Zoom

Ratgeber: Internet Unterwegs

Satelliten-Internet: Ein Tüftler aus Schwaben bringt mit seinem Multimediamobil den Urlaub und die Geschäfte auf einen Nenner.

Während Dieter Gallert noch ein paar Aufträge an die Hausbank schickt und einige aktuelle E-Mails liest, freut sich Ehefrau Ines über das Happy-End in ihrer Lieblings-Soap, und Sohnemann Sascha vertieft sich in die neue Live-DVD von Robbie Williams. Ein typisches Familien-Szenario?
Mitnichten, denn das Ganze spielt sich rund 1000 Kilometer entfernt vom heimischen Herd in einem Reisemobil ab. Familie Gallert ist auf Urlaubsreise in Italien. Dank der umfassenden medientechnischen Ausrüstung des teilintegrierten TEC 6695 TI ist es den Reisenden möglich, das komplette TV- und Radio-Angebot der gängigen Satelliten zu nutzen. Die Astras liefern aber nicht nur Bilder und Töne, sondern auch einen sehr schnellen Zugang zum Internet. Ein DVD-Abspieler fürs mobile Kino gehört ebenso ins Repertoire der Gallerts. Leichte Büroarbeiten können mit dem Bord-Notebook getätigt werden, navigiert wird per GPS-Empfänger, und für die Feinarbeit beim Rangieren schaltet sich nach Einlegen des Rückwärtsganges automatisch eine Rückfahrkamera zu.
Das Besondere an der Multimedia-Ausrüstung: All dies funktioniert auch während der Fahrt, es ist möglich, gleichzeitig verschiedene Dienste der Antenne zu nutzen und diese nach Wunsch auf einem der vier Monitore darzustellen.
Für Dieter Gallert war es ein Vergnügen, sich auf die Realisierung dieser Anlage zu stürzen, allerdings hat die Passion einen durchaus ernsthaften Hintergrund.
Der 43-jährige Chef eines EDV-Systemhauses im schwäbischen Bietigheim-Bissingen hatte es sich in den Kopf gesetzt, einen Teil seiner Arbeit ins geliebte Reisemobil auslagern zu können. Dieses Fahrzeug lässt sich bei Messebesuchen oder anderen Außenterminen bestens geschäftlich nutzen. Aber auch der private Aspekt ist nicht zu verachten. „Nur mit diesem Fahrzeug ist es für mich vorstellbar geworden, auch einmal für längere Zeit mit der Familie wegzufahren“, erklärt der vielbeschäftigte Unternehmer.

Kernstück der Anlage ist die vollautomatische Satelliten-Antenne Camos 240 M, bei der die Technik unter einer halbrunden Kunststoffhaube geborgen liegt und die in der Lage ist, Astra, Hotbird und Co. auch während der Fahrt zu lokalisieren. Unter Brücken, Tunnels und im Schatten großer Gebäude wird die Verbindung allerdings unterbrochen, und das TV-Bild kann kurzzeitig zusammenbrechen. Bei der Internet-Nutzung fällt dies jedoch kaum ins Gewicht. Zum Lieferumfang der Antenne gehört die Steuerbox, die für die Positionierung der Schüssel zum Satelliten zuständig ist, sowie sämtliche Kabel und Montageteile. Der Preis liegt bei rund 2500 Euro. Rund 200 Euro zusätzlich kostet der leistungsfähige und dabei kleine Digital-Receiver SVR-300 aus dem Camos-Programm. Wer einen anderen Sat-Empfänger vorzieht, kann dies tun, die Antenne ist nicht auf ein Fabrikat festgelegt. Ein wichtiges Teil der Anlage ist die Sat-Weiche, die die Signale der Antenne auf den TV-Receiver und ein spezielles Internet-Modem verteilt. So ist es möglich, gleichzeitig Fernsehprogramme zu nutzen und im Internet zu surfen. Mit einer Einschränkung: In der Camos-Antenne wirkt ein Single-LNB, das entweder horizontal oder vertikal polarisierte Signale verarbeiten kann. Wenn nun, wie auf dem Astra-Satelliten, das Internet-Angebot horizontal polarisiert ist, können parallel nur die Sender mit dieser Polarisation genutzt werden. Die Verteilung der TV-Programme und der Bilder von der Rückfahrkamera an die diversen Monitore, die im Reisemobil verteilt sind, erledigt ein AV-Umschalter automatisch. Das Internet-Angebot wird mit einem handelsüblichen Notebook genutzt. Im vorliegenden Beispiel finden sich im Fußraum der Dinette die notwendigen Anschlüsse ans Internet-Satelliten-Modem und an die Stromversorgung.

