Unterwegs mit …: Manfred Lang 8 Bilder Zoom

Menschen und Mobile: Designer Manfred Lang

In 25 Jahren formte Designer Manfred Lang mit seinem Atelier „pro industria“ in Wiehl im Bergischen Land mehr als 60 Reisemobile. promobil.de traf ihn auf dem letzten Caravan-Salon in Düsseldorf.

Die Augen unter dem ungebärdigen Haarschopf blicken ruhig und aufmerksam, mustern Gegenstände oder Gegenüber intensiv. Manfred Lang entgeht nichts. Beim Gang über den Caravan-Salon zückt der designerschwarz Gekleidete ab und zu die kleine Leica, hält fest, was ihm wichtig erscheint. Das riesige Reisemobilposter über einer Messehalle, ein Detail an der ausladenden Frontscheibe des Bürstner Grand Panorama.

Lang entdeckt unschöne Blenden, Fensterkanten, die nicht fluchten, sondern flüchten. „Es kann alles immer besser werden“, lautet sein Credo, er lacht: „Deshalb bin ich ja Designer.“ Das Urteil ist deutlich und stets begründet. Lang angesichts eines aufgemotzten Integrierten: „Dieser Frontspoiler könnte zu einer Kirmes-Zugmaschine gehören.“

Es ist sein 25. Caravan-Salon. Von 1988 bis 2004 hat Lang sämtliche Knaus-Reisemobile entworfen, seitdem fast alle Reisemobile von Bürstner und Hymer, mittendrin die Grundlagen der Modelle von Niesmann + Bischoff gelegt. Macht 60 Baureihen aus seinem Atelier „pro industria“ in Wiehl im Bergischen Land.
Die Zahl liegt knapp unter Langs Lebensalter. Aber er ist nicht auf Reisemobile fixiert. Der studierte Automobildesigner und sein achtköpfiges Team haben vom Skistiefel bis zum Taschenmesser, von der Trailer-Rückleuchte bis zum Desinfektionsapparat eine Vielzahl Produkte entworfen.

"Ein Bürstner muss wie ein Bürnster aussehen"

Lang legt Wert auf die Bezeichnung Industriedesigner, er gestaltet Markenartikel: „Ein Rowenta-Gerät muss wie Rowenta aussehen.“ Ein Bürstner wie ein Bürstner, ein Hymer wie ein Hymer. „Ein Bürstner ist gefällig, stimmig, mit spannungsvollen Linien, einer gewissen Frische. Ein Hymer ist maskuliner, eher der Mercedes, nobler, gesetzter, gehaltvoller.“ Er nimmt sich zurück: „Wir machen Produkte für Bürstner und Hymer, nicht für mich.“
Einiges auf dem Salon guckt er sich näher an. Billige Kollegenschelte betreibt Lang nicht, zu Hobby etwa geht er gern. Um jedoch beim Premium-Van festzustellen: „Da sind zwei verschiedene Handschriften zu sehen.“
„Es wird mehr Priorität auf das Design gelegt“, registriert er auf seinem Jubiläums-Salon, „Reisemobile sind automobiler.“ Und: Mit dem Ducato als Basis kann er „gut leben“.

"Das Reisemobil ist primär zum Fahren gedacht"

Lang definiert ein Reisemobil als „ein Automobil, in dem man wohnen kann“, nicht als Wohnraum mit Motor. Überschaubare Stückzahlen, Material und Konstruktion, vor allem Kosten verhindern durchgestaltete Formen. „Reisemobile bestehen aus einem Rechteck mit Frontend und Heck.“ Das setzt Grenzen, fordert Kompromisse. „Es kann nie so sein, wie man’s gerne hätte.“ Für den Industriedesigner Alltag und kein böses Schicksal. Trotzdem ist gute Form wichtig: „Die Käufer sind doch auch mit gestalteten Produkten des Alltags umgeben.“
Die Einfälle stammen aus verschiedenen Quellen. Die Idee zum Bürstner-Erfolgsmodell Ixeo kam vom damaligen Technikchef Wolf Zeidler, „wir haben sie umgesetzt“. Der Einfall zur riesigen Scheibe des Bürstner Grand Panorama reifte in Langs Atelier. Und der neue Hymer B-SL? „Eine Verbesserung des Bestehenden.“ Angesichts der schlanken A-Säulen, warum keine Einfärbung in Form eines Fensterbands oder Visier? Die entwaffnende Antwort: „Muss ein Reisemobil wie ein Motorradhelm aussehen?“
Sein Büro hatte 2006 die Hymer-Integrierten mit ihren markanten Scheinwerfern entworfen. Inklusive Konstruktionsdaten: „Mit unserer Software können sie ein Auto machen.“ Nicht nur die Technik hat hohes Niveau: „Meine Mitarbeiter können morgen bei Mercedes oder Ford anfangen.“
Die üppige Scheibe des Grand Panorama sieht spektakulärer aus, als sie herzustellen ist. Für den Industriedesigner Pflicht: „Wir machen Entwürfe, die produzierbar sind.“ Vorbehalte wegen Sonneneinstrahlung kontert er mit wärmeabweisendem Glas, dem elektrischen Rollo. Sein Büro entwirft mehr als Verpackungen. Ob die perfekte Integration des Hubbetts im Grand Panorama, die schwungvolle Frontkuppel im Ixeo Plus – Langs Handschrift.
„Die Branche ist bodenständig“, stellt er fest. Und bleibt bei aller Kompromissfähigkeit anspruchsvoll: „Design sollte Qualität spiegeln, in Form, Farbe, Passgenauigkeit.“ Anregungen findet er auf dem Automobilsalon in Genf, der Möbelmesse in Mailand, der Sportartikelmesse Ispo in München.
Müssen schöne Reisemobile teuer sein? Manfred Lang lächelt: „Ich finde, so ein kleiner Bürstner Van sieht doch ganz hübsch aus.“ Die Lesebrille baumelt an einem Band, die Augen funkeln im jungenhaften Gesicht. Nicht nur seine Reisemobile sind in Bestform.

Autor

Foto

Frank Eppler

Datum

26. November 2012
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