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Frühjahrsschnäppchen: Sondermodelle - All-Inclusive?

Ein neues Wohnmobil kaufen und nicht jedes Extra einzeln bezahlen müssen: Die aktuellen Sondermodelle bringen dabei bis zu 12.000 Euro Preisvorteil. Die Frühjahrsangebote unter der Lupe.

Hoteltouristen wissen es längst: Auf Mahlzeiten und Getränke will im Urlaub niemand verzichten, daher bucht man die Selbstverständlichkeiten vorab im Paket - und reist unter dem Strich günstiger. Die Zauberformel heißt All-inclusive. Dieser Trend ist an Reisemobilkäufern bislang vorbeigegangen. Unverzichtbare Extras für einen angenehmen Urlaub müssen bei praktisch allen Modellen mit teils deftigen Mehrkosten dazu bestellt werden.

Auf den Frühjahrsmessen mehren sich jedoch Anzeichen für einen Kurswechsel. Viele große Hersteller schnüren Komplettpakete für Sondermodelle. Sie sind mit fantasievollen Zusatznamen versehen, werden als Jubiläumsangebot oder Edition bezeichnet - und haben eines gemeinsam: Gegenüber der regulären Serie errechnen die Hersteller satte Preisvorteile.

Wenn man in der 50.000- Euro-Klasse ohne Diskussionen 10.000 Euro sparen kann, fragt sich der kritische Konsument allerdings auch, woher plötzlich die Spendierfreude der Anbieter kommt. Schließlich erreicht auch nicht jede günstig mitbestellte Hotelmahlzeit immer Gourmetniveau.

Bei den Sondermodellen braucht man allerdings keinen Qualitätsverlust zu befürchten. Die eingebauten Komponenten entsprechen dem gängigen Standard. Wo es Abweichungen gibt, gehen die Hersteller offen damit um. Beispielsweise bauen die aktuellen Editionen von Concorde und Hobby noch auf Basisfahrzeugen des vorherigen Modelljahrs auf.

Zweifel
sind eher angebracht, ob die errechneten Sparmöglichkeiten wirklich so schwindelnde Höhen erreichen. Da taucht schon mal ein geändertes Außendekor mit 490 Euro in der Berechnung auf oder ein edlerer Wasserhahn im Wert von 188 Euro. Außerdem merkt ein cleverer Rechner schnell, dass einige der einzeln aufgeführten Extras oft in der regulären Preisliste in Sparpaketen zusammengefasst werden. Doch selbst wenn man manche Luftnummer herausrechnet, bleibt noch ein habhafter Preisabschlag.
Was motiviert die Hersteller also zum neuen All-inclusive-Trend? Manche Marken testen im Sondermodell etwas Neues. Markus Winter, Chef der Marken LMC und TEC: „Mit Sondermodellen probieren wir jetzt schon Designtrends für die kommende Saison 2013 aus. Beim neuen TEC Travel Style hatten unsere Innendesigner große Freiheiten.“ Auch der Carthago E-Line Edition deutet optisch das nächste Modelljahr an. Die Schwestermarken Challenger und Chausson bringen Sondermodelle mit neuer Fahrerhausfarbe ins Spiel.

Andere Anbieter
wollen  bekannten Baureihen neuen Schwung geben. Knaus-Geschäftsführer Michael Tregner: „Im Fall des Van TI handelt es sich um ein probates Marketingmittel für das letzte Drittel des Lebenszyklus.“ Wieder andere wollen da nicht tatenlos zusehen. Hymer verkauft den Tramp über die gesamte Saison als Premium-50-Sondermodell - und schiebt nun gezielt günstige Pakete für andere Modelle nach. „Im Grunde reagieren wir mit unseren neuen Sondermodellen nur auf die üblichen Messeangebote der Wettbewerber“, erklärt Bernhard Kibler, Hymer-Marketingleiter.

