Alles über Gebrauchte Wohnmobile
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Wohnmobil Gebrauchtkauf: Suchen, kaufen, reisen

Gebrauchte Wohnmobile sind gefragt, der Markt dafür wächst ständig. promobil erklärt, wie Sie richtig besichtigen, das passende Angebot finden und sich nicht von Betrügern übers Ohr hauen lassen.

Die Nachfrage nach gebrauchten Reisemobilen steigt stetig, das belegen die Zahlen der Besitzumschreibungen für gebrauchte Freizeitfahrzeuge für das Jahr 2014. Rund 123 300 Reisemobile und Caravans wechselten den Besitzer. Und die Tendenz ist weiter steigend: Für das erste Halbjahr 2015 meldete der Deutsche Caravaning Handels-Verband (DCHV) bereits eine Steigerung um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Wo findet man gebrauchte Reisemobile?

Ein gebrauchtes Reisemobil markiert für viele Camping-Neulinge den Einstieg zum mobilen Reisen, aber auch alte Hasen greifen gerne immer wieder zu. Der erste Weg bei der Suche nach einem Gebrauchten sollte ins Internet führen, wo man sich bei den einschlägigen Online-Börsen einen Überblick verschaffen kann. Eine gesunde Portion Skepsis ist bei Online-Inseraten angeraten, denn nicht selten klafft zwischen der schönen Bilderwelt und der schnöden Realität eine breite Lücke – oder man gerät gar an einen unseriösen Anbieter. Wie man einen solchen erkennt, steht im Kasten rechts. Erfolgversprechend ist auch der Blick in der Marktteil von Fachzeitschriften wie promobil. Auch die Kleinanzeigen in Internetbörsen wie zum Beispiel Ebay können passende Treffer liefern.

Eine gute Adresse sind außerdem Handelsbetriebe aus der Umgebung. Diese haben in den meisten Fällen neben den Neufahrzeugen auch gebrauchte aus Inzahlungnahmen im Angebot und ein reges Interesse, Neukunden zu gewinnen. Der Handelsbetrieb aus der Region ist in jedem Fall die bessere Wahl, als für ein Schnäppchen durch die halbe Republik zu fahren. Schließlich ist es mit dem Kauf manchmal nicht getan. Wer ein gebrauchtes Fahrzeug von einem Händler erwirbt, hat Anspruch auf ein Jahr Gewährleistung, sollten Mängel auftreten. Da ist es natürlich hinderlich, wenn man für eine Reparatur erst eine lange Strecke fahren muss.

Ein Privatverkäufer kann die Gewährleistung ausschließen, darüber sollte man sich im Klaren sein, bevor man sich für ein Fahrzeug entscheidet. Der Kauf von privat hat aber den Vorteil, dass man eher noch ein Schnäppchen machen kann und dass das Fahrzeug oft noch nicht viele Vorbesitzer hatte.

Kaufentscheidend: Besichtigung plus Probefahrt

Ob nun aber von privat oder vom Profi: Eine Besichtigung samt Probefahrt ist in jedem Fall unumgänglich. Der TÜV Süd rät, vor der Besichtigung alle im Inserat gemachten Angaben zu hinterfragen. Wurden tatsächlich alle Kundendienste gemacht? Sicherheit bringt ein Blick ins Serviceheft. Nur was hier lückenlos nachgewiesen und dokumentiert ist, kann für bare Münze genommen werden. Gut ist auch, wenn noch Rechnungen von Reparaturen und so weiter vorhanden sind, die die Eintragungen stützen. Werfen Sie außerdem einen Blick in den Prüfbericht der letzten Hauptuntersuchung, denn den brauchen Sie für die Zulassung ohnehin.

Beim Besichtigungstermin benötigen Sie vor allem eines: Zeit. Es hat keinen Wert, nur oberflächlich einen Blick zu riskieren und überstürzt eine Entscheidung zu treffen. Schauen Sie also genau hin, denn was Sie jetzt sehen, wird Sie später nicht mehr überraschen können. Fragen Sie nach Vorschäden oder Unfällen und lassen Sie die Unfallfreiheit explizit schriftlich im Vertrag festhalten. Der Hinweis "ohne erkennbare Unfallschäden" ist zu schwammig, besser: "ohne Vorschäden durch Unfall und sonstige Beschädigungen". Weicht der Verkäufer beim Thema Unfallschaden aus, sollte man hellhörig werden und besser die Finger von dem Angebot lassen.

