb ist und dafür muss der Motor brummen. Da die Blue Cool Drive auf höchster Stufe nur 6,6 Ampere verbraucht, ist die Lichtmaschine damit auch im Leerlauf nicht überfordert. Auf Dauer ist der Standbetrieb mit Motorgeräuschen aber sehr unkomfortabel.

Dabei waren die Ergebnisse der Blue Cool Drive beim Test in der Klimakammer, den Webasto durchgeführt hat, recht gut. In der aufgeheizten Kammer kühlte das System mit der Blue Cool Drive die Temperatur von 40 Grad auf 23 Grad im Cockpit und von 37,5 Grad auf 24 Grad an der Sitzgruppe herunter. Die Tieftstemperatur wurde zudem deutlich schneller erreicht als im Testdurchlauf, den die Motorklimaanlage allein bestritt und dabei nach einer Stunde gerade mal 27 Grad im Cockpit und 29 Grad an der Sitzgruppe erreichte.

Auch bei einem ersten Betriebstest der Blue Cool Drive in Süditalien war der Effekt des Zusatzkühlers auf der Rückbank deutlich zu spüren. Wie alle Kompressorklimaanlangen, arbeitet aber auch das Webasto-Gerät nicht geräuschlos. Es hörte sich ungefähr so an, als ob zwei Motorklimaanlagen parallel liefen. Wobei der Lärmpegel ein wenig zunahm, wenn der Stellwinkel der Lamellen an den Ausströmern verkleinert wurde.

Den Markteinstieg vollzieht Webasto gemeinsam mit der Trigano-Gruppe. Die Blue Cool Drive steht ab der Saison 2016 als Extra auf der Ausstattungsliste der Auto-Roller-Modelle, die Roller Team auf Basis des Ford Transit verkauft und der Elliot-Modelle von Caravans International (CI). Webasto bietet die Blue Cool Drive aber auch als Nachrüstset an. Es wiegt sieben Kilo und kostet etwa 590 Euro plus Einbau.

Kühlung auf Tour

Auch andere Klimaanlagen können in Reisemobilen während der Fahrt genutzt werden. Das ist aber in der Regel nur mit zusätzlicher Elektronik oder mit einem anderen Kühlungsprinzip möglich. Letzteres trifft auf die Ebercool Holiday III zu, die zu den Verdunstungsklimageräten gehört. Dabei wird die Luft in der Klimaanlage über einen Luftbefeuchter geleitet und dabei abgekühlt. Da dieses System ohne einen Kompressor arbeitet, wird dabei nicht viel Energie und Leistung abgerufen. Deshalb braucht die Ebercool Holiday III nur Strom mit zwölf Volt Spannung, den sie von der Bordbatterie auch jederzeit während der Fahrt erhält.

Im Vergleich dazu brauchen Kompressorklimaanlagen mehr Strom. Dabei saugt ein Kompressor gasförmiges Kältemittel an und versetzt es unter Hochdruck. Dadurch steigt die Temperatur des Mittels, das danach in einem Kondensator wieder abgekühlt wird, sodass sich das Kältemittel verflüssigt. Danach wandert das Kältemittel zu einem Verdampfer, wo es gasförmig wird. Da sich das Mittel dafür aufwärmem muss, braucht es Wärmenergie, die es der vorbeiströmenden Luft entzieht. Diese kühl dadurch merklich ab. Eine Dachklimaanlage mit Kompressor wie die Dometic Freshjet schafft diesen Prozess nur bei hoher Leistung, wofür 230 Volt Spannung benötigt werden. Für den Betrieb während der Fahrt bietet der Hersteller deshalb DC-Kits mit Wechselrichter an, die den Gleichstrom der Batterie in Wechselstrom mit 230 Volt Spannung umwandeln. Das günstigste DC-Kit 1 kostet 659 Euro und liefert 1000 Watt Leistung. Ähnliche Systeme gibt es für Klimaanlagen von Truma und Telair.

Portraits Redaktion

Foto

Benjamin Buechner, Hersteller

Datum

16. September 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 08/2015.
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