Zoom

Reise-Tipp Deutschland: Mecklenburgische Seen

Erkundungstour im Hinterland der Ostseeküste: Viel versprechende Stellplatz-Projekte von privaten Investoren & Campingplatzbetreibern bringen neuen Schwung in eine der schönsten Regionen Deutschlands.

Über einen Mangel an Besuchern kann sich die Familie Steindorf in Waren (Müritz) wirklich nicht beklagen. Reisemobil drängt sich auf dem Stellplatz hinter ihrem Blumenhaus an Reisemobil, ein freies Plätzchen lässt sich in der Saison, wenn überhaupt, nur früh am Tag erwischen. „So ist das schon seit Himmelfahrt“, sagt Seniorchef Manfred Steindorf, „und das bleibt so bis in den Herbst hinein.“

Ein ähnliches Bild herrscht oft auch auf den anderen bekannten Stellplätzen an der Mecklenburgischen Seenplatte in Röbel, Sembzin oder Lenz, die den Andrang im Sommer oder an den heißen Reise-Wochenenden oft nicht mehr fassen können. Auch die wenigen kommunalen Stellplätze wie hinter dem Bürger- und Verwaltungszentrum von Waren wirken da nur wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.

Das Gebot der Stunde ist also klar: Neue Stellplätze zu einem fairen Preis müssen her, will die Region hinter der Küste unter Reisemobilfahrern nicht einen ähnlich problematischen Ruf bekommen, wie ihn sich die Ostseeküste mit ihren wenigen guten Stellplätzen und ihrer oft atemberaubenden Preispolitik schon verschafft hat. Die gute Nachricht zuerst: Diese neuen Stellplätze gibt es schon, sie sind zum Teil sogar brandneu oder erleben nach vorsichtigem Probebetrieb im vergangenen Sommer ihre erste richtige Saison und sind daher noch nicht sehr bekannt.

Ganz im Norden des Seenlandes, etwa 20 Kilometer südöstlich von Wismar, hat vor wenigen Wochen der „Wohnmobilpark Neuklostersee“ seine Tore geöffnet, den ein aus dem Nordhessischen zugewandertes Ehepaar betreibt: Anka und Michael Korte. Beide sind selbst Reisemobilfahrer, und das ist dem Projekt auch anzusehen: Von der Lage – der Stellplatz grenzt direkt an den Neuklostersee – über die Ausstattung – für Strom, Ent- und Versorgung, Gasnachschub ist gesorgt – bis hin zur naturnahen Gesamtanlage dürfte sich dieser Stellplatz zu einem Modellprojekt für ganz Mecklenburg-Vorpommern entwickeln.

Das Besondere daran: Der Stellplatz grenzt direkt an den See, was angesichts der strengen Landschaftsschutzgesetze des Landes nur mit Unterstützung durch den Bürgermeister Klaus Becker und Landrat Erhard Bräunig möglich wurde. Bei der Anlage überzeugt vor allem die Verteilung der 69 Parzellen. Von der Einfahrt führt eine mit Recycling-Material befestigte Ringstraße über das gesamte Gelände. Von ihr zweigen im 60-Grad-Winkel angelegte, nicht ganz ebene, aber ebenfalls befestigte Stellflächen ab, jede mit einem Grünanteil für Tisch und Stuhl versehen.

Das Rangieren, so hatten die Kortes beabsichtigt, soll ein Kinderspiel sein. „Einige Gäste hatten damit so ihre Probleme“, fasst Korte die Erfahrungen der ersten Wochen zusammen, „sie wollten partout nicht vorwärts einparken.“ Die Betreuung der Gäste ist ebenfalls gesichert. Anka Korte hat sich samt den Hunden Anton und Cora in ihrem Frankia auf dem Stellplatz niedergelassen, doch das ist nur eine vorübergehende Lösung. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, will das Ehepaar ein Gebäude errichten, das außer dem Empfang auch noch Sanitäranlagen mit Duschen und Toiletten enthalten soll. Fertigstellung: voraussichtlich im Herbst. Schon benutzbar, aber noch nicht ganz fertig ist der zweite neue, ebenfalls privat betriebene Reisemobilhafen der Mecklenburgischen Seenplatte.

In Priepert, einem 300-Seelen-Dorf am Großen Priepertsee südöstlich der Müritz, entsteht in diesen Wochen oberhalb der Badestelle ein Reisemobilhafen für gut 20 Fahrzeuge. Auch wenn der Endausbau noch nicht ganz abgeschlossen ist, lassen sich die Grundzüge des Stellplatzes schon erkennen: Auch hier gibt es einen separaten Servicebereich samt Bodeneinlass hinter der Einfahrt, das Gelände soll gleichfalls parzelliert werden, und auch hier entsteht ein nagelneues Sanitärgebäude.

