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Kauf-Tipp Pick-Up-Camper: Pick-Up-Camper fürs Abenteuer in der Natur

Alltagsfahrzeug und Offroad-Reisemobil in einem: Pick-up-Camper sind eine Kombination aus Pritschenwagen und Wohnkabine. promobil erkläret, worauf es bei der Auswahl ankommt.

Steile Alpenpässe bezwingen, über staubige Schotterpisten düsen und Flüsse durchqueren – für diese Art von Wegen sind nur wenige Reisemobile ausgelegt. Wer solche Abenteuer erleben will, aber totzdem auch noch in einer normalen Parklücke Platz finden möchte, greift am besten zu einem Pick-up.

Natürlich muss man nicht auf der nackten Pritsche schlafen: Für Pick-ups gibt es passende Wohnkabinen, die auf die Ladefläche der Offroader gesetzt werden und den Besitzern Komfort wie in einem kompakten Reisemobil bieten.

Pick-up-Camper: Mischform aus Reisemobil und Caravan

Was die Nutzung angeht, sind Pick-up-Camper eine Art Mischform zwischen Reisemobil und Caravan mit Zugwagen. Denn bei Bedarf – zum Beispiel auf dem Campingplatz oder im Alltag – löst man die Verbindung einfach wieder, hebt den Aufbau auf die vier Stützbeine und fährt den Pick-up darunter heraus. Anschließend können beide getrennt genutzt werden.

Der Nachteil: Pick-up-Besitzer müssen Abstriche beim Platzangebot machen. Die Seitenwände der Ladefläche und Aussparungen für die Radkästen begrenzen die Breite des Mittelgangs in der Kabine auf etwa einen Meter. Einzig das System von Bimobil nutzt mittels eigener Wechselplattform die gesamte Fahrzeugbreite. Auch die Länge der Wohnkabine wird durch das Maß der Ladefläche bestimmt. Zwar besitzen viele einen kleinen Hecküberhang, dieser bleibt aber auf etwa einen halben Meter begrenzt, um die Fahreigenschaften, zumal im Gelände, nicht zu sehr einzuschränken. Entscheidend für die Pritschenlänge und damit die Kabinengröße ist aber der Fahrerhaustyp des Pick-ups. Gängig sind Einzel- oder Doppelkabinen mit zwei oder vier bis fünf Sitzplätzen. Dazwischen bieten manche Hersteller noch sogenannte Extra- oder Kingsize-Kabinen. Das sind verlängerte Einzelkabinen, die über eine zweite Sitzreihe mit zwei Notsitzen verfügen. Da sich die Gesamtlänge der Pickups in der Regel nicht ändert, müssen Käufer oft einen Kompromiss eingehen: Ein größeres Fahrerhaus mit mehr Sitzplätzen und Stauraum bedeutet weniger Länge für die Wohnkabine – und umgekehrt. Manchmal helfen Spezialanbieter aus dem Dilemma: Etwa die niederländische Firma Veth (www.veth­automotive.de), die den Radstand des VW Amarok um 350 oder 650 Millimeter verlängert.

Vorsicht: Zuladung und Hinterachs-Last beachten

Die Größe des Fahrerhauses hat auch Auswirkungen auf die Zuladung. Hier sollten Käufer nicht zu knapp mit den Reserven rechnen, denn alleine die voll ausgestattete Wohnkabine wiegt zwischen 300 und 800 Kilogramm. Ein besonderes Augenmerk gilt zudem der Maximallast der Hinterachse, da die Kabine hauptsächlich hier aufliegt. In beiden Punkten werden Kunden jedoch nicht mit den vom Pick-up-Hersteller festgelegten Werten alleine gelassen. Die meisten Pick-ups kann man mit einer Zusatz-Luftfeder von Fahrwerkspezialisten wie VB Airsuspension oder Goldschmitt versehen und auflasten. Diese Anschaffung ist sehr sinnvoll, verbessert sie zudem auch Fahrkomfort und -sicherheit. Für den VW Amarok kostet eine Auflastung auf 3400 Kilogramm in Verbindung mit einer Zusatzluftfederung rund 3000 Euro.

Welche Hersteller gibt es auf dem Pick-up-Camper-Markt?

Das Angebot an Wohnkabinen ist relativ überschaubar: Die beiden größten Anbieter in Deutschland heißen Bimobil und Tischer. Im schwedischen Lappland fertigt die Marke Nordstar und beliefert auch den deutschen Markt. Hinzu kommen noch weitere kleinere Anbieter, wie Geocar, Wagner Kunststofftechnik, Ormocar, Road Ranger sowie Mondo Pick-up aus Italien.

