Zoom

Stellplätze in der Schweiz: Die Schweiz als Wohnmobil-Reiseziel?

Wahrlich, an Attraktionen hat die Schweiz viel zu bieten: Ob Basel oder Bern, Genfer oder Vierwaldstätter See, Gotthardmassiv oder Matterhorn – die alten Städte, idyllischen Seen und majestätischen Berge vereinen sich zu einem touristischen Ensemble, das den unterschiedlichsten Interessen gerecht wird.

Dennoch genießt das Land der Eidgenossen in der reisemobilen Szene keinen guten Ruf. Selbst Schweizer Reisemobilisten, die gern und oft die Stellplätze im deutschen Südwesten wie zum Beispiel den in Bad Dürrheim besuchen, lassen bei Diskussionen kaum ein gutes Haar an der Stellplatz-Infrastruktur in ihrem eigenen Land.

Diese Kritik ist schon verständlich, aber dennoch bleibt bei näherem Hinsehen ähnlich wie in Österreich fairerweise eins festzustellen: Die Schweiz zeigt sich auch für Reisemobilfahrer deutlich attraktiver, als ihr Image dies vermuten ließe. Denn offiziell ausgewiesene Stellplätze für Reisemobile gibt es auch in der Schweiz sehr wohl, allerdings in einer landesweit sehr unterschiedlichen Verteilung und Ausprägung. Insofern ähnelt die Stellplatzsituation ein wenig der im benachbarten Österreich.

Als Faustregel für die individuelle Urlaubsgestaltung gilt: Im deutschsprachigen Teil der Schweiz, also im Osten und in der Zentralschweiz, stellt sich die Situation alles andere als befriedigend oder gar gut dar, in dem frankophonen Landesteil im Westen hingegen sieht es schon deutlich erfreulicher aus – vielleicht geht dies ja auch auf den Einfluss der französischen Nachbarn zurück, der Erfinder des Phänomens Reisemobil-Stellplatz.

Jedenfalls präsentiert sich der Westen des Landes schon recht gastfreundlich. Vor allem die Region um den Lac de Neuchâtel, das Freiburger Land zwischen diesem Binnenmeer und dem Genfer See sowie das Wallis haben die Nische erkannt und empfangen den mobilen Gast mit einer Reihe von Stellplätzen. Diese fallen allerdings extrem unterschiedlich aus.

Unterschiedliche Beispiele für die Stellplatz-Situation

Rund um den Neuenburger See, in der reisemobilfreundlichsten Region des Landes, finden sich auf wenigen Kilometern extrem unterschiedliche Beispiele: Sehr einladende, gut ausgestattete und große Stellplätze wie der neben dem Campingplatz von Portalban oder der im kleinen Concise-au-Lac wechseln sich ab mit eher einfachen Arealen, die wenig Reiz ausstrahlen. Echallens und Oron-la-Ville geben zwei weniger gelungene Beispiele für Stellplätze ab. Die goldene Mitte in der Stellplatzlandschaft markieren Plätze wie in Saint-Blaise oder in Saint-Aubin. In den beiden Kleinstädten am Nordufer des Neuenburger Sees liegen die Übernachtungsflächen in Seenähe, im letztgenannten Fall sogar direkt am Hafen.

Der Gast sollte sich in der Westschweiz in der Regel mit Stellplätzen auf ehemaligen und umgewidmeten Pkw-Parkflächen anfreunden. Typisch für diese Kategorie der Stellplätze ist die Ausstattung mit einer Ent- und Versorgungsstation. Im Normalfall handelt es sich um eine Euro-Relais-Anlage, die übrigens aus Lausanne stammt.

Zu der Konzeption dieser in den meisten Fällen münzbetriebenen Anlagen gehört nicht nur ein Frischwasseranschluss, ein Ausguss für Cassettentoiletten sowie ein Einlass für Grauwasser, sondern auch ein Stromanschluss. Außerdem, und das ist beispielsweise in Österreich ganz und gar nicht der Fall, verspricht das Vorhandensein einer Euro Relais eine gute Ausschilderung des dazugehörigen Stellplatzes. Meist weisen die kleinen, blauen Schilder mit dem gelben Sternenkranz und dem stilisierten Reisemobil bereits den Weg von der Autobahnabfahrt oder der Schnellstraße zum Stellplatz – auch wenn lange nicht alle der Stellplätze gefallen können, verdient diese Beschilderung ein Extra-Lob. Dennoch bleiben auch im Westen der Schweiz noch einige Wünsche offen. Ähnlich wie in Österreich ist die Kapazität vieler Stellplätze auf wenige Einheiten beschränkt: Große Plätze für mehr als 20 Mobile bilden die Ausnahme. Verblüffen können die Schweizer auch erfahrene Reisemobilisten mit einer weiteren Einschränkung: Bei einigen Stellplätzen begrenzen sie die Aufenthaltsdauer auf gerade mal 15 Stunden. Für einen kurzen Zwischenstopp mag das ausreichen, für eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten indes keinesfalls. Auch für die Kommunen erweist sich diese Regelung als nicht effektiv, bleibt das Geld der Gäste doch da, wo es ist: im Portemonnaie. Schwierig gestaltet sich die Stellplatzsituation vor allem in den größeren Städten. Zwar finden sich in Montreux oder in Genf Übernachtungsflächen, doch können diese Angebote nicht wirklich überzeugen. In Montreux bleibt die Aufenthaltsdauer auf 15 Stunden beschränkt, in Genf leidet der Stellplatz am Flughafen unter der Nähe zur Start- und Landebahn. Was Flughafenfans vielleicht noch fasziniert, wird andere Gäste vertreiben – es bleibt halt noch einiges zu tun, will die Schweiz zu Frankreich aufschließen.

promobil Logo

Autor

Datum

28. August 2005
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
02:34 caravaning_Anhänger_ankuppeln vor einer Woche
460 Aufrufe
Westfalia Sven Hedin 2018 - Pop Out Westfalia Sven Hedin (2018) mit Pop-Out vor einer Woche
807 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z