Report: Innendesign 24 Bilder Zoom

Das passende Wohnmobil-Innendesign: Bunt wie das Leben

Ein attraktiver Innenraum ist die halbe Miete für ein erfolgreiches Wohnmobil. promobil zeigt, wie der Design-Prozess abläuft, was einen Stoff ausmacht, der fürs Wohnmobil taugt, und auf welche Trends wir uns freuen dürfen.

Eiche rustikal, Plastikmöbel oder puristischer Schick: Beim Blick in deutsche Wohnzimmer bieten sich die unterschiedlichsten Bilder. Der eine bevorzugt flächenfüllende Schrankwände, der andere genießt den Anblick weißer Wände – oder wechselt seinen Stil alle paar Jahre.

So individualistisch es zu Hause zugeht, so uniform muten die Interieurs von vielen Wohnmobilen an. Kein Wunder, denn die Hersteller müssen mit ihren Wohnraumentwürfen einen Spagat schaffen: Einerseits sollten ihre Innenraumentwürfe massenkompatibel sein, um möglichst viele Kunden anzusprechen, andererseits müssen sie sich aber auch von der Konkurrenz unterscheiden. Kein leichtes Unterfangen, das zudem oft damit endet, dass auf Altbewährtes zurückgegriffen wird.

75 Prozent des Erfolgs hängen vom Innenraumdesign ab

Die Bedeutung eines ansprechenden Designs sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Swen Dluzak, Produkt- und Markenmanager für Knaus und Weinsberg, ist sich sicher: "75 Prozent des Erfolgs eines Wohnmobils hängen vom Innenraumdesign ab. Die perfekte Symbiose von Design und Funktion ist dabei entscheidend." Zeit also, sich die Entstehung eines solchen Designs näher anzuschauen.

Wohnmobil-Hersteller kooperieren mit Designern

Bei den großen Wohnmobilherstellern kümmern sich spezielle Abteilungen um die Entwicklung des Innenraumdesigns, manchmal werden aber auch externe Agenturen als Verstärkung mit ins Boot geholt oder sogar komplett mit dem Design beauftragt. So macht es zum Beispiel auch der Hersteller Niesmann + Bischoff, der mit dem Design-Studio Syn aus Rüsselsheim zusammenarbeitet. Dort beschäftigen sich derzeit 13 Designer mit Projekten, die hauptsächlich in der Freizeitfahrzeugbranche beheimatet sind. Neben Niesmann + Bischoff gehören auch die Knaus-Tabbert-Gruppe sowie Hobby und Fendt zu den Kunden der 1992 von Thomas Klüber-Voss gegründeten Agentur.

Laut Klüber-Voss kann jeder Design-Prozess in verschiedene Phasen gegliedert werden: Alles beginnt mit dem Auftrag, doch bereits hier gibt es Unterschiede. Manche Hersteller haben sehr konkrete Vorstellungen davon, wie das fertige Produkt aussehen soll, andere geben nur die grobe Richtung vor. So war zum Beispiel bei der Entwicklung des neuen Innenraumdesigns von Arto und Flair die Ansage von Niesmann + Bischoff-Geschäftführer Hubert Brandl, dass das fertige Fahrzeug an ein Wellness-Hotel erinnern sollte. Außerdem wollte er eine Einrichtung im Stil von Möbeldesigner Rolf Benz.

Die Unterscheidung von der Konkurrenz war Brandl besonders wichtig. "Was ich definitiv nicht wollte, war ‚Knolli-Bolli‘ und Gelsenkirchener Barock", fasst er seine Vorgaben anschaulich zusammen. Die grobe Richtung war also klar, die Details arbeiteten dann die Designer von Studio Syn aus.

