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Ratgeber Diebstahl im Wohnmobil vermeiden: Einbruchsicherheit

Diebe sollen es in Zukunft schwerer haben, an Ihr Gut und Geld zu kommen. Nutzen Sie die Erfahrungen von über 400 promobil-Lesern: Die Ergebnisse der großen Leserbefragung zum Thema Diebstahl.

"Ein Reisemobil ist kein Tresor" – promobil-Leserin Silke Bauer* aus Hamburg bringt es auf den Punkt. Trotz Alarmanlage und Hund im Fahrzeug hatten sich dunkle Gestalten auf einem Supermarkt-Parkplatz bei Alicante an ihrem Campingbus zu schaffen gemacht. Glück im Unglück: Die Diebesbeute bestand nur aus einigen Kleidungsstücken.

Mehr als 400 promobil-Leser folgten wie Frau Bauer der Bitte der Redaktion in der Oktober-Ausgabe 2004 und füllten den umfangreichen Fragebogen zum Thema Einbruchsicherheit penibel aus. Allen Teilnehmern dafür ein herzliches Dankeschön. Exakt 406 Einsendungen waren statistisch auswertbar und dienen als Grundlage der folgenden Analyse. Der erste Teil der Auswertung zeigt, wie die Teilnehmer die einzelnen Fragen beantwortet haben und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Wo wurde in Ihr Reisemobil eingebrochen?

Frankreich, speziell Südfrankreich, gilt als eher unsicheres Pflaster für Reisende – egal, welches Verkehrsmittel sie benutzen. Trotzdem überrascht es, mit welch großem Abstand das Land die unrühmliche Spitzenposition einnimmt. Doch wer sich ein korrektes Bild machen will, muss berücksichtigen, dass Frankreich unter deutschen Reisemobilisten das Auslandsreiseziel Nummer eins ist.

Hinzu kommt, dass alle, die nach Spanien oder Portugal fahren, Südfrankreich durchqueren. Angesichts der enormen Zahl an deutschen Reisemobilen, die alljährlich in Frankreich unterwegs sind, muss also das individuelle Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, hier nicht generell höher sein als zum Beispiel in Litauen, wo nur 0,2 Prozent der Aktionsteilnehmer betroffen waren. Schauen wir genauer hin: 67,1 Prozent der Aktionsteilnehmer, die es an einer Raststätte oder einem Parkplatz an der Autobahn erwischt hat, erlebten dies Ungemach in Frankreich, davon 43 Prozent in Südfrankreich, besonders häufig im Rhônetal und weiter Richtung Spanien (zum Vergleich: In Italien waren es 13,9 Prozent, in Spanien 12,7 und in Deutschland nur 1,3 Prozent).

Hier, direkt an der Autobahn, ist also das Risiko mit Abstand am größten, und die promobil-Empfehlung lautet: Übernachten Sie in Frankreich niemals auf einem Autobahnrast- oder -parkplatz, und lassen Sie dort auch bei einer Rast Vorsicht walten. Sicherere Alternativen sind Campingplätze oder etwas abseits des Haupttouristenstromes gelegene Stellplätze. Insgesamt liest sich die Hitliste der Tatorte so: 32,5 Prozent der Einbrüche geschahen auf öffentlichen Parkplätzen, 19,5 Prozent an Autobahnraststätten, 10,1 Prozent an Supermärkten, 4,2 Prozent an Reisemobilstellplätzen, 3,4 Prozent an Campingplätzen, 3 Prozent an Wanderparkplätzen, 1 Prozent bei Restaurants, 0,2 Prozent an einem Autohof. 25,4 Prozent der Aktionsteilnehmer standen „an einer anderen Stelle“, die meisten davon ganz einfach am Straßenrand.

Unter welchen Umständen wurde in Ihr Reisemobil eingebrochen?

In der Nachbarschaft Gleichgesinnter fühlt man sich sicherer; viele Reisemobilisten knüpfen zudem gerne neue Kontakte. Zwei gewichtige Argumente, einen Übernachtungsplatz zu suchen, auf dem man nicht alleine steht. Wer Stell- oder Campingplätze aufsucht, findet die Gesellschaft anderer in der Regel automatisch. Und auch wer tagsüber irgendwo parkt, um etwas zu unternehmen, tut dies häufig in unmittelbarer Nachbarschaft anderer Fahrzeuge – ob beim Supermarkt oder auf einem öffentlichen Parkplatz. Da überrascht es nicht sehr, dass 63,3 Prozent der Aktionsteilnehmer angaben, der Einbruch(versuch) habe in Nachbarschaft anderer Fahrzeuge stattgefunden, seien es Reisemobile oder Pkw.

