Neuheiten 2012, das massgeschneiderte Mobil 9 Bilder Video Zoom

Ratgeber Grundrisse: Wohnmobile nach Maß

Für den gelungenen Urlaub muss das Wohnmobil so perfekt sitzen wie ein Maßanzug: Weder darf es spannen noch schlabbrig geschnitten sein. Entscheidend ist der Grundriss.

Sitzt die flotte Kleidung den genormten Kleiderpuppen im Schaufenster oder den gestylten Fotomodellen im Prospekt auch noch so prächtig - beim Anprobieren zwickt und zwackt sie plötzlich trotz richtiger Kleidergröße. Jeder kennt das Phänomen. Wer trotzdem kauft, der ärgert sich beim ersten Tragen. Bei Hose, Hemd oder Jackett ist das Malheur überschaubar, bei einem Reisemobil für 40.000 oder 140.000 Euro hat es fatale Folgen: Änderungen sind unmöglich, ein Umtausch klappt nur mit horrendem Wertverlust. Entscheidend für den Tragekomfort des Reisemobils ist der Grundriss, er will deshalb mit Bedacht gewählt sein.

Es ist wie beim Kauf der  Kleidung: Nur wenige können sich Maßschneider leisten, die es auch in der Reisemobilbranche reichlich gibt. Doch ebenso wie die Mode gibt es auch das Urlaubsmobil von der Stange nicht nur in Einheitsgröße. Verschiedene Längen, unterschiedliche Grundrisse, die Wahl aus Stoffen oder gar Möbeldekor plus diverse Sonderausstattungen - von Einheitsbrei kann keine Rede sein.

Man kann es sich ausrechnen: Fertigt ein größeres Fabrikat von einer Baureihe im Jahr zum Beispiel 500 Reisemobile mit einem halben Dutzend Grundrissen, zwei Möbelvarianten und drei Polsterstoffen, dann ist die Chance extrem gering, jemals auf dem Stellplatz dem eigenen Reisemobil zu begegnen. Ein Vergnügen, das Fahrern eines VW Golf nicht vergönnt ist.
Eine Vielzahl von Reisemobilen entsteht nach klaren Schnittmustern. Die erste Generation des Flair oder die Hymer S-Klasse ab Sommer 2000 dienten einst als Vorlage: Vorn variiert die Sitzgruppe, hinten das Bett. Küche und Bad mittendrin ändern sich in vielen Fällen nur wenig.

Die Sitzgruppe: Fahren oder wohnen - manchmal ist’s ein Kompromiss

Besonders beliebt ist die platzsparende Halbdinette, sie bezieht das Fahrerhaus in die Sitzgruppe ein. Die Ausprägungen sind sehr unterschiedlich: Mal dient eine klassische, nach vorn gerichtete Zweiersitzbank als Zentrale, mal eine Eckbank, hier gern als L-Sitzgruppe bezeichnet. Auf der rechten Seite streckt sich bei kompakten Reisemobilen der Küchenblock. Darf’s ein wenig mehr sein, findet sich hier ein kompakter Seitensitz oder gar eine Sitzbank. Hier wie dort gilt: Die Sitze im Fahrerhaus werden gedreht und damit Teil der Sitzgruppe.

Das spart Platz und funktioniert bei allen Aufbauvarianten. Auch sind Mitfahrer unterwegs nahe dran am Geschehen, Kontakt zum Fahrer und gute Sicht sind gewährleistet. Trotzdem gilt es, Kompromisse zu schließen. So taugt die einem Sofa ähnliche Sitzbank am Tisch eines Reisemobils häufig nur bedingt als Sitz für die Fahrt. Und so eignen sich auch manche straffe, nach hinten gedrehten Fahrersitze nur eingeschränkt als gemütliche Sessel für die Nutzung im Stand.

Ebenso stoßen derlei Anordnungen in der kalten Jahreszeit an Grenzen: Blech und Glas des Fahrerhauses lassen die Kälte hinein. Dagegen hilft nur eine aufwendige Dämmung oder eine kräftige Heizung mit Ausströmern oder Konvektoren im Fahrerhaus.

Die Alternative heißt Dinette. Diese vollwertige Vierersitzgruppe kostet Platz, doch Fahrerhaus und Wohnung lassen sich trennen, im Winter regelrecht abschotten. Man sitzt gemütlich zu viert am Tisch wie zu Hause. Unterwegs hat der Fahrer seine Ruhe, während man sich hinten vergnügt.
Manchmal fügen die Hersteller auf der rechten Seite noch eine Sitzbank hinzu. Dann kann sich hier auf dem Stellpatz eine größere Runde verlustieren. Vor allem Familien schätzen diesen Grundriss mit vielen Sitzplätzen. Doch die abnehmende Verbreitung der Dinette zeigt: Längst sind Paare in gesetztem Alter die Hauptkundschaft für Reisemobile, nicht Familien.

