Alles über Gebrauchte Wohnmobile
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Ratgeber: Gebrauchte Wohnmobile

Wie und wo findet man das passende Gebrauchtmobil? Mit promobil umschiffen Sie die Untiefen des Mobilkaufs aus zweiter Hand.

Mit verlockenden 5000 Euro stand das acht Jahre alte Alkovenmobil im Kleinanzeigenteil des Wochenblatts. Nach einer kurzen Besichtigung einigten sich Josef Hermann und der Verkäufer, ein sympathisch wirkender Privatmann, per Handschlag. Im nächsten Familienurlaub entpuppte sich das vermeintliche Schnäppchen als Ruine. Beim ersten Regen sprudelte das Wasser durch das Alkovenfenster. Als Frau Hermann die Heizung anwarf, verbreitete sich unheilvoller Gasgeruch. Der sofort kontaktierte Verkäufer lehnte jede Verantwortung für die Mängel ab. Von einer Rücknahme wollte er nichts wissen.

Es ist nicht schwer, sich ein solches Szenario auszumalen. Doch beinahe ebenso leicht ist es, den Supergau zu vermeiden; wenn man ein paar Regeln beachtet und die Tücken des Gebrauchtmobilkaufs gezielt umschifft.

Marktsituation: Wirklich gute gebrauchte Reisemobile sind nicht billig. Die Nachfrage ist groß, das Angebot klein – eine Marktsituation, die seit der Erfindung des Warenhandels die Preise anheizt. Hinzu kommt die hohe Wertbeständigkeit von Freizeitmobilen allgemein.

Motorisierung und Markenimage bestimmen den Preis

Alkovenmobile werden bei vergleichbarer Ausstattung und in ähnlichem Zustand günstiger gehandelt als Teil- und Vollintegrierte. Auch die Motorisierung hat entscheidenden Einfluss auf den Preis. Und nicht zuletzt das Markenimage: Bei Mobilen populärer deutscher Hersteller wie Hymer, Dethleffs, Bürstner oder Eura Mobil sind Schnäppchen seltener als bei weniger bekannten Marken. Wer sich nicht festlegen lässt, erhöht die Chancen, günstiger an sein Wunschmobil zu kommen.

Besonders begehrt sind Gebrauchtmobile zwischen etwa 15000 und 20000 Euro. Die stehen in der Regel nicht lange bei den Händlern. Auch in der nächsthöheren Preisklasse von 20000 bis rund 28000 Euro überwiegt die Nachfrage das Angebot. Bürstner-Händler Michael Winkler aus Stuttgart-Weilimdorf bemerkt außerdem eine gewachsene Nachfrage nach Teilintegrierten. Andreas Henzler vom Hymer-Zentrum Rall in Sindelfingen erkennt einen Trend zu jungen Gebrauchten bis zu vier Jahren und mit geringer Laufleistung. In dem entsprechenden Preissegment bis stellenweise noch 50000 Euro kann ein besonders großer Teil der Kundenansprüche befriedigt werden.

Bei Fahrzeugen unter 8000 Euro mahnt Eura-Mobil-Händler Uwe Reeh von Mi-Mobile in Remshalden-Grunbach zu Vorsicht. „Viele Mobile in diesem Bereich sind ihr Geld nicht wert.“ Zu groß ist bei einem komplexen Fahrzeug wie einem Wohnmobil das Risiko hoher Folgekosten. Ein nicht erkannter Feuchteschaden im Wandaufbau kann schnell mal eine vierstellige Reparatursumme verschlingen. Bei solchen Mobilen ist es daher umso wichtiger, dass der Verkäufer alle Kundendienste anhand der Rechnungen nachweisen kann.

