Reifen Karkasse Bordstein 4 Bilder Zoom

Basiswissen Wohnmobil-Reifen: Kennzeichnungen und Codes verstehen

Auf seiner Flanke präsentiert der Reifen seine persönlichen Daten. Codes und Kürzel verraten Dimension, Alter, wie schnell und mit welcher Last der Pneu rollen darf. Eine kleine Lesehilfe.

Reifen sind das einzige Zubehörteil, dem Name und alles Wissenswerte auf die Seite geschrieben ist. Keine Felge, kein Sitz, kein Scheinwerfer darf das derart prominent. Doch nicht jedem Camper sind die Ziffern und Buchstaben auf der Seitenwand geläufig.

Nehmen wir zum Beispiel einen Reifen des Formats 225/75 R 16 CP 116 R. Was sagt uns diese Bezeichnung? Nun, dieser Reifen ist 225 mm breit, das Verhältnis von Flankenhöhe zu Reifenbreite beträgt 75 Prozent. Das R steht für die Radialbauweise der Karkasse, also das tragende Gerüst des Reifenunterbaus. Darin verlaufen die stabilisierenden Karkassfäden von einer Seite des Reifens quer hinüber zur anderen Seite, also in Richtung des Radius des Reifens (daher "radial"). Die Zahl 16 in unserem Beispiel besagt, dass Reifeninnen- und Felgenaußendurchmesser 16 Zoll betragen. 1 Zoll entspricht 25,4 Millimeter, macht in Summe 40,6 Zentimeter. Weiter geht's mit der Entschlüsselung: Hinter "CP" versteckt sich schlicht der Begriff "Camping", doch dieses Merkmal unterscheidet den Reifen vom sonst üblichen "C"-Reifen, dem er entstammt. C steht übrigens für "Commercial", ist somit für den gewerblichen Einsatz ausgelegt und verträgt unsanftere Behandlung besser als z. B. Pkw-Reifen. Mit unsanft sind gemeint: Bordsteinkanten, Fahrbahnunebenheiten, Kies, Steine usw.

Der teurere CP verfügt über eine abermals verstärkte, steifere Karkasse und darf deshalb mit bis zu 5,5 bar betrieben werden (C-Reifen gemeinhin bis 4,5 bar). Direkt unterhalb der plakativen Kürzelschlange taucht diese nochmals in Miniaturform auf, jetzt mit zusätzlichen Informationen. Hier taucht nun ein für uns Camper enorm wichtiger Wert auf, nämlich der Lastindex (kurz: LI). Dieser beträgt hier 116. Wir schauen in die Tabelle und entdecken, dass jeder einzelne Reifen am Fahrzeug bis zu 1.250 Kilogramm Last tragen darf. Macht bei vier Reifen in Summe 5.000 kg. Das Fahrzeug darf also kein Gramm mehr wiegen als diese 5.000 kg; das zulässige Gesamtgewicht bleibt üblicherweise jedoch ohnehin deutlich darunter.

Wichtige Info in diesem Zusammenhang: Wer beim Reifenneukauf die günstigeren C-Reifen montieren lässt, muss unbedingt auf den mindestens erforderlichen LI (Last-Index) achten. Einen CP mit LI = 116 muss man also mit einem C gleichen LIs (oder höher) ersetzen. Gelegentlich werden hier auch Doppelangaben gemacht, z. B. 118/116. Dies betrifft die meist tragfähigeren Fahrgestelle mit Zwillingsbereifung an der Hinterachse. Hierbei steht die 118 für den Einsatz des Reifens als Single-, die 116 für den Einsatz als Zwillingsreifen.

Reifen-Kennzeichnungen verstehen

Und es geht weiter mit der Flanken-Erkundung, wir entdecken noch ein kleines R, das aber an dieser Stelle nicht den Radialreifen symbolisiert. Vielmehr markiert dieser Buchstabe den Speed-Index, also die maximal zulässige Geschwindigkeit des Reifens. Wieder hilft uns die Tabelle weiter: Unser Beispiel-Reifen darf demnach bis zu 170 km/h schnell rollen. Wichtig zu wissen: Die Maximal-Geschwindigkeit des Reifens muss mindestens so hoch oder besser höher als die eingetragene Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs sein.

Kommen wir nun zu der berühmten DOT-Nummer. DOT steht für "Department of Transport" und umschreibt das US-amerikanische Verkehrsministerium. Die ersten beiden Ziffern geben die Kalenderwoche, die beiden letzten das Produktionsjahr an. 4715 entschlüsselt sich somit zu 47. Woche des Jahres 2015.

Führen wir den Finger noch etwas weiter über die Seitenwand. Dabei stoßen wir immer wieder auf das Kürzel "TWI". Auch dieser Begriff stammt aus dem englischen Sprachraum und heißt "Tread Wear Indicator", treffend übersetzt mit Verschleißanzeiger. Diese weisen mit einem Pfeil auf kleine, exakt 1,6 mm hohe Gummi-Erhebungen im Profilgrund. Berührt nur ein TWI gerade eben die Fahrbahnoberfläche und wird dadurch sichtbar angeraut, so ist allerspätestens jetzt das Lebensende des Reifens gekommen: Dieser Pneu darf im öffentlichen Straßenverkehr nicht mehr benutzt werden. Das ist aber nur die juristische und erstaunlich lasche Regelung. Sommerreifen sollten erfahrungsgemäß spätestens bei drei, Winterreifen bereits bei vier Millimeter Restprofiltiefe getauscht werden. Danach gehen nämlich die Sicherheitseigenschaften des Reifens speziell bei Nässe massiv in den Keller. Per Gesetz gibt es übrigens keine Höchstgrenze für das Reifenalter. Experten raten jedoch, Reifen nach etwa sechs Jahren zu tauschen, weil mit dem Alter das Material verhärtet und deshalb der Grip abnimmt.

Radialreigen im Querschnitt

Bis zu 40 Einzelteile. Reifenunterbau, Stahlgürtelverbund und Laufstreifen bilden die wichtigsten Reifenbauteile. Die Gummimischung des Profils enthält hohe Anteile Silica (Kieselsäurederivat), was die gleichzeitige Optimierung von Haftung und Rollwiderstand ermöglicht.

Autor

Foto

Andreas Becker

Datum

15. April 2017
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 04/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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