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Reise-Tipp Rhön: Mit neuen Stellplätzen zur Spitzengruppe

Höhenflüge gehören in der Rhön schon zum Alltag. Zumindest auf der Wasserkuppe, der mit 950 Metern über Normalnull höchsten Erhebung des Mittelgebirges und gleichzeitiger Hochburg der Segelfliegerei.

Höhenflüge gehören in der Rhön fast schon zum Alltag. Zumindest auf der Wasserkuppe, der mit 950 Metern über Normalnull höchsten Erhebung des Mittelgebirges und gleichzeitiger Hochburg der Segelfliegerei. Auf der Landebahn am Gipfel herrscht bei geeignetem Wetter ein ständiges An- und Abfliegen der zerbrechlich wirkenden Gleiter. Der Anblick der startenden und landenden Maschinen lockt außer neugierigen Kiebitzen auch Reisende mit mobilen Eigenheim an, die ihr Quartier oft genug auf den Parkflächen neben der Landebahn aufschlagen. „Es gibt immer mal wieder Ärger um die Reisemobile auf der Wasserkuppe“, weiß Roland Frormann, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Rhön, zu berichten. Um aber gleich eine gute Nachricht für Reisemobilisten nachzuschieben: Die Suche der Touristiker nach einem offiziell ausweisbaren Übernachtungsbereich ist auch auf dem Gipfel der Rhön in vollem Gange. Das wäre denn auch das i-Tüpfelchen einer sehr erfreulichen Entwicklung, die in großen Teilen des Mittelgebirges seit dem vergangenen Jahr zu verzeichnen ist.

Diverse Städte und Kommunen in der Region öffnen sich entweder ganz neu dem Reisemobil-Tourismus oder aber bauen bereits vorhandene Stellplätze besser aus. Das jüngste Beispiel gibt die Gemeinde Poppenhausen unweit der Wasserkuppe. Bei der Stellplatz-Inspektion im Juli war der Übernachtungsbereich am Freizeitgelände zwar noch nicht ganz fertig, aber im Prinzip schon benutzbar. Ent- und Versorgungsstation und Stromsäulen, so ist aus dem Ort zu hören, sollen noch in diesem Monat in Betrieb gehen.

In Rasdorf im hessischen Kegelspiel, dem Landstrich östlich der Stadt Hünfeld, findet sich ein ebenfalls noch junger und ganz ähnlicher Stellplatz. Auch hier gliedert sich der Stellplatz an das Freizeitgelände an, auch er ist mit St-San und Stromsäule gut ausgestattet. Typisch für die Entwicklung des Reisemobil-Tourismus ist die ähnliche Anlage und Ausstattung benachbarter Stellplätze: Die hessischen Rhön-Kommunen installierten auf ihren Stellplätzen vorzugsweise die St-San-Station und münzbetriebene Stromsäulen, die ebenfalls von der Berliner Firma RWD stammen.

Ähnlichkeiten fallen auch bei der Anlage dieser meist kleinen Stellplätze und bei der Preisgestaltung auf, die angesichts der guten Ausstattung angemessen ist – die reine Stellplatzgebühr bewegt sich in der nördlichen Rhön um die fünf Euro pro Nacht und Mobil.

Die gemeinsamen Wurzeln der Stellplätze lassen sich nicht verleugnen. Ihren Ausgangspunkt nahm diese unter dem Strich sehr erfreuliche Entwicklung in Hünfeld. Die Stadtväter dieses eher unscheinbaren Fleckens ließen sich durch zwei ortsansässige Reisemobilisten, Josef Wirth und Dieter Steinacker, animieren, einen kleinen, aber feinen Reisemobilhafen anzulegen, und dieses gute Beispiel strahlt einige Jahre später in die Region aus.

Dritter im Bunde ist die Stadt Tann/Rhön. Auch hier haben die Stadtväter mit dem Festplatz Am Unsbach bereits ein ausgesprochen einladendes, weil zugleich innenstadtnahes, ruhiges und schön begrüntes Terrain für einen Stellplatz ausgemacht, doch lassen die spezielle Ausweisung der Übernachtungsflächen sowie die entsprechenden Installationen – Ent- und Versorgungsstation, Stromsäulen – noch ein wenig auf sich warten. Dazu Bürgermeister Markus Meysner: „Im Prinzip ist der Stellplatz jetzt schon nutzbar.“ Sobald die Fördermittel aus dem Leader-plus-Programm vorlägen, so das Stadtoberhaupt weiter, gingen die Arbeiten voran. Meysner hofft, dass der Stellplatz zur Reisesaison 2005 fertig gestellt sein wird.

Die Fahrt nach Tann lohnt sich aber schon heute, denn mit historischer Innenstadt, Museumsdorf und Grenzmuseum hat der Ort einiges zu bieten. Allein, die Anreise könnte sich auf den letzten Kilometern schwieriger gestalten als gedacht, denn wer sich aus Richtung Süden auf der B 278 der Stadt nähert, strandet vor einem niedrigen Stadttor.

Faustregel: Den Lkw-Schildern folgen, einen Bogen um Marktplatz und Steinweg fahren und dann von oben in die Brunnengasse zum Stellplatz einbiegen.

Die bayerische Rhön bietet ein ähnliches Bild. Erfreulichster Neuzugang unter den reisemobilfreundlichen Gemeinden ist hier die Stadt Hammelburg, die ihren Reisemobil-Stellplatz auf dem Parkplatz Am Bleichrasen komplett überarbeitet hat. Nicht nur wegen der verkehrsgünstigen Lage unweit der Nord-Süd-Autobahn A 7 lohnt sich der Abstecher. Das Städtchen gehört auch zu den Weinbau treibenden Gemeinden in Franken, und das macht die Sache im nahenden Herbst besonders lohnend.

