Mobil-Tour: Lausitz 16 Bilder Zoom

Touren-Tipp Lausitz: Reise in die Zwischenzeit

Schwarz zu blau: In der Lausitz entsteht derzeit die größte künstliche Seenlandschaft Europas. Als Urlauber kann man den Wandel vom Braunkohlerevier zum Freizeitparadies live erleben.

Die Seebrücke sitzt auf dem Trockenen. Und sie sieht auch nicht aus wie ihre Schwestern an der Ostsee. Dieser Bootsanleger in spe ist das Bauteil eines Abwurf-Auslegers des Absetzers vom Typ A2Rs.12500.95. Weiter hinten kräuselt sich das Wasser des künftigen Großräschener Sees im Wind. Man steht auf dem Stahlkoloss und staunt über so viel Exotik, hier, zwischen Berlin und Dresden: urzeitlich gefaltete, schwarzbraune Bergrücken, ferne Steilküsten, sandige Inseln, deren Größe von der Bagger-Brücke aus kaum auszumachen ist, weil diese Landschaft so gar nichts für unser Auge Messbares bietet.

Betreten darf man das alles noch nicht, denn der ehemalige Tagebau Meuro ist noch in Flutung, und keiner weiß, ob die Ufer schon tragen. Aber alles wird vorbereitet für das zweite, schönere Leben dieses Sees, das in fünf bis zehn Jahren richtig beginnen kann. Ein Hang mit Wein ist am Ufer gepflanzt, die Pläne für eine Marina mit weißen Ferienhaus-Kuben kann man in einer Computersimulation bewundern.

Oben am Hang sind vor einigen Jahren die mit dem Brandenburger Architekturpreis ausgezeichneten IBA-Terrassen entstanden - die „Die Welt“ als „ungewöhnlichste Zivilisationskante der Welt“ bezeichnet hat. Dort wird schon jetzt Tourismus geübt. Würstchen und Steaks liegen auf dem Holzkohlegrill, es gibt ein kleines Café, ein Besucherzentrum und das Büro von „iba-tours“, das organisierte Touren rund um den Großräschener See anbietet.

Der Braunkohletagebau hat der Region und ihren Menschen manches angetan - viele Quadratkilometer Natur und ganze Dörfer verschwanden von der Landkarte - aber er hat auch lange Zeit für bescheidenen Wohlstand gesorgt. 23 Seen entstehen nun, schmerzlicherweise genau dort, wo einst Siedlungen abgebaggert wurden. Einige, wie der Senftenberger See, der Bärwalder See und ganz neu Geierswalder und Partwitzer See, sind schon in Badeparadiese verwandelt. Rundherum gibt es asphaltierte Rad- und Skatewege, die frisch eingeweihte Seenlandroute führt über 180 Kilometer durch die junge Tourismusregion. Architektonisch interessante Häfen wurden errichtet, zum Beispiel am Senftenberger See. Und auch für avantgardistische Wasser-Architektur will das Lausitzer Seenland eine Spielwiese sein - die Internationale Bauausstellung Fürst-Pückler-Land, die das Logo „see” hat, initiierte hier zwischen 2000 und 2010 spannende Projekte: So schwimmen im Geierswalder See zwei coole Ferienhäuser im Wasser. Über den Sedlitzer See soll ein schwimmender Steg führen.

Schwarz zu blau

Braunkohlegruben zu Seen - eine andere Zukunft als im Tourismus werden sie hier am äußersten Zipfel von Brandenburg und Sachsen nicht finden. So viel auch zerstört wurde - in den vom Tagebau übriggebliebenen Brachen entstand auch eine einzigartige Flora und Fauna. Seltene Vögel wie Brachpieper, Heidelerche, Raubwürger sind dort heimisch, der Seeadler brütet wieder im Seenland.

Einige Flächen sind deshalb schon jetzt geschützt. Spannend ist das hier, obwohl man für den Wandel der Landschaft noch jede Menge Fantasie braucht, obwohl es manchmal in Sachen Service noch hakelt.

Baden und Radeln

Asphaltierte Wege direkt am Wasser bieten Aktivurlaubern und Familien ein wunderbares Areal für verlängerte Wochenenden. Es gibt schöne Stellplätze, etwa in Buchwalde am Ufer des Senftenberger Sees. Energie erleben: In Lichterfeld kann man einen Spaziergang auf der stillgelegten, größten Förderbrücke der Welt F60 unternehmen, Freitag- und Samstagabend mit Licht- und Klanginstallation. In Knappenrode gibt es eine Brikettfabrik, in der alles noch so aussieht wie 1993, nachdem die letzte Schicht das Werk verließ. Und in Welzow-Süd, wo Vattenfall heute Braunkohle im Tagebau abbaut, kann man Grubentouren buchen.

Die Sitzpodeste am Stadthafen in Senftenberg hat ein Halbwüchsiger eben zum Sprung ins Wasser genutzt, seine Kumpels johlen, als der Junge in Jeans und T-Shirt aus dem See klettert. Die anderen Besucher sonnen sich lieber, dampfen mit der „Santa Barbara“ übers Wasser oder trinken im „Pier 1“ Kaffee. Der Hafen verbindet Senftenberg endlich mit dem See. Der wurde schon vor 40 Jahren geflutet und ist längst zur Badewanne der Einheimischen wie der Dresdner geworden. Hier kann man sich gut vorstellen, wie das Lausitzer Seenland in 20 Jahren aussehen wird. Welch ein Gewinn! Welch eine Lebensqualität! An Sandstränden spielen Kinder im seichten Wasser. Etwas weiter chillen Jugendliche auf ausgedehnten Wiesen. Schilf wächst am Ufer, Wolken spiegeln sich im klaren Wasser.

Man radelt durch Kieferalleen, dann durch eine herrlich grüne Birkenallee. Egal, wer hier vor Jahrzehnten die Bäume so ordentlich sortiert gepflanzt hat – entstanden ist mit der Renaturierung und Flutung der einstigen Braunkohlegrube Niemtsch ein See, dem man längst nicht mehr ansieht, dass er einst eine klaffende Wunde schloss. Die Narben der Lausitz werden allmählich heilen.

Autor

Foto

Christiane Würtenberger (8), Tourismusverband Lausitzer Seenland (2)/Matthias Knoch und Nada Quenzel, Energiefabrik Knappenrode/Rico Hofmann

Datum

10. Juli 2013
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