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Ratgeber: Aktion: Best-Ager-Mobil

Dethleffs und promobil entwickeln ein Reisemobil für die Generation 50 Plus. Machen Sie doch mit!

Was ist eigentlich ein Best-Ager? Wörtlich übersetzt: ein Mensch im besten Alter. Statistisch gesehen zählen Best-Ager zur am schnellsten wachsenden Altersgruppe unserer Gesellschaft, der so genannten 50-Plus-Generation. Betrachten wir ihn von seiner Warte: Ein Best-Ager ist zwar keine 30 mehr, nicht mehr ganz so beweglich und schnell, und vielleicht plagt ihn gelegentlich auch das eine oder andere Zipperlein. Aber er möchte sein Leben aktiv gestalten und mit seiner Freizeit etwas Sinnvolles anfangen – weil er möglicherweise nicht mehr arbeitet, weil Haus oder Wohnung abbezahlt sind und er deshalb auch finanziell größere Freiheiten genießt.

Best-Ager sind längst die wichtigste Zielgruppe der Reisemobilhersteller. Kurios, dass Reisemobile vielfach kaum die Bedürfnisse älterer Menschen berücksichtigen. Dass man zu manchem Stauraum immer noch tief in die Knie gehen muss, mancher Gasflaschenwechsel zur echten Kraftprobe wird und man sich beinahe die Finger bricht, um ein simples Frostwächterventil wieder zu schließen.
Mit Hilfe des so genannten Age Explorers, eines speziell präparierten Anzuges, der mögliche körperliche Einschränkungen im reiferen Alter simuliert, wagte promobil bereits vor zwei Jahren erstmals eine Bestandsaufnahme über die Senio­rentauglichkeit von Reisemobilen. Das Ergebnis fiel eher ernüchternd aus.
Genau darum geht es. Wir brauchen Reisemobile, die problemloser und bequemer zu bedienen sind, mit denen man auch mit 75 noch einfach zurechtkommt – auch wenn man natürlich bereit ist, bei einem Reisemobil gewisse Zugeständnisse zu machen.
promobil und Dethleffs möchten dieses Reisemobil bauen – mit Ihrer Erfahrung und Ihrer Mithilfe und ohne Menschen in den besten Jahren als alt oder unfit zu stigmatisieren. Denn was älteren Reisemobilfahrern leichter von der Hand geht, kommt schließlich auch den jungen zugute.
Die Zusammenarbeit zwischen Dethleffs, promobil und seinen Lesern hat Tradition. Auf Einladung von promobil plan­ten Leser bereits Grundrisse zahlreicher von Dethleffs gebauter Reisemobile, unter anderem den legendären Bus 2. Jüngst gab auch der Erfolg des Frauenmobils – mit dem Caravaning Design Award ausgezeichnetes Gemeinschaftsprojekt von promobil, Dethleffs und einem weiblich-kreativen Entwicklerteam – ermutigende Anstöße in Richtung einer stärkeren Nutzerorientierung. Davon inspiriert, kommt das Best-Ager-Projekt so gut an, dass es bereits Nachahmer findet.
Schon im Kontext der Vorstellung des Frauenmobils Anfang dieses Jahres führte Deth­leffs auf der CMT und im Internet Befragungen über das Best-Ager-Mobil durch. Zudem konnte der Hersteller für die wissenschaftliche Vor­pla­nun­g­ Professor Horst Pichert, den Leiter des Fachgebietes Haushalttechnik an der TU München (siehe Interview) gewinnen. Derzeit erarbeitet eine Diplomarbeit die Datenbasis für den Ist-Zustand der Freizeitform Caravaning in Bezug auf Seniorenfreundlichkeit.
Deth­leffs-Hausdesigner Michael Studer kreiert ebenfalls schon erste Entwürfe, die bereits auf dem Caravan-Salon im August beurteilt, kritisiert und ergänzt werden dürfen.

Die Zielrichtung ist klar: mehr Sicherheit und mehr Komfort durch funktionale und einfach zu bedienende Lösungen. Das genaue Ergebnis ist noch völlig offen. Nicht ohne Grund: Zu konkrete Vorstellungen verbauen oft genug den Blick für die entscheidenden Details.
Welche Aufbauform halten Sie für die richtige? Welches Basisfahrzeug soll es sein? Wünschen Sie sich Automatik oder Schaltgetriebe? Längs-, Quer- oder Einzelbet­ten? Tut’s ein kleiner oder soll es ein gro­ßer Kühlschrank sein? Wie breit muss eine Eingangstür sein?
Zur Beantwortung dieser und anderer Fragen veranstalten Dethleffs und promobil ein offenes Forum auf dem Caravan-Salon (siehe Kasten auf Seite 151). Neben dem Ausfüllen von Fragebögen haben Sie die Möglichkeit, aktiv mit Bas­telbögen zu experimentieren, frei Ihre Idealvorstellungen zu Papier zu bringen oder Ihre Ansprüche persönlich im Gespräch zu äußern. Sollte sich aus dieser breiten Datenbasis keine konkrete Vorstellung herauskristallisieren, wird ein Team erfahrener Reisemobilisten das Best-Ager-Mobil weiterentwickeln.
Bereits auf dem Caravan-Salon 2007 soll das Resultat präsentiert werden. Die ersten Ergebnisse können Sie schon in der nächsten promobil-Ausgabe bestaunen.

