DIE TEILINTEGRIERTEN aus Frankreich feierten schon in den 90er Jahren bei uns Verkaufserfolge 11 Bilder Zoom

Chausson & Challenger im Gebrauchtcheck: Gebrauchte Teilintegrierte aus Frankreich

Die Teilintegrierten aus Frankreich feierten schon in den 90er Jahren bei uns Verkaufserfolge. Nicht zuletzt wegen ihres guten Preis-Leistungs-Verhältnisses. Gilt das heute noch für Gebrauchte?

Als man in Deutschland noch auf Alkoven setzte, hatten die Franzosen längst die Teilintegrierten entdeckt. Mitte der 90er Jahre boten die südfranzösischen Marken Chausson und Challenger bereits eine ganze Palette von Grundrissen, die auch bei uns gut ankamen. Wenn man heute einen älteren Teilintegrierten sucht, trifft man daher häufig auf einen Franzosen. Im Folgenden soll es vor allem um die Baujahre von 1994 bis 2006 gehen,in diesen Jahren läutete jeweils der Modellwechsel des Fiat Ducato eine Zäsur ein.

Und noch etwas ist wichtig zu wissen: Challenger und Chausson werden an dieser Stelle zusammengefasst, weil beide Marken vom den gleichen Fließbändern stammen. Die Parallelmodelle differenzieren sich lediglich durch Stoffe und Dekore.

Aus Sicht deutscher Käufer liegt der Unterschied woanders: Seit den 90er Jahren baute die Importagentur Koch den Chausson-Vertrieb konsequent auf, während Strategiewechsel in der Challenger-Vermarktung immer wieder für einen Neustart sorgten. Erst in jüngster Zeit hat die Marke mit einer Werksniederlassung bei Eura Mobil in Deutschland wieder einen festen Platz.

Auf- und Ausbau der gebrauchten Chausson und Challenger

In der Auswertung der promobil-Befragung tauchen die Undichtigkeiten am Aufbau weit oben auf. Für Gebrauchtwagenkäufer ein guter Grund, auf eine Dichtigkeitsinspektion zu achten. Die Ursachen für Feuchtigkeit in den Wänden sind unterschiedlich. Mal sucht sich auf dem Dach gesammeltes Wasser seinen Weg, mal ist die Rückwand betroffen. In einigen Fällen fehlt die nötige Abdichtung an der Kante von Wänden und Bodenplatte, so dass Feuchtigkeit seitlich in den Boden dringt. Ein anderes Einfallstor können Stauraumklappen sein. Vor allem um Undichtigkeiten geht es auch bei den genannten Schäden an Dachhauben und Fenstern.

Je nachdem, ob die Aufbauaußenhaut aus Alu oder später aus GfK gefertigt wurde, muss man auf unterschiedliche Alterungserscheinungen achten. Einzelne Besitzer beklagen Alufraß, also Korrosion an der Dachhaut, die bei den frühen Exemplaren aufgelegt und nicht verklebt wurde. GfK kann vergilben und im ungünstigsten Fall Risse bilden – meist an den Ecken von großen Wandausschnitten.

Kein Wunder, dass die befragten Besitzer bei der Verarbeitung im Durchschnitt nur befriedigende Noten vergeben. Deshalb gilt es auch im Innern gezielt Schwachpunkte zu checken. Da wäre das Kontrollbord, das selten komplett ausfällt, jedoch die Anzeige des Frischwasserstands verweigert. Auch die Wasserpumpe versagt manchmal ihren Dienst. Unbedingt sollten Interessenten auch die Heizung anschalten. Beim gängigen Dieselaggregat fällt mitunter die Steuerung aus, oder Lärm und Gerüche machen eine Überholung nötig.

Recht früh bauten Chausson und Challenger Kühlschränke mit automatischer Energiewahl ein, die ebenfalls nicht immer zuverlässig funktioniert. Zu guter Letzt darf man beim Check auch mögliche Undichtigkeiten aus dem Innern nicht übersehen. Gemeint sind hier Bruchstellen an Duschwanne oder Waschbecken, aber auch Korrosion am Spülbecken, die zu Durchrostungen führen kann. Diese Mängelaufzählung klingt jedoch drastischer, als sie im Einzelfall tatsächlich ist. Über 70 Prozent der Befragten gaben jedenfalls an, dass sie sich wieder einen Chausson oder Challenger kaufen würden.