Daneben gibt es einige Hersteller von Expeditionsmobilen, wie zum Beispiel Voxformat, Custom Campers, Toms Fahrzeugtechnik oder Innovation Campers. Hier sind die Kabinen zwar meist nicht so einfach absetzbar, dafür eignen sich die Fahrzeuge mit Aufbau auch für Einsätze unter noch härteren Bedingungen.

Ein besonderes Augenmerk liegt bei diesen Herstellern auf der individuellen Fertigung. Aber auch die anderen Hersteller bis hin zu Tischer und Bimobil haben in der Regel ein offenes Ohr für Sonderwünsche. Kleinere Umbauten wie ein anderes Heizungssystem oder eine gasfreie Installation werden in der Regel durchgeführt.

Das Innere der Wohnkabinen

Die Ansprüche an Stabilität und Wärmedämmung der Wohnkabinen sind hoch, da sie auch im Gelände und unter extremen Wetterbedingungen verwendbar sein sollen. Darum sind die Aufbauten meist relativ aufwendig gebaut, mit Alu- oder GfK-Außenhaut, in Sandwich- oder Monocoque-Technik und mit dicker XPS- oder PU-Schaumdämmung.

Auch im Inneren will man den hohen Anforderungen gerecht werden: Typischerweise findet sich ein üppiges Doppelbett vorn im Alkoven. In einigen Fällen kann dies mittels ausklapp- oder ausziehbarer Verlängerungen sogar noch in ein Längsdoppelbett umgebaut werden. Allerdings steht dann bei manchen Modellen die Dinette als Zusatzbett nicht mehr zur Verfügung.

Nicht selten ist ein kleines Bad mit Toilette und Duschgelegenheit vorhanden. Natürlich gibt es auch einen kleinen Küchenblock mit Kocher, Spüle und Kühlschrank sowie Stauraum im Kleiderschrank und in Sitztruhen. Insgesamt ist das Platzangebot mit einem kompakten Campingbus vergleichbar. Pick-up-Camper sind in der Regel ein Fall für zwei, eventuell noch mit Platz für ein bis zwei Kinder. Ähnliches gilt für die Bordtechnik: Die Fassungsvermögen der Frisch- und Abwassertanks sowie der Gasflaschen liegen ebenfalls auf dem Niveau von Campingbussen.

Kabinenhersteller mit ganz eigenen Schwerpunkten

Als besonders wintertauglich tun sich etwa die elf Modelle von Nordstar hervor, die serienmäßig über eine Alde-Warmwasserheizung verfügen. Den höchsten Grundpreis von rund 40.000 Euro muss man für die Musica von Mondo Pick-up hinblättern. Dafür punktet sie – dank Monocoque-Technik – mit einer sehr eleganten Formgebung, exklusiver Einrichtung und umfangreicher Serienausstattung einschließlich Fußbodenheizung und großer Dachhaube samt Ventilator. Um ein Aufschaukeln zu mindern, besitzt die Musica zudem als einzige vibrationshemmende Dämpfer am Pritschenboden.

Bei Ormocar werden vor allem individuelle Kundenwünsche erfüllt und diese als GfK-Konstruktion umgesetzt. Auch Wagner Kunststofftechnik fertigt – zusätzlich zu den 19 Serienmodellen – nach Kundenwunsch. Tischer bietet zehn Varianten für alle gängigen Pritschenwagen in den Versionen Trail oder Box. Der Unterschied: Die edlere Trail-Version mit aufwendigen GfK-Formteilen am abgerundeten Alkoven bietet eine bessere Aerodynamik – und sieht schicker aus. Bei Bimobil werden acht verschiedene Pick-up-Kabinen mit dem eigenen Wechselsystem angeboten. Bei den meisten kann man zudem wählen, ob die Sitzgruppe im Heck oder vorn an der Stirnwand platziert wird. Geocar wiederum fertigt seine Kabinen wie Mondo in Monocoque-Technik. Die Aufbauten sind besonders windschnittig gestaltet und – im Falle des neuen Modells Vikunja mit unter 300 Kilogramm – sehr leicht. Einen anderen Weg geht Road Ranger mit seinem Vario Top auf Basis des VW Amarok: Die fest installierte Kabine ist nicht viel größer als ein Hardtop. Um trotzdem genug Platz zu schaffen, werden Heck- und Ladeklappe in das Wohnkonzept mit einbezogen.

