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Ratgeber: GS-Kriterien

Mit dem GS-Zeichen verbinden Käufer sichere Produkte. promobil und TÜV Rheinland haben exemplarisch ein Reisemobil nach GS-Kriterien geprüft.

Schwere Gewichte, filigrane Messgeräte und jede Menge Spezialwerkzeuge türmen sich vor dem Knaus Traveller auf. Ihm steht ein harter Tag bevor. Zusammen mit promobil rücken Experten vom TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg zur Prüfung an. Am Beispiel des Alkovenmobils soll gezeigt werden, welche Kriterien zu erfüllen sind, um das landläufig bekannte GS-Zeichen zu erlangen. Die zwei Buchstaben prangen auf praktisch allen Haushalts- und Sportgeräten, nur bei den Reisemobilen hat das Signet noch Seltenheitswert.
Der Kunde verbindet damit eine Art Sicherheitsgarantie, die auch einem Mobil gut zu Gesicht steht. „Manche Hersteller sind sich“, so Michael Reitz, beim Köln/Berliner TÜV Leiter des Bereichs Geräte, Haushalt und Freizeit, „aber nicht der großen Vorteile bewusst.“ Dem Kunden gibt es die Gewissheit, ein Fahrzeug nach dem Stand der Technik zu kaufen, dem Hersteller bescheinigt es, alles getan zu haben, um den Normen gerecht zu werden.
Rüdiger Friedrich ist nicht nur TÜV-Sachverständiger, sondern in seiner Freizeit auch leidenschaftlicher Camper und somit prädestiniert für die GS-Prüfung am Reisemobil. Zunächst zückt er den Zollstock, um die Einstiegshöhe zu überprüfen. Erlaubt sind für den ersten Tritt beim voll beladenen Mobil 400 Millimeter, jede weitere Stufe sollte eine Höhe zwischen 200 und 300 Millimeter aufweisen. Beim Knaus Traveller haut es nicht ganz hin, der erste Tritt fällt mit 440 Millimeter ein wenig zu hoch aus.
Neben der Stufenhöhe spielt auch die Beschaffenheit des Aufstiegs eine Rolle. Stolperkanten oder rutschige Beläge gehören hier nicht hin.

Zudem darf der Tritt gewisse Mindestmaße in der Auftrittsfläche nicht unterschreiten. Bis auf eine vorstehende Kederkante alles kein Problem für den Knaus. Der härteste Teil des Checks steht dem Einstieg aber noch bevor: die Festigkeitsprüfung. Ein solides Gestell bringt dabei eine definierte Kraft von 200 Kilogramm auf den integrierten Einstieg. Nach fünf Minuten darf sich die Stufe ohne Last um nicht mehr als fünf Millimeter bleibend verformt haben. Der Knaus nimmt die Tortur gelassen hin. Jetzt nimmt Friedrich die Eingangstür genauer unter die Lupe. Die Norm schreibt mindestens 480 Millimeter lichte Breite und 1590 Millimeter Höhe an der engsten Stelle vor. Die Traveller-Maße liegen deutlich darüber. Für kleinere Reisemobile wie Kastenwagen gelten weniger strenge Grenzwerte. Für beide gilt: Scharfe Kanten etwa rund um die Schlösser sind tabu. Apropos Schlösser: Auch hierfür kennt die Norm klare Vorgaben hinsichtlich der Sicherheit und Stabilität. Nach den Prüfungen am Einstieg kommen die Betten ins Visier. Nicht nur auf die in promobil bereits genauer untersuchten Absturzsicherungen (siehe promobil 12/99) kommt es an. Die EN 1646-1 macht auch Vorgaben zur Beschaffenheit der Auflagen (Matratzen), zu Anzahl und Abmessungen der Betten, zu Kopffreiheit und Kanten, aber auch zur Bedienbarkeit (beispielsweise Einklemmschutz bei Klappbetten) und Festigkeit. Je nach Größe des Mobils gelten hier zum Teil unterschiedliche Grenzwerte. Ein Beispiel: Bei einem kompakten Kastenwagen genügen in etwa 400 Millimeter Kopffreiheit über der Matratze, bei einem größeren Reisemobil sollten es 500 sein – keine große Herausforderung für den Traveller.

Spannend wird es, als Friedrich schwere Gewichte an das Kinderklappbett des Traveller 608 K hängt. Für die Prüfung muss die Koje 100 Kilogramm punktueller Belastung über eine Stunde lang ohne große bleibende Verformung (fünf Millimeter) überstehen – ganz gleich, ob Hersteller per Aufkleber auf eine Gewichtsbeschränkung hinweisen. Aufgehängt wird die Last in der Bettmitte. Sichtbar biegt sich das Stockbett unter der Last, nach dem Abnehmen der Gewichte federt die Koje aber vollständig und ohne Schaden zurück. Anders als die TÜV-Experten schenken manche Hersteller den Aufstiegsleitern zu Alkoven- oder Etagenbett wenig Beachtung. Die Normen sehen wiederum Mindestanforderungen an die Tragfähigkeit vor (100 Kilo über eine Stunde). Genauso wichtig ist den Prüfern die Arretierung der Aufstiegshilfen. Gemessen wird hier, ob die eingehängte Leiter einer seitlichen und einer vom Bett wegziehenden Kraft von 500 N widersteht ohne abzurutschen. Die stabile Knaus-Leiter mit den breiten Holz-Sprossen besteht die Belastungsprüfung zwar mit Bravour, die Leiter lässt sich jedoch zu leicht zur Seite und nach hinten schieben. Der Verzicht auf gefährliche Ecken und Kanten versteht sich für das Mobiliar fast von selbst. Sogar der Radius von Möbelkanten unterliegt genauen Regelungen. „An exponierten Stellen darf die Rundung einen Radius von fünf, an geschützteren Stellen zwei Millimeter nicht unterschreiten“, weiß Friedrich. Besonderes Augenmerk legt der Praktiker auf den Fußbereich. „Oft läuft man im Mobil barfuß herum und bleibt mit den Zehen an Ecken und Kanten hängen“, kann Friedrich aus eigener Erfahrung berichten. Nicht verwundern kann die Tatsache, dass Möbelklappen fest verschließbar sein sollten. Noch nicht bei allen Herstellern herumgesprochen hat sich die Tatsache, dass Rüttelkanten an Regalen und Hängeschränken keine nette Zugabe, sondern eine klare Forderung der EN 1646-1 sind. Hier schlägt sich der Knaus vorbildlich.

...weiter im Teil 2.

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Datum

12. Januar 2001
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