Basisfahrzeug

Im Angebot von Chausson und Challenger spielte der Ford Transit stets eine wichtige Rolle. Heute kann er für Gebrauchtwagenkäufer eine gute Wahl sein. In unserer Befragung schnitt der Ford besser ab als der ebenfalls angebotene Fiat Ducato. Das mag jene überraschen, die von kapitalen Ford-Motorschäden gehört haben. Die einfache Erklärung: Diese Ausfälle betreffen praktisch ausschließlich die facegelifteten Transit ab 2006, die hier nicht berücksichtigt sind. Es waren die älteren Modelle, die den ursprünglich guten Ruf der Ford-Modelle begründeten.

Stärker beanspruchten Exemplaren macht jedoch der Rost an Kotflügeln und Türen zu schaffen. Korrosion entsteht ebenso am Unterboden aller Modelle mit sogenanntem Plattformfahrgestell. Hier sitzt der Aufbau auf einer blechernen Bodengruppe, die bei der Verwandlung zum Reisemobil modifiziert werden muss. Nicht immer achtete man dabei auf den nötigen Rostschutz.

Das gilt genauso für Fiat-Modelle mit Plattformchassis. Für die erhöhte Mängelquote des Ducato in der Befragung lässt sich keine einfache Begründung finden. Es waren viele unterschiedliche Ursachen, die Besitzer zum außerplanmäßigen Werkstattbesuch zwangen. Ganz selten entdeckt man Berichte über Motor- und Getriebeschäden. Häufiger geht es um die Wegfahrsperre oder um die Antriebswellen. Immer wieder tauchen auch frühzeitig verschlissene Bremsen unter den aufgelisteten Mängeln auf.

Marktlage

Wie die meisten Importmodelle werden auch Chausson und Challenger etwas günstiger gehandelt als einheimische Fabrikate. Wer ein Budget von 25.000 Euro einplant, hat eine große Auswahl und die Chance, ein sehr gut erhaltenes Exemplar wie den hier gezeigten Flash 02 zu finden.

Doch auch unter 20.000 Euro kann man fündig werden, ohne ein verbrauchtes Exemplar befürchten zumüssen. Schließlich bauten die Franzosen schon in den 90er Jahren kompakte und preiswerte Teilintegrierte – ein Vorsprung, der heute Gebrauchtwagenkäufern zugutekommt, die ein zeitgemäßes Schnäppchen suchen. Die Frage, ob es ein Chausson oder Challenger sein soll, stellt sich oft gar nicht, denn unter den Gebrauchten sind die früher viel begehrteren Chausson mit Abstand die Nummer eins.

Daten & Fakten

Baureihen: Chausson Flash/Welcome/Odyssee/Allegro, Challenger Genesis/Mageo/Eden (Teilintegrierte, Baujahre 1994 bis 2006)
Basisfahrzeuge: Fiat Ducato/Ford Transit Leiterrahmen, Plattform-/Alko-Fahrgestell
Bauweise: Teilintegrierte mit Alu- oder GfK-Außenhaut, Holzfachwerk, EPS-Isolierung
Sitz-/Schlafplätze: 2–4/2–4

Vorgestelltes Modell: Chausson Flash 02
Erstzulassung: 6/2006
Kilometerstand laut Tacho: 70.500
Preis: 24.890 Euro
Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg
Gesehen bei: Schneider Caravaning, 69124 Heidelberg

Stammbaum der Marken: Eine weitverzweigte Familie

Gar nicht leicht, den Überblick zu behalten: Von der Mitte der 90er Jahre bis 2006 boten die Schwestermarken Challenger und Chausson eine fast unüberschaubare Vielfalt an Teilintegrierten. Allein bei den Basisfahrzeugen haben die Franzosen mehr zu bieten als viele andere: Neben dem Fiat Ducato und dem Ford Transit mit Front- oder Heckantrieb gab es ebenso vereinzelt Modelle auf Basis des Mercedes Sprinter und Renault Master. Unter den Baureihen bildete die Welcome-Serie stets das Rückgrat des Importprogramms. Seit 2005 machte ihr die günstigere Flash-Baureihe zunehmend Konkurrenz. Als höherklassig galten die Odyssee- und Allegro-Modelle. Challenger verwendete zunächst nur Ziffern, später aber auch Namen zur Baureihenbezeichnung. Sämtliche Serien waren mit unterschiedlichen Grundrissen lieferbar – aber fast immer mit festem Bett.

Report: Günstige Reisemobile

Foto

Ulrich Kohstall, Archiv

Datum

25. Mai 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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