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Stellplatz-Inspektion Tirol: Stellplätze in Tirol

Tirol: Wie sich das Alpenland in diesem Winter für Reisemobilisten in Szene setzt – die Stellplatzinspektion von promobil bringt es ans Licht.

Wenn in einigen Wochen der Winter seinen Einzug hält und Reisemobilisten verstärkt Ausschau nach Stellplätzen in attraktiven Skigebieten halten, dann fällt ihr Blick ganz automatisch auch auf Tirol. Zu verlockend sind die Wintersportmöglichkeiten kurz hinter der deutsch-österreichischen Grenze, zu einladend Städte wie Innsbruck oder Kurorte wie Kitzbühel. Allein, in jüngster Vergangenheit war das Bundesland unter Reisemobilisten ins Gerede gekommen: Der Streit um Stellplätze, das rigide Campinggesetz des Landes, die lästigen Mautgebühren und dann auch noch die Anschaffung einer Go-Box für Reisemobile über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht – alles nicht gerade geeignet, mobile Gäste ins Land zu locken. Besserung ist in Sicht. In diesem Herbst kommt gute Kunde aus dem kleinen Bundesland in den Alpen, und das liegt, man höre und staune, nicht in erster Linie an kommunalen Stellplätzen, sondern an einem Campingplatzbetreiber. Reinhard Haslwanter betreibt nicht nur den Holiday Camping in Leutasch, sondern mit dem Camping Arlberg in Pettneu am Arlberg auch einen zweiten und brandneuen Campingplatz. Eine ungewöhnliche Anlage ist am Rand des Dorfes entstanden, und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Vor dem eigentlichen Camping erstreckt sich ein Reisemobilhafen, der ursprünglich nur für 40 Mobile ausgelegt war, den Haslwanter aber kurzentschlossen auf 80 Einheiten vergrößern ließ. Seine ebenen, mit Schotterrasen befestigten Parzellen fallen mit etwa sechs mal zwölf Metern für einen Stellplatz sehr großzügig aus. Stromanschlüsse sind selbstverständlich, die Anschlüsse für das Satelliten-Fernsehen, die es ebenfalls an jeder Parzelle gibt, erleben hier aber ihre Stellplatz-Premiere. Winterfeste Ent- und Versorgungseinrichtungen, eine geschlossene Waschhalle für das Reisemobil und Waschmaschinen samt Trockner komplettieren die gute Ausstattung, die eins aber vermissen lässt: Dieser Reisemobilhafen kommt ohne Sanitärhaus aus, und auch auf dem angrenzenden Campingplatz gibt es keinen zentralen Sanitärbereich. Des Rätsels Lösung: Auf dem eigentlichen Campingplatz verteilen sich 145 Holzhäuschen – private Badehäuser mit Toilette, Dusche, Waschbecken, Abspülbereich und Heizung, für jede Parzelle eins. „Wir müssen etwas tun, um auch die Damenwelt für das Wintercamping zu begeistern“, erklärt Haslwanter sein Konzept, das ein zentrales Sanitärgebäude überflüssig macht. „Und das geht heutzutage halt nur über den Komfort.“ Für den Verzicht auf einen traditionellen Sanitärblock auf seinem Reisemobilhafen hat der Campingplatzbetreiber eine andere Erklärung parat: „Jetzt schlägt die Stunde der Wahrheit für die Reisemobilisten“, scherzt Haslwanter. „Sie haben mir immer erzählt, sie brauchen nichts, sie haben alles an Bord – und jetzt nehme ich sie halt beim Wort.“

