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Wohnmobil-Tour durch Europa (2016): Hier müssen Sie mit Grenzkontrollen rechnen

Länder entlang der Flüchtlingsrouten kündigen verstärkt Kontrollen beim Grenzübertritt an. Was heißt das für den Urlaub in einigen südosteuropäischen Reiseländern? promobil informiert.

Fast konnte man in den vergangenen Jahren vergessen, dass einst auch in Europa an Staatsgrenzen Ausweise gezückt werden mussten. Seit der Umsetzung des Schengener Abkommens von 1990 sind Passkontrollen in der EU nahezu entfallen. Mittlerweile staut es sich wieder vor erneut errichteten Schlagbäumen. Urlauber müssen mit Wartezeiten rechnen, vor allem an Wochenenden. Mancher stellt sich die Frage, ob er die Fahrt in den Sommerurlaub wirklich sorglos antreten kann.

Deutschland sowie die Anrainerstaaten Österreich und Dänemark führen aufgrund der Flüchtlingsströme wieder verstärkt Kontrollen durch. Auch französische Grenzer kontrollieren seit den Terroranschlägen von Paris die Ausweispapiere bei der Einreise auf dem Landweg. Betroffen sind hauptsächlich die Grenzstationen auf den Autobahnen. Nebenposten bleiben umso eher außen vor, je weiter sie von den Tangenten entfernt liegen. Reisende nach Südeuropa müssen vor allem auf dem Rückweg mit Behinderungen rechnen; meist handelt es sich um Sichtkontrollen.

Weshalb werden Reisemobile häufiger an der Grenze kontrolliert?

Personenkontrollen erstrecken sich nicht nur auf die Grenzübergänge, sondern finden auch im Umland beidseits der Grenzen statt. Überprüft werden bevorzugt Fahrzeuge, die mit mehreren Passagieren besetzt sind oder die nach Ansicht der Grenzer zum illegalen Personentransport geeignet sein könnten. In den Fokus geraten damit auch Urlauber, die mit einem Reisemobil oder mit einem Caravan unterwegs sind.

Ob Österreich oder Kroatien, Ungarn, Griechenland oder die Türkei: Auch wenn die Situation in vielen Ländern durch die punktuelle Berichterstattung der Medien angespannt erscheint, sollte man sich nicht verschrecken lassen. In den klassischen Ferienregionen Südeuropas darf man auch in diesem Jahr von einem unbeschwerten Urlaubsvergnügen ausgehen. Wer indes durch südosteuropäische Staaten reisen will, sollte vor Touren in die weiteren Grenzregionen Informationen zur aktuellen Situation einholen.

Hier können Sie sich informieren

Hilfreich sind dabei die online veröffentlichten Reisehinweise des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de). Auch der ADAC aktualisiert ständig seine Infos zur Lage in den betroffenen Ländern ( www.adac.de/reise_freizeit ). Die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag macht auf ihrer Homepage Angaben zu den Wartezeiten an den Grenzübergängen (www.asfinag.at).

Bestehende Flüchtlingscamps und Auffanglager befinden sich nicht nahe den Urlauberhochburgen, sondern beidseits von Staatsgrenzen. Dennoch muss für die Fahrt etwa nach Griechenland vom Landweg abgeraten werden. Zumindest in diesem Jahr dürfte die Fährpassage ab und bis Italien entspannter ausfallen. Von freien Übernachtungen in Grenznähe sollte Abstand genommen werden, offizielle Campingplätze gelten als sicher.

Die Bundespolizei warnt vor Anhaltern

In aller Deutlichkeit warnt die Bundespolizei davor, Anhalter mitzunehmen, die über keine Aufenthaltsgenehmigung im Pass verfügen. Gleiches gilt für grenzüberschreitende Passagen, die über Mitfahrzentralen vermittelt werden. Die Gefahr ist groß, aus Gutherzigkeit in den Verdacht zu geraten, ein Schleuser zu sein. In Deutschland wird ein Verstoß gegen Paragraph 96 des Aufenthaltsgesetzes mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet, in anderen Ländern fallen die Strafen mitunter höher aus. Und niemand dürfte ein Interesse daran haben, seinen Urlaub durch einen unfreiwilligen Aufenthalt auf Polizeistationen, schlimmstenfalls in Gewahrsam, zu verbringen. Fahrer von Reisemobilen werden deshalb eindringlich aufgefordert, nach jeder Pause ihre Fahrzeuge auf blinde Passagiere zu überprüfen. Besondere Aufmerksamkeit sollte in den Wartebereichen internationaler Fährhäfen an den Tag gelegt werden.

Wie geht's weiter?

Eine Abschätzung, in welche Richtungen sich Flüchtlingsströme künftig bewegen werden, fällt schwer. Allerdings scheint es eher nur eine Frage der Zeit zu sein, bis der Normalzustand im Schengen-Raum wieder hergestellt wird und die Grenzkontrollen hinfällig werden. Bereits im März warnte der zuständige EU-Kommissar vor den Auswirkungen der Grenzkontrollen für die Wirtschaft. Allein im Bereich Tourismus wird der Wegfall von 13 Millionen Übernachtungen befürchtet.

Wer in der Vergangenheit die teils mehrstündigen Wartezeiten der Blockabfertigung vor österreichischen Tunnels hingenommen hat, wird sich in diesem Jahr auch von vermehrten Kontrollen nicht schrecken lassen. Vor allem für die Rückreise sollte einfach etwas mehr Zeit eingeplant werden. Wichtiger Tipp: Überprüfen Sie unbedingt vor Antritt der Fahrt die Personalausweise oder Reisepässe aller Mitfahrer auf ihre Gültigkeit hin.

Hier müssen Sie mit Grenzkontrollen rechnen:

  • Deutschland: Verschärfte Kontrollen an den Grenzübergängen von Österreich und Tschechien.
  • Österreich: Erhöhtes Verkehrsaufkommen an den Autobahn-Grenzübergängen Salzburg, Suben, Kiefersfelden und Walserberg. Nebenstrecken im Raum Salzburg und in der Region Bad Reichenhall. Verzögerungen entlang der ungarischen Grenze.
  • Italien: Brennerroute, das Pustertal bei Sillian und die Route Nauders–Reschenpass.
  • Slowenien: Kontrollen an allen Grenzübergängen zu Österreich.
  • Kroatien, Bulgarien und Rumänien: Mit Wartezeiten muss gerechnet werden.
  • Serbien: Wartezeiten an den serbisch-ungarischen und an den serbisch-kroatischen Grenzübergängen.
  • Mazedonien: Ausnahmezustand, längere Wartezeiten an der Südgrenze zu Griechenland und der Nordgrenze zu Serbien.
  • Vor Fährpassagen nach Skandinavien müssen die gültigen Ausweispapiere vorgezeigt werden, um aufs Schiff zu kommen. Bei der Einreise nach Dänemark müssen die Papiere gezeigt werden, Schweden kontrolliert den Fahrzeugverkehr an der Öresundbrücke.

Autor

Foto

Steffen Zink, Matthias Stolt/Fotolia, Tom Bayer/Fotolia, Markus Marb/Fotolia, Passfahrer/Wikimedia, David Edgar/Wikimedia

Datum

24. Juni 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 06/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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