Den passenden Zeitpunkt für Schnäppchen abwarten

Saisonale Preisschwankungen gibt es kaum, wohl aber ein jahreszeitlich bedingtes Angebot. In Herbst und Winter kommen viele Fahrzeuge aus der Vermietung zu den Handelsbetrieben. Ein guter Zeitpunkt, um Schnäppchen zu machen – wenn auch auf hohem Preisniveau. 15 bis 20 Prozent Nachlass gegenüber dem Neupreis für ein Fahrzeug, das 25 000 bis 30 000 Kilometer in einem dreiviertel Jahr gelaufen ist – hoffentlich stimmt da der Kontostand. Auch im Frühjahr ist die Auswahl vielerorts nicht schlecht. Käufer, die zu Beginn des Jahres ihr neues Mobil ausgeliefert bekommen, überlassen dann ihr altes dem Händler.

Preise: Private Verkäufer bieten Fahrzeuge in der Regel etwas billiger an als der Handel. Allerdings birgt der Kauf von privat gewisse Risiken. Der Händler dagegen muss per Gesetz eine Gewährleistung übernehmen, die bei Gebrauchtartikeln auf ein Jahr beschränkt werden kann. Das finanzielle Risiko, für eventuelle Beanstandungen einstehen zu müssen, kalkuliert der Händler natürlich mit ein. Einen Anhaltspunkt über die Preise von rund 9000 Modellen gibt die Schwacke-Liste, die komplett für 132 Euro bestellt werden kann. Wer ein bestimmtes Mobil im Auge hat, kann dessen Marktwert auch unter einer Hotline (01 90/81 24 06, 1,86 Euro pro Minute) erfragen. Die Realität sieht oft einige Tausend Euro teurer aus. Aber die Schwacke-Preise dienen bei den Verkaufsverhandlungen durchaus als Argument.

Wer bereits ein Mobil besitzt, kann die finanzielle Belastung vielfach begrenzen, indem er das Fahrzeug in Zahlung gibt. Das klappt natürlich nur beim Händler; der Privatverkäufer will in der Regel Bares sehen. Und auch die Möglichkeit der Ratenfinanzierung steht nur Kunden offen, die sich an einen Profi wenden. Der vermittelt oft selbst Kredite von spezialisierten Banken. CC-Bank, Cetelem-Bank oder Credit Plus bieten dabei meist günstigere Konditionen als die Hausbank des Käufers. Bei Tilgungszinsen zwischen sieben und acht Prozent lassen sich Laufzeit und Höhe der Raten recht flexibel an die finanziellen Möglichkeiten des Kunden anpassen.

Neben dem Kleinanzeigenteil besonders von promobil wird das Internet als Umschlagplatz für Gebrauchtmobile immer wichtiger. Hier inserieren Händler und Privatleute gleichermaßen. Auf promobil.de und caraworld.de lässt sich durch viele Auswahlkriterien sehr gezielt suchen. Allerdings: Je weniger festgelegt der Kunde beim Grundriss ist, umso mehr und damit möglicherweise auch günstigere Angebote kommen in Betracht.

Eine Familie mit zwei Kindern braucht ein Mobil mit vier Betten. Möglicherweise ist das Alkovenmobil mit dem Doppelbett im Heck ja günstiger als der vielfach begehrte Stockbettenwagen. Ein reiferes Paar, das ausschließlich zu zweit auf Reisen geht, kann mit einem Grundriss mit Hecksitzgruppe vielleicht ein paar tausend Euro sparen, wenn es keine hinteren Gurtplätze benötigt. Ansonsten sollten Sie keine Kompromisse bei der Sicherheit machen. Vier Passagiere brauchen auch vier Dreipunktgurte. Beckengurte bieten bei einem Unfall nur ungenügenden Schutz.