Ganz ohne Sanitäranlagen muss es aber doch nicht gehen. Direkt gegenüber dem Reisemobilhafen bietet sich der Wellnesspark Arlberg an, mit Hallenbad, Wellness- und Kosmetikangeboten und, natürlich, mit Duschen und Toiletten. Viel traditioneller wirkt da schon die Zufahrtsregelung per Schranke. Reisemobilisten können bei der Anreise ein Ticket ziehen und die Barriere damit selbständig öffnen. Die Ausfahrt ist von acht bis 22 Uhr möglich – nach vorheriger Bezahlung der Gebühr im Empfangsgebäude, versteht sich. Apropos Geld: 15 Euro promobil kostet die Nacht im Reisemobilhafen inklusive Skibus sowie Ent- und Versorgung, zuzüglich Umwelt- und Tourismusabgabe sowie Strom, der nach Verbrauch abgerechnet wird. Zum Vergleich: Der Reisemobilhafen im Wintersportort Oberstdorf, eine der besten Adressen in den Allgäuer Alpen, kommt auf zehn Euro pro Nacht und Mobil, plus 2,20 Euro Kurtaxe pro Person und Tag sowie 2,50 Euro Strompauschale – weit liegen diese Plätze preislich nicht auseinander. Ausschlaggebender sind für mobile Skifahrer die Wintersportbedingungen. Pettneu am Arlberg ist über die Autobahn und die Schnellstraße S 16 von Bludenz nach Innsbruck auch im Winter leicht zu erreichen. Die Fahrt in die Skiarena Arlberg mit ihren 85 Seilbahnen und Liften sowie 260 Kilometern präparierter Pisten dauert nur wenige Minuten. Ein Skibus holt die Gäste von der Rezeption ab und bringt sie zu den Dreitausendern des Top-Skigebietes am Arlberg. Der Reisemobilhafen am Camping Arlberg setzt sich damit an die Spitze einer Entwicklung, die jetzt auch Tirol erfasst hat: Bereits im Frühjahr hat die Stadt Schwaz den ersten kommunalen Stellplatz des Bundeslandes eröffnet, der im Wesentlichen auf das Engagement des 1. Tiroler Wohnmobilclubs um Felix Niederl zurückgeht. Einen Parkplatz in leicht erreichbarer Lage am Rand der Innenstadt verwandelten die Stadtväter in einen Stellplatz für etwa sechs kürzere Reisemobile, der allerdings gemischte Gefühle hinterlässt. Die Ausstattung mit Holiday Clean, Info-Tafel, Stadtplan, Sitzbank und Papierkörben ist erfreulich komplett, die Gebührenfreiheit in Zeiten ständig steigender Stellplatzkosten ebenso selten wie lobenswert. Das Umfeld entspricht wohl nicht jedermanns Geschmack. Vom Stellplatz aus fällt der Blick direkt auf die benachbarte Tankstelle, und von der Hauptstraße dringen unüberhörbar Autogeräusche herüber. Der eigentliche Schwachpunkt des Schwazer Stellplatzes ist seine geringe Kapazität. „Einen solchen Platz würde ich nicht empfehlen, denn fünf oder sechs Mobile bringen keinen spürbaren Umsatz in den Ort“, legt Manfried Gesemann den Finger in die Wunde. Der ehemalige Kultur- und Verkehrsamtsleiter von Rotenburg an der Fulda erinnert sich noch gut an die frühe Phase des Reisemobiltourismus in seiner Heimatstadt. „Die Befürworter eines Stellplatzes brauchen die Bestätigung durch Besucher, denn die Gegner eines solchen Projektes betrachten mit Argusaugen, was da läuft.“ Ob der Schwazer Stellplatz die Hoffnungen und Erwartungen seiner Schöpfer erfüllen kann, bleibt also abzuwarten. Licht und Schatten halten sich auch bei vielen anderen Stellplätzen in Tirol die Waage.

Ausgesprochen attraktiv wirkt der Stellplatz an der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn. Reisemobile können auf terrassierten und mit Stromanschlüssen ausgestatteten Parkflächen neben dem Campingplatz der Ferienanlage stehen. Die Ausstattung mit einer Holiday Clean und einem Toilettenhaus ist gut. Allein die kurze Saison von Mai bis Oktober und vor allem die Beschränkung der Aufenthaltsdauer auf eine Nacht ist mehr als nur unglücklich – der Platz hat sicher das Potenzial, zu Pettneu aufzuschließen. Das dritte gute Angebot in Zusammenhang mit einem Campingplatz findet sich in Stams unweit von Innsbruck. Bei der Inspektion war der Stellplatz am Eichenwald-Camping noch nicht ganz fertig, doch ließ sich sein Konzept schon erkennen. Er wird im Endausbau etwa 20 Reisemobile aufnehmen können, eine eigene Zufahrt und die entsprechende Ausstattung mit Strom- und Frischwasseranschlüssen sowie einer Entsorgungseinrichtung erhalten. In diesem Fall macht sich auch die Lage des Platzes günstig bemerkbar. Anders als viele Campings liegt das Gelände von Bruno und Klara Zoller ganz in der Nähe von Ortskern und Stiftskirche, den größten Touristenattraktionen. Die Feinarbeiten an diesem Stellplatz sollen noch vor dem Winter beendet sein. Damit halten schon mal drei Tiroler Campingunternehmer das Wort, das ihr Obmann Reinhard Haslwanter bei den heißen Diskussionen um das Tiroler Campingplatzgesetz den Vertretern der Reisemobilisten gegeben hatte. „Verbote allein genügen nicht,“ sagt Haslwanter rückblickend, „gute Angebote müssen her.“ Doch damit tun sich einige Campingplatzbetreiber schwer, und das liegt nicht nur an den vielerorts beengten Platzverhältnissen. Guten Durchschnitt markieren die Plätze vor den Campinganlagen in Innsbruck-Kranebitten, Unterperfuß und vor allem der Stellplatz vor dem Schwimbad-Camping in Hall in Tirol. Absolut untauglich ist dagegen der kleine Platz vor dem Aktiv-Camping in Prutz. Ohne Ausstattung, direkt an der Straße und mit enger Zufahrt, ist er nicht mehr als ein reiner Notbehelf für eine einzige Nacht. Auch der noch junge Campingplatz in Seefeld soll – laut ADAC-Campingführer – einen Übernachtungsplatz vor der Schranke haben, doch das Areal reicht gerade mal aus, ein paar Pkw aufzunehmen. Ein kleiner Fortschritt ist aber auch aus dem früher so reisemobilfeindlichen Ort zu vermelden. Das Nachtparken ist zwar immer noch untersagt, doch inzwischen gibt es wenigstens einen Parkplatz, auf dem Reisemobile tagsüber stehen dürfen.

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26. Oktober 2004
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