Wer nicht mitmacht, droht vom Käufer links liegen gelassen zu werden. Dennoch gibt es große Marken, die auf Extra-editionen verzichten. Bürstner hat gerade ein vergünstigtes Paket mit Elektofahrrädern geschnürt, belässt das Modellangebot aber unverändert. Das auf dem Caravan-Salon gezeigte Jubiläumsmodell ist ausverkauft, ein direkter Nachfolger nicht sofort geplant. Bürstner-Geschäftsführer Klaus-Peter Bolz: „Sondermodelle müssen auch glaubwürdig sein.“

Für den Käufer ist die Situation ohnehin nicht leicht zu durchschauen. So trifft er bei Dethleffs beispielsweise auf die Magic Edition. Klingt nach Sonderserie, ist es aber längst nicht mehr. Nach einem Erfolg auf der Extraspur schwenkte die Magic Edition in das  reguläre Angebot ein. Aktuell tritt die Summer Edition außerhalb des Serienprogramms an.
Aus Sicht vieler Hersteller müssen Sondermodelle nicht nur Marktanteile verteidigen. Sie sollen auch die Produktion auslasten und gleichzeitig sicherstellen, dass aus den zusätzlich gefertigten Fahrzeugen keine Ladenhüter werden.
Oft entscheiden Lücken in der Produktionsplanung über die tatsächliche Auflage einer Sonderserie. Limitiert sind sie alle, doch nur wenige Hersteller legen sich auf Stückzahlen fest. Aus All-inclusive kann für zögerliche Käufer daher ein Last-Minute-Angebot werden.
Spontane Aktionen der Hersteller führen auch im Reisemobilhandel immer wieder zu Irritationen. Oliver Waidelich, Geschäftsführer des Händlerverbands DCHV: „Sondermodelle sind für den Endkunden zweifellos attraktiv, für die Händler aber manchmal ein echtes Glücksspiel.“ Wenn ein Betrieb frühzeitig Ausstellungsfahrzeuge zu regulären Preisen bestellt, kann er darauf sitzen bleiben, sobald plötzlich Sondermodelle mit vergleichbarem All-inclusive-Angebot danebenstehen.

Um Konflikte zu entschärfen, planen manche Hersteller möglichst eigenständige Sondermodelle. Hobby ergänzt etwa das Grundrissangebot auf Fiat-Fahrgestellen um zwei neue Einzelbettenwagen in der Limited Edition. Auch die französischen Marken Challenger und Chausson entwickelten für ihre europaweit angebotenen Sondermodelle neue Einrichtungen. Ohne direkten Vergleich zum regulären Modell lassen sich in solchen Fällen die Preisvorteile aber nicht exakt beziffern.

Typisch für ein solches Pauschalangebot: Eine Individualisierung durch weitere Optionen ist nicht vorgesehen. Jörn Koch, Importeur von Chausson: „Ab Werk gibt es nur eine einzige Option: den 148-PS-Motor in Verbindung mit  ESP.“ Das beschleunigt bei Editionsangeboten wiederum die Produktion. Während einzeln konfigurierte Reisemobile oft lange Lieferzeiten nach sich ziehen, laufen die vom Hersteller zusammengestellten Sonderserien zügig vom Band.
Da drängt sich erneut der Vergleich mit dem All-inclusive-Urlaub auf: Sondermodelle lassen sich nicht ganz so individuell planen, sind aber berechenbar. Genau das Richtige für Menschen, die weder feilschen noch Aufpreislisten studieren oder lange warten wollen. So beginnt die Entspannung schon vor der ersten großen Reisemobiltour.

Kommentar:

Es darf ein wenig mehr sein

Für Neufahrzeugkäufer zahlt sich der lebhafte Wettbewerb unter den großen Marken aus. Obwohl alle Hersteller von gut gefüllten Auftragsbüchern sprechen, kann man aktuell mehrere tausend Euro sparen - ohne Diskussionen, Risiken und Nebenwirkungen. Dennoch bringen einen die aktuellen Sondermodelle ins Grübeln. In den ausufernden Ausstattungsbeschreibungen entdeckt man viele Dinge, die ohnehin in ein Reisemobil der jeweiligen Klasse gehören, sonst aber extra bezahlt werden müssen. Warum nicht gleich so? Die Komfortansprüche der Käufer sind in den vergangenen Jahren gestiegen, der Ausstattungsumfang kaum. Deshalb dürfen die Sondermodelle gerne den Trend für 2013 vorgeben: die praxisgerechte Komplettausstattung zum fairen Preis.

Report: Günstige Reisemobile

Foto

Uli Regenscheit

Datum

20. März 2012
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