Trotzdem bleibt festzuhalten: Weniger als ein Drittel der von Einbruch betroffenen Mobile stand allein. Es scheint demnach zweifelhaft, ob die Nachbarschaft anderer Reisemobile überall wirksamen Schutz bietet. Zweifel sind besonders angebracht an Autobahnraststätten und anderen stark belebten, unübersichtlichen, geräuschvollen Stellen. Wenn rundum ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, wächst die Anonymität, und in einem allgemeinen Lärmcocktail kann niemand diejenigen Geräusche identifizieren, die entstehen, wenn beim Nachbarn die Tür geknackt wird.

Sofern sich Personen im Fahrzeug aufhalten, wird aus Einbruch Raub; 37,7 Prozent der Aktionsteilnehmer mussten eine solche Situation erleben, die meisten beim Übernachten an einem Autobahnrastplatz: 93,7 Prozent der an Autobahnraststätten geknackten Mobile waren zum Tatzeitpunkt mit Personen besetzt, in 13,9 Prozent dieser Fälle war überdies noch ein Hund an Bord.

Einige der derart Betroffenen glaubten, dabei sei Narkosegas im Spiel gewesen – promobil ist jedoch bis heute kein Fall bekannt, wo dies zweifelsfrei bewiesen werden konnte. Nur ein Aktionsteilnehmer gab an, von seinem Gaswarngerät gewarnt worden zu sein. Da die Geräte prinzipiell zuverlässig funktionieren (siehe Test in promobil 8/2003) und durchaus verbreitet sind, spricht auch dies dagegen, dass Narkoseüberfälle an der Tagesordnung sind. 68 Prozent der Fahrzeuge aller Aktionsteilnehmer waren in serienmäßigem Zustand, 31 Prozent mit sicherheitsrelevanter Zusatzausstattung bestückt. Interessant dabei: Unter all jenen, bei denen der Einbruchversuch erfolglos blieb, also nicht ins Fahrzeug eingedrungen und nichts entwendet wurde, beträgt die Rate der Fahrzeuge mit zusätzlicher Sicherheitsausstattung knapp 50 Prozent, bei den vollzogenen Einbrüchen sind es nur 23,6 Prozent – ein Beweis dafür, dass Sicherheitsausstattung das Einbruchrisiko vermindert. Welche konkreten Sicherungsmaßnahmen dabei eine besonders hilfreiche Rolle gespielt haben, zeigen wir in der nächsten promobil-Ausgabe.

Bei erfolglosem Einbruchversuch – warum erfolglos?

Wenn ein Täter nicht zum Ziel kam, ist die Frage interessant, was ihn daran gehindert hat. Unter den 103 Aktionsteilnehmern, die einen erfolglosen Einbruchversuch meldeten, gaben 45,6 Prozent an, die Diebe seien gestört worden, bei 54,4 Prozent sei es diesen nicht gelungen, ins Fahrzeug einzudringen, 9,7 Prozent wurden durch eine Alarmanlage vertrieben, in 32 Prozent der Fälle griffen andere Sicherungsmaßnahmen; in der Summe mehr als 100 Prozent, da sich die Antworten inhaltlich überschneiden und Mehrfachnennungen möglich waren. Entscheidend dafür, ob Diebe bei ihrem Tun gestört werden können, ist die Frage, wie viel Zeit sie benötigen, um ihre Absicht auszuführen: Je besser das Fahrzeug abgesichert ist, desto langwieriger der Einbruch, desto höher das Risiko für Ganoven, ertappt zu werden. Daneben dürfte auch die Geräuschentwicklung eine Rolle spielen, besonders wenn sich Personen im Reisemobil aufhalten. Erneut zeigt sich, dass zusätzliche Sicherheitsausstattung etwas bringt. Während nach Angaben aller Aktionsteilnehmer 26,8 Prozent der Einbrecher in sicherheitstechnisch aufgerüstete Fahrzeuge nicht einzudringen vermochten, waren es bei den serienmäßigen Reisemobilen nur 7,6 Prozent, die dieses Ziel nicht erreichten.

Wie sind die Diebe in das Fahrzeug gelangt oder haben dies versucht?

