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Campingfahrzeuge mit Elektroantrieb: Passen Camping und E-Mobilität zusammen?

Durch eine Kaufprämie sollen Elektroautos attraktiver werden. Doch wie gut passen Camping und E-Mobilität aktuell zusammen? Wir haben unterschiedlichste Antworten auf diese Frage gefunden.

Für Naturliebhaber ist es eine reizvolle Vision: Nahezu lautlos bewegen sich Wohnmobile auf dem Campingplatz; abgasfrei werden Zelte und Wohnwagen an ihren Bestimmungsort gebracht – durch elektrische Antriebe könnte Camping in Zukunft noch erholsamer werden. Viele Platzbetreiber wissen das längst und nutzen mit Strom betriebene Golf-Carts für die vielen kleinen Dienstleistungen vor Ort.

Für die meisten Campinggäste ist die elektrische Mobilität allerdings noch Zukunftsmusik. Beispiel Wohnmobil: Hier gibt es mit dem Nissan e-NV 200 erst ein ausschließlich elektrisch angetriebenes Basisfahrzeug auf dem Markt, das für Wohnausbauten in Frage kommt. Der größere und erheblich teurere Iveco Daily Electric wurde von vornherein nur für den Stadtverkehr entwickelt.

Mit 3.000 Euro bezuschusst der Staat sogenannte Plug-in-Hybridmodelle, also Fahrzeuge mit kombiniertem Elektro-Verbrennungsantrieb, die auch an der Steckdose nachgeladen werden können. Ein Beispiel hierfür ist der Mitsubishi Outlander PHEV. Hier gibt’s 1.500 Kilogramm Anhängelast ab rund 40.000 Euro. Mit Gewicht am Haken ist jedoch vor allem der Benziner unter der Haube gefordert. Bleiben noch die nicht geförderten Hybridmodelle ohne Stecker wie etwa der Toyota RAV4 Hybrid. Dessen Anhängelast beträgt aber nur bescheidene 800 Kilogramm.

Welche Elektrofahrzeuge eignen sich fürs Camping?

Dieses Thema ist aktuell etwas für Pioniere. Schön, dass es davon einige gibt, wie die Beispiele in diesem Artikel zeigen.

e-NV von Zooom

Das einzige Wohnmobil mit Elektroantrieb auf dem deutschen Markt ist ein Campingbus auf Basis des Nissan e-NV 200. Der bayerische Spezialbetrieb Zooom baut ihn zu einem Kompaktmobil namens Stadtindianer aus. Mit Aufstelldach und einfacher Wohnausstattung werden insgesamt rund 40.000 Euro fällig, zuzüglich monatlicher Batteriemiete. Bei einer ersten Proberunde gefiel der Nissan durch seinen vom Start weg kräftigen Elektromotor, der Stadt- und Landstraßentouren zu einem vergnüglichen Erlebnis macht. Ab etwa 100 km/h geht es allerdings nur noch zäh voran. Echte Kompromissbereitschaft erfordert die Reichweite: In der Praxis kommt man je nach Fahrweise zwischen 100 und 150 Kilometer weit. Dann sollte man eine passende Ladestation erreicht haben, von denen es in Deutschland etwa 250 gibt. In einer halben Stunde kann der Akku dann zu 80 Prozent geladen werden. An einer Haushaltssteckdose muss man für die volle Ladung zehn Stunden einkalkulieren. Aktuell testet Nissan einen e-NV-200-Prototyp mit Bioethanol-Brennstoffzelle, die eine Reichweite von über 600 Kilometern erlauben soll.

Twizy als Beiboot

An ihren Urlaubszielen brauchen Bine und Piter Thunder weder Diesel noch Benzin für ihre Ausflüge. Sie haben im Campingbus das winzige Elektromobil Renault Twizy dabei. Weil bislang kein Wohnmobilhersteller eine vergleichbare Lösung in der 3,5-Tonnen-Klasse anbietet, hat das Paar selbst angepackt. Die Thunders versahen einen Citroën Jumper mit einer Einrichtung, die praktisch um den Twizy herumgebaut wurde. Über der Garage ist Platz für das Bett, davor sind Küche und Bad untergebracht. Sogar eine separate Dusche fand Platz. Als Sitzgelegenheiten dienen die drehbaren Fahrerhaussessel. Seit einigen Monaten sind Bine und Piter Thunder mit ihrem Doppelmobil in Spanien und Portugal unterwegs. Mit dem Citroën haben sie über 4.000 Kilometer zurückgelegt, mit dem Twizy immerhin 2.600. Der Campingbus dient als Basisstation; mit dem kleinen Renault haben die Thunders einen Erkundungs­radius von etwa 45 Kilometern, dann geht es wieder an die Steckdose. Das Ein- und Ausparken des Twizy macht dank einer elektrischen Winde und Fernbedienung keine Mühe. Vor der Fertigstellung hatten die Selbstausbauer Bedenken wegen des Gewichts. Die erste Fahrt mit Twizy an Bord führte deshalb auf die Waage. Samt Gepäck, Diesel und Frischwasser kamen 3.360 Kilogramm zusammen – was die Praxis­taug­lichkeit des ungewöhnlichen Konzepts bestätigte.

Elektrifizierter Berlingo

Elektromotoren sind nachrüstbar. Die Firma ­Lorey in Offenbach hat sich auf solche Umbauten spezialisiert. Je nach Motor- und Akkutyp muss man dabei mit Kosten um 12.000 Euro rechnen. Das Ehepaar Silling hat es ausprobiert und seinen Citroën Berlingo mit Zooom-Ausbau zum E-Mobil umrüsten lassen. Dabei entschieden sie sich für einen Motor mit einem Drehmoment von 150 Nm, der ein Tempo von 120 km/h erlaubt. Der Akku kann mit einem Schnellladegerät oder an einer normalen Steckdose aufgeladen werden. Im Mai 2014 war der Umbau nach einem halben Jahr Arbeit abgeschlossen. Seitdem hat das Paar mit dem Elektromobil mehr als 15.000 Kilometer in neun europäischen Ländern elektrisch zurückgelegt. Dabei stellten die Sillings fest, dass elektromobiles Reisen noch sehr planungsintensiv ist. Vor jeder Tour muss ermittelt werden, ob es ausreichend Lademöglichkeiten gibt und welche Zugangskarten für die Ladesäulen benötigt werden. Doch gerade diese vermeintlichen Nachteile machen für das Paar den Reiz ihrer Reisen aus. Bei Ladeaufenthalten lernten die beiden oft nette Menschen kennen und besuchten sehenswerte Orte, an denen man sonst vorbeifährt – ein Campingurlaub auf entschleunigte Art.

Report: Günstige Reisemobile

Foto

Ulrich Kohstall

Datum

16. Februar 2017
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