Der Stellplatz jedenfalls zeigt sich auch anspruchsvollen Gästen gewachsen. Zwei L-förmig angeordnete Parkstreifen sind per Schild für Reisemobile reserviert, und daran scheinen sich, nach dem Eindruck bei der unangemeldeten Inspektion, selbst Pkw-Fahrer zu halten – in Bayern scheinen die Uhren anders zu gehen als sonstwo. Eine gute Erklärung dafür hat Karlheinz Franz parat, Lokaljournalist, Reisemobilfahrer und Berater bei der Stellplatzkonzeption in einer Person. „Wir haben bei der Stellplatzplanung mit der Stadt auch darüber gesprochen, und die hat zugesagt, in den ersten Wochen nach Stellplatzeröffnung zu kontrollieren und Pkw-Fahrer vom Stellplatz zu verweisen.“ Auf seinen Einfluss gehen auch die anderen praxisnahen Detaillösungen zurück, die den Stellplatz von Hammelburg aus der Menge herausragen lassen: die großzügige Info-Tafel am WC-Haus etwa, die sich außer touristischen Anregungen auch den wichtigsten Fragen bei technischen Problemen in und mit dem Reisemobil widmet. Verbesserungen finden sich auch auf anderen Stellplätzen in der bayerischen Rhön.

Die Stadt Münnerstadt hat ihren kleinen, aber feinen Stellplatz renoviert und mit einer Holiday Clean ausgestattet. Anlagen des gleichen Typs stehen auch auf den Nachbarstellplätzen in Ostheim vor der Rhön und in Bischofsheim an der Rhön – im bayerischen Teil dominiert die Station aus dem Hause Freizeit Reisch im nahen Röthlein.

Umweltbewusste Reisemobilfahrer werden es mit Freude registrieren: Die Zeit der einfachen Übernachtungsplätze ohne jede umweltgerechte Ent- und Versorgungseinrichtung geht auch in der Rhön zu Ende. Einen Sonderfall markieren die fünf Heilbäder, die sich gemeinsam als „Bäderland Bayerische Rhön“ vermarkten. Trotz des wohlklingenden Titels dieser Arbeitsgemeinschaft könnte die Stellplatzsituation unterschiedlicher kaum sein.

Die Spitze hält, nach wie vor unangefochten, Bad Königshofen. Der kleinstädtische Kurort besitzt mit seiner Kombination aus modernem Reisemobilhafen unmittelbar neben der Therme und zahlreichen Pauschalen zu Fitness, Wellness und Gesundheit ein in Deutschland einmaliges Angebot.

Als Schlusslicht grüßt, ausgerechnet, mit Bad Kissingen das traditionsreichste, renommierteste Staatsbad der Region. Die erst vor wenigen Monaten mit einigem Aufwand feierlich eröffnete „Kiss-Salis-Therme“ besitzt zwar alles, was das Herz des Besuchers begehrt, einen Stellplatz sucht der mobile Gast jedoch vergebens. Mehr noch, auf den Parkflächen weisen Schilder ausdrücklich darauf hin, dass das Parken auch auf dem für Reisemobile beschilderten Bereich nur bis ein Uhr nachts gestattet ist.

Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich auch die Stellplätze in den anderen drei Kurorten der bayerischen Rhön: Erfreulich ist vor allem die Entwicklung in Bad Bocklet. Die Bauarbeiten an dem neuen Großparkplatz am Kurgarten gehen in diesen Wochen zu Ende, und damit finden Reisemobilfahrer eine neue und durchaus empfehlenswerte Etappenstation. Am Rand des Geländes ist ein verbreiterter und verlängerter Parkstreifen extra für Reisemobile reserviert. Dieser befindet sich am hinteren und damit ruhigeren Ende des Geländes und schließt sich an weitläufige Grünflächen an. Die Ausstattung mit Entsorgungsstation und Stromsäulen entspricht dem insgesamt guten Standard der Stellplätze in der Rhön.

Bad Bocklet ist allerdings weit davon entfernt, den Charme oder den Status von Bad Kissingen aufbieten zu können. Es ist vielmehr ein kleiner, fast schon ländlicher Ort, der immerhin mit einem großen Kurpark aufwarten kann. Und: Im Sommer verbindet eine historische Postkutsche das beschauliche Bad Bocklet mit dem sich gern mondän gebenden Bad Kissingen. Einen Neubau hat auch Bad Neustadt an der Saale angekündigt, doch hat sich das Projekt verzögert.

Kurdirektor Bernhard Mosandl hofft, das auf 80 Plätze vergrößerte Areal im Winter eröffnen zu können. Der Stellplatz im nahen Bad Brückenau, ebenfalls ein bayerisches Staatsbad von Rang, fällt im Vergleich dazu stark ab. Vor über zehn Jahren fanden Reisemobilfahrer einen Stellplatz vor dem Spaßbad Sinnflut, der sich mit dem damaligen Standard des Angebotes von Bad Königshofen vergleichen ließ. Doch seitdem haben beide Kurorte unterschiedliche Wege eingeschlagen. Während Bad Königshofen seinen Stellplatz mehrfach ausgebaut und verbessert hat, hat das Staatsbad seinen Übernachtungsplatz nur verlegt: etwas weiter weg von den engen Parkflächen am Spaßbad, unglücklicherweise auf einen schmucklosen Schotterplatz zwischen Bundesstraße und Bahngeleisen. Zeitgemäß ist dieser Stellplatz genauso wenig wie einfache Plätze im thüringischen Teil der Rhön – hier bleibt doch noch etwas zu tun.

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21. September 2004
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