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Reise-Tipp Ost-und Nordsee: Fähren im Norden

Auch in dieser Saison finden sich beim Preisvergleich auf Ost- und Nordsee viele Schnäppchen. Besonders lohnenswert sind die Preis-Studien bei Reisen nach Skandinavien. promobil gibt wichtige Tipps:

Auf hoher See und vor Gericht, so heißt es ebenso verheißungsvoll wie ernüchternd, ist der Mensch in Gottes Hand. Frei ist der Mensch lediglich in der Wahl der Route und der Reederei, die ihn an das Ziel seiner Wünsche bringt. Das Studium der Preistabellen lohnt sich mehr denn je, vor allem bei Reisen nach Skandinavien.

Am heftigsten tobt der Preiskampf im Fährverkehr nach Schweden – die Brücken- und Tunnelverbindung über Großen Belt und Öresund hat den Wettbewerb noch einmal verschärft. Die drei großen Reedereien auf diesen Routen – TT Line, Stena Line und Scandlines – bieten auch in diesem Jahr wieder so genannte „Camper-Special“-Tarife an. Der Trick dabei: Diese Spezialtarife gelten nicht auf allen Routen, die Reedereien versuchen vielmehr, Kunden mit einem Preisnachlass auf weniger populäre Strecken oder weniger stark gebuchte Abfahrten umzuleiten.

Einige Preisbeispiele: Die Stena Line lockt mit ihrem „Camper-Mini-Paket“ für ein Reisemobil bis zehn Meter Länge und eine Person. Preis für die einfache, kurze Überfahrt in der Hauptsaison zwischen Frederikshavn und Göteborg: 88 bis 178 Euro. Das größte Schnäppchen macht, wer auf dieser Route die Abfahrtszeit richtig wählt: „Alle Abfahrten zwischen 22 und sechs Uhr liegen in der Saison A“ steht im Kleingedruckten der StenaPreisliste – und das bedeutet im Klartext: Wer nachts fährt, zahlt günstigstenfalls nicht mal die Hälfte des normalen „Camper-Mini-Pakets“.

Zweites Sonderangebot der Stena Line: Auf der Route zwischen dem dänischen Grenaa und Varberg in Schweden gilt auch in der Hochsaison vom 2. Juli bis zum 15. August automatisch der günstige Tarif B. Das heißt konkret: Egal an welchem Tag oder zu welcher Abfahrtszeit, das „Camper-Mini-Paket“ kostet für die einfache Überfahrt immer 118 Euro, und das gilt auch für die deutlich angenehmere Tagesfahrt.

Bei den Langstrecken nach Schweden ergibt sich ein ähnliches Bild: Die TT Line lockt hier ebenso mit einem „Camper-Special“ wie die Scandlines. Bei TT Line kostet dieses Ticket für die Direktverbindungen von Travemünde beziehungsweise Rostock nach Trelleborg in der Hauptsaison zwischen 115 und 158 Euro. Die Pauschale gilt für ein Mobil bis neun Meter Länge und schließt bis zu fünf Passagiere ein – allerdings ist es nicht bei allen, sondern nur bei einigen Abfahrten buchbar. Für den Preisunterschied ist in diesem Fall der Abfahrtstag verantwortlich.

Faustregel für den Preisvergleich auch auf anderen Routen: Abfahrten an Werktagen sind oft günstiger als an Wochenenden. Die Scandlines halten auf der Strecke von Rostock nach Trelleborg mit dem „Super-Spar-Tarif“ für Reisemobile dagegen.

Fahrzeuge bis acht Meter Länge mit maximal neun Passagieren an Bord schlagen bei Überfahrten von Montag bis Donnerstag mit 115 Euro zu Buche, bei Überlänge sind es dann allerdings schon 155 Euro. Hier wird ein weiterer Trick der Preisgestaltung deutlich. Die Einstufung der Reisemobile richtet sich bei Ostseefähren vor allem nach der Länge und fällt je nach Reederei sehr unterschiedlich aus: Grenzwerte sind zehn Meter bei der Stena Line, neun Meter bei TT Line, acht Meter bei den Scandlines.

Als Alternative bietet sich natürlich auch die Brücken- und Tunnelverbindung über den Großen Belt und den Öresund an. Die Fahrt über die beiden mautpflichtigen Bauwerke geht aber ins Geld. Die Abgabe für die Brücke über den Belt beläuft sich für ein Mobil über sechs Meter Länge und 3,5 Tonnen Gewicht auf 53 Euro, die Maut für die Öresundfahrt kommt für ein Reisemobil über sechs Meter Länge auf 64 Euro – macht zusammen 117 Euro und damit fast genauso viel wie der Preis für die direkte Fährverbindung.