Die Antworten auf diese Frage erregten in der Redaktion ganz besondere Neugier. Schließlich zeigt sich hier, wo in der Praxis die Schwachstellen der Fahrzeuge sitzen. Die Vielzahl der möglichen Antworten lässt sich zu fünf Kategorien zusammenfassen. Durch das Fahrerhaus drangen 62,6 Prozent aller Einbrecher ein, über die Aufbautür 19,2 Prozent, die Aufbaufenster 16,5 Prozent; ferner gibt es das Bild des komplexen Einbruchs, bei dem die Täter an verschiedenen Stellen des Fahrzeugs ihr Glück versuchten; bei 6,9 Prozent der Aktionsteilnehmer war dies der Fall. Unter sonstige Methoden, insgesamt weitere 6,9 Prozent, subsummiert sich alles Übrige von der Dachluke über Garagen- und Stauraumklappe bis hin zum gestohlenen Zündschlüssel. Die Vorherrschaft der Einbrüche via Fahrerhaus wird noch dominanter, wenn man nur die Gruppe der Alkovenmobile und Teilintegrierten betrachtet, 284 der 406 Aktionsteilnehmer. Die Zahlen (siehe Diagramm Seite 74) lassen darauf schließen, dass das Original-Fahrerhaus der Reisemobil-Basisfahrzeuge (überwiegend Fiat Ducato – kein Wunder bei 73 Prozent Marktanteil in Deutschland) für Langfinger ein weit geringeres Hindernis darstellt als Türen, Fenster und Klappen am Aufbau. Das dürfte auch dann gelten, wenn man in Betracht zieht, dass das Fahrerhaus den Schlafplätzen am meisten abgewandt ist und dass der routinierte Übeltäter zuerst ins Handschuhfach und in die Ablagen im Fahrerhaus langt – weil unbedarfte Reisende oft hier Geld, Kreditkarten, Papiere und Foto „allzeit griffbereit“ ablegen. Am häufigsten in dieser Gruppe wurde das Schloss der Beifahrertür geöffnet (45,4 Prozent), gefolgt vom Fahrertürschloss (18,7 Prozent). In vielen Fällen blieben dabei die Türen selbst unversehrt, Spuren der Gewalteinwirkung waren lediglich am betroffenen Schließzylinder festzustellen; hie und da gab es sogar überhaupt keine Spuren, und das Schloss blieb funktionstüchtig – was manchen betroffenen Aktionsteilnehmer zu der Vermutung hinriss, es gebe eine Art Ducato-Generalschlüssel, der überall passt – ob jeder der derart Betroffenen die Tür auch wirklich abgeschlossen hatte?

Eine geräuschlose, flotte und simple Methode, ins Fahrerhaus zu gelangen, ist die, eins der Dreieckfenster herauszutrennen, dann die Tür von innen aufzuklinken. 6,7 Prozent aller Aktionsteilnehmer ist dies widerfahren, typischerweise, während sie friedlich im Mobil schliefen. Bei Campingbussen trat diese Variante auf: Fenster in der Schiebetür öffnen, dann Tür von innen entriegeln (7,3 Prozent unter den Campingbus-Fällen), eine Methode, die je nach Grundriss auch bei aufgebauten Mobilen mit der Aufbautür und einem benachbarten Fenster angewandt wurde. Unter den Integrierten öffneten in fünf Prozent der Fälle die Täter das Schiebefenster im Fahrerhaus, ansonsten drangen sie auch hier überwiegend über Fahrertür, Aufbautür und Aufbaufenster ein (23,8, 35,0 und 37,5 Prozent).

Eine geräuschlose, flotte und simple Methode, ins Fahrerhaus zu gelangen, ist die, eins der Dreieckfenster herauszutrennen, dann die Tür von innen aufzuklinken. 6,7 Prozent aller Aktionsteilnehmer ist dies widerfahren, typischerweise, während sie friedlich im Mobil schliefen. Bei Campingbussen trat diese Variante auf: Fenster in der Schiebetür öffnen, dann Tür von innen entriegeln (7,3 Prozent unter den Campingbus-Fällen), eine Methode, die je nach Grundriss auch bei aufgebauten Mobilen mit der Aufbautür und einem benachbarten Fenster angewandt wurde. Unter den Integrierten öffneten in fünf Prozent der Fälle die Täter das Schiebefenster im Fahrerhaus, ansonsten drangen sie auch hier überwiegend über Fahrertür, Aufbautür und Aufbaufenster ein (23,8, 35,0 und 37,5 Prozent).

Welcher Schaden entstand am Fahrzeug?

28,3 Prozent der Aktionsteilnehmer gaben an, durch den Einbruch sei kein nennenswerter Schaden entstanden; unter jenen ohne Sicherheitszubehör waren es gar 30,3 Prozent. Mechanische Sicherungen, werden sie denn doch überwunden, sind demnach mitverantwortlich für höhere Schäden. Dass ein Sicherungsbügel aus der Aufbauwand brutal herausgerissen, eine Beifahrertür mit dem Brecheisen verwüstet oder die miteinander verketteten Armlehnen der Fahrerhaustüren aus den Türen herausgerissen wurden – das waren zum Glück nur Einzelfälle.