Ein reisendes Duo kann sich auch mit einer Hecksitzgruppe anfreunden. Dieser klassische Grundriss, zeitweilig fast exotisch, zieht aktuell wieder an. Hinten sitzen, vorne im Hubbett schlafen, je nach Ausprägung sogar eine wandelbare Sitzgruppe mit Fahrradgarage unter der Quersitzbank - warum eigentlich nicht? Eher ungünstig ist es hinten, weit ab vom Schuss, für Mitreisende bestellt. Auch die neuerdings lieferbaren Klappsitze sind da nicht mehr als eine Notlösung.

Wichtige Kriterien für den Kauf lauten bei der Sitzgruppe also: Mit wie viel Personen wird das Reisemobil während der Fahrt oder im Stand genutzt? Ist Wintercamping gefragt oder nur der Urlaub in der warmen Jahreszeit? Sind Länge und Gewicht des Reisemobils ausschlaggebend? Schon kristallisiert sich heraus, welche Aufteilung in Frage kommt.

Die Betten: So individuell wie die Urlauber

Ähnliches gilt für die Anordnung der Betten. Familie oder Paar, vielleicht die Enkel als gelegentliche Mitreisende? Soll ein großes Doppelbett her, oder wird im Reisemobil getrennt geschlafen? Der individuelle Wuchs spielt eine entscheidende Rolle: Reisende mit Gardemaß legen Wert auf Betten mit zwei Meter Länge und viel Bewegungsfläche für die Arme. Zarter gebaute Urlauber schauen darüber hinweg.

Die Liegeflächen in Reisemobilen sind prompt so individuell wie ihre Nutzer. Gemeinsam ist ihnen: Reisemobilurlauber bevorzugen fest eingebaute Betten. Flickwerk und Puzzlespiele mit den Polstern sind heute unerwünscht.

Zu den Klassikern gehört das quer montierte Doppelbett im Heck. Hier bringen auch Rie-sen ihre Gliedmaßen unter, eine Etage tiefer ist Platz für eine Fahrradgarage. Hinschauen lohnt sich: Manchmal ist das Fußteil einige Zentimeter eingeschnürt. Auch gerät der Zugang häufig schmal. Und wenn der Hintermann oder die Hinterfrau nachts mal raus muss, gibt’s eine störende Kraxelei.

Ebenfalls zu den Standards zählt das längs eingebaute Bett mit Bad gleich nebenan, gern als französisches Bett bezeichnet. Einst ein typischer Fall für teilintegrierte Reisemobile, ist diese raumsparende Aufteilung inzwischen längst in anderen Aufbauten anzutreffen. Doch Vorsicht, das Bett ist vergleichsweise schmal und das Fußteil wegen des Zugangs zum Bad zusätzlich stark eingeschnürt.

Nach einigen Jahren Pause kommt zurzeit erneut eine Abwandlung dieses Grundrisses in Mode: Bett und Bad sind hier nicht nebeneinander, sondern hintereinander angeordnet. Kein Vorteil fürs Bett, aber eine Chance für ein großes Bad.

Die dritte Ausgabe des Doppelbetts heißt Queensbett: Die Liegefläche ist wie daheim im Schlafzimmer von drei Seiten zugänglich. Diese Ausführung streckt das Reisemobil unweigerlich. Trotzdem sind die Maße der Liegefläche in Länge und Breite mitunter weniger üppig als erwartet. Das separate Schlafzimmer wirkt trotzdem luftig. Gerne wird es in Verbindung mit einem Raumbad verwendet. Neuester Trend: Bei ersten Marken legt sich das Queensbett quer, ist von der Seite und vom Fußende zugänglich, daher eine Kreuzung mit dem Querbett.

Die gängige Alternative zum Queensbett heißt Einzelbetten. Da hier nur ein schlanker Mittelgang erforderlich ist, können die beiden Liegeflächen jeweils recht breit ausfallen. Doch Obacht: Aufgrund anderer Einbauten ist die Länge der Betten meist unterschiedlich, bitte ausprobieren. Wer die Einsamkeit schätzt, kann hier recht ungestört vom Partner schlafen. Wer Zweisamkeit mag, verbindet die Betten durch Einlegepolster zu einer üppigen Liegewiese.

Auch hier gilt: Längs eingebaute Betten strecken das Reisemobil. So sehr, dass manche Hersteller den Kleiderschrank unter oder über den Einzelbetten anbringen. Ob’s funktioniert oder stört, das entscheidet die Probe im Einzelfall.

Eine willkommene Alternative sind Integrierte oder Teilintegrierte mit Hubbett. Zu zweit sind derlei Liegeflächen häufig etwas knapp, als Einzelbett aber sind Hubbetten üppig gewachsen. Die passende Ergänzung ist ein Einzelbett quer im Heck mit praktischer Fahrradgarage darunter.

Angesichts dieser Aufteilung ist der Schritt zum familiengerechten Reisemobil nicht mehr weit. Hubbett vorne und Doppelbett hinten heißt eine Variante, Hubbett vorne und Stockbett hinten für die Kinder eine andere. Und dann wäre da noch das gute alte Alkovenmobil, etwas aus der Mode, mitunter etwas angestaubt wirkend, aber unübertroffen im Platzangebot: Das Doppelbett hoch oben über dem Fahrerhaus ist unverändert die Schau, bietet reichlich Platz fürs Bettzeug und entpuppt sich als herrliche Höhle für den Nachwuchs.