Erst das Konzept, dann Design und Details

Mitunter kommt es aber auch vor, dass Hersteller ein Design möchten, das sie bei anderen schon gesehen haben. "Dann stecken wir in der Zwickmühle, weil wir weder uns noch andere kopieren möchten", merkt Thomas Klüber-Voss an. In diesem Fall ist Diplomatie und Beratungsgeschick gefragt, um doch noch auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. In der ersten Phase der Planung geht es also vor allem um die Entwicklung von Konzepten und Grundrissen. Erst beim nächsten Schritt entsteht das eigentliche Design, das dann in Phase drei mit Details wie Griffen und Leuchten komplettiert wird. Wünscht es der Hersteller, dann übernehmen Agenturen wie Studio Syn auch die Betreuung des Projekts bis zur Serienreife.

Inspiration: Von der Architektur bis zur Pflanzenwelt

Bei der Entwicklung eines Innenraums stehen den Designern verschiedenste Hilfsmittel zur Verfügung. In der Anfangsphase werden Fotowände gestaltet: Alles, was als Inspiration dienen könnte, wird ausgedruckt und angepinnt, dabei ist vor allem das Internet eine wahre Fundgrube. Die Moods genannten Inspirationen sind die Basis und dienen als Ideensammlung. Aus diesem Fundus entstehen die ersten Entwürfe, die dann zu Papier gebracht werden. Hier kommen die Wacom-Boards ins Spiel, große tabletartige Bildschirme, auf die mit einem elektronischen Stift gezeichnet werden kann. Neben diesem digitalen Papier sind vor allem die CAD-Anwendungen von Bedeutung, mit deren Hilfe fotorealistische Bilder der Entwürfe erstellt werden können. Doch diese Renderings genannten Bilder können mehr als ein normales Foto. Beispielsweise ist es möglich, Lichtquellen ein- und auszublenden oder zu verschieben, so dass man die Wirkung des Innenraums bei unterschiedlichen Lichtstimmungen bewerten kann.

Technische Freiheit, limitierende Elemente

Zum einen sind da die räumlichen Gegebenheiten, die zu Schwierigkeiten führen. Um ein Gefühl für die Raumverhältnisse zu bekommen, wird im Design-Studio auch schon mal der Sanitärraum nachgebaut. Wohnmobile sind keine Häuser, der Platz ist extrem begrenzt.

Die große Nähe verschiedener Funktionen, Lebensbereichen und Oberflächen stellt die Designer immer wieder vor Herausforderungen. Was zu Hause selbstverständlich ist, nämlich unterschiedliche Einrichtungsstile, zum Beispiel in Küche, Schlaf- oder Wohnzimmer, ist im Wohnmobil ausgeschlossen – weil dadurch viel zu viel optische Unruhe entstehen würde. Eine weitere Schwierigkeit liegt im technischen Bereich: Es reicht nicht aus, nur einen Prototyp zu entwickeln, die Komponenten müssen serienreif gemacht werden.

Auch die Kundenwünsche bezüglich Preisen und Materialienmüssen in den Design-Prozess mit einbezogen werden. Zielpreisvorgaben sind keine Seltenheit, diese Beobachtung hat auch Thomas Klüber-Voss gemacht: "Manchmal bekommen wir strikte Preisvorgaben, dann darf beispielsweise der Meter Stoff nur zwölf und nicht 13 Euro kosten." Oder die Materialien sind beim Hersteller bereits vorhanden, auch das müssen die Designer mit einbeziehen.

Unendlich viele Werkstoffe: Die große Kunst der richtigen Wahl

Nach welchen Kriterien werden Materialien ausgewählt? Manchmal hilft der Zufall weiter, wie etwa beim Design von Arto und Flair. Das Interieur sollte an Wellness-Anlagen erinnern. Da traf es sich gut, dass zeitgleich ein neues Echtstein-Furnier auf den Markt kam, das dann im Bad und im Eingangsbereich verwendet werden konnte. Bei den Möbeloberflächen kommen entweder Papiere für plane oder Folien für dreidimensionale Oberflächen zum Einsatz. Diese gibt es in den unterschiedlichsten Mustern. Meistens handelt es sich um Holzmaserungen, die mit jeder beliebigen Farbe kombiniert werden können. Eichenmaserung in Kirschholzton oder Nussbaum mit Ahorn? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Viele Folien und Papiere sehen nicht nur aus wie Holz, sie fühlen sich dank Strukturoberflächen auch so an. Dennoch haben sie auch ihre Besonderheiten. Zum Beispiel wirken Dekofolien bei Licht und Schatten unterschiedlich, das gilt es bei der Auswahl zu beachten.