Die aufwendige Anlage hat einen guten Grund: Beide Stellplätze sind nach der Campingplatzverordnung zugelassen, und die legt Wert auf eine Ausstattung und Anlage, die weit über das hinausgeht, was bisher auf Stellplätzen üblich war. Einen Riesensprung nach vorn macht auch das Stellplatzangebot im nahen Neubrandenburg. Ganz in der Nähe zu dem bekannten, einfachen Übernachtungsplatz auf einer Lichtung am Augustabad finden Reisemobilfahrer am Wassersportzentrum einen weiteren Stellplatz der modernen Machart: parzelliert, gut ausgestattet sowie in ruhiger, aber touristisch attraktiver Umgebung fast unmittelbar am Seeufer. Ein weiterer Vorteil privater Plätze: Die Sicherheit der Gäste ist dank stets anwesender Betreiber erheblich größer als auf kommunalen und daher meist anonymen Plätzen – leider ein typisches Problem in den neuen Ländern.

Beispiel Grabow: Das Städtchen an der Elde-Müritz-Wasserstraße weist im Hafen einen kleinen, aber schmucken Stellplatz aus, nur wenige Meter von den Sportbooten entfernt und quasi mitten in der Innenstadt. Wer genau hinsieht, entdeckt aber verräterische Spuren: Der benachbarte Wendeplatz ist übersät mit den Resten nächtlicher Treffen – Glassplittern und Zigarettenkippen. Die unbewohnte Villa dahinter besitzt kaum noch eine heile Fensterscheibe, die ohnehin nur per Münzeinwurf zu öffnenden Sanitäranlagen sind in der Nacht ganz versperrt. Und – einzigartig in Deutschland – ein gemauertes Häuschen schützt die Entsorgungsstation. Überzeugen kann hingegen der ebenfalls private Stellplatz im Festungsstädtchen Dömitz an der Elbe.

Zwar ist dieser Platz nicht ganz so aufwendig angelegt wie sein Pendant in Neubrandenburg, dafür bietet er aber noch etwas mehr Parkraum, und auch die Ausstattung geht absolut in Ordnung. Unverkennbar ist das Bemühen der Campingplatzbetreiber in Mecklenburg-Vorpommern, mit dieser stürmischen Entwicklung Schritt zu halten. Zunächst einmal weisen einige Unternehmer „Quick-Stop-Plätze“ aus, auf denen Reisemobilisten zwischen 20 Uhr und neun Uhr morgens gegen eine günstigere Gebühr stehen können. Auch richten einige Campingplatzbetreiber Stellplätze für Reisemobile ein, die sich zumeist vor dem beschrankten Campingbereich befinden. Ihr Niveau ist allerdings sehr unterschiedlich.

Typisch fällt der Übernachtungsplatz am Campingplatz „Sternberger Seenlandschaft“ in Sternberg aus. Der Stellplatz liegt oberhalb des Campings im Grünen und besitzt immerhin Stromanschlüsse. Ent- und Versorgungseinrichtungen aber befinden sich hinter der Schranke auf dem eigentlichen Gelände. Andere Angebote können nur teilweise überzeugen.

Am Campingpark Sommersdorf am Kummerower See in der Mecklenburgischen Schweiz steht Reisemobilisten ein einfacher Pkw-Parkplatz ohne jede Ausstattung, dafür aber immerhin in Seenähe zur Verfügung. Im benachbarten Meesiger können sie auf einen unbeschrankten, etwas abschüssigen Teil des Campings „Gravelotte“ fahren, der zum Großteil von Dauercampern besetzt ist. Der viel besser als Stellplatz geeignete, weil ebene Parkplatz am Fuß dieser Anhöhe bleibt motorisierten Badegästen mit Pkw vorbehalten – schade.

Einen guten, mit den neuen Reisemobilhäfen vergleichbaren Standard bietet der Insel-Camping Werder bei Alt Schwerin am Plauer See. Das Gelände liegt vor dem Dauercamperbezirk am See, ist für Mobile reserviert und auch parzelliert, gut ausgestattet sowie jederzeit erreichbar. Aber: Nur ein Teil grenzt an den Schilfgürtel, der zweite Parkstreifen liegt unterhalb der Zufahrtsstraße – der Parkraum dazwischen ist für Pkw von Besuchern gedacht.

Beim Preisniveau treffen sich die neuen Reisemobilhäfen und die Übernachtungsplätze vor Campinganlagen trotz aller Unterschiede in Anlage und Ausstattung wieder. Ein billiges Urlaubsland war Mecklenburg-Vorpommern noch nie, und das zeigt sich auch im Hinterland der Ostseeküste.

Faustregel: Eine Nacht schlägt in der Regel etwa mit zehn Euro pro Nacht und Mobil zu Buche, manchmal etwas mehr, manchmal etwas weniger. Angesichts der sehr unterschiedlichen Leistungen für dieses Geld darf man den neuen und deutlich komfortableren Reisemobilhäfen eine große Zukunft prophezeien.

promobil Logo

Autor

Datum

26. August 2004
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
06:27 Bürstner Lyseo 2016 Supercheck vor einem Monat
475 Aufrufe
Der markante Rahmen mit den c-förmigen Rückleuchten prägt die Rückseite des C-Tourer. 10:39 Carthago C-Tourer I im Supercheck vor einem Monat
858 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z