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Ratgeber: Blickpunkt: Nieder- und Oberösterreich

Nieder- und Oberösterreich: Die beiden Länder heißen Reisemobilisten in der Alpenrepublik sehr willkommen.

Mit Österreich war es jahrelang so eine Sache. So imposant die alten Kulturstädte des Landes wie Salzburg, Graz oder Innsbruck auch strahlten, so einladend die Flusslandschaften, Seen, Gebirge und Wintersportgebiete der Alpenrepublik für aktive Urlauber auch schienen, auf viele Reisemobil-Touristen wirkten die zahlreichen Attraktionen des kleinen Landes nur blass und wenig einladend.

Stattdessen bestimmten Ärgerthemen wie Straßenmaut und Übernachtungsverbote das ungastlich erscheinende Bild des Nachbarlandes und sorgten so dafür, dass die ersten zarten Keime des Reisemobil-Tourismus außerhalb der Landesgrenzen kaum oder gar nicht wahrgenommen wurden.

Entsprechend drastisch fiel die Quittung aus. Bei der Peters-Studie zum Reisemobiltourismus (promobil 10/2003) kam das Nachbarland unter den beliebtesten Zielen für Reisemobilfahrer weit abgeschlagen unter „ferner liefen“ ins Ziel.
Dabei sind Teile Österreichs, um es klipp und klar zu sagen, als Ziel für Reisemobilisten viel attraktiver, als es gemeinhin wahrgenommen wird, allen voran Niederösterreich und Oberösterreich. Die beiden Infotheken dieses Beitrags listen knapp 20 Stellplätze in diesen beiden Bundesländern auf, die sich wunderbar zu einer ein- oder zweiwöchigen Rundreise verbinden lassen.

Ausführliche Beschreibungen dieser und weiterer Plätze, ihrer Anlage und Ausstattung sowie der touristischen Attraktionen stehen im neuen promobil-Stellplatz-Atlas Alpenländer.

Die Stellplatzsituation in diesen beiden Bundesländern erinnert stark an die Anfänge im Deutschland der neunziger Jahre. Die Menschen in Oberösterreich und Niederösterreich mögen den Vergleich verzeihen, aber auch hier waren es die Regionen abseits der großen Reiseströme wie Nordhessen oder die Mosel, die sich mit speziellen Angeboten, vor allem Stellplätzen für Reisemobile, von der Menge abhoben.

Der Erfolg dieser Aktionen hält bis heute an und spricht Bände. Bei der bereits genannten Studie gewann die Mosel unter den promobil-Lesern das Prädikat „Reisemobilfreundlichste Region“ und verwies weit bekanntere Ferienlandschaften wie etwa die Ostsee oder Oberbayern auf die Plätze. Und: Mit dem Weindorf Minheim gewann ein 800-Seelen-Flecken gleich drei Mal in Folge die Wahl zur promobil-Gemeinde des Jahres und hängte dabei Renommier-Orte wie Füssen oder Zingst glatt ab.

Parallelen ergeben sich auch in einem anderen Punkt. In Nieder- und Oberösterreich finden sich heute vor allem kleinere Stellplätze. Diese weisen meist auch die wichtigsten Einrichtungen für den reisemobilen Alltag auf, ihre Kapazität aber ist oft so begrenzt, dass sie kaum eine größere Wirkung für den Tourismus haben werden.

Beispiel Wachau: Der malerische Abschnitt der Donau zwischen Melk und Krems gehört nicht nur dank seiner Burgen, Klöster und Städte zum Weltkulturerbe der Unesco, er birgt mit seinen vorzüglichen Weinen und kulinarischen Spezialitäten auch alle Voraussetzungen, eine neue Zielgruppe für die Region zu begeistern.