Um bei so vielen Materialien den Überblick zu bewahren, hat das Studio Syn ein Stoff-Atelier. Hier lagern Tausende Proben von Stoffen, Dekofolien, Papieren und anderen Werkstoffen – beim Zusammenstellen stimmiger Kombinationen eine unschätzbare Hilfe. Wenn es an die Auswahl von Stoffen und Oberflächendekoren geht, werden hier Materialcollagen erstellt und dem Kunden zur Ansicht vorgelegt. Neben dem optischen Eindruck hat man so auch einen haptischen.

Schön, funktionell und nachhaltig

Gutes Innenraumdesign soll nicht nur schön aussehen, sondern auch funktionell sein. Es kommt auf Kontinuität und Nachhaltigkeit an – gefragt sind keine schnellen Design-Nummern, nicht jedes Jahr etwas gänzlich Neues, sondern ein langfristig angelegtes Konzept. Dass so eine konsequent zu Ende gedachte Design-Idee auch ein Problem an ganz anderer Stelle lösen kann, sieht man am Beispiel Arto. Wohnmobile sind ja meistens in unterschiedlichen Stoffdekoren zu haben, womit der Handel bisher stets Probleme hatte: Oft steht nur ein Modell mit eben nur einem Dekor auf dem Hof – häufig nicht mit dem, das der Kunde haben will. Auch deshalb kamen die Designer beim Entwurf des neuen Arto auf die Idee, austauschbare Kissen und Polster zu verwenden. Der Trick dabei: Man verwendet einen neutralen, ruhigen Hauptstoff und setzt mit dem Nebenstoff für die Kissen Akzente. Der Schlüssel dazu waren die Fahrersitze, die traditionell mit gemustertem Stoff bezogen sind. Erst nachdem man sie unifarben gestaltete, konnten die neuen Stoffkombinationen umgesetzt werden. Durch das Tauschsystem sind die Händler nun in der Lage, alle Varianten vorzuführen.

Mit den Tauschkissen hat Niesmann + Bischoff einen Trend gesetzt, der inzwischen auch von anderen Herstellern aufgenommen wurde. Sind sonst noch Tendenzen beim Innenraumdesign von Wohnmobilen festzustellen? "Ja", meint Thomas Klüber-Voss. "Der Trend geht hin zu klarerem, modernerem Design. Besonders fällt mir das bei den neuen Vorbildern auf, mit denen die Hersteller auf uns zukommen." Überfrachtete und wenig funktionelle Innenräume könnten also bald der Vergangenheit angehören. In dieselbe Kerbe haut auch Swen Dluzak, der Knaus hin zu einem reduziertem Design, gepaart mit hochwertigen Stoffen, führen will. Sein Credo: "Die Innenräume müssen beruhigt werden." Außerdem stellt er die Bedeutung von funktionellem Design heraus: "Wir müssen aufhören, in Schubladen zu denken – Oberklasse muss nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit Hochglanz sein." Nicht das Wohnzimmer, sondern das Nutzungsverhalten der Kunden soll die Richtung vorgeben, eine Orientierung an der Outdoor-Branche wäre möglich. Angesichts derart ambitionierter Ideen kann man sich auf kommende Wohnmobilgenerationen nur freuen.

Report: Service-Hotlines

Autor

Foto

Andreas Becker, Dominic Vierneisel, Frank Eppler, Hersteller, Shutterstock/Goncharuk Maksim, Shutterstock/severija

Datum

21. Mai 2014
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