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Unterwegs mit Klaus-Peter Bolz: Alpha-Tier mit Teamgeist

Bürstner baut seit 25 Jahren Reisemobile, seit 16 Jahren führt Klaus-Peter Bolz das Unternehmen. Der Patriarch mit Geschäftssinn, Engagement, Temperament und Herz im Gespräch mit promobil.

"Wir müssen schneller und besser als die Mutter sein“, ist Klaus-Peter Bolz klar. "Wäre die Mutter schneller und besser, würde sie uns sagen, was wir zu tun haben.“ Die Mutter heißt Hymer, Bolz ist Geschäftsführer der Tochter Bürstner. Auf deren Unabhängigkeit legt er großen Wert.

Innerhalb der Hymer-Gruppe ist der Wettbewerb beinhart. Bolz: „Wir wollen der Beste sein, aber das will jeder.“ Im Moment ist’s ein Rennen der Töchter zwischen Bürstner und Dethleffs. Die Mutter fasst, heftig von der Wirtschaftskrise gebeutelt, langsam wieder Tritt.
Die Baisse 2009 hatte auch Bürstner getroffen. Der Umsatz brach ein, die Marke schrammte knapp an Verlusten vorbei. Bürstner musste rund 200 von mehr als 1000 Mitarbeitern entlassen. „Das hat weh getan“, stellt Bolz fest. Man glaubt’s ihm. Der Bürstner-Chef ist ein harter und gewitzter Geschäftsmann, aber ehrlich und verlässlich. Trägt sein Herz auf der Zunge. Wechselt zwischen polternden Temperamentsausbrüchen und schneller Freude mit verschmitztem Lächeln unter dem markanten Schnäuzer. Zeigt Ecken und Kanten trotz rundlicher Figur.

„Wir haben uns schneller erholt als vermutet“, stellt Bolz fest, „da war Glück dabei.“ Und die richtige Nase. Teilintegrierte sind von jeher Schwerpunkt der Marke aus Kehl am Rhein. Das Erfolgsmodell Ixeo, der Teilintegrierte mit Hubbett, räumt seit drei Jahren ab. Auf ihn entfällt mehr als ein Drittel der Produktion, „unser Sechser im Lotto“. Bolz: „Es gab Teilintegrierte, es gab Hubbetten, es musste zusammengeführt werden.“ So einfach. Und so schwer, vorher war keiner drauf gekommen.

Das Erfolgsrezept der Marke Bürstner?

„Normal bleiben, Vertrauen aufbauen, etwas schneller und etwas flexibler handeln. Das richtige Produkt, der richtige Preis.“ Menschliche Beziehungen sind dem emotionalen Manager wichtig. Ob Mitarbeiter oder Geschäftspartner, Bolz fordert sie. Gibt aber auch gern, wenn’s gut läuft. Hinter der rauen Schale steckt ein weicher Kern, ein großes Herz.
Und Begeisterungsfähigkeit.

Versonnen stand Bolz vor zehn Jahren vor der VW-Studie All-in-One auf dem Salon. Den VW hätte er gern gebaut. Noch heute stört ihn die Präsentation auf einem Sockel mit Hostessen, Umfragen. Eine vertane Chance, wie er findet: „Hinstellen, Preis drauf, machen.“

So kam’s über den Umweg Mega Van - „zu hohes Gewicht, falsches Bad“ - zum Ixeo. Manchmal ist der Macher zu schnell, so hat der schnittige Aero Van nicht funktioniert - „handwerkliche Fehler, Preis“. Der Grat zwischen Tempo und Hast in der Branche ist schmal. Bolz siehts: „Wir machen alle zu viel, das ist falsch. Wir könnten mit mehr Ruhe das, was wir machen, noch besser machen.“ Was ist so einer, Antreiber oder doch ein Getriebener?

Gut laufen Bürstner in den handfesten Preisklassen

Das führt zum Kern der Marke, die Bolz mit VW vergleicht: „Wir sind kein Hersteller der Oberklasse.“ Abstecher nicht ausgeschlossen. Inspirieren lässt sich Bolz von Mitarbeitern, von Designern. Die früh verstorbene Elke Steinlein prägte das wohnliche Interieur. Größen wie Johann Tomforde und Manfred Lang vor allem das Exterieur.

Mit Lang hat Bolz schon für  Knaus ein Modell-Feuerwerk abgebrannt, es waren die goldenen Zeiten des Traveller. Auf die Phase von 1986 bis 1996 als Knaus-Vertriebsleiter schaut der Bürstner-Chef gern zurück, „das waren glückliche Jahre“. Die niederbayerische Sprache musste er verstehen lernen. Der Dreh: Zunächst wohnte Bolz in einem Gasthaus. Über die Wirtin ließ er am Stammtisch fragen, ob er sich dazusetzen dürfe - „die ersten 14 Tage habe ich kein Wort gesagt“.

