Alles über 30 Jahre promobil
Nostalgietour im VW T 3 15 Bilder Zoom

Reise-Tipp 30 Jahre promobil: Nostalgietour im VW T3

Die Hippies brachte er nach Indien, die Müllers von nebenan ins Bergische Land - und irgendwie hat jeder seine ganz privaten Erinnerungen an den VW Campingus. Bleibt die Frage: Wie reisetauglich ist ein 30 Jahre alter VW T3 heute?

Auch die dritte Generation des sympathischen Hannoveraners rollt längst in den Klassikerolymp. Direkt neben den T1 mit der geteilten Scheibe und den ab 1967 gebauten T2, der die Story als Lastesel des Wirtschaftswunders fortschrieb. Bis eben 1979 der T3 kam. Deutlich kantiger, aber noch immer dem Heckmotor-Prinzip huldigend.

VW-Campingbusse und Nutzfahrzeuge in Hannover

Und damit wären wir schon mitten in unserer Zeitreise, die ihren Anfang in Hannover nimmt, ja nehmen muss. Denn dort kennt man den Wert der eigenen Historie - und hält das automobile Erbe des Bulli instand. VW Nutzfahrzeuge pflegt seine klassischen Transporter: Eine eigene Abteilung bietet Besitzern einen Rundumservice von der Wartung bis zur Vollrestaurierung.

Der Westfalia Joker, den uns VW freundlicherweise zur Verfügung stellt, wird leider noch nicht überall als Oldie anerkannt: Viele seiner T3-Kumpels schuften noch auf Wochenmärkten oder Spargeläckern. Es ist die Krux der Nutzfahrzeuge: Kaum einer hat ein Herz für sie.

Im Falle unseres Zeitreise-Mobils war das zum Glück anders: Dieser original Westfalia Joker besticht mit dem Charme der frühen 80er, die perfekt konserviert ins neue Jahrtausend gerettet wurden. Entsprechend emsig startet der kernige 78-PS-Boxer, spontan verfällt er in den typischen Sound.

Automuseum in Wolfsburg: Das Zeit-Haus in der Autostadt

Dieser spezielle Klang wurde 1950 zunächst in Wolfsburg angestimmt, wo auch die Geschichte des Bulli begann. Bis Mitte der 50er produzierte VW den knapp 25, dann 30 PS starken Transporter am Mittellandkanal, bevor der Umzug nach Hannover erfolgte. In Wolfsburg hat man das nicht vergessen: Wer alte VW Campingbusse sehen will, ist im Automuseum Zeit-Haus richtig - neue VW parken in den beiden modernen Auto-Türmen. Hier werden täglich rund 600 Autos ausgeliefert.

Während sich jedoch heute selbst in Kleinwagen Navis finden, greift man im T3 stilecht zur knitterigen Landkarte. Die weit geöffnete Tür und das Fahrlicht harmonieren dabei bestens: Fiepende Warntöne gibt es nicht. Der T3 ist ein Ort der Beschaulichkeit. Und er gibt dem Menschen die Freiheit, das Licht auch mal anzulassen, weil er den Wagen so gerne anschiebt am Morgen.

Nostalgisches Fahrgefühl im Campingbus VW T3

Auf der Fahrt nach Westen erzählt der VW T3 mehr von sich: Mangels Radio hört man gerne zu. Viel mehr als Tempo 100 mag der 1,9 Liter große Vierzylinder-Benziner ohnehin nicht, obwohl die herrliche Wanderdüne ein Fünfganggetriebe besitzt.

Der erste Gang findet sich links hinten; und nur mit Druck knifflig für Ungeübte. Ansonsten fährt sich der VW T3 Campingbus sehr modern - moderner jedenfalls als die noch lange angebotenen Luftboxer-Modelle, die teilweise nur 50 PS mobilisierten und mit einem 1,7 Tonnen wiegenden Camper echte Mühe hatten.