Was haben die Diebe aus dem Fahrzeug entwendet?

Um elektronisches Gerät im Wert von 15 000 Euro erleichterten mitten in Pisa dreiste Diebe promobil-Leser Urs Böde – ein trauriger Rekord. Mit 44,7 Prozent bei allen erfolgten Einbrüchen steht Bargeld ansonsten an der Spitze der Beliebtheitsskala bei den Langfingern. Kleidungsstücke spielen mit 28,2 Prozent wohl deshalb eine Rolle, weil Diebe Bargeld oder andere wertvolle Dinge in den Taschen vermuten, die sie dann abseits des Tatorts in Ruhe durchsuchen. Die gesamte Palette ist im Diagramm oben dargestellt. Zusätzlich trugen 47,2 Prozent vielerlei Individuelles unter der Rubrik „Sonstiges“ ein – vom Rucksack über Medikamente bis hin zum Kinderspielzeug. Hart traf es promobil-Leser Walter Gutmann: Die Ganoven hatten neben manch anderem auch seinen zur Bewachung zurückgelassenen Hund mitgenommen.

Welche persönlichen Konsequenzen ziehen Sie aus dem (versuchten) Einbruch?

Gut die Hälfte der Betroffenen (51,5 Prozent) will nach dem Erlebten das eigene Verhalten ändern, vor allem vorsichtiger sein, nicht mehr an Autobahnraststätten übernachten, bestimmte Länder und Regionen meiden, Geld, Kreditkarten und Wertgegenstände besser verstecken oder am Leib tragen, das Fahrzeug während des Einkaufs im Supermarkt nicht unbeaufsichtigt lassen, wo immer es geht, bewachte Parkplätze ansteuern, in bestimmten Gegenden nur noch auf Campingplätzen nächtigen. Eine fast ebenso starke Gruppe (46,8 Prozent, Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage die Regel) sieht ihr Heil in Kauf und Einbau von zusätzlichen mechanischen Sicherungen, 23,2 Prozent wollen eine Alarmanlage installieren, 5,2 Prozent ein Gaswarngerät. An einen Tresor denken 3,7 Prozent, 3,4 Prozent wollen eine passende Versicherung abschließen. Bewaffnen will sich zum Glück nur ein Prozent der Aktionsteilnehmer. Und immerhin 7,6 Prozent der Teilnehmer ziehen überhaupt keine Konsequenzen aus ihrem Malheur und halten es mit promobil-Leser Werner Bruder aus Bühl: „Einfach mit Optimismus weiterreisen.“

"Absolute Sicherheit gibt es nicht" – Interview mit Thomas Hajek

Die meisten Einbrüche in Reisemobile geschehen übers Fahrerhaus. Sind die Basisfahrzeuge, allen voran Marktführer Fiat, schlecht gerüstet? promobil sprach mit Thomas Hajek, Direktor Transporter bei Fiat Deutschland.

promobil: Haben die Schlösser am Fiat Ducato ein Qualitätsproblem?

Hajek: Bis zu der Aktion von promobil gab es keine Anzeichen dafür, dass hier eine Problematik vorliegt. Wir bauen unsere Schlösser nach der EU-Richtlinie CE 95/56. Für den Standardbedarf bieten wir damit die marktgerechte Lösung.

promobil: Für Reisemobile scheint das nicht zu genügen.

Hajek: Es ist offenbar so, dass im Reisemobil Werte mitgeführt werden, die Begehrlichkeiten wecken. Wir sehen zwar kurzfristig keine Möglichkeit, etwas im Sinne der Einbruchprävention an unseren Fahrzeugen zu ändern. Wir werden aber auf jeden Fall bei der weiteren Modellentwicklung intensiv nach technischen Lösungen suchen, um die Hürde für die kriminellen Elemente höher zu setzen. Dabei wollen wir auch mit den Aufbauherstellern zusammenarbeiten. Trotzdem: Eine absolute Sicherheit wird hier ebenso wenig erzielbar sein wie zum Beispiel bei der Absicherung von Wohneigentum.

promobil: Gibt es eigentlich einen „Generalschlüssel“ für den Ducato?

Hajek: Einen „Generalschlüssel“ gibt es natürlich nicht. Die Chance, dass ein Ducato-Schlüssel zufällig passt, ist absolut unwahrscheinlich.

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Datum

18. Januar 2005
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