Überzeugte Landratten, die längere Fährüberfahrten vermeiden möchten, können bei den Scandlines zwei kurze Sprünge über die Ostsee machen und landen so auch in Schweden. Die Scandlines bieten mit ihrem Schweden-Ticket eine Kombination ihrer beiden kurzen Routen an: von Puttgarden auf Fehmarn nach Rödby in Dänemark und dann weiter von Helsingør nach Helsingborg in Schweden. Kostenpunkt für zwei einfache Überfahrten in der Hauptsaison: 126 Euro, ganz unabhängig von Abfahrtstagen oder -zeiten. Eine Spezialität der Scandlines mit ihrem sehr verzweigten Streckennetz sind übrigens so genannte Kombinationstickets. Dabei bucht der Gast bei einer Reederei ein Ticket, das mehrere Überfahrten verschiedener Reedereien einschließt.

Beim Norwegen-Ticket arbeiten die Scandlines mit den DFDS Seaways zusammen. Gerade für eine längere Ostsee-Rundreise bieten sich diese Tickets an, die auch andere Reedereien wie die Viking Line oder die TT Line ausstellen.

Vorerst noch Ruhe vor dem Sturm herrscht auf den Norwegen-Routen. Marktführer Color Line freut sich jetzt schon auf den kommenden Dezember. Denn dann stellt sie mit der „Color Fantasy“ eine neue Fähre für die Route von Kiel nach Oslo in Dienst, die alles Bekannte auf der Ostsee vergessen lässt: Mit einer Kapazität von 2750 Passagieren, 750 Pkw und 1270 Lademetern wird das gut 76 000 Bruttoregistertonnen verdrängende Schiff die größte Kreuzfahrt-Fähre der Welt sein. Sparangebote speziell für Reisemobilisten offeriert die Fjord Line auf ihrer Route von Dänemark nach Westnorwegen.

Im Hochsommer kostet die Hin- und Rückfahrt von Hanstholm nach Egersund für ein Mobil und fünf Personen 319 Euro, an Wochenenden 399 Euro. Aber Achtung: Für Mobile über sechs Meter Länge wird ein Aufschlag von 30 Euro für jeden zusätzlichen angefangenen Meter fällig.

Reisende nach Finnland müssen in diesem Jahr Abschied nehmen von einer lieb gewonnenen Route: Die „Finnjet“ fährt nicht mehr von Deutschland via Tallinn nach Helsinki. Bereits seit einiger Zeit startet sie in Deutschland nicht mehr von Travemünde, sondern von Rostock aus.

Jetzt gibt es auch ein neues Ziel: Die Schnellfähre steuert von Rostock aus zunächst die estnische Hauptstadt Tallinn an, dann geht es weiter nach St. Petersburg. Wer trotzdem mit Silja fahren und weiter nach Helsinki will, muss auf jeden Fall umsteigen: entweder auf eine Schnellfähre der Silja Line – Preise für Reisemobile nur auf Anfrage – oder auf die neue Verbindung der Viking Line. Diese pendelt mit Großfähren zweimal pro Tag zwischen Tallinn und Helsinki hin und her.

Direktverbindungen zwischen Deutschland und Helsinki bieten nunmehr nur noch die Superfast Ferries mit ihrer Route von Rostock nach Hanko und die Finnlines von Travemünde nach Helsinki. Spezielle Camper-Tickets gibt es hier nicht, der Preis für ein Ticket errechnet sich aus der Gebühr für Fahrzeug und Personen – bei Superfast kostet der einfache Transport eines Mobils bis acht Meter Länge in der Hauptsaison 217 Euro, der Ruhesessel pro Überfahrt 84 Euro. Starke Wirkung zeigt der EU-Beitritt der baltischen Staaten im Fährverkehr. Allein die Scandlines betreiben in dieser Saison mehrere Routen ins Baltikum: Von Kiel fahren die Schiffe ins litauische Klaipeda, das ehemalige Memel, von Rostock nach Liepaja in Lettland. Tempo ist das Gebot der Stunde bei den Fährlinien nach Großbritannien und Irland. Gemeint ist aber nicht die Geschwindigkeit der Schiffe, sondern der Buchungstermin, frei nach dem Motto: Wer am frühesten bucht, der spart am meisten. Ein Beispiel für die Route der DFDS Seaways von Cuxhaven nach Harwich: Die Reederei listet in ihrem Katalog nur noch so genannte Grundpreise für den Passagier, die gewählte Kabine und das Fahrzeug. Die beste Chance, diese Preise zu bekommen, hat, wer schnell bucht. Bei steigender Nachfrage erhöhen sich die Beträge – den jeweils aktuellen Stand erfährt der Kunde im Internet oder beim Buchungsbüro der Reederei.

Mutige könnte es in diesem Jahr auch weit hinaus in den Nordatlantik ziehen. Die Smyril Line setzt auf der Route von Dänemark über Norwegen zu den Shetland-Inseln, den Färöern und weiter nach Island ihre neue „Norröna“ ein, die erst vor einem Jahr ihren Liniendienst aufgenommen hat – und das ist eine Seereise, die diesen Namen auch wirklich verdient. Fünf Häfen, fünf Länder und zwischendurch all der Komfort, den ein modernes Fährschiff bietet – ein Niveau, das auch ängstliche Naturen alte Warnrufe vergessen lassen dürfte.

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Datum

30. März 2004
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