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Abenteuerreise in der Elternzeit: Mit dem Camper durch Südamerika

Ben nennt die Familie Panning liebevoll ihren Mercedes Benz Sprinter. Mit dem zwölf Jahre alten Campingbus entdeckt die Familie Südamerika – auf 22.000 Kilometern durch sieben Länder.

Die Vorbereitungen fürs große Abenteuer sind überschaubar: Frisches Motoröl, eine gründliche Durchsicht, eine Kontrolle von Bremsen und Bereifung – mehr benötigt Ben nicht vor seiner Verschiffung im Container von Hamburg nach Cartagena in Kolumbien. Ben(z) ist ein Mercedes Sprinter 213 CDI mit dem automatisierten Sprintshift-Getriebe Baujahr 2002. Beim Start nach Südamerika im Juli 2014 hat er rund 202.000 Kilometer auf dem Tacho.

Familie Panning hatte den ehemaligen Kastenwagen gebraucht und bereits komplett zum Campingbus ausgebaut erworben. Seine Architektur ist für das reisende Trio perfekt geeignet: vorn eine Doppelsitzbank mit Platz für den Kindersitz, Küche und Kleiderschrank in der Mitte, hinten eine zum Doppelbett umbaubare Sitzgruppe. Der Clou: Über der Sitzgruppe im Heck ist unter dem Dach des Sprinter ein Kinderbett für den kleinen Jasper montiert.

Nicht nur der Sprinter bringt Reiseerfahrung mit, auch Familie Panning: Die Eltern hatten als Rucksacktouristen bereits das Baltikum und Russland, viele Länder Asiens, des Nahen Ostens und Mittelamerikas erkundet. Beide sind Mitarbeiter der Internatsschule Marienau, rund 25 Kilometer östlich von Lüneburg und nutzten für ihre Reise vom Juli 2014 bis Januar 2015 eine erweiterte Elternzeit.

Abenteuerreise mit dem Campingbus durch Südamerika

Es sind nur Ausschnitte, aber sie deuten die spektakuläre Vielfalt und den Reiz Südamerikas an: Naturreservat Rio Claro und unterirdische Kathedralen in Kolumbien, Äquatorüberquerung und ein einsamer Stellplatz auf 3.100 Meter Höhe mit Blick auf die Hauptstadt Quito in Ecuador, 5.000 Jahre alte Siedlungsreste und Inka-Bauten in Peru, Autosegnung und riesiger Salzsee in Bolivien, die Atacama-Wüste und ein Weihnachtsmarkt bei 40 Grad in Chile, brütende Sommerhitze und ein Städtchen mit Alpenarchitektur in Argentinien, eine Mittagsrast im Café Oro del Rhin (Rheingold) in Montevideo und ein Badeort namens La Paloma in Uruguay – Familie Panning und ihr rollendes Heim sammeln während ihrer langen Reise durch Südamerika faszinierende Eindrücke.

Ihre Reiseroute führt zum Teil entlang der legendären Panamericana, aber auch häufig über selbstgewählte Etappen. Touristische Standards wie die Inka-Städte Cusco und Machu Picchu oder der Titicaca-See gehören ebenso zum Programm wie zahlreiche individuelle und improvisierte Strecken. Von wenigen Ausnahmen in nicht sehr campingfreundlichen Metropolen abgesehen, bildet Ben das rollende Quartier der dreiköpfigen Familie.

22.000 Kilometer in sechs Monaten

"Unser treuer Ben", so ein Eintrag im Reisetagebuch, wird in dem halben Jahr auf 22.000 Kilometern hart rangenommen, der zwölf Jahre alte Sprinter schlägt sich tapfer. Ausufernde Zoll- und Versicherungs-Modalitäten zu Beginn in Cartagena/Kolumbien bedeuten zunächst weniger Stress für ihn als für seine Besitzer. Gleiches gilt für einspurige Straßen mit gefährlichen Lkw-Begegnungen in den Kordilleren, der längsten Gebirgskette der Welt.

Elf Meter hoch ragt die Skulptur Mano del Desierto aus der chilenischen Atacama-Wüste hervor.
Startpunkt der Reise ist Cartagena im Norden von kolumbien. Vorläufiger Schlusspunkt nach vielen lohnenden Abstechern: Montevideo in Uruguay.

In Ecuador verunsichern kurzzeitig Quietschgeräusche beim Fahren die Besatzung. Ein deutscher Mechaniker in einer Werkstatt in der Hauptstadt Quito diagnostiziert eine harmlose Ursache: Feiner Vulkanstaub hat sich auf beweglichen Teilen des Fahrwerks festgesetzt.

In Peru bewältigt Ben nicht nur eine 40 Kilometer lange Schotterpiste bis auf 3.000 Meter Höhe. Er fährt auch unbeschadet durch unbeleuchtete einspurige Tunnel – mit Gegenverkehr – und kämpft sich durch den dichten Verkehr der quirligen Hauptstadt Lima. "Keiner blinkt, alles hupt, Spuren werden wie wild gewechselt, zwischendurch Liegenbleiber", notieren die Pannings in ihrem Reisetagebuch.