So wird der Pick-Up-Camper zum Expeditionsmobil

Bei Offroad-Einsätzen, die mehrere Wochen oder gar Monate abseits von Straßennetz und Infrastruktur stattfinden sollen, kommen die gängigen Pick-up-Kabinen-Kombinationen aber auch früher oder später an ihre Grenzen. Dann muss in umfangreiche Zusatzausstattung investiert werden: Solarpanele und größere Dieseltanks, Sandbleche und geänderte Fahrwerkkomponenten.

Wenn das nicht reicht, schlägt die Stunde der Hersteller von Fernreise- und Expeditionsmobilen. Neben den spektakulären und teuren Modellen auf Lkw-Chassis gibt es auch Hersteller, die gezielt kompaktere Modelle auf Allradlern vom Schlage eines Mercedes G, Landrover Defender oder Toyota Land Cruiser entwickelt haben. Die Aufbauten sind dann meist flacher und fest montiert, um für den Geländeeinsatz noch besser gewappnet zu sein.

Hersteller von solchen kleineren Fernreisemobilen sind zum Beispiel Custom Campers und Innovation Campers. Beide bevorzugen Aufbauten mit Aufstelldächern. Bei Toms Fahrzeugtechnik setzt man auf kompakte Kabinen auf Basis des Toyota Land Cruiser. Noch robuster geht es bei Voxformat zu: Hier wird etwa der Mercedes G mit einer relativ großzügigen Kabine ausgestattet.

Was kosten die Pick-up-Camper?

Die günstigsten Pick-up-Camper starten bei etwas mehr als 40.000 Euro – einen vergleichbaren Campingbus gibt es bereits für 5000 bis 10.000 Euro weniger – diese Mobilart ist also keineswegs ein Schnäppchen. Anders sieht die persönliche Kalkulation allerdings aus, wenn der Pick-up auch als Erst- oder Geschäftsfahrzeug dient. Die aktuellen Pick-ups bekommt man zu Grundpreisen zwischen 21.000 und 40.000 Euro. Der Preis für die Kabinen variiert in einem ganz ähnlichen Bereich. Bei Tischer und Nordstar beginnen die günstigsten Modelle ebenso bei 21.000 Euro, etwas unterhalb liegt Wagner Kunststofftechnik mit Preisen ab etwa 18.000 Euro. Die Bimobil-Kabinen mit Wechselplattform kosten mindestens 31.000 Euro.

Flexibilität und Individualität werden bei den Pick-up-Campern großgeschrieben – zwei Werte, die heute aktueller den je sind und diese Mobilart besonders attraktiv macht.

So geht's: Absetzen und Aufsatteln

Wer sich für eine Pick-up-Kabine entscheidet, hat die Wahl zwischen zwei Befestigungssystemen: Bei den meisten Herstellern wie Nordstar, Tischer oder Mondo Pick-up wird die Wohnkabine einfach auf der Original-Pritsche des Pick-ups platziert, ohne dass größere Modifikationen am Fahrzeug nötig sind. In den Ecken der Ladefläche müssen lediglich vier kräftige Halteösen montiert werden, an denen die Kabine dann mittels Spannschlössern fixiert wird. Und für die Stromverbindung wird eine handelsübliche 13polige Anhängersteckdose gesetzt. Vor dem Aufsatteln der Kabine entfernt man noch die aushängbare Pritschenklappe am Heck. Dieses System hat vor allem den Vorteil, dass es günstiger ist und der Wechsel zwischen Alltags- und Campingeinsatz schneller und unkomplizierter funktioniert.

Ein wenig aufwendiger ist das Bimobil-System: Hier wird die Pritsche des Pick-ups komplett entfernt und durch eine eigene Wechselplattform ersetzt. Auf dieser kann dann entweder die Original-Ladefläche oder die Bimobil-Wohnkabine aufgesetzt werden. Dank besonderer Zentrierungspunkte sitzt die Kabine hier immer exakt gleich und formschlüssig verbunden auf dem Fahrzeug. Weitere Vorteile: Spürbar mehr Platz und Stauraum in der Kabine, vielfältigere Grundrisse, etwas mehr Zuladung, weil die Pritsche zu Hause bleibt, und ein tieferer Schwerpunkt (wichtig im Offroad-Einsatz). Elegant ist zudem, dass alle vier Stützen in den Ecken der Bimobil-Kabine integriert sind.

Foto

Uli Regenscheit, Franz Güntner, Hersteller

Datum

29. August 2015
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