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Ratgeber: Einbruchsicherheit

Ein Reisemobil ist kein Tresor. Trotzdem können Sie das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden, verringern. promobil sagt, wie.

Einfach mit Optimismus weiterreisen“ lautet die Maxime von promobil-Leser Werner Bruder aus Bühl*. Herr Bruder hatte, nachdem in sein Reisemobil eingebrochen worden war, den umfangreichen Fragebogen in promobil 10/2004 ausgefüllt und damit dazu beigetragen, dass die Redaktion Sie hier wie schon in Ausgabe 2/2005 zum Thema Einbruchsicherheit auf der Basis zahlreicher konkreter Erfahrungen beraten kann.
Werner Bruder gehört mit seiner versöhnlichen Maxime zu jenen 7,6 Prozent der Aktionsteilnehmer, die aus ihrem Malheur überhaupt keine Konsequenzen ziehen wollen. Aus purer Ignoranz? Nein, keineswegs, sondern weil er schon zuvor alle Vorsorgemaßnahmen getroffen hatte, die ihm sinnvoll und angemessen erschienen. Können Sie das auch von sich behaupten?
Ein Reisemobil ist kein Tresor – auch wenn die Fotomontage rechts den Anschein erweckt. Die Tür stammt von einem echten Tresor, den die Stuttgarter Firma Peuker & Tripps fürs Foto freundlicherweise zur Verfügung stellte (www.peuker-tripps.de). Was kann und sollte man trotzdem für seine Sicherheit tun?
Erste Voraussetzung, das Risiko eines Einbruchs zu mindern, ist, dass Sie grundsätzlich mit einem solchen Risiko rechnen. Zweitens müssen Sie möglichst genau wissen, wo, unter welchen Bedingungen und in welchen Situationen welche Spielarten eventuell zu erwarten sind. Dann können Sie entscheiden, welche dieser Situationen und Bedingungen Sie meiden wollen, welche nicht – und welche Vorsorgemaßnahmen Sie folglich treffen.
Beispiel: Das Risiko, dass Langfinger sich an Ihrem Fahrzeug zu schaffen machen, während Sie darin schlummern, ist an Autobahnraststätten besonders hoch (siehe promobil 2/2005). Wer trotzdem nicht darauf verzichten möchte, an den gerade in Frankreich teilweise sehr einladend gestalteten Raststätten zu übernachten oder längere Ruhepausen einzulegen, der sollte den Einbau einer Alarmanlage mit Tür- und Fensterkontakten erwägen und vielleicht sogar zusätzlich ein Narkosegas-Warngerät installieren – auch wenn das Risiko eines Narkoseüberfalls wohl eher überschätzt wird.
In den der Redaktion bekannten Fällen haben Einbrecher die Flucht ergriffen, sobald die im Fahrzeug anwesenden Personen aufwachten, Licht machten und laut wurden. Bei Letzterem kann übrigens eine im Schlafbereich griffbereite Pressluft-Fanfare für Fußballfans helfen.
Damit die Diebe nicht zum Ziel kommen, bevor Sie richtig munter sind, empfiehlt es sich, Wertgegenstände keinesfalls im Fahrerhaus oder im Eingangsbereich herumliegen zu lassen, sondern dort aufzubewahren, wo niemand hinkommt, ohne quasi über Ihr Bett zu stapfen. Ein guter alter Trappertrick ist es, einen alten Geldbeutel mit geringwertigem Inhalt und abgelaufenen Kreditkarten im Handschuhfach oder einer Ablage im Fahrerhaus zu deponieren, in der Hoffnung, einen eventuellen Dieb damit zufrieden zu stellen. Nur sollten Sie nicht so weit gehen, solch einen Täuschungshappen von außen gut sichtbar zu positionieren, um nicht damit einen Einbruch womöglich erst zu provozieren.