Bleibt für den Reisemobilkauf zum Schluss der wesentlichste Tipp, der auch bei Kleidung unerlässlich ist: anprobieren. Das Reisemobil muss wie ein guter Anzug auf Anhieb sitzen. Änderungen sind nachträglich zwar bei Jacke oder Hose möglich, beim Reisemobil dagegen nicht drin.

Die Küchen

Einst heißes Diskussionsthema, ist es um die Küche zunehmend ruhiger geworden. Position, Ausstattung und Größe haben sich nivelliert. Mal ein Winkel, mal eine Küchenzeile, nahezu immer mit Dreiflammkocher ausgerüstet, so sieht’s aus. Das Maß der Arbeitsfläche und der Spüle gilt es zu beachten, Schubladen mit Selbsteinzug statt Stauschränken oder Apothekerauszüge sind fein.
Den Unterschied macht meist der Kühlschrank aus. Bei ihm handelt es sich heute gerne um einen ausgelagerten sogenannten Tec-Tower, ein Turm mit rund 160 Liter Kühlschrankvolumen und separatem Gefrierfach, manchmal gekrönt von Backofen oder Mikrowelle.

Braucht man solch ein Trumm unterwegs wirklich? Die Franzosen haben’s vorgemacht: Bei unseren Gourmet-Nachbarn sind Reisemobile mit kompaktem Eisschrank kaum noch zu verkaufen. Doch wer Platz, Gewicht und Geld sparen will, der findet an dieser Stelle Möglichkeiten.

Nasszellen - Badespass im Reisemobil?

Das separate Brausebad galt einst als Ausweis von Luxus oder gar Dekadenz, heute ist es Normalfall. Die Extra-Dusche hat was: Separate Sanitärräume sparen bei der Körperpflege Zeit, der Zusatznutzen als Trockenraum für nasse Kleidung ist nicht zu verachten.
Aber die Kabine verlängert das Reisemobil um einen halben Meter, das bedeutet weniger Handlichkeit und mehr Gewicht. Deshalb gibt es Mischformen. Hymer hat einst das Variobad erfunden: Das Waschbecken schwenkt mitsamt Rückwand und Spiegel über die Toilette - schon gibt es auf wenig Raum eine Duschkabine auf Zeit. Faltwände, Klappwaschbecken oder verschiebbare Toiletten nehmen diese Idee auf.

Zuspruch bis hinunter in die Mittelklasse hat das sogenannte Raumbad gefunden, einst typisch für Supermobile. Dusche sowie Wasch- und Toilettenraum werden durch Schwenk- oder Schiebetüren zum Badezimmer quer im Reisemobil verbunden. Frankia hat das Thema einst durchgesetzt, aufgenommen haben es fast alle in mannigfachen Variationen.

Sonderfall Campingbus

Die wenigsten Besitzer eines VW California wissen es: Der Grundriss ihres Busses geht auf den Westfalia Berlin Mitte der siebziger Jahre zurück. Klappsitzbank im Heck, Schrank- und Küchenzeile links, drehbare Vordersitze - es gibt nichts Praktischeres für kompakte Camper. Weniger Stau- aber mehr Lebensraum bieten Aufteilungen mit Heckküche. Bekanntester Vertreter ist der Ford Nugget.

Größere Campingbusse haben auch eine größere Auswahl an Grundrissen. Das Doppelbett quer im Heck ist beliebt. Doch Vorsicht: Wer über 1,80 Meter groß ist, sollte vor dem Kauf die Bettenmaße prüfen. Gleiches gilt für die ebenfalls geschätzte Hecksitzgruppe, die sich nachts in eine Liegefläche verwandelt.
Typisch für Campingbusse ist auch eine Ausführung mit Bad quer im Heck. Man kennt sie seit vielen Jahren unter anderem vom Concorde Compact oder vom Vorgängermodell des aktuellen James Cook.

In Campingbussen gibt es fast alles, was man auch aus aufgebauten Reisemobilen kennt, sogar Raumbäder oder kleine Duschkabinen. Die Sitzgruppe mit Halbdinette haben sich die Großen sogar von den Kleinen abgeschaut: California, Nugget, James Cook und viele andere lassen grüßen.

Arbeit für Entwickler

promobil fragte, Leser antworteten: In welchen Bereichen sollten Reisemobile besser werden? Nur 10 Prozent nannten die Küche, sie passt also fast immer. 21 Prozent fordern Verbesserungen am Sanitärraum. Immerhin 32 Prozent beim Schlafkomfort, doch mit deutlich abnehmender Tendenz gegenüber früheren Jahren. 21 Prozent fordern Verbesserungen an den Grundrissen. Klingt harmlos, doch die Tendenz wächst seit Jahren deutlich. Werte Reisemobilentwickler - es gibt Arbeit.

Von am 28. September 2011
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