Knaus blieb ein Intermezzo, Bolz ist Bürstner-Spross. In Kehl aufgewachsen, brach er aus gesundheitlichen Gründen eine Metzger-Lehre ab. Es folgte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Bei Bürstner begann Bolz mit 23 Jahren als Sachbearbeiter. Zehn Jahre später musste der erfolgreiche Vertriebschef Bolz gehen. Bürstner steckte im Wachstumswahn, Bolz Ziele waren zu defensiv. Dass Bürstner bald ins Schleudern geriet, während Knaus prosperierte, es wird Genugtuung bereitet haben.

Gern ließ sich Bolz zurückholen. Seit 16 Jahren ist er Geschäftsführer, eine rekordverdächtige Zeit. Sie neigt sich mit knapp 59 Lebensjahren ganz allmählich dem Ende zu. Was soll man denken, wenn er später ausscheidet? „Das war einer, mit dem konnte man, auch wenn er schwierig war“, so die offene Antwort. Bolz ist zu leidenschaftlich, als langsam kürzer zutreten. „Wir haben wieder einen Sechser in petto“, freut sich der ungeduldige Macher auf ein neues Projekt.

Heute sitzt er am Steuer eines Nexxo aus der Jubiläumsserie. Die Fahrt ist ruhig, Bolz nutzt die Durchzugskraft des neuen Ducato-Motors. Seine Wahl ist kein Zufall: „Ich werde einen Nexxo-Jubi kaufen“, sagt er mit schelmischem Lächeln. Zwar kommt ein Bürstner-Chef auch anders an Reisemobile, doch ihn stört das aufwendige Packen eines Reisemobils für den Wochenendausflug. Und der Nexxo: „Der Grundriss ist ideal, ich fühle mich als Fahrer im T gut aufgehoben, die Länge ist in Ordnung, er hat 3,5 Tonnen - was will man mehr?

"Wir tun was für die jungen Leute"

In seinem Wohnort fährt er am Sportplatz vorbei, zeigt die Bürstner-Werbung: „Wir verkaufen zwar kein Reisemobil zusätzlich, aber wir tun was für die jungen Leute.“ Er hat seine Herkunft aus kleinen Verhältnissen nicht vergessen: „Wer mit wenig auskommen muss, lernt Werte schätzen.“ Der Impulsive ist auch nachdenklich. Und bodenständig: „Ein Bürstner ist relativ komplett, zeitgemäß, hat Wiedererkennungswert.“ Auf dem Caravan-Salon kann man’s nachprüfen. Wer auf dem Bürstner-Stand an einem separaten Tisch auf einem Podest einen untersetzten Bartträger mit kurzem Moods-Zigarillo entdeckt, hat’s mit dem Chef zu tun. Ein Alpha-Tier. Aber: „Bürstner ist eine Teamleistung. Ich brauche Sparringspartner.“ Wie den verstorbenen Geschäftsführerkollegen Heinz-Werner Breuer. Nur mit einer Mannschaft wird man zur Marke Nummer eins, erst in Frankreich, jetzt in Deutschland und Europa.

Als Dienstauto fährt Klaus-Peter Bolz einen deftig motorisierten Audi A4, nicht den repräsentativeren A6: „Weil ich gerne A6 überhole, der A4 ist leichter, beweglicher.“ Da ist er wieder, der permanente Drang, schneller und besser zu sein.

Profi-Tipp für Unterwegs - von Klaus-Peter Bolz

Am Steuer seines Pkw ist Klaus-Peter Bolz sportlich unterwegs. Anders im Reisemobil: „Ich lasse mir Zeit und meide Autobahnen. Im Reisemobil mag ich nicht schnell fahren.“ Spätestens nach zwei Stunden ist die erste Kaffeepause fällig, „eine tolle Sache“. Auch größere Stopps sind einkalkuliert: „Wenn wir nach Venedig fahren, brauchen wir mindestens zweieinhalb Tage.“ Übernachtet wird spontan, das Ehepaar sucht sich ein Restaurant, kehrt ein, bleibt nach Absprache auf dem dazugehörigen Parkplatz. „Es gibt so viele Restaurants“, schwärmt Genießer Bolz. Dazu passen seine bevorzugten Reiseziele Frankreich und Italien. „Das hat was mit der Küche zu tun“, schmunzelt er, „man sieht’s mir an.“ Aber auch der Bayerische Wald mit Besuch bei Tochter, Schwiegersohn und Enkeln gehört zu den Lieblingszielen per Reisemobil. Den Haupturlaubsströmen folgt Bolz ungern: „Juli und August in Frankreich, das muss nicht sein.“

Autor

Foto

Beate Jeske

Datum

29. August 2011
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