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Geschichte der Wohnmobile: 50 Jahre Hymer - Chronik

Mobilität aus dem Hause Hymer: Ein halbes Jahrhundert Freizeitfahrzeuge im Zeitraffer, vom Troll zum Luxus-Reisemobil.

Auf der Hannover-Messe ste­hen für umgerechnet 1000 Euro erste elekt­ri­sche Schreibmaschinen. Arbeiter von VW schrauben ihre Käfer an 48 Stunden in der Woche zusammen, verteilt auf sechs Arbeitstage. Zwei Wochen Urlaub im Jahr genügen. Wir schreiben das Jahr 1957. In dieser Zeit Fahrzeuge für die mobile Freizeit zu entwickeln, das erfordert durchaus Mut. Im oberschwäbischen Heilbad Bad Waldsee hat man ihn.

Das Ingenieur-Genie Erich Bachem („Eriba“) konzipiert, Erwin Hymer konstruiert, fertigt im väterlichen Betrieb bei Alfons Hymer. So entsteht der Troll, Vorläufer der legendären Caravanbaureihe Touring. Basis ist ein leichtes und stabiles Metallgerippe wie im Flugzeugbau, damit kennen sich Bachem und Hymer bestens aus.

Ein erster Ausflug in die Reisemobilbranche fällt kurz aus. 1961 fertigt Hymer den Caravano, einen Campingbus auf Borgward-Basis. Sitzgruppe, Kleiderschrank, Küche und Toilettenraum sind an Bord, viel mehr benötigt man auch heute nicht. Doch nur drei Exemplare entstehen, mit der Marke Borgward verschwindet auch der Transporter als passendes Basisfahrzeug. Andere sind entweder zu klein (VW, Ford, Hanomag) oder zu groß (Mercedes).

Folglich konzentriert Hymer sich auf Caravans. Der Nova ergänzt ab 1966 mit festem Aufbau den Touring. Dann endlich ist im zweiten Anlauf die Zeit reif für Reisemobile: 1971 fährt das erste Hymermobil los. Es besteht recht simpel aus einem Caravan-Aufbau auf Mercedes-Chassis. Drei Jahre später folgt der Durchbruch zur Serienfertigung mit integrierten Reisemobilen. Ein glänzendes Metallband fasst die Aufbauten ein, das Dach des Fahrerhauses ist abgesenkt. In der Saison 1977/78 fertigt Hymer erstmals mehr als 1000 Reisemobile im Jahr.

Großen Anteil daran haben Integrierte auf Basis des britischen Bedford, beginnend 1975 mit dem Hymermobil 521: Sie sind kompakt, leicht und preisgünstig – schon vor 30 Jahren eine attraktive Kombination. Unter dem Dach mit markantem Knick über dem Cockpit – typisch für viele weitere Hymer-Generatio­nen – findet sich über den Vordersitzen erstmals ein Platz sparendes Hubbett, eine Hymer-Erfindung. In entgegengesetzte Richtung fährt 1978 das Hymermobil 900, ein Reisemobil der Superlative, geprägt von amerikanischem Einfluss. Unter dem Aufbau steckt ein Lkw-Chassis. Im Jahr 1981 trennt Hymer seine Baureihen: Die S-Klasse steht für feine Integrierte auf Mer­cedes, etwas schlichter kom­mt die B-Klasse daher, zunächst ebenfalls mit Stern. Der Bedford hat das Zeitliche gesegnet, ihn ersetzt nach einem Zwischenschritt zu Ford ab 1984 der noch junge Fiat Ducato. Auf das Hubbett folgt als grundlegende Innovation die bis heute gepflegte Pual-Bauweise für die Wände. Sie bestehen aus einem stabilen, gut isolierenden Sandwich mit geschäumtem Polyurethan-Kern und Aluminium-Außenhaut. Hymer erweitert in dieser Zeit das Angebot durch Alkovenmobile, erst Eriba-Camp, dann Hymercamp getauft. Es folgt der Hymertramp als Teilintegrierter. Eine Episode bleiben Campingbusse: Ob frühe Modelle wie das Hymermobil 500/501 auf leichten Mercedes mit Hanomag-Ahnen oder die Ausgaben des Hymercar – sie können sich nicht durchsetzen. Anders die aufgebauten Reisemobile, allen voraus die Integrierten als Nummer eins unter ihresgleichen. Vor allem die B-Klasse entpuppt sich als Verkaufsschlager. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Die Modellvielfalt ist einzigartig, die Optik ab Sommer 1997 sehr gefällig; drei Jahre später folgt eine Aufwertung mit geschickt integriertem Doppelboden.

Die besondere Rolle der B-Klasse lässt sich belegen: Seit Beginn der Wahl zum Reisemobil des Jahres gewinnt sie ununterbrochen ihre Kategorie. Ein einzigartiger Erfolg, den das neue Modell 2007 fortsetzt. Dahinter stehen Innovatio­nen: Ob seitlich abgerundete Sandwich-Dächer oder das Variobad mit separater Duschkabine auf engstem Raum – nur zwei Beispiele von vielen. Gleichzeitig achtet Hymer stets auf ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Ein Hymer-Reisemobil ist weder ärmlich noch übertrieben luxuriös, sondern stets im besten Sinne gutbürgerlich. Dazu passt ab Sommer 2003 eine Renovierung des Innenraums in zwei Schritten: Neue Möbel und bald darauf ausgesuchte Einrichtungen („Stilwelten“) verleihen den bisher eher zurückhaltend ausgestatteten Hymer-Reisemobilen neue Wohnlichkeit. Der kompakte und günstige Teilintegrierte namens Hymervan bildet 2005 die Ouvertüre für eine Rundum-Erneuerung des Programms im darauf­folgenden Sommer. Wer hätte es gedacht: Hymer-Reisemobile seh­en dynamisch aus wie nie. Auch die Caravans fahren auf Erfolgskurs. Schnieke junge Modelle flankieren die Baureihe Touring als Troll-Nachfol-ger – der Touring hat die Grenze zur Unsterblichkeit längst überschritten.

Die alten Schätzchen geraten darüber nicht in Vergessenheit: Passend zum Geburtstag der Marke werden sie bald eine neue Heimat finden: Im Jubiläumsjahr will Erwin Hymer in Bad Waldsee den Grundstein zum lange geplanten Caravan- und Reisemobil-Museum legen. Vielleicht ist darin auch Platz für eine längst vergessene elektrische Schreibmaschine.

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Datum

21. Januar 2007
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