Für die Abrufbefehle der gewünschten Internet-Seiten vom Satelliten, den so genannten Upload, bietet die Sat-Antenne keine Möglichkeit. Hierfür ist eine Mobilphone-Verbindung zwischen Laptop und Internet nötig. Dies kann mit einem Handy über Bluetooth- oder USB-Kabelverbindung oder mit einer entsprechenden PCMCIA-Steckkarte erfolgen. Die Übertragungsart ist wählbar – ob GRPS oder UMTS, ist nur eine Frage der Ladegeschwindigkeit und der Gebühren. Um diese Internet-Hardware-Konstellation mit Leben zu füllen, bedarf es eines Vertrags mit einem Satelliten-Internet-Provider (siehe Kasten unten), der mobile Lösungen anbietet. Dieser koordiniert für seinen Kunden die Übertragung und stellt am Ende dann aber auch eine Rechnung für seine Dienste. Unabhängig von der Satelliten-Anlage arbeitet im Cockpit das Pioneer-Steuergerät AVIC mit klappbarem Monitor, Navigationssystem und Hifi-Klang. Eine Querverschaltung der Sat-Anlage mit dem Pioneer-Gerät sorgt dafür, dass auch auf dem Klappmonitor alle Sat-Angebote darstellbar sind. Netter Nebenaspekt: Bei der Verkabelung wurde auch an einen Außenanschluss gedacht. Unter einer wasserdichten Klappe verbergen sich eine Buchse für den Monitor, eine weitere für eine zusätzliche Sat-Antenne und je eine Steckdose mit 230 und 12 Volt. Für die Verkabelung und den weitgehend verdeckten Einbau der Technik zeichnet der Leonberger Reisemobilhändler Schenk & Matuschek verantwortlich. promobil konnte sich bei einer ausführlichen Probefahrt davon überzeugen, dass das Zusammenspiel der Medien im TEC perfekt funktioniert. Dieter Gallert reichte der Check in der Heimat allerdings nicht aus. Zwei Härtetests in Süditalien musste die Installation über sich ergehen lassen, bevor sich der vorsichtige Tüftler damit an die Öffentlichkeit wagte. Die erste Reise dauerte zwei Wochen und führte bis Capri, die zweite nahm vier Wochen in Anspruch und hatte Kalabrien als weitestes Ziel. Die Gallerts blieben dabei nicht nur auf der Autostrada, sondern fuhren auf Straßen, die vor Schlaglöchern nur so strotzten. Geräte und komplette Installation überstanden den extremen Rütteltest ohne Ausfälle. Der Empfang der Sat-Anlage im TV- und Internet-Bereich rund um den Stiefel war einwandfrei, lediglich ein Mal, auf einem Campingplatz im Gargano, kam die Handy- und damit die Internet-Verbindung aufgrund eines Funklochs nicht zustande. Dafür gestaltete sich die Kostenabrechnung erfreulich. Intensives Surfen auf der ersten Reise (zwei Wochen) führte zu 213 Minuten Online-Verbindung. Die GRPS-Handy-Gebühren lagen für den Zeitraum bei rund 20 Euro, der Internet-Provider Satspeed berechnete für seine Downloads rund 15 Euro, und zwar inklusive der monatlichen Grundgebühr von rund vier Euro. In anderen Worten: Das Internet-Vergnügen im Reisemobil kostete gerade mal 16 Cent pro Minute.

promobil Logo

Autor

Datum

3. Januar 2006
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Videos
06:27 Bürstner Lyseo 2016 Supercheck vor einem Monat
546 Aufrufe
Der markante Rahmen mit den c-förmigen Rückleuchten prägt die Rückseite des C-Tourer. 10:39 Carthago C-Tourer I im Supercheck vor einem Monat
944 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z