So hilfreich Alarmanlagen als Wecker in brenzligen Situationen sein können – die Erfahrungen der Aktionsteilnehmer belegen ebenso, dass sie weniger nützen, wenn in ein unbewohntes Reisemobil eingebrochen wird – etwa auf einem Großparkplatz in einer Stadt, während die Besitzer bummeln gehen. Dies gilt vermutlich besonders für schlicht gestrickte Alarmanlagen. Hup- und Blinkzeichen scheinen in solchen Situationen wenig Interesse zu erregen. Sie dürfen von Passanten kaum die Zivilcourage erwarten, die Polizei zu alarmieren oder gar die Einbrecher zu stellen. Trifft die Polizei dann doch ein, haben die Missetäter ihr Werk meist längst vollendet und sind über alle Berge. Wird die Anlage mit einem GSM-Pager ausgestattet, dann ruft sie bei Alarm eine oder mehrere Telefonnummern an. Zum Beispiel Ihr Handy, woraufhin Sie weitere Maßnahmen ergreifen können. Totalverlust? Zwei der weit über 400 Aktionsteilnehmer hatten das Pech, dass ihr Fahrzeug komplett gestohlen und nicht mehr aufgefunden wurde. Dieses Risiko können Sie mittels eines GPS-Ortungssystems reduzieren, das für einige Alarmanlagen als Ergänzung angeboten wird. Per Satellitennavigation lässt sich dann der exakte Standort Ihres Mobils jederzeit bestimmen. Je nach Ausstattung wird beim nächsten Stopp des gestohlenen Fahrzeugs automatisch die Wegfahrsperre aktiviert und die Polizei informiert. Nebenbei: Wenn Sie zusätzlich einen Crash-Sensor installieren, sendet das System nach einem Aufprall eine SMS an eine Notrufzentrale, die sich dann um Sie kümmert. Diese Techniken wenden sich ganz besonders an sehr experimentierfreudige Individual-Fernreisende. Weitere Infos dazu finden Sie in promobil 3/2004, unter Telefon 0 72 75/ 91 32 40, www.cobra-alarm.de und Telefon 0 21 81/81 95 50, www.caravanalarm.de. Zu den Hightech-Alarmergänzungen zählt auch die Nebelanlage (siehe Kasten Seite 84), deren Auslösen bei biederen Schraubenziehertätern wohl einige Ratlosigkeit hervorrufen dürfte. Zurück zu „Otto Normalreisemobilist“. Die abschreckende Wirkung einer Alarmanlage erzielen Bastler schon mit einer auf dem Armaturenbrett installierten blinkenden Leuchtdiode samt der Aufschrift „Alarm“. Auch der gut sichtbare Hinweis, dass keine Wertsachen im Fahrzeug sind, könnte gutgläubige Langfinger entmutigen. Der gewünschte flinke Zugriff wird dem Ganoven versauert, wenn das Fahrzeug mechanische Sicherungen aufweist, so dass der Bruch nicht einfach routinemäßig klappt. Unbekannte, unerwartete Hindernisse ziehen die kriminelle Aktion in die Länge und vervielfachen so für den Einbrecher die Gefahr, erkannt und gestellt zu werden. Hier wirken schon schlichte Bastellösungen, die zum Beispiel den Drehknauf der Aufbautür oder ein Schiebefenster fixieren. Ein besonderes Augenmerk sollten Sie dem Fahrerhaus widmen. Besser als gar nichts: mit den serienmäßigen Sicherheitsgurten die Türen fixieren. Das funktioniert bei jüngeren Ducato-Modellen, und zwar so: Zunächst wird die Höhenverstellung des Gurts nach unten geschoben. Dann rollt man den Gurt komplett ab und zieht ihn von unten durch die Armlehne an der Tür. Anschließend Gurthaken im Schloss einrasten und Gurt straff spannen. Zum Schluss schiebt man die Höhenverstellung wieder so weit wie möglich nach oben – fertig.

Auch Spanngurte zwischen den Türgriffen erschweren das Öffnen der Fahrerhaustüren, sind aber auch ebenso von fortgeschrittenem Gesindel ohne große Umstände zu kappen, nachdem das Dreieckfenster eingeworfen oder herausgelöst wurde. Besser also gleich mit nur wenig teureren metallenen Lösungen arbeiten. Wenn Sie Ihr Fahrzeug so sichern wollen, auch während Sie sich darin aufhalten, sollten Stangen oder Ketten keinesfalls das Fahrerhaus derart verbarrikadieren, dass Sie nicht mehr sofort losfahren können – ein beherzter Ortswechsel kann in unüberschaubaren Situationen der erlösende Ausweg sein. Eine besonders ausgereifte Lösung für unterschiedliche Fahrzeugtypen findet sich bei Ölmühle (Telefon 0 21 74/22 23, www.quick-safe.de). Zusatzriegel wie etwa der Heosafe (Tel. 08222/412216, www.heosolution.de) empfehlen sich besonders in der abschließbaren Version. Kurioserweise dienen auch elektrische Fensterheber der Sicherheit. In beiden Fällen kann der Missetäter nicht einfach das Dreieckfenster herauslösen, durchlangen und aufriegeln oder die Seitenscheibe herunterkurbeln. Fenster im Aufbau verdienen Ihre Aufmerksamkeit vor allem dann, wenn sie in unmittelbarer Nachbarschaft der Tür angesiedelt sind. Auch hier mussten einige Aktionsteilnehmer die Erfahrung machen, dass das Fenster aufgebrochen, hindurchgegriffen und die Tür von innen entriegelt wurde. Auch die Aufbautür selbst kann durch Zusatzschlösser und abschließbare Einstiegshilfebügel sicherer gemacht werden. Kriminalhauptkommissar Norbert Janßen (siehe Interview auf Seite 82) rät darüber hinaus, auf der Seite der Türscharniere so genannte Türbandsicherungen anzubringen; sie verhindern ein Öffnen der Tür, wenn die in der Regel wenig widerstandsfähigen Scharniere zerstört werden. Eine beherzigenswerte Erfahrung machte promobil-Leser Walter Mosbach bei einer Reise in Süditalien. Dort wurde in sein Mobil eingebrochen, ohne dass die Einbrecher etwas gestohlen hätten – außer einer Mappe mit Fähren-Tickets und einigen anderen Dokumenten. Einigermaßen beruhigt setzten die Mosbachs ihre Reise fort. Doch was passierte? 24 Stunden später wurde erneut eingebrochen – bei Mosbachs Heimatadresse in Hannover. Was die Mosbachs nicht für möglich gehalten hätten: Die süditalienischen Langfinger hatten Verbindungen quer durch Europa und kundschafteten offenbar Menschen aus, deren Heim garantiert unbewohnt und daher behaglich auszuräubern war. Seien Sie also misstrauisch, wenn Ihnen scheinbar wertlose Papiere abhanden kommen, aus denen Name, Adresse und Reisepläne hervorgehen – auch sie gehören in den Tresor, den Sie immerhin in Ihrem Mobil installieren können. Wenn schon das Mobil selbst nicht dazu taugt.

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Datum

10. März 2005
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