Wegweiser Binzeltschlüff 17 Bilder Zoom

Mit dem Wohnmobil zum Dachstein: Himmel und Erde

Spektakuläre Panorama-Plattformen, kreative Handwerker und Kaiserseligkeit: Rund um den Dachstein passt das alles unter einen Hut. Eine Mobil-Tour durch einen der schönsten Gebirgszüge Österreichs.

Wolkenfetzen jagen um die grauen Zacken des Dachstein-Massivs. Auf der Dachplattform der Ramsauer Gletscherbahn weht einem die frische Brise um die Nase, in den Ohren knackst es, wenn die Gondel in sechs Minuten zum Hunerkogel hinaufsaust. 2700 Meter Höhe, Zacken und Zinnen rahmen ein Gletscherfeld ein, auf dem im Sommer Skifahrer ihre Schwünge ziehen – das wäre eigentlich schon spektakulär genug, doch der Nervenkitzel beginnt erst. Am Dachstein macht man nämlich die Bergwelt für die Gäste noch "erlebbarer", indem man sie auf stählerne Panorama-Plattformen über gähnende Abgründe hinauslockt.

Schwindelerregende Ausblicke am Dachstein

"Treppe ins Nichts" heißt das jüngste der schwindelerregenden Abenteuer an der steirischen Südseite des Gebirges. Zuerst betritt man eine 100 Meter lange Hängebrücke, die mit Bolzen, Zement und Drahtseilen im Kalkgestein verankert ist. 250 Kilometer pro Stunde starken Wind hält sie angeblich aus – doch wenn der stählerne Wurm zu schwanken beginnt, helfen auch die Versicherungen der Erbauer nichts! 14 Stufen geht es hinab auf eine scheinbar im Nichts schwebende Plattform. Das Bauchgefühl sagt nein. Doch dann setzen sich die Beine in Bewegung, und ein Gefühl der Leichtigkeit stellt sich ein – solange man nicht durch den gläsernen Boden in die Tiefe blickt …

Nervenkitzel hält Österreichs imposantestes Bergmassiv auch im Norden bereit. Die riesigen Höhlen im Inneren des Karststocks sind allesamt für Besucher erschlossen. Bäche gurgeln durch die Koppenbrüller-Höhle, gigantische Eiszapfen und Eisvorhänge pflastern den Parzival-Dom in der Rieseneishöhle. Mit der Obertrauner Dachsteinbahn geht es weiter zum Krippenstein, wo sich beim Pionierkreuz fünf Metallstege über den Abgrund hinausschieben. An jedem wartet ein Adrenalinschub. Der barocke Bilderrahmen auf dem Steg links bietet sich für ein Erinnerungsfoto an. 1500 Meter tiefer leuchtet der Hallstätter See dunkel wie Tinte. Die Boote auf dem See, die Häuser von Hallstatt – alles auf Spielzeuggröße geschrumpft.

Auch Hallstatt verfügt über eine Panorama-Plattform. Am Rudolfsturm schiebt sich der 2013 eröffnete "Welterbeblick"-Zacken in die Lüfte hinaus und erschließt einen Direktblick in den 360 Meter tiefer gelegenen Ort, der seine Existenz einem bereits vor 7000 Jahren entdeckten Salzvorkommen verdankt. Dicht drängen sich auf der schmalen Landzunge die blumengeschmückten Häuser aneinander.

Seen und einmalige Sehenswürdigkeiten

Der Platzmangel hat die Hallstätter erfinderisch gemacht. Die Gebeine ihrer Toten holten sie nach 15 Jahren aus der Erde und brachten sie im Beinhaus unter. Mini-Gärten und Spalierbäume, die an Hauswänden hochgezogen werden, erfreuen das Auge. Kunstvoll geschnitzte Veranden und sonnengeschwärztes Holz setzen Akzente. Am besten lässt man sich auf der Terrasse des Bräugasthofs Lobisser oder beim Seewirt Zauner nieder, bestellt eine Reinanke frisch aus dem See und lässt das Dachstein-Gesamtkunstwerk auf sich wirken.

Noch vor den Touristen zog dieses im 19. Jahrhundert die Künstler in Massen an. Im Hallstätter Echerntal bannten Biedermeier-Maler die dramatischen Berg-See-Wald-Kontraste auf Leinwand, rund um den Altausseer See und den Grundlsee gaben sich Literaten und Komponisten die Klinke in die Hand. Jakob Wassermann, Johannes Brahms und Gustav Mahler sind nur einige der Namen, denen man auf den Themenwegen im steirischen Salzkammergut begegnet.

Kaiserlich urlauben im Dachstein

In Bad Ischl feiert hingegen die Kaiserseligkeit fröhliche Urstände. Konterfeis von Kaiser Franz Joseph, der 60 Sommer in dem oberösterreichischen Kurstädtchen verbrachte, grüßen aus den Auslagen. Die Kurapotheke bringt "Sisi Veilchen Ziegenmilch Seife" und weitere kaiserliche Beauty-Specials unters Volk.

Sogar das Reisemobil findet in Ischl seinen hochnoblen Stellplatz – direkt am Zugang zur Kaiservilla. Wie unter einer Zeitglocke hat die einstige Sommerresidenz, wo der greise Monarch 1914 nach dem Attentat von Sarajewo die Kriegserklärung an Serbien unterzeichnete, die Zeiten überdauert.

Süße Verführung

Gewürzt mit einer Anekdote klingt die Visite im Süßspeisen-Schlaraffenland des "Ehem. k.u.k. Hofzuckerbäcker" Zauner aus. Ab den 1880er Jahren pflegte Franz Joseph ein "Gspusi" – eine Liebschaft – mit der Schauspielerin Katharina Schratt. In aller Früh spazierte er hinüber in die "Schratt-Villa", wo ihn seine "liebe Freundin" mit einem Gugelhupf erwartete. Aus Angst, die Mehlspeise könnte einmal misslingen, hielt Zauner stets ein Reserve-Exemplar bereit. "Heute bieten wir den Kaisergugelhupf rund um den Kaisergeburtstag an", erzählt Geschäftsführerin Hilde Müllegger.

Apropos: An jenem Tag, dem 18. August, kulminiert Ischls Kaiserseligkeit in einem Mega-Fest. Auf Hüten wippen Gamsbärte, im Sonnenlicht blitzen polierte Messingknöpfe und Orden, Abordnungen von Traditionsregimentern schreiten wichtig auf und ab, die Deutschmeister in Blau, die Südtiroler Schützen in Rot – die Kaiserhymne erklingt. Man könnte fast meinen, die Donaumonarchie feierte für einen Tag eine Auferstehung. 

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Autor

Foto

Stefan Spath

Datum

21. Mai 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 06/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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