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Fähren in Südeuropa: Fahr´n wir mal rüber

Sie zählen zu den Traum-Urlaubszielen schlechthin: Griechenland, die Wiege Europas, ebenso Eilande wie Korsika, die das mediterrane Ambiente perfekt verkörpern - ab mit dem Wohnmobil auf die Fähre.

Wer mit Wohnmobil Inselwelten genießen oder ferne kontinentale Ziele bequem erreichen will, findet in dieser Übersicht alle relevanten Fährverbindungen und erfährt Wissenswertes rundum. In der nächsten Ausgabe wird es weitere wichtige Tipps sowie Informationen zu den nördlichen Routen geben.

Camping an Bord: Immer noch ein Renner?

Lange Zeit galt "Camping an Bord" als die komfortabelste und preisgünstigste Möglichkeit, mit dem Mobil eine Fähre zu nutzen. Camping an Bord wird vom 1. April bis zum 31. Oktober offeriert. Dabei parkt man in einem speziellen Bereich des Fährschiffs, meist auf einem seitlich offenen Zwischendeck, selten auf einem offenen Oberdeck. In der Regel gibt es Elek­troanschlüsse und Sanitäreinrichtungen für die Camper. Sie haben jederzeit Zugang zu ihren Fahrzeugen und schlafen im eigenen Bett, müssen also nicht für ein, zwei Nächte extra einen Koffer packen. Lediglich die Nutzung von Gasgeräten ist untersagt, ansonsten profitiert man vom Komfort seines Mobils – und bezahlt nur Fahrzeugpreis und Deckpassage.

Die Anzahl der Routen, auf denen Camping an Bord angeboten wird, ist jedoch recht klein. Die interessantesten Linien in diesem Zusammenhang, nämlich die vom nördlichen Italien ins griechische Patras, werden weiterhin von Anek und Superfast bedient. Es steht allerdings nur eine begrenzte Zahl von Plätzen für Camping an Bord zur Verfügung – wer in der Hochsaison reisen möchte, sollte sich sputen. Moby Lines bietet zwischen April und September ebenfalls Camping an Bord nach Sardinien an: An Wochenenden werden Frachtfähren eingesetzt, auf denen einfaches Camping an Bord geht. Doch Vorsicht: Benzinbetriebene Fahrzeuge sind nicht zugelassen. Bei Corsica Sardinia Ferries wird Camping an Bord nach Sardinien vielleicht wieder auf dem Fährschiff "Strada Blue" möglich sein. Anfragen!

Ohne Stress: Wie organisiere ich die Anfahrt?

Ein Stau oder eine Panne bei der Anfahrt kann zum Alptraum werden, wenn eine Passage fest gebucht wurde. Einen großen Zeitpuffer schafft sich, wer die Nacht vor der Überfahrt in der Nähe des Fährhafens verbringt. An manchen Häfen, so etwa in Livorno, kann man das legal und problemlos tun. Ansonsten sucht man sich einen nahen Camping- oder Stellplatz, zum Beispiel mit der promobil-Stellplatz-App.

Preisbeispiele: Was kostet eine Fährpassage?

Ob wir es gut finden oder nicht: Für zahlreiche Fährpassagen gibt es keine Preislisten mehr. Ähnlich wie bei Flügen muss der Kunde mit Preisen rechnen, die je nach Auslastung des betreffenden Schiffes zum Buchungszeitpunkt schwanken. Fast stets gilt: Je früher gebucht wird, desto billiger. Ansonsten berechnen sich die Preise vornehmlich nach den Abmessungen des Fahrzeugs, der Personenzahl und dem gewünschten (Übernachtungs-)Komfort. Die folgenden Preisbeispiele zum Recherchezeitpunkt Ende Januar 2014 beziehen sich auf ein Paar, das mit einem 6,50 Meter langen, 2,20 Meter breiten und drei Meter hohen Wohnmobil reist und keine besonderen Vergünstigungen beansprucht.

