Erst- und Zweitmobil vor der Überführungsfahrt nach Spanien. 13 Bilder Zoom

Niesmann Bischoff Clou – Forever Young: Leben im Luxusliner, campen im Clou

Ursula Horn und Sven Höttges verwirklichen den Traum vom mobilen Leben auf besondere Weise. Sie leben im Concorde Liner Plus 995 und machen Urlaub in einem Niesmann + Bischoff Clou Oldtimer-Mobil.

Eigentlich wären hier gleich zwei oder drei Geschichten zu erzählen. Wollen wir mit dem Privatleben des Münchener Pärchens beginnen? Aber nein, das interessiert ja nicht – schließlich sind Sie auf promobil.de, nicht auf irgendeiner Klatsch-Seite. Alter und Familienstand gehen uns nichts an, wir fragen nicht, wann, wie und wo sich die beiden kennengelernt haben, nicht nach Zahl der Kinder, nach Gesundheit, Einkommen oder Lieblingsfarbe. 

Was uns indes nicht verborgen bleibt, ist das Leuchten in ihren Augen, wenn sich Ursula Horn und Sven Höttges anblicken, das Lächeln, der respektvoll-heitere Umgang miteinander. Die beiden haben einander sehr gern – danach brauchen wir nicht erst zu fragen. Und das ist gut so, denn auf den paar Quadratmetern Wohnmobil gibt es zu wenig Platz, um sich zu streiten oder sich aus dem Weg zu gehen – selbst wenn es sich um einen Concorde Liner Plus 995 handelt. 

Ursula Horn und Sven Höttges besitzen gleich zwei Wohnmobile.
Oldtimer: Im Inneren versprüht der Niesmann + Bischoff Clou einen echten 70er Jahre-Charme.
Die rollende Wohnung: Ein im Originalzustand erhaltener Heinkel-Roller aus den Sechzigern dient im Concorde Liner als standesgemäßes Beiboot.

Ein Concorde Liner? Warum sehen Sie dann in der Bildergalerie fast nur Fotos von einem alten Clou? Da wären wir bei der ersten Geschichte, die erzählt werden soll. Es war Ursula Horn, die den Clou am 9. August 2015 in einem Kleinanzeigenportal entdeckte und die Vision hatte, den kantigen Alkoven-Klassiker zu erwerben und schön herzurichten. 

Generalüberholung des Niesmann + Bischoff Clou Oldtimers

Partner Sven Höttges ließ sich von ihrer Begeisterung anstecken, denn hochwertige alte Fahrzeuge sind seit jeher seine Leidenschaft. Kein Wunder: Beruflich beschäftigt sich der gelernte Ingenieur mit der Begutachtung von Oldtimern. Aber das ist die zweite Geschichte, die kriegen wir später. Die feingliedrige Ursula ist nach Svens Ansicht nicht dafür gebaut, das Lenkrad eines alten Mercedes-Lkw-Chassis herumzuwuchten. "Ohne Servo fährt das Ding nur geradeaus." 

Also muss eine Servolenkung her. Die Liebe pflanzt ihm diesen kühnen Gedanken ein, das ist klar. "Am Anfang haben wir noch Zeit verplempert, indem wir mit dem Fernauslöser posiert haben", sagt Höttges, "da wussten wir noch nicht, was auf uns zukommt." Manches fügt sich indes glücklich. Höttges’ Vorgänger im Sachverständigenbüro hatte 1983 an einer Clou-Schulung teilgenommen, die Unterlagen aufgehoben und vererbt. Außerdem finden sich noch Originalprospekte und -preislisten. 36.900 Mark kostete damals die separat erhältliche Wohnkabine, 2000 Mark die Montage auf ein Fahrgestell, 100.000 Mark ein komplettes Mobil. Optionen wie Markise, Festtanktoilette, zweiter Dieseltank, zweite Batterie, zusätzlicher Gastank, 200 Liter Frischwasservorrat und eine Alde-Heizung zeugen von einem Standard, wie er auch heute noch beeindrucken kann.

Für den Einbau der Servolenkung, die aus einem anderen Altfahrzeug stammt, holt sich das Paar Hilfe bei einer Fachwerkstatt, ebenso für Erneuerung beziehungsweise Umbau von Kupplung, Kühler, Stoßdämpfern, Motorbremse und Hauptbremszylinder. 

Auch die komplette Bordtechnik wird von Spezialisten ausgetauscht und auf den aktuellen Stand gebracht. Bleibt noch jede Menge zu tun, um den Innenraum des ehemaligen Raucherfahrzeugs aufzuhübschen. Zum Beispiel sollen die Wände mit einem Seegrasgewebe bekleidet werden. Doch wie verklebt man das mit einem alten Velours? 
Der Urlaub und auch sonst jede freie Minute wird in das Projekt investiert. "Im November haben wir begonnen, und dann haben wir uns wochenlang nur noch von Christstollen ernährt, weil nicht mal mehr Zeit zum Kochen blieb ..." 

Heute steht der Clou in einem Carport von Seyla-Parking in der Nähe des Flughafens von Málaga und dient als ebenso perfekte wie unauffällige mobile Bleibe für kurze oder längere Fluchten aus dem Alltag.

Leben im Concorde Liner Plus 995

Der Alltag – die nächste Geschichte. In Wirklichkeit nimmt er viel mehr Raum ein, als hier zum Erzählen bleibt – selbst im Telegrammstil. Ein gefragter Kfz-Sachverständiger und Oldtimer-Spezialist mit vierköpfigem Team, Büro und Prüfwerkstatt in München. Der Chef ist fast ständig zu Begutachtungen, Gerichts- und anderen Terminen unterwegs. Als Wohnung, Büro und mobile Werkstatt dient der Liner. Die Partnerin unterstützt ihn und organisiert das mobile Leben; der Freundeskreis ist über ganz Deutschland verteilt. Hobbys wie Schwimmen und Tennis lassen sich überall betreiben. 

An erzählenswerten Erlebnissen fehlt es nicht über die Jahre des mobilen Lebens, und ganz überwiegend sind sie positiv. Auch mit der "Work-Life-Balance" haben die beiden kein Problem: Da geht beides in eines auf. Und das und die Liebe halten jung, wie man sieht.

Stefan Weidenfeld

Foto

Sven Höttges, Ursula Horn, Ingolf Pompe

Datum

7. September 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 08/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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