In Aggsbach, mitten in der Wachau also, finden sich glücklicherweise gleich zwei Stellplätze. Einer, in Aggsbach-Dorf, befindet sich auf dem Grundstück eines Landgasthofes und gehört zu den guten Angeboten dieser Art. Hier stehen die Mobile nicht auf dem Pkw-Parkplatz vor dem Haus, sondern auf einem geschützten Schotterplatz hinter dem Gasthof. Stellplatz Nummer zwei in Aggsbach-Markt hingegen liegt direkt an der Donau und bringt also theoretisch alle Voraussetzungen für einen echten Erfolgsplatz mit. Praktisch allerdings fällt seine Kapazität zu klein aus, um einem größeren Andrang zur Weinlese oder zur Blütezeit gewachsen zu sein. Das touristische Potenzial bleibt also letztlich unausgeschöpft. Mehr Raum weist ein Stellplatz im Hinterland der Donau gut 700 Meter oberhalb des Flusses auf. An der Jausenstation „Zum Gießhübler“ bietet Kurt Prebenreuther ein leicht gewelltes, naturbelassenes Wiesengrundstück als Übernachtungsplatz für Reisemobilisten an, die bei ihm einkehren. Wer gerne mitten in der Natur steht, die Nähe zu einem Streichelzoo und einen weiten Blick auf ferne Bergketten zu schätzen weiß, der sollte die kurze Fahrt von der Donau in den Naturpark Jauerling-Wachau auf sich nehmen. Prebenreuther trägt sich übrigens mit Ausbauplänen. Sollte der Stellplatz gut angenommen werden, will er den Untergrund begradigen, eventuell auch befestigen, Stromsäulen und einen Frischwasseranschluss setzen.

Private Stellplatzbetreiber sind aber auch in Ober- und Niederösterreich noch die Ausnahme. Wenn sie überhaupt auftreten, dann betreiben sie im Haupterwerb in der Regel eine Gaststätte, gelegentlich auch einen Bauernhof. Die weit überwiegende Zahl der Stellplätze liegt jedoch in kommunaler Hand. Auch dies ist eine Parallele zur frühen Stellplatzlandschaft einst in Deutschland. Und auch heute finden sich die typischen Klassiker der Szene wieder: Parkplätze an Hallen- und Freibädern oder bei Sportanlagen und anderen Freizeiteinrichtungen. Ihr Standard ist höchst unterschiedlich. Das größte Problem stellt in der Regel die schlechte oder nur indirekte Ausschilderung der Stellplätze im jeweiligen Ort dar. Wegweiser mit dem Reisemobil-Symbol finden sich nur selten, gelegentlich können sich die Reisemobilisten wenigstens an ausgeschilderten Freizeiteinrichtungen orientieren, die in Stellplatznähe liegen.

Zwar ist der eigentliche Übernachtungsbereich in der Regel dann oft durch ein Schild markiert, aber bei der Ausstattung wechseln sich gute Angebote wie in Königswiesen oder Arbesbach ab mit einfachen Übernachtungsplätzen ohne jede Ausstattung wie in Waldhausen oder in Langschlag. Ent- und Versorgungssäulen, wie in Deutschland oder Frankreich üblich, gibt es nur selten. So bilden die Städte Stockerach und Kritzendorf zwei Ausnahmen Andernorts müssen Reisemobilfahrer auf einfachere, aber in der Szene durchaus beliebte Einrichtungen zurückgreifen: Bodeneinlässe und Frischwasserzapfstellen. So gut diese simplen Helfer im Sommer auch sein mögen, in der kalten Jahreszeit fallen sie wegen Frost in der Regel aus. Von einem Punkt aber profitieren fast alle Angebote: Das kleinstädtische oder dörfliche Umfeld der zumeist ländlich strukturierten Regionen wirkt durch die Bank einladend, freundlich und auch sicher. Von Verwahrlosung findet sich im ländlichen Österreich glücklicherweise keine Spur.

Was also bleibt von der Reisemobiltour durch diese beiden Bundesländer der Alpenrepublik? Zunächst einmal ein überraschend positiver Eindruck. Auch wenn es auf dem einen oder anderen Stellplatz noch ein wenig klemmt: Unter dem Strich lohnt sich die Reise. Ähnlich wie in Deutschland lassen sich in den kleinen Städten und Dörfern mit Stellplatz verborgene Attraktionen entdecken, erschließen sie attraktive Mittelgebirge und Weinregionen, führen indirekt zu Burgen, Klöstern und Denkmälern, die ohne eine reisemobilfreundliche Etappenstation unentdeckt geblieben wären. Nur eines fehlt noch: eine Gemeinde oder ein Investor, die das gute Beispiel von Rotenburg für sich entdecken und sich aufmachen, mit einem großen und modernen Reisemobilhafen die Schrittmacherdienste für die mobile Szene zu leisten, die einst Manfried Gesemann in dem Fachwerkstädtchen an der Fulda vollbrachte: Österreich hätte es verdient.

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Datum

10. Juni 2005
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