Wenn solche Autos sich in LKW-Kolonnen einreihen, dann ist das schiere Notwendigkeit: Schon das Tempo eines Reisebusses liegt jenseits aller Möglichkeiten. Es waren eben andere Zeiten, in denen man zwischen VW Käfer und Opel Kadett noch locker mitschwimmen konnte.

Westfalia: Traditionsschmiede des VW-Campingbus

Einen Abstecher in vergangene Zeiten gönnen wir auch unserem Titelhelden VW T3. Der rollt noch einmal in jene Hallen, in denen er einst entstand -  im Geburtsjahr von promobil. Über Jahrzehnte lieferte Westfalia in Rheda-Wiedenbrück den offiziellen VW Campingbus. In Spitzenzeiten fertigte die Traditionsschmiede 120 bis 140 Busse am Tag: Anfang der 70er Jahre galt es nicht nur bei Amerikanern als schick, eine Europareise mit der Übernahme des eigenen Campers anzutreten.

Der hervorragende Ruf des Westfalia hatte längst die Runde gemacht, steckte doch viel Erfahrung in jedem „Westi“. Wen wundert es da, dass Original-Camper jener Zeit heute durchweg die höchsten, gerne fünfstelligen Preise erfahren.

Das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart

Weiter geht's, ein Campingbus will reisen. So rollt unser VW T3 Oldie nun Richtung Süden, um dem auch architektonisch interessanten Mercedes-Benz-Museum eine Aufwartung zu machen. Ein lohnendes Ausflugsziel; und ein entfernter jüngerer Cousin des Joker ist dort sogar auch ausgestellt, ein Viano Marco Polo von 2005.

Mit dem Albaufstieg wartet eine kernige Herausforderung. Die meistert der theoretische bis zu 125 km/h flotte VW T3 zwar sourverän: Im Hinterkopf spukt dennoch so manche Bergfahrt mit schwächeren Bullis herum. Oft lief das unter dem Motto: "Stau? Wieso? Vor mir ist frei!"

Zwischenstopp in Blaubeuren

Wie dem auch sei: Bei Blaubeuren wartet herrliches Winterwetter. Kalt, aber trocken ist es, ein Stellplatz nahe dem Blautopf lädt zum Verweilen. Das Aufstelldach des VW T3 mit den beiden zusätzlichen Schlafplätze bleibt freilich zu. Und auch eine tadellose Standheizung ist Pflicht für eine solche Rast.

Gleichwohl gibt: Daheim ist, wo man parkt - also fühlt man sich überall zu Hause. Das erklärt, warum auf dem Beifahrersitz so charmant die Nadeln klappern: Sylvie strickt mal wieder Socken. Interessante Gespräche sind dennoch möglich, während der VW in bester Manier eines braun vertäfelten Wohnzimmers der 80er gen Süden rollt: Noch zwei Museen möchten wir ansteuern, wurde uns doch von fernwehsüchtigen Exponaten erzählt.

Hymer- und Busch-Museum: Historische VW-Busse

Dass es solche im Erwin-Hymer-Museum zu sehen gibt, liegt auf der Hand, dreht sich hier doch alles ums mobile Reisen: Zwei im Selbstbau zu Campern modifizierte VW der zweiten und dritten Generation bereichern die Sammlung.

Auch im Automuseum Busch lenkt ein nett in Szene gesetzer Westfalia Camper von 1965 den Blick auf sich. Und das nicht alleine wegen der Chiantiflasche. Die wiederum ist eine sehr große Verlockung: einerseits soll der VW T3 Campingbus wieder zurück nach Hannover. Andererseits sind es nur 400 Kilometer bis zum Gardasee. Vielleicht sollte man ja schauen, ob es dort schon Frühling ist.

Übrigens: Gerüchte behaupten, VW Campingbusse würden mit 30 Jahren erwachsen. Aber das sollten Sie nicht glauben.

Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

11. März 2013
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