Besichtigen Sie das Wohnmobil bei Tageslicht und möglichst nicht im Regen. Halten Sie dabei nach Rost und Beschädigungen an Chassis und Karosserie Ausschau. Messen Sie die Profiltiefe der Reifen, davon unabhängig sollten sie nicht älter als sechs Jahre sein.

Ein neuralgischer Punkt ist die Dichtigkeit

Tritt erst einmal Schimmel auf oder sind andere Anzeichen für einen Feuchteschaden, wie beispielsweise muffiger Geruch oder feuchte Stellen, festzustellen, heißt es Obacht. Kondenswasser durch mangelnde Lüftung oder kleine Undichtigkeiten können den Aufbau eines Wohnmobils mit den Jahren nachhaltig schädigen. Prüfen Sie daher gründlich die Dichtungen um Fenster und Türen. Sollte es im Innenraum schon zu Schimmelbildung gekommen sein, ist eine Beseitigung der Schäden oftmals nur noch mit hohem Aufwand möglich.

Prüfen Sie daher auch immer, ob die Dichtigkeitsinspektionen durchgeführt wurden. Auch die Duschwanne im Bad sollte auf Risse und Beschädigungen untersucht werden. Durch sie kann Nässe an den Unterboden gelangen. Mit einem gründlichen Blick unter das Wohnmobil wird der Boden, der bei bei älteren Exemplaren oft aus Holz besteht, auf seinen Zustand überprüft. Was dann noch bleibt, ist die Funktionsprüfung der elektrischen Installationen wie Kontrollbord, Lichter, TV etc. sowie der Gas- und Wasseranlage.

So gelingt der Wohnmobil-Gebrauchtcheck

Checken Sie außerdem die zahlreichen Scharniere, Auszüge und Schlösser an den Möbeln. Wer noch keine oder nur wenig Erfahrung im Umgang mit Wohnmobilen hat, sollte sich einen erfahrenen "zweiten M,ann" zur Besichtigung mitnehmen.

Eine andere Option ist der "Camper-Check" der Handelskette Intercaravaning. Mit Hilfe
eines Bewertungssystems wird der Zustand eines gebrauchten Wohnmobils anhand detaillierter Prüfberichte durch eine Meisterwerkstatt ermittelt und dokumentiert. Dies bedeutet für Käufer Sicherheit und eine seriöse Entscheidungsgrundlage. Direkt vor Ort erhält man eine Liste mit über 75 Prüfpunkten, die das Ergebnis dokumentieren. Kaufinteressenten können sich so ein Bild vom gebrauchten Fahrzeug machen. Den Camper-Check bieten bundesweit alle Handelspartner von Intercaravaning an. Hat man sich nach eingehender Besichtigung  und Probefahrt letztlich für ein Fahrzeug entschieden, geht es noch um den Preis. Einen Anhaltspunkt liefert die Schwacke-Liste für Wohnwagen und Wohnmobile, die zweimal im Jahr erscheint und Gebrauchtpreise von über 13.500 Modellen der letzten zwölf Jahre aufführt.

Händler gewähren oftmals einen Einblick in das über 200 Euro teure Buch. Auch wenn Wohnmobile über eine hohe Wertstabilität verfügen, kann man davon ausgehen, dass die Sonderausstattung einem höheren Wertverlust unterliegt. Dennoch: Überlegen Sie sich, ob eine üppige Zusatzausstattung überhaupt benötigt wird oder nur unnötig den Preis in die Höhe treibt. Letztendlich gibt vor allem der Pflegezustand den Ausschlag, ob der aufgerufene Preis angemessen ist oder nicht. Wenn man zweifelt: weitersuchen. Der Markt ist groß genug.

