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Ratgeber: 25 Jahre Fiat Ducato

Als die Herren Giovanni Agnelli und Jean-Paul Parayre im Jahr 1978 ihre Unterschriften unter einen Vertrag setzen, ahnen sie wohl nicht, dass sie damit ein Stück Automobilgeschichte schreiben. Die Bosse von Fiat und PSA (Peugeot, Citroën) besiegeln eine Zusammenarbeit, die für Transporter Modellcharakter hat, sich über alle Maßen erfolgreich entwickelt und die Reisemobilbranche prägt.
Im Herbst 1979 rollen in den Abruzzen in Italien die Bagger an. Unweit von Pescara wird in Atessa ein Automobilwerk aus dem Boden gestampft. 24 Monate später verlässt 1981 der erste Fiat Ducato das Gelände, flankiert von seinen baugleichen Geschwistern Peugeot J 5 und Citroën C 25. Erstmals haben zwei namhafte Automobilkonzerne zu gleichen Teilen eine Gesellschaft gegründet, gemeinsam ein Fahrzeug entwickelt und zusammen eine Fertigung gestartet.
Die Überschrift dafür heißt Sevel, Societa Europea Veicoli Leggeri, oder übersetzt schlicht europäische Nutzfahrzeug-Gesellschaft. 25 Jahre später ist die Kooperation mehrfach verlängert worden, aktuell bis 2017. Inzwischen produzieren nach Sevel-Vorbild (bis auf Ford) alle großen europäischen Transporterhersteller gemeinsame Modelle, haben über drei Millionen Transporter das Werk in den Abruzzen verlassen.
Einst auf 80 000 Autos im Jahr ausgelegt, purzeln inzwischen per anno 200 000 Fahrzeuge von den Bändern. Gut 50 Prozent davon heißen Fiat Ducato, er gilt in Deutschland als das Markenzeichen der Kooperation. Das hängt damit zusammen, dass sich die beteiligten Konzerne anfangs die Märkte aufteilen. Außer Italien ist auch Deutschland auf Jahre hinaus Ducato-Land.
Hinzu kommt, dass speziell der Fiat Ducato die Reisemobilbranche revolutioniert. Zeitweilig beläuft sich sein Marktanteil als Basisfahrzeug in Deutschland auf mehr als 70 Prozent. Bis heute hat Fiat mehr als eine Viertelmillion Ducato an deutsche Reisemobilhersteller ausgeliefert.
Die ersten Abnehmer heißen 1982 Dethleffs, Heku und Weinsberg. Das Trio ist ein Fingerzeig für die künftige Modellvielfalt. Dethleffs fertigt ein Alkovenmobil, Heku einen abnehmbaren Aufbau; Weinsberg stellt mit dem Cosmos einen Campingbus her. Binnen kurzem katapultiert sich der Fiat Ducato an die Spitze der Basisfahrzeuge, nimmt sowohl bei den Ausstellungsfahrzeugen auf dem Caravan-Salon als auch bei den Zulassungszahlen eine führende und über viele Jahre hinweg marktbeherschende Stellung ein.

Zum Erfolgsrezept zählen Frontantrieb, durchdachte Konstruktion mit allen Freiheiten für Aufbauer ab Hinterkante Fahrerhaus, simple und belastbare Technik, hohe Modellvielfalt, fortwährende Weiterentwicklung und ein guter Preis. Auch Details wie die Platz sparende Lenkradschaltung oder die Position der Handbremse links vom Fahrersitz passen maßgeschneidert zu Reisemobilen. Zudem trifft kein anderes Basisfahrzeug in Größe und Gewicht so präzise die Wünsche der Branche. In Windeseile nehmen sich Umbauer des Ducato an, vor allem Feder- und Fahrwerksspezialisten veredeln den Fiat, lasten ihn auf, verlängern ihn, schaffen teils atemberaubende Konstruktionen. Bietet der Fiat Ducato anfangs mit einem Diesel mit 75 PS und maximal 3,1 Tonnen Gesamtgewicht begrenztes Potenzial, so ändert sich dies 1986. Der Ducato Maxi zeigt mit 3,5 Tonnen, wohin die Reise geht; sein neuer Turbodiesel-Direkteinspritzer (92 PS) ist technisch ebenso ein Leckerbissen wie ein Meilenstein in Sachen Spannkraft und Sparsamkeit. 1989 erweitert Fiat das Angebot um eine Kurzausgabe namens Talento in entgegengesetzte Richtung. Dank verkürztem Fahrgestell rollt der Mini-Transporter mit 2,35 Tonnen Gesamtgewicht vor. Ein gefundenes Fressen für die Reisemobilbranche: Hymer pflanzt ein erstes Alkovenmobil auf den Mini, viele Marken folgen. Eura Mobil traut sich auf Talento ein fünf Meter langes Alkovenmobil zu, Bürstner dank Alko-Chassis einen strammen 2,8-Tonner. Das alles entpuppt sich mit einem schwachbrüstigen Diesel (71 PS) als matt, was aber damals nur wenige schert.

Ebenso wie Talento und Ducato selbst ambitionierte Umbauten nicht krumm nehmen, akzeptieren die Käufer manche Schrullen. Da laufen Getriebe trocken, springen Zahnriemen mit deftigen Folgeschäden über, verursacht die Gaspedalposition Wadenkrämpfe, hat die Heizung im Winter eher symbolischen Charakter, zeigen sich manche Fiat-Werkstätten wenig entgegenkommend bis überfordert, wenn mächtige Reisemobile auf den Hof rollen. Doch man arrangiert sich, der Ducato entwickelt ein Eigenimage, losgelöst vom eher mäßigen Fiat-Ansehen. Fortwährende Modellpflege hält den Ducato jung, 1990 erkennbar an einer schrägen Fensterbrüstung und einem neuen Kühlergrill mit Blinkern in weißem Glas. Anfang 1994 dann der erste Modellwechsel: Nun wird alles größer, schöner, stärker. Neue Optik und neue Technik halten Einzug, Dieselmotoren bis 115 PS. Abmessungen und Gesamtgewichte rutschen nach oben, der Ducato wird bald zum 3,5-Tonner. Bemerkenswert ist die Schaltung mit Joystick im Armaturenbrett: 1994 eine Premiere, ein Dutzend Jahre später die Norm. Viele Reisemobilhersteller nutzen den neuen Ducato als Basis für neuartige Doppelboden-Modelle. Bald darauf wachsen die Motoren auf 2,8 Liter Hubraum, die Leistung steigt schubweise zusammen mit Einführung von Common-Rail bis 127 PS. Ab 2001 gibt’s endlich optional ein Automatikgetriebe, 2002 ein Facelift, begleitet von einem hochmodernen Motor als Ergänzung mit 2,3 Liter Hubraum und 110 PS. Zwei Jahre später klettert die Leistung auf 146 PS – der letzte große Schub für das selbst in der Auslaufphase gefragte Modell. Die Automanager Sergio Marchionne (Fiat) und Jean-Martin Folz (PSA) präsentieren in Kürze den Nachfolger, die dritte Ducato-Generation.

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Datum

9. Juni 2006
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