Eine Reise Piombino–Olbia (Sardinien) und zurück am 1. und 18. Juni mit Moby Lines wurde tagsüber ohne Kabine ab 302 Euro angeboten. Je nachdem, wie weit Sie zum Abfahrts­hafen anreisen müssen und wie viel Zeit Sie haben, kann eine nächtliche Überfahrt vorteilhaft erscheinen, weil Sie sich dann separate Übernachtungen auf An- und Abreise sparen können. Doch die nächtliche Alternative mit Camping an Bord an zwei Juni-Wochenenden kam mit 574 Euro teuer. Bei Cor­sica Sardinia Ferries fanden wir entsprechende nächtliche Passagen zwischen Livorno und Olbia, die inklusive Doppelkabine ab 590 Euro zu haben waren.

Zu vergleichbaren Bedingungen wurden wir bei Moby schon ab 485 Euro fündig. Durch die Adria von Triest, Venedig, Ravenna (neu!) oder Ancona nach Griechenland: Hier sind Minoan Lines und die kooperierenden Partner Anek und Superfast tätig. Alle drei arbeiten mit festen Preislisten, Saisonstaffeln und an komplizierte Bedingungen geknüpften Rabatten. Die Preis­beispiele gelten für ein Paar mit einem maximal acht Meter langen Reisemobil; man reist in der Nebensaison (zum Beispiel im Juni), wählt die Route Ancona–Patras und bucht Hin- und Rückfahrt gleichzeitig. Bei Anek/Superfast nimmt man "Camping an Bord", bei Minoan "Camping all inclusive". Bei Letzterem wird in einer Innenkabine genächtigt (das kann auch eine Vierbettkabine sein), man erhält 30 Prozent Ermäßigung auf Getränke und Mahlzeiten sowie einen Stromanschluss, damit der Kühlschrank läuft. Während der Reise hat man keinen Zugang zum Mobil. Bei Anek/Superfast zahlt man unterm Strich 683 Euro (als Mitglied eines Automobilclubs 582 Euro), bei Minoan sind es 681 beziehungsweise 563 Euro. Ein wenig lohnt sich die Rabattrechnerei.

Spezielle Bedürfnisse: Welches Schiff passt?

Wer mit Kindern unterwegs ist, hat andere Anforderungen als ein Rollstuhlfahrer oder ein Hundebesitzer. Im Detail gibt es beim Serviceangebot der Reedereien Unterschiede – die womöglich mehr zählen als der letzte gesparte Cent.

Infos, Web-Adressen, BuchungsTipps

Der VFF, Verband für Fährschifffahrt und Fährtouristik e. V., ist ein Zusammenschluss der meisten großen Fährreedereien, die auf dem deutschen Markt tätig sind. Die kostenlose Broschüre "Fähren, Routen, Reedereien" und die Homepage des Verbandes enthalten aktuelle und zuverlässige Informationen. Seit vergangenem Jahr ist in die Website auch ein eigenes Buchungssystem integriert, das aber nach wie vor nur die nördliche Hemisphäre bedient. Gotenstraße 11, 20097 Hamburg, Telefon 0 40/21 99 98 28, www.faehrverband.org. Links zu weiteren Buchungsportalen führen auch in den mediterranen Raum: www.aferry.de und www.ferries-booking.com.
Ersteres ist ein seit Jahren bewährtes Portal mit flotter Funktionalität, aber auch Ungereimtheiten, zum Beispiel bei der Eingabe der Fahrzeugdimensionen. Letzteres bietet vielversprechende Funktionen wie die Suche nach "Camping an Bord" und ein Preisvergleichssystem. Hinter www.ocean24.de steckt Dertour, einer der größten Reiseveranstalter Deutschlands. Weitere Portale: www.directferries.de besticht mit großem Angebot an Reedereien und vielseitigem Service. www.greekferries.gr verspricht, Anfragen innerhalb weniger Stunden zu beantworten.
Tipp: Richten Sie identische Buchungsanfragen an mehrere Anbieter, und vergleichen Sie dann nicht nur Service und Preise, sondern unbedingt auch die Stornobedingungen.

Stefan Weidenfeld

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Stefan Weidenfeld

Datum

14. April 2014
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