Über zahllose Serpentinen arbeitet sich Ben auf dem Weg in die alte Inka-Stadt Cusco bis auf 4.000 Meter Höhe hinauf. Hier gönnt die Familie ihrem Sprinter in einer Mercedes-Werkstatt frisches Motoröl und saubere Filter. Auf den folgenden Etappen in der peruanischen Hochebene arbeitet sich Sprinter Ben bis auf 4.900 Meter Höhe hinauf und gerät in der dünnen Luft bis an seine Leistungsgrenzen.

Wenn Tanken zum Abenteuer wird

In Bolivien erlebt Ben nicht nur einen Hagelsturm auf 4.600 Meter Höhe, auch Tanken ist Abenteuer: Der Kraftstoff für Einheimische wird subventioniert, Ausländer bezahlen den dreifachen Preis, verbunden mit einer komplizierten Abrechnung. Tankwarte nehmen die Herausforderung an und befüllen Autos außerhalb der Überwachungskameras aus Kanistern, zum Teil wird der Kraftstoff dabei über einen Schlauch mit dem Mund angesaugt. 

Eine rund 100 Kilometer lange Strecke über ein Pflaster aus großen Kieseln rüttelt Sprinter und Besatzung durch. Es folgen Sand- und Staubpisten, später eine Fahrt einschließlich Übernachtung über den Salar de Uyini, den größten Salzsee der Welt.

Der Grenzübertritt nach Chile erfolgt auf erneut 4.600 Meter Höhe. In der Atacama, der trockensten Wüste der Erde, parkt der Sprinter für einen Halt vor dem Mano del Desierto: Aus dem Boden ragt eine elf Meter hohe Hand aus Beton, Mahnmal eines chilenischen Künstlers für eine saubere Umwelt. In der Hauptstadt Santiago de Chile gönnt Familie Pannings dem blauen Ben einen erneuten Öl- und Filterwechsel.

In Argentinien wird die Straßenmaut für Ben nach einer komplizierten Berechnungsformel festgelegt. In sie fließen Fahrzeughöhe und -typ, die Anzahl der Achsen sowie die Uhrzeit ein. In Uruguay durchquert der Mercedes-Benz die Provinzhauptstadt Mercedes am Rio Negro.

Probleme? Fehlanzeige. In Peru muss nach einem eingefahrenen Nagel ein Vorderreifen geflickt werden. Die bolivianische Rüttelpiste führt zu einem Teilausfall der Sprintshift-Automatik, per Tippschaltung geht es weiter. Erst in Uruguay fährt sich der Sprinter einmal fest und muss per Traktor geborgen werden.

Ebenfalls in Uruguay wird Ben Mitte Januar am Ende der langen Fahrt auf dem Stellplatz Paraiso Suizo (Schweizer Paradies) für ein halbes Jahr stillgelegt. Fortsetzung folgt: Im kommenden Sommer wird Familie Panning in den Ferien ihre abenteuerliche Reise fortsetzen. Das Ziel heißt Brasilien, vielleicht auch Paraguay. Der treue Ben wird danach übrigens in Südamerika bleiben und an andere Reisende in gute Hände abgegeben.

Für den zweijährigen Jasper ist der blaue Ben vor allem ein rollendes Kinderzimmer.
+++++++++++++++++++++++++++++++ Erlebnis Elternzeit

Zu dritt reisten die Pannings durch Südamerika: Sabrina und Markus, beide 36 Jahre alt und Mitarbeiter einer Schule in Niedersachsen, zusammen mit ihrem zweijährigen Sohn Jasper. Sie nutzen ihre Elternzeit für die sechsmonatige Tour. Für Markus Panning auch im Nachhinein eine goldrichtige Entscheidung: "Wir haben festgestellt, dass wohl nur wenige Familien die Möglichkeit haben, eine so intensive und lange Zeit miteinander zu verbringen." Darüber hinaus ist Südamerika aus seiner Sicht ein gutes Reiseziel für Familien: "Uns wurde eine unglaubliche Vielfalt an Flora und Fauna sowie an kulturellen Eindrücken geboten. Zudem gibt es eine gute Infrastruktur mit vielen Annehmlichkeiten, die so manche Situation erleichtern können, wenn man etwa Supermärkte, Werkstätten oder Ärzte benötigt. Insofern konnten wir in Südamerika leicht eine gute Balance zwischen Abenteuer und 'familiärer Sorgfaltspflicht' finden. Navigationsgeräte, Tablets, Smartphones, etc. helfen ungemein schnell und unkompliziert relevante Fragen (auch rund um das Kind) zu beantworten." 

Mehr Infos auf dem Blog der Familie: www.familiepanninginsuedamerika.blogspot.de 

Autor

Foto

Sabrina und Markus Panning

Datum

3. März 2017
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