Weitere Informationen:
Best-Ager-Mobil

So können Sie mitmachen

Geschmäcker sind verschieden, Ansprüche unterschiedlich. Deshalb sind viele Mitmacher gefragt, denn die Planung für das Best-Ager-Mobil soll auf einer breiten Basis stehen. Zwei Dinge sollten alle Planerinnen und Planer allerdings einen. Sie sollten mindestens fünfzig Jahre alt sein und über mindestens zehn Jahre Erfahrung – idealerweise schon mit dem zweiten oder dritten Reisemobil – verfügen. Zum Caravan-Salon haben Sie auf dem Deth­leffs-Stand in Halle 11 und im Internet die Möglichkeit, Ihre Wünsche auf vorgefertigten Fragebögen zu formulieren. Parallel können Sie natürlich auch eigene Entwürfe skizzieren. Sammelstelle ist auch hierfür der Deth-leffs-Stand. Dort wird während der Messewoche zusätzlich zwischen 15 und 17 Uhr nach vorheriger Anmeldung eine „Sprechstunde“ zu verschiedenen Tagesthemen wie Bad, Bordtechnik oder Schlafzimmer veranstaltet. Die Ergebnisse setzt Dethleffs-Designer Michael Studer über Nacht in erste Entwürfe um, die schon tags darauf beurteilt werden können und sollen.

„Design für alle“

Als Leiter des Fachgebiets Haushalttechnik an der Technischen Universität München beschäftigt sich Horst Pichert seit Jahren unter anderem mit der Bedienerfreundlichkeit von Haushaltsgeräten, mithin also auch mit den Ansprüchen, die ältere Menschen an ein Produkt haben. Pichert erarbeitet mit seinem Mitarbeiterstab die wissenschaftlichen Grundlagen für das von Dethleffs gebaute Best-Ager-Mobil.

promobil: Sie haben sich intensiv mit Reisemobilen beschäftigt. Wie weit berücksichtigen die Hersteller derzeit die Bedürfnisse älterer Menschen?

Pichert: Ein Reisemobil ist ein Haushalt auf Rädern, allerdings teilweise mit veralteter Ausstattung. Wie auch in anderen Branchen, werden bislang die Bedürfnisse älterer Menschen kaum berücksichtigt – übrigens auch kaum die von Kindern. Dethleffs ist diesen Fragestellungen wohl am nächsten. Allein der Slogan „Ein Freund der Familie“ enthält den Generationenbegriff, und die Idee eines Frauenmobils geht in die gleiche Richtung einer verstärkten Nutzerorientierung.

promobil: Wo liegen die größten Verbesserungspotenziale?

Pichert: Große Verbesserungspotenziale liegen im Cockpit-Bereich, übrigens auch in Pkw. Man denke an die oft fili­granen Hebeleien für Licht, Blinker, Wischer oder Hupe. Das Problem zu kleiner Hebel und Griffe begegnet uns auch im Wohnraum häufig, beispielsweise bei Kochern oder Hängeschränken. Verschiedentlich lassen auch die Bedienteile für Heizung und Bordtechnik oder der Zugang zu Stauräumen oder Gaskästen zu wünschen übrig. Mit zunehmendem Alter lassen schleichend unsere Sinnesleistungen und auch Beweglichkeit und Kraft nach. Wissenschaftlich belegt ist zum Beispiel auch die langsamere Schärfeanpassung des menschlichen Auges auf die jeweilige Entfernung. Andererseits gibt es Menschen, die auch im hohen Alter noch sehr beweglich sind, weil sie häufig Sport treiben oder Gymnastik machen.

promobil: Welche baulichen Besonderheiten sind bei der Entwicklung eines Reisemobils für die 50-Plus-Generation zu berücksichtigen?

Pichert: Es gibt – bedingt durch die Komplexität eines Reisemobils – eine Vielzahl von baulichen Besonderheiten bei der Entwicklung eines Freizeitfahrzeugs für die 50-Plus-Generation. Aus dem umfangreichen Katalog der Haushalttechnik hier nur ein paar Forderungen:

breite Ein- und Durchgänge viele Stütz- und Haltegriffe pflegeleichte Werkstoffe und Oberflächen große, selbsterklärende Anzeigen Bedienelemente leicht und gut zu greifen.

Designer und Konstrukteure erschrecken zunächst bei solchen Forderungen. Richtig geplant führt deren Umsetzung nicht zwangsläufig zu höheren Kosten. Vieles ist kostenneu­tral, und innovative Lösungen sind oft sogar kostensenkend.

promobil: Wie gehen Sie vor, um die Bedürfnisse von älteren Menschen zu ermitteln?

Pichert: Von der TU-München aus werden Prüfhaushalte an verschiedenen Standorten in Deutschland betreut, um neue Produkte aus der Sicht der Nutzer zu beurteilen. Bei Prototypen werden gezielt Senio­ren ausgewählt und im Labor wissenschaftlich betreut. Dabei profitieren wir sehr von der großen Erfahrung und der hohen Anspruchshaltung der älteren Menschen.

promobil: Niemand möchte alt sein oder als alt abgestempelt werden. Produkte mit dem heiklen Etikett „seniorengerecht“ lassen sich schwierig vermitteln. Wo liegt der Kunstgriff dabei?

Pichert: Spezielle Seniorenprodukte konnten sich bislang nur in wenigen Marktsegmenten erfolgreich durchsetzen. Beispiele sind Medikamente oder Vermögensanlagen. Ausnahme bildet der Reha-Bereich, denn dort müssen die Betroffenen die Spezialprodukte zwangsläufig annehmen. Die Haushalttechnik respektiert Senioren als erfahrene und kritische Konsumenten. Werbewirksam können Schlagworte sein wie komfortabel, benutzerfreundlich oder professionell. Allerdings muss Versprochenes eingehalten werden. Und bedacht werden sollte auch, dass auf mehr Komfort getrimmte Lösungen auch jüngeren Kunden entgegenkommen. Denn auch sie können regelrecht eingerostet sein durch sitzende Bürotätigkeit oder krankheits- oder unfallbedingte Gelenkprobleme.

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Datum

16. August 2006
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