Einsteiger-Tipps

Das erste eigene Wohnmobil ist oft ein gebrauchtes. Für die Wahl des passenden Modells ist die Anzahl der Sitz- und Schlafplätze ausschlaggebend. Die Nachrüstung von Gurtplätzen ist bei Weitem nicht in jedem Reisemobil möglich, außerdem teuer und mit großem Aufwand verbunden. Eine umbaubare Sitzgruppe klingt zwar auf den ersten Blick praktisch, ist in der Praxis aber, was den Schlafkomfort angeht, nicht das Gelbe vom Ei. Besser sind also ausreichend viele Gurtplätze und feste Betten für alle regelmäßigen Passagiere. Anhand dieses Kriteriums lässt sich das Feld der möglichen Kandidaten bereits eingrenzen. Ebenfalls wichtig ist die Umweltplakette. Gerade ältere Reisemobile haben oft nur eine rote oder gelbe Plakette und können somit in vielen Städten in Deutschland nicht bewegt werden. Zwar besteht bei manchen Modellen die Möglichkeit, einen Rußpartikelfilter nachzurüsten, doch ist das mit erheblichen Kosten verbunden und somit oft nicht rentabel.

Checkliste für gebrauchte Wohnmobile

Papiere

  • Sind die Fahrzeugpapiere vollständig?
  • Sind Sonderanbauten eingetragen?
  • Welche Umweltplakette wurde zugeteilt?
  • Wann steht die nächste Hauptuntersuchung an?
  • Ist die Gasprüfung erledigt, eine Bescheinigung vorhanden?
  • Wurden vorgeschriebene Dichtigkeitsinspektionen durchgeführt?
  • Wurde das Basisfahrzeug scheckheftgepflegt?
  • Wie viele Vorbesitzer gab es? Sind Vermieter darunter?
  • Sind notwendige Wechsel (Öl, Zahnriemen etc.) durchgeführt?
  • Gibt es Bedienungsanleitungen und Garantieunterlagen für sämtliche Einbaugeräte?

Basisfahrzeug

  • Karosserie auf Rost und Beschädigungen kontrollieren.
  • Sind dem Vorbesitzer Unfallschäden bekannt?
  • Reifen auf Profiltiefe, gleichmäßiges Abnutzungsbild und Alter (möglichst nicht über sechs Jahre) untersuchen.
  • Probefahrt unternehmen, dabei auf Geräusche, Geradeauslauf und die Schaltbarkeit des Getriebes achten.

Aufbau

  • Aufbauwände und Kantenleisten auf Beschädigungen untersuchen.
  • Ist an Aluminium-Oberflächen Korrosion (Alufraß) zu erkennen, bilden GfK-Oberflächen Risse an Ecken und Kanten?
  • Sind Hagelschäden am Dach zu sehen? Wurden diese bereits mit der Versicherung des Vorbesitzers abgerechnet?
  • Decke im Bereich der Dachhauben, Wände unterhalb der Fenster auf Spuren von Feuchtigkeit kontrollieren.
  • Zustand der Fenster und Dachhauben (Risse, matte Stellen) sowie Gummidichtungen checken.

Ausbau

  • Gibt es Gerüche, die auf Schimmel und Undichtigkeiten hindeuten? Ecken und Winkel überprüfen.
  • Sind Stockflecken unter den Matratzen zu sehen?
  • Gibt es Risse in der Duschwanne? Ist dort bereits Wasser in die Bodenplatte eingedrungen?
  • Funktionen von Möbeln und ggf. Hubbetten checken.
  • Gegebenenfalls Montage eines Kindersitzes ausprobieren.
  • Sind der Frischwassertank und sichtbare Leitungen von innen sauber? Erzeugt die Wasserpumpe einen brauchbaren Druck?
  • Zünden Heizung und Kühlschrank problemlos?
  • Lampen und elektrische Einbauten (Kontrollbord, Sat-Anlage, TV, Trittstufe etc.) ausprobieren.

Report: Service-Hotlines

Autor

Foto

Dieter S. Heinz, Andrey Popo, euthymia/fotolia, Archiv

Datum

11. November 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 10/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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