Begutachtung: An einer ausführlichen Besichtigung des Mobils führt kein Weg vorbei. Bevor Sie eine Offerte in Augenschein nehmen, informieren Sie sich wenn möglich genau über Ihr Wunschmobil – beispielsweise anhand älterer promobil-Tests. Auch auf den Besichtigungstermin sollten Sie sich vorbereiten. Auf promobil.de gibt es ein Übernahmeprotokoll zum Download, das alle Punkte auflistet, denen man besonderes Augenmerk schenken sollte. Rechtsanwalt Rüdiger Zipper aus Schwetzingen empfiehlt, dieses Protokoll gemeinsam mit dem Händler durchzugehen und als Anlage zum Bestandteil des Kaufvertrages zu machen. Auch der ADAC bietet Checklisten für den Gebrauchtkauf an, die um reisemobilspezifische Eigenheiten ergänzt als Vorbereitung für die Überprüfung dienen können. Das Entscheidungskriterium schlechthin ist für viele Kunden der optische Zustand. Klar: Ein Fahrzeug, das einen guten Eindruck macht, wurde in der Regel auch pfleglich behandelt. Doch speckige Polster oder durchgelegene Matratzen lassen sich ohne viel Aufwand austauschen. Viel wichtiger ist, dass die Technik stimmt. Ein Dekra-Siegel gibt Sicherheit: Es belegt, dass die Technik des Mobils von einem Fachmann kontrolliert und als ordnungsgemäß eingestuft wurde.

Auf jeden Fall sollte man den Verkäufer fragen, ob er bereit ist, das Reisemobil neu mit TÜV und Gasprüfung zu versehen. Lehnt er das ab, ist Skepsis angeraten. Ganz entscheidende Bedeutung kommt dem Aufbau zu. Muffelt es im Innenraum modrig, könnte das ein Hinweis auf einen Feuchteschaden sein. Viele Hersteller gewähren eine auch auf zukünftige Besitzer übertragbare Dichtigkeitsgarantie zwischen fünf und zehn Jahren, vorausgesetzt die jährlich vorgeschriebenen Inspektionen wurden regelmäßig durchgeführt. Dies muss aus den Garantieunterlagen eindeutig hervorgehen. Käufer sollten dennoch auf einer Dichtigkeitsprüfung in ihrem Beisein bestehen. Nur dann kann man wirklich sicher sein, dass der Aufbau dicht und die vielfach verwendeten, bei Feuchtigkeit von Verrottung bedrohten Holzverstärkungen trocken sind. Sehen Sie sich aus dem gleichen Grund auch den Boden genau an, der bei vielen Reisemobilen immer noch aus Holz besteht.

Bei allem Verständnis für das wachsende Interesse an Mobilen unter 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, die nicht den Ver- und Geboten für Lkw, beispielsweise 80 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit, unterliegen: Dem Thema Gewicht sollten Käufer mit besonderer Sensibilität begegnen. Denn jedes Zubehör, das der Vorbesitzer hat einbauen lassen, reduziert die ursprüngliche Zuladung. Im Zweifelsfall – und der ist gar nicht so selten – hilft nur die Fahrt auf eine Waage. Ein seriöser Händler wird dies nicht verweigern. Das ermittelte Leergewicht inklusive Wasser und Gas ergibt abgezogen vom zulässigen Gesamtgewicht die reine Zuladung. Kalkulieren Sie mit mindestens 90 Kilogramm je Passagier plus eventuell weiteres Zubehör.

Neben einer genauen Überprüfung des Auf- und Ausbaus gehört auch eine ausführliche Probefahrt zur Besichtigung. Dabei das Radio ausstellen. Geben Motor und Getriebe rasselnde, pfeifende, singende oder sonstwie merkwürdige Geräusche von sich? Fühlt sich das Fahrwerk schwammig oder übertrieben hart an? Zieht der Wagen beim Bremsen ungleichmäßig nach einer Seite? Der Motor ist grundsätzlich nach der Probefahrt in Augenschein zu nehmen. Eventuelle Undichtigkeiten und Ölverlust treten häufig erst dann zu Tage.

Eine hohe Motorlaufleistung muss einen übrigens nicht vom Kauf abhalten. Die Basisfahrzeuge sind für die gewerbliche Nutzung konzipiert und stecken daher auch weit über 100 000 Kilometer klaglos weg. Wurde und wird der Motor entsprechend gewartet, kann man auch mit einem vielgereisten Mobil noch viel Freude haben. Na dann: Finden Sie mal